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Bereits verlegte Stolpersteine



Mathilde Laski (geborene Kallmess) * 1888

Woldsenweg 13 (Hamburg-Nord, Eppendorf)

1941 Lodz
ermordet am 12.7.1942 in Lodz

Weitere Stolpersteine in Woldsenweg 13:
Juliane Appel, Henriette Cohen, Siegmund Goldschmidt

Mathilde Laski, geb. 16.11.1888 in Hamburg-Wandsbek, am 25.10.1941 nach Lodz deportiert, dort ermordet am 12.7.1942

Woldsenweg 13

Mathilde Laski, geborene Kallmess, war die Tochter von Julius und Cäcilie Kallmess, geborene Wolffsohn. Am 19. April 1912 heiratete sie Johann Walter Laski, den Alleininhaber der Haus- und Assekuranzmaklerfirma Harry Laski & Sohn am Jungfernstieg 24. Eine Filiale der 1874 gegründeten Firma Harry Laski befand sich in der Kleinen Johannisstraße 9. Ab 1935 wurde die Firma als Firma Harry Laski & Sohn neu registriert.

Mathilde und Walter Laski bekamen die Kinder Elfriede, Annemarie und Arnold.

Annemarie Laski wurde am 10. Februar 1913 geboren, Arnold Laski am 9. Juli 1915. Über die Tochter Elfriede ist aus den Kultussteuerkarten der Jüdischen Gemeinde zu entnehmen, dass sie bereits mit 17 Jahren starb. Mathilde Laski blieb Hausfrau und Mutter. Die Familie wechselte innerhalb Hamburgs mehrfach die Wohnung. So lebte sie zuerst in der Maria-Louisen-Straße, zog dann in den Klosterstieg 14 um und wohnte anschließend im Woldsenweg 13 bei Henriette Cohen (s. dort).

1938 wurde von der Hitlerregierung verfügt, dass jüdische Bürgerinnen und Bürger auch den Beruf des Haus- und Assekuranzmaklers nicht mehr ausüben durften. Walter Laski sah sich am 4. November 1938 gezwungen, seine Firma aus dem Handelsregister löschen zu lassen, um zu "verhindern, dass die Nationalsozialisten eines ihrer Parteimitglieder als Inhaber der alten Firma zwangsweise einsetzten, um es in die Lage zu setzen, unter dem Namen der alten Firma und mit deren Kundschaft Geschäfte zu tätigen", so der Originalton Walter Laskis aus einem selbstverfassten Lebenslauf, den seine Tochter beim Amt für Wiedergutmachung einreichte.

Am 31. Juli 1938 wurde Walter Laski wegen "Rassenschande" verhaftet und ins Polizeigefängnis Fuhlsbüttel gebracht, wo er unter Folter und Drangsalierung zu leiden hatte. Ein höherer Gestapobeamter sagte ihm dort: "Wenn wir Dir keine Rassenschande oder Devisenverschiebung nachweisen können, schicken wir Dich in ein Konzentrations­lager." Aus Angst beging Walter Laski einen Selbsttötungsversuch in seiner Zelle, indem er versuchte, sich die Pulsadern aufzuschneiden. Der Akte des Amtes für Wiedergutmachung liegt ein Beweisfoto bei, das die vernarbten Handgelenke Walter Laskis zeigt. Walter Laski schwebte damals in Lebensgefahr und wurde in ein Lazarett gebracht. Der dortige Arzt konnte sein Leben retten, da sich ein Mithäftling zu einer Bluttransfusion bereit erklärt hatte. Noch immer sterbenskrank und schwach, wurde Walter Laski mit der Aussage einer seiner Kontoristinnen konfrontiert, die behauptete, er habe im Dezember 1939 zweimal mit ihr "Rassenschande" begangen.

Aus Angst vor dem Konzentrationslager und wegen noch immer bestehender Schwäche gab er diese Anschuldigungen zu. Aus der Anklageschrift ging hervor, dass die Klägerin und ihr Lebenspartner beide vorbestraft waren. Walter Laski erhielt eine zweijährige Gefängnisstrafe, zu verbüßen im Gefängnis Fuhlsbüttel.

Der Gefängnisdirektor stellte Walter Laski in Aussicht, schon bald begnadigt zu werden, wenn er die Möglichkeit einer umgehenden Auswanderung aus Deutschland habe.

Im April 1940 wurde Walter Laski mit der Auflage vorzeitig aus der Haft entlassen, Deutschland innerhalb von drei Tagen zu verlassen.

Mathilde Laski war 1940 schon seit Jahren so schwer nervenleidend, dass sie entmündigt mit einer Krankenschwester zusammenleben musste. Bereits im März 1939 war ihr Haushalt aufgelöst worden, da sie infolge "geistiger Gebrechlichkeit", so die Akte des Wiedergutmachungsamtes, nicht mehr in der Lage war, ihn allein zu führen. Durch Beschluss des Amts­gerichtes, Abt. 112, und mit Zustimmung der Hanseatischen Rechtsanwaltskammer erhielt Mathilde Laski einen Vormund, den Rechtsanwalt Herbert Samuel, Neuer Wall 26/32, dem von diesem Zeitpunkt an die Regelung ihrer vermögensrechtlichen Angelegenheiten oblag. Das Vormundschaftsgericht musste allen finanziellen Ausgaben Herbert Samuels für seinen Pflegling zustimmen. Eine "Sicherungsanordnung" gegen Mathilde Laski erging nicht. Aber auch eine Auswanderung kam für sie kaum in Frage. Seit dem 15. September 1941 hatte sie den "Judenstern" zu tragen.

Walter Laski beschloss, über Genua mit dem Dampfer "Conte Verde" nach Schanghai auszuwandern. Die nötigen Gelder versuchte sein Versicherungsmakler und bevollmächtigter Vertreter Albert Kruse vom Oberfinanzpräsidenten Hamburg aus dem Sperrkonto Walter Laskis, dessen einst ansehnliches Vermögen durch die Zwangsabgaben für jüdische Bür­ge­rinnen und Bürger schon sehr geschmälert war, zu bekommen.

Der Oberfinanzpräsident gestattete ihm nur marginale Freibeträge, sodass schließlich ein Verwandter Walter Laskis aus dem Ausland einspringen musste. Albert Kruse begleitete Walter Laski noch bis zur italienischen Grenze.

In Schanghai lebte Walter Laski von kleinen Geschäften und Anstellungen, bis die Japaner die Stadt besetzten: "Wie alle in Shanghai lebenden deutsch-jüdischen Emigranten wurde ich von den Japanern auf Veranlassung der dort lebenden deutschen Nationalsozialisten später in den Bezirk Honkew (Getto) interniert, in dem ich vom 18. Mai bis 15. August 1945 unter primitivsten Verhältnissen lebte."

Ende 1946 gelang ihm die Weiterauswanderung in die USA, nach Los Angeles. Mithilfe seiner dort lebenden Tochter Annemarie konnte er sich eine bescheidene Existenz aufbauen. Sohn Arnold war nach Argentinien ausgewandert, wo er heiratete und bereits nach einigen Jahren starb.

Mathilde Laski wurde zusammen mit ihrer Krankenpflegerin am 25. Oktober 1941 in das Getto Lodz deportiert, wo beide ermordet wurden.

© Claudia García

Quellen: 1; 2; 5; 8; StaH 314-15 OFP, R 1939/2132; StaH 314-15 OFP, Fvg 8045 Walter Laski; StaH 351-11 AfW 5955; StaH 522-1 Jüd. Gemeinden, 992e2 Band1.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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