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Jenny Friedemann (geborene Daniel) * 1868

Kurzer Kamp 6 Altenheim (Hamburg-Nord, Fuhlsbüttel)

1942 Theresienstadt
tot 06.12.1942 Theresienstadt

Weitere Stolpersteine in Kurzer Kamp 6 Altenheim:
Dr. Julius Adam, Johanna Hinda Appel, Sara Bromberger, Friederike Davidsohn, Margarethe Davidsohn, Gertrud Embden, Katharina Embden, Katharina Falk, Auguste Friedburg, Mary Halberstadt, Käthe Heckscher, Emily Heckscher, Betty Hirsch, Hanna Hirsch, Regina Hirschfeld, Clara Horneburg, Anita Horneburg, Emma Israel, Jenny Koopmann, Franziska Koopmann, Martha Kurzynski, Laura Levy, Chaile Charlotte Lippstadt, Isidor Mendelsohn, Balbine Meyer, Helene Adele Meyer, Ida Meyer, Ella Rosa Nauen, Celine Reincke, Friederike Rothenburg, Benny Salomon, Elsa Salomon, Martha Rosa Schlesinger, Louis Stiefel, Sophie Stiefel, Louise Strelitz, Eugenie Hanna Zimmermann

Jenny Friedemann, geb. Daniel, geb. am 21.2.1868 in Berlin, deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, dort umgekommen am 6.12.1942

Kurzer Kamp 6

Jennys Eltern, Emma, geb. Wiesenthal (geb. 26.1.1836), und David Daniel, hatten am 25. April 1862 in Sagan, Schlesien, der Geburtsstadt ihrer Mutter, geheiratet. Jennys Vater David Daniel (geb. 15.5.1827 in Bublitz, Pommern) war Kaufmann in Königsberg gewesen. Dort hatten auch seine Eltern, Jennys Großeltern, Wilhelmine, geb. Fromberg, und der Kaufmann Abraham Daniel, gelebt. Jennys älteste Schwester Clara war am 25. Januar 1863 noch in Königsberg geboren worden. Danach zog die Familie nach Berlin. Dort kamen Elisabeth am 13. Dezember 1866 und Jenny als Jüngste am 21. Februar 1868 zur Welt. Die drei Schwestern wuchsen in Berlin auf.

Jennys Schwester Clara heiratete dort am 21. März 1887 Ernst August Steinberg (geb. 16.12.1858 in Mackensen, Kreis Einbeck). Sie zog mit ihm nach Hamburg-St. Pauli. Dort führte ihr Ehemann ein Herrengarderoben-Magazin. Ihr erster Sohn Walther kam am 24. September 1891 zur Welt. Er wurde nur vier Monate alt.

Jennys Schwester Elisabeth ehelichte am 14. November 1890 in Berlin den aus Altona stammenden Jesaias Ascher (geb. 17.8.1862). Auch sie ging mit ihrem Ehemann nach Hamburg. Dort bekam sie mit ihm vier Kinder: Henny (geb. 13.11.1894), Hellmuth (geb. 1.3.1897), Gerda (geb. 2.3.1902) und Ernst Reinhold (geb. 16.7.1905).

Jenny Daniel war 23 Jahre alt, als sie ein Jahr nach ihrer Schwester am 3. September 1891 in Berlin-Mitte den 13 Jahre älteren "Banquier" und Witwer Alfred Friedemann heiratete. Alfred Friedemann (geb. 15.1.1855) stammte aus Altona. Mit seinen Eltern, Elise, geb. Israel, und Moritz Friedemann, war er nach Berlin gezogen.Seine damalige Ehefrau, die Bankierstochter Emilie Hamburger (geb. 10.2.1863 [im Sterberegister geb. 1865] in New York), war nach nur zehnmonatiger Ehe im Alter von 24 Jahren am 19. Februar 1889 in der Elsässer Straße 73, Berlin-Mitte, verstorben. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee beigesetzt, Grablage Feld L, Abt. I, Reihe 19, Nr. 8425.

Jennys Vater David Daniel verstarb am 3. Mai 1901 in der Wohnung Steinmetzstraße 58. Er war fast 74 Jahre alt und wurde vier Tage später auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt, Grablage Feld J, Abt. II, Reihe 18, Nr. 22362. Ihre Mutter Emma Daniel, geb. Wiesenthal, zog dann zu ihr und ihrem Ehemann in die Apostel-Paulus-Straße 22, Berlin-Schöneberg. Drei Jahre später verstarb sie dort am 26. Februar 1904 in der gemeinsamen Wohnung im Alter von 68 Jahren. Drei Tage danach wurde Emma Daniel, geb. Wiesenthal, auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee neben ihrem Ehemann beigesetzt, Grablage Feld J, Abt. II, Reihe 18, Nr. 22389. Im Jahr darauf verstarb am 26. April 1905 Jennys Schwiegermutter Elise Friedemann, geb. Israel (geb. 15.2.1827 in Elmshorn), in der Wohnung Arkonaplatz 5. Auch sie wurde vier Tage später auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt Grablage Feld S, Abt. II, Reihe 16, Nr. 28255. Im Jahr darauf verstarb am 22. Dezember 1906 auch ihr Schwiegervater Moritz Friedemann (geb. 26.4.1826) im Lazarus-Krankenhaus. Vier Tage später fand er seine letzte Ruhe in Weißensee, im Grab neben seiner Ehefrau, Grablage Feld S, Abt. II, Reihe 16, Nr. 31033.

Am 7. Juli 1905 konnte Jenny Friedemann das neu erbaute Mehrfamilienhaus in Berlin-Schöneberg, Heilbronner Straße 28, für 275.000,- Mark erwerben. Als Barzahlung fielen 25.000,- Mark an. In der Wohnung im 3. Stock lebte sie zusammen mit ihrem Ehemann Alfred Friedemann.

Alfred Friedemann arbeitete seit Ende Dezember 1916 als kaufmännischer Hilfsarbeiter in der Devisenabteilung der Bank für Handel und Industrie und anschließend in der Depositen-Kasse V. Krankheitsbedingt musste er diese Arbeit ein Jahr später aufgeben. Sie hatten bis dahin mit seinem Jahresgehalt von über 3.600,- Mark und den Mieten des Hauses gut leben können.

Jenny Friedemanns Schwager Ernst August Steinberg führte seit 1915 mit seinen Söhnen ein angesehenes Konfektionsgeschäft in Altona in der Gr. Bergstraße 115/119. Im Jahr darauf, am 9. Juni 1916, verstarb seine Ehefrau Clara, Jenny Friedemanns ältere Schwester, in Hamburg an einem Gehirnschlag. Sie war 73 Jahre alt und hinterließ ihre Kinder Margaretha Bianca Kaufmann, geb. Steinberg (geb. 1887), Hans Siegfried (geb. 1889), und Herbert (geb. 1897). Ihre Beisetzung fand drei Tage später auf dem Friedhof Ilandkoppel statt, Grablage B 9, Nr. 156.

Zu Adelheid Wolff (geb. 5.9.1865), die ebenfalls wie Jenny Friedemanns Mutter in Sagan geboren und eine geborene Wiesenthal war, bestand vermutlich ein verwandtschaftliches Verhältnis. Jenny Friedemanns Großmutter mütterlicherseits, Rosalie, geb. Lippmann-Cohn, und ihr Großvater, der Bankier Abraham Wiesenthal, hatten in Sagan gelebt. Adelheid, geb. Wiesenthal, war verehelicht mit dem Rechtsanwalt und Notar, Justizrat Bruno Wolff, der aus Krotoschin/Posen stammte und mit ihm in Charlottenburg lebte. Ihre Tochter Toni Joelsohn, geb. Wolff (geb. 12.7.1892 in Breslau), deren Ehemann Fritz Joelsohn und die beiden Kinder, Walter (geb. 1922) und Ursula (geb. 1924), lebten in der Motzstraße 86, Berlin-Schöneberg, ganz in der Nähe von Jenny Friedemann.

Am 31. Juli 1922 verkaufte Jenny Friedemann ihr Mehrfamilienhaus für 600.000,-Mark, 350.000,- Mark bekam sie in bar, davon fielen 250.000,- Mark auf die Hypotheken. Jenny Friedemann erklärte später in einer ihrer Rechtfertigungen: "Alles was wir besassen ging durch die Inflation dahin. Mein Mann verlor das Augenlicht und so quälten wir uns unter grössten Entbehrungen. Durch den Verkauf des Hauses am 31. Juli 1922 standen wir dann ganz mittellos da. Mein Mann konnte diesen Zustand nicht mehr lange ertragen. Am 26. Februar 1926, er war 71 Jahre alt, machte er seinem Leben durch Erschiessen ein gewaltsames Ende." Alfred Friedemann, "Privatier", war erschossen in der Wohnung Heilbronner Straße 28 aufgefunden worden. Drei Tage später fand die Beisetzung auf dem Jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee statt, Grablage Feld P, Abt. IV, Reihe 20, Nr. 70531. Es war die schwierige Zeit der Wirtschaftskrise.

Noch 1927 ist die Witwe Jenny Friedemann im Berliner Adressbuch aufgeführt. Ab 1928 ist sie in den Hamburger Adressbüchern verzeichnet. Sie war kinderlos und nach Hamburg gezogen, vermutlich weil ihre ebenfalls verwitwete Schwester Elisabeth Ascher dort wohnte. Deren Ehemann Jesaias Ascher war bereits am 16. Mai 1921 in Hamburg verstorben und die älteste Tochter Henny (geb. 13.11.1894), seit 1927 in Breslau verheiratet mit Julius Rottner (geb. 20.4.1866 in Kattowitz), lebte in Gleiwitz. Elisabeth Aschers Sohn Hellmuth heiratete 1929 in Hamburg Louise, geb. Pohler (geb. 1892 in Hamburg).

Jenny Friedemann hatte sich in Eppendorf in der Nissenstraße 13, 3. Stock, eine Wohnung gemietet und war dort 1932 auch telefonisch erreichbar, nicht allzuweit entfernt von ihrer Schwester im Loogestieg 10. In der Kultussteuerkartei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg ist sie seit 1934 aufgeführt. Sie zog um in den nahegelegenen Stadtteil Rotherbaum, in die Moorweidenstraße 15, 1. Stock.

Jenny Friedemanns Schwager Ernst August Steinberg, der Ehemann ihrer verstorbenen Schwester Clara, hatte den Grundbesitz mit seinem großen Geschäftshaus in der Bergstraße um 1920 von der Hochdeutschen Israeliten-Gemeinde Altona noch erwerben können. Unter den nun zunehmenden Boykotten der nationalsozialistischen Machthaber gegen jüdische Geschäfte hatte er wie auch seine gesamte Familie Steinberg stark zu leiden. Sein Sohn, Jenny Friedemanns Neffe Hans Siegfried Steinberg, verstarb am 23. Dezember 1936 im Alter von 47 Jahren an Magen-Darm-/Bauchspeicheldrüsenkrebs. Eigentlich hatte er wegen der zunehmenden Verfolgungen durch die Nationalsozialisten geplant, nach Palästina auszuwandern. Er wurde auf dem Friedhof Ilandkoppel beigesetzt, Grablage M 3, Nr. 104.

Das verschlechterte auch Jenny Friedemanns Lage dramatisch, denn Hans hatte seine Tante regelmäßig mit monatlich 25,- RM Beihilfe unterstützt, obwohl er nicht dazu verpflichtet gewesen wäre. Im Sommer erhielt sie noch die Gelegenheit, sich bei einer Kur im Jüdischen Kurhospital Bad Warmbrunn im Riesengebirge zu erholen, vom 2. bis zum 29. August 1937. Sie bat bei der Wohlfahrtsstelle um Weitergewährung der Unterstützung von wöchentlich 7,- RM. Jenny Friedemann wurde die Wohnung in der Moorweidenstraße aus dem "Treudankhaus" gekündigt, weil sie Jüdin war. Die Gesellschaft soll für sie ihre neue Unterkunft in Volksdorf gefunden haben.

Am 19. Oktober 1937 wurde Jenny Friedemann in das Stiftshaus "Olen Dage" im Saseler Weg 9, das dem "Mietehülfsverein von 1861" angehörte, aufgenommen. Protokolle darüber sind nicht erhalten geblieben. Ihre "alten Tage" in Ruhe zu verbringen, war ihr jedoch nicht vergönnt. Die Wohlfahrtsstelle XIII in Berlin-Schöneberg zahlte ihr mit dem Umzug keine Unterstützung mehr. Es ging ihr nicht gut; am 8. Dezember 1937 beschrieb sie dem Fürsorgeverband Geest und Marschlande in Hamburg, Hopfensack 19, ihre Situation:
"Meine Rente ist auf 7 Mk. wöchentlich heruntergesetzt und da ich unmöglich damit auskommen kann, bitte ich um Erhöhung derselben. Ich werde am 21. Feb. 38 70 Jahre alt und bin krank. Vor allen Dingen bin ich taub u. in Folge von Arterieverkalkung sehr herzleidend. Ich fiel vor einigen Monaten eine Treppe von 13 Stufen bewusstlos herunter. Auskunft wird Herr Dr. Kirchner Hamburg Curiohaus geben […]
Laufende Ausgaben elektr. Strom 500
Wäschewaschen, ich kann sie nicht mehr selbst waschen 300
Für mein Gehör zwei Batterien zu einem elektrischen Apparat (60) 120
9.20 RM
Hier im Haus ist kein Gas und keine Ofen u. der Winter steht vor der Tür. Wovon soll nun Schuhwerk u. auch mal Kleidung bezahlt werden u. der Winter steht vor der Tür? Ich bitte höflichst um Berücksichtigung meines Gesuches. Hochachtungsvoll Frau Jenny Friedemann Hamburg-Volksdorf Saselerweg 9.
In Volksdorf ist alles teurer wie in Hamburg."

Am 14. Dezember 1937 protokollierte die Fürsorgerin: "Bei meinem Hausbesuch hatte ich den Eindruck, daß die Frau buchstäblich hungert. Sie hatte z. Zt. nicht ein Stückchen Brot im Hause. […] Jetzt hat ein entfernter Verwandter vorläufig zur Miete beigetragen. Derselbe soll Kriegsgeschädigter sein und ebenfalls an einem Krebsleiden schwer krank sein." Daraufhin wurde die Unterstützung der Wohlfahrt auf 9,- RM wöchentlich angehoben. Im Mai 1938 stellte Jenny Friedemann einen Antrag auf Gewährung einer Kleinrentnerhilfe, der abgelehnt wurde, da das Gesetz (mittlerweile) nicht mehr für Jüdinnen und Juden galt.

Jenny Friedemann litt unter Arteriosklerose, war stark hörgeschädigt und auf ein batterieverstärktes Hörrohr angewiesen. Am 4. Oktober 1938 wurde sie in das Krankenhaus Barmbek eingeliefert, Dr. Ledermann stellte die Diagnose "Angina pectoris aterioscl." Zehn Tage später erging von Stationsarzt Engels ein Schreiben an die Bezirksverwaltung Volksdorf mit der Eingabe über eine weitere Zahlungsverpflichtung bis etwa zum 5. November 1938, da "Pat. ist bettlägerig, hat heftige Schmerzen i.d. Beinen". Als Bezugsperson wurde ihre Nichte "Frau Gottscheiner" (richtig: Gochsheimer) in der Ludolfstraße 8 angegeben. (Gerda Gochsheimer, geb. Ascher, die Tochter ihrer verstorbenen Schwester Elisabeth, war seit 1938 mit Erwin Salomon Gochsheimer verheiratet.)

Am 14. April 1939 verstarb Jennys Schwester Elisabeth Ascher, geb. Daniel, im Alter von 72 Jahren. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel bei ihrem Ehemann beigesetzt, Grablage B 9, Nr. 311, neben Nr. 310. In Hamburg hatte sie fünf Monate zuvor ihren Sohn Hellmuth Ascher mit seiner Ehefrau Louise verabschieden müssen; sie flüchteten nach der Pogromnacht am 16. November 1938 mit dem Schiff "Manhattan" nach New York.

Auch die Kinder und Schwiegertochter der verstorbenen Schwester Clara Steinberg konnten ins Ausland entkommen. Ihr Sohn Herbert Steinberg hatte mit seiner Ehefrau Lucie und den beiden elf und neun Jahre alten Töchtern Helga und Vera nach der "Arisierung" des elterlichen Geschäftes in Altona an Max Böge und seiner Inhaftierung am 10. November 1938 die Heimat verlassen. Er war freigekommen, weil er seine Bemühungen um eine Emigration nachweisen konnte. Am 31. März 1939 trat er mittellos, nur mit dem pro Person erlaubten Geldbetrag von 10,- RM ausgestattet, mit seiner Familie die Reise nach Brasilien an; seinen 80-jährigen Vater musste er alleine zurücklassen. Auch ihre seit 1928 verwitwete Tochter Margaretha Bianca Kaufmann, geb. Steinberg, war aus Stuttgart mit ihrem Sohn Karl Ernst (geb. 1919) ins Ausland, vermutlich nach England bzw. die USA, entkommen. Die verwitwete Ehefrau ihres verstorbenen Sohnes Hans Siegfried Steinberg, Hertha Paula, entkam mit ihren Söhnen Ernst und Martin über Neapel in die USA.

Nachdem Jüdinnen und Juden durch die antijüdischen Gesetze der nationalsozialistischen Machthaber vom Mai 1939 auch den Mieterschutz verloren hatten, musste Jenny Friedemann ihr Stift in Volksdorf verlassen. Am 23. Oktober 1939 kam sie in das inzwischen zum "Judenhaus" bestimmte Mendelson-Israel-Stift in die Wohnung Nr. 17. Zusammen mit ihr wurde aus dem Stiftshaus "Olen Dage" auch die Jüdin Katharina Falk dorthin verwiesen.

Im Jahr darauf, am 30. Dezember 1940, verstarb Jenny Friedemanns Schwager Ernst August Steinberg. Auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel wurde er neben dem Grab seiner Ehefrau beigesetzt, Grablage B 9, Nr. 157. Er hatte Jenny Friedemann in seinem Testament mit einem Vermächtnis von 600,- RM bedacht. Für das restliche Vermögen hatte er seine nichtjüdische langjährige Haushälterin "Frl." Anna Justin (geb. 8.4.1887 in Malchin) als Alleinerbin eingesetzt.

Ab 1941 war Jenny Friedemann auf die Unterstützung der Jüdischen Wohlfahrt angewiesen. Im April 1942 begegnete sie im Mendelson-Israel-Stift der ebenfalls eingewiesenen Hanna Hirsch, die wie sie 1928 in der Nissenstraße 13 gewohnt hatte. Am 19. Juli 1942 wurde Jenny Friedemann mit den 22 anderen Betroffenen des Mendelson-Israel-Stifts nach Theresienstadt deportiert. Zuvor hatte sie einen "Heimeinkaufsvertrag" mit einer Zahlung von 940,- RM abschließen müssen. Dieser Vertrag sollte ihr angeblich Unterkunft und Verpflegung in Theresienstadt sichern.

Nach nicht einmal drei Monaten im Getto verstarb Jenny Friedemann am 6. Dezember 1942 um 17:40 Uhr. In der Todesfallanzeige Theresienstadts wurde als Todesursache "Darmkatarrh" vermerkt. Jenny Friedemann verstarb an den unmenschlichen Bedingungen, an Entkräftung, Hunger und Kälte in Theresienstadt. Zwei Tage später, am Nachmittag, wurde sie beigesetzt. Jenny Friedemann war 74 Jahre alt.

Ihre mutmaßliche Verwandte Adelheid Wolff, geb. Wiesenthal, die um die gleiche Zeit von Berlin aus nach Theresienstadt deportiert worden war, verstarb dort am 30. März 1944 mit 78 Jahren. Deren Tochter Toni Joelsohn, geb. Wolff, und die Enkelin Ursula Joelsohn waren am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden, wie auch fünf Monate später, am 31. Juli 1943, ihr in Theresienstadt untergebrachter geschiedener Ehemann Fritz Joelsohn. Stolpersteine erinnern an sie in der Else-Lasker-Schüler-Straße 15 (früher Motzstraße 86) in Berlin-Schöneberg.

Jenny Friedemanns Nichte Henny Rottner, geb. Ascher, war mit ihrem Ehemann Julius Rottner am 23. Juni 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet worden. Bereits vor ihnen am 28. Mai 1942 hatten deren in Gleiwitz geborene Töchter Ursula Ingrid (geb. 9.7.1928) und Lydia Ingrid (geb. 28.2.1931) diesen Leidensweg gehen müssen.

Auch die jüngste Nichte, Gerda Gochsheimer, geb. Ascher, von der sie bis zum Schluss noch unterstützt worden war, wurde, ebenso wie ihr Ehemann Erwin Salomon Gochsheimer (geb. 13.2.1893 in Hamburg) und dessen Bruder Hans (geb. 25.1.1894 in Hamburg), Opfer der Shoah. Zusammen wurde das Ehepaar am 25. Oktober 1941 nach Lodz/Litzmannstadt deportiert und ermordet. Für Gerda ist in der Krankenhausliste Lodz die Wohnadresse 27. Straße, Nr. 5, und als Todesdatum der 4. März 1942, Todesursache "Gehirnschlag", angegeben. Sie war 40 Jahre alt. Stolpersteine erinnern an sie in der Rothenbaumchaussee 30.

Jenny Friedemanns Neffe Hellmuth Ascher verstarb nach seiner Emigration am 24. Januar 1948 in Detroit, Wayne, Michigan, USA, im Alter von 51 Jahren, seine Ehefrau ein Jahr später, am 15. März 1949, mit 56 Jahren.

Jenny Friedemanns Neffe Herbert Steinberg verstarb am 25. November 1963 im Exil in Sao Paulo im Alter von 66 Jahren, seine Ehefrau Lucie am 15. September 1977 im Alter von 75 Jahren. Deren beide Töchter wuchsen in Brasilien auf, Helga fand dort ihren Ehemann mit dem Familiennamen Sonnenthal.

Stand: Januar 2023
© Margot Löhr

Quellen: 1; 3; 4; 5; 7; 8; StaH, 113-6 Staatsverwaltung, 565 Hellmuth Ascher; StaH, 314-15 Oberfinanzpräsident, R 1938/2141 Steinberg, Ernst u. Herbert, FVg 4100 Herbert Steinberg; StaH, 332-5 Standesämter, Geburtsregister, 2159 u. 6000/1887 Margaretha Steinberg, 2200 u. 2748/1889 Hans Steinberg, 2259 u. 3960/1891, 2348 u. 4100/1894 Henny Ascher, 2428 u. 860/1897 Hellmuth Ascher, 2429 u. 1197/1897 Herbert Steinberg; StaH, 332-5 Standesämter, Heiratsregister, 8534 u. 304/1888 Alfred Friedemann u. Emilie Hamburger, 3113 u. 340/1908 Eugen Kaufmann u. Margaretha Steinberg, 13233 u. 341/1929 Hellmuth Ascher u. Louise Pohler; StaH, 332-5 Standesämter, Sterberegister, 320 u. 282/1892 Walther Steinberg, 8037 u. 509/1916 Clara Steinberg, 8064 u. 267/1921 Jesaias Ascher, Walther Steinberg, 1053 u. 491/1936 Hans Steinberg, 7224 u. 530/1939 Elisabeth Ascher, 8170 u. 1/1940 Ernst August Steinberg; StaH, 351-10 I Sozialbehörde. A K 22.23 Bd. 2 Mietehülfsverein v. 1861; StaH, 351-11 Amt für Wiedergutmachung, 20346 Herbert Steinberg, 26427 Kurt Steinberg, 26480 Lucie Steinberg; StaH, 351-14 Jüdische Fürsorgeempfänger, 1152 Jenny Friedemann; StaH, 352-5 Gesundheitsbehörde, Todesbescheinigungen, 1936 Sta 2a Nr. 491 Hans Steinberg, 1940 Sta 2b Nr. 1 Ernst August Steinberg; StaH, 522-1 Jüdische Gemeinden, Abl. 1993/1 A 10; StaH, 741-4 "Hamburger Anzeiger" 10.7.1941, "80 Jahre Mietehülfsverein"; LaB, P Rep. 500 Heiratsregister, Nr. 179/1887 Ernst August Steinberg u. Clara Daniel; LaB, P Rep. 801 Heiratsregister, Nr. 667/1890 Jesaias Ascher u. Elisabeth Ascher; LaB, P Rep. 801 Heiratsregister, Nr. 422/1891 Alfred Friedemann u. Jenny Friedemann; LaB, P Rep. 806 Sterberegister, Nr. 2248/1889 Emilie Friedemann; LaB, P Rep. 804 Nr. 75, Sterberegister, Nr. 559/1901 David Daniel; LaB, P Rep. 160 Nr. 191, Sterberegister, Nr. 248/1904 Emma Daniel; LaB, P Rep. 808 Nr. 718, Sterberegister, Nr. 440/1905 Elise Friedemann; LaB, P Rep. 809 Nr. 272, Sterberegister, Nr. 2050/1906 Moritz Friedemann; LaB, P Rep. 161 Nr. 40, Sterberegister, Nr. 164/1926 Alfred Friedemann; Datenbankprojekt des Eduard-Duckesz-Fellow und der Hamburger Gesellschaft für jüdische Genealogie, Ohlsdorf 1915–1921, 1931–1939, B 9-156,157, B 9-310,311, M 3-104, http://jüdischer-friedhof-altona.de/datenbank.html, eingesehen am: 22.2.2022; Auskünfte Marion Berg, LaB; Institut Theresienstädter Initiative, Nationalarchiv Prag, Jüdische Matrikeln, Todesfallanzeigen, 359724 Friedemann, Jenny; Berliner Adressbücher 1868–1934; Hamburger Adressbücher 1926–1943; Auskünfte Barbara Welker, Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Archiv, Friedhof Beisetzungsregister Weißensee Berlin, Grablagen, Emma Daniel, Feld J, Abt. II, Reihe 18, Nr. 26389 u. David Daniel, Feld J, Abt. II, Reihe 18, Nr. 22362 u. Friedemann, Elise geb. Israel, Feld S, Abt. II, Reihe 16, Nr. 28255 u. Friedemann, Moritz, Feld S, Abt. II, Reihe 16, Nr. 31033 u. Alfred Friedemann, Feld P, Abt. IV, Reihe 20, Nr. 70531; Heiko Morisse: Jüdische Rechtsanwälte in Hamburg. Ausgrenzung und Verfolgung im NS-Staat, Bd. 1: Rechtsanwälte, hrsg. vom Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Göttingen 2003, S. 153 (Richard Robinow); Heirat 25.4.1862 Sagan, David Daniel und Emma Wiesenthal, https://jewsineastprussia.de/wp-content/uploads/2018/11/Marriage_Koenigsberg_1856-1864.pdf, eingesehen am: 27.3.2022.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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