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Bereits verlegte Stolpersteine



Ludwig Wellhausen, ca. 1935
© Privatbesitz

Ludwig Wellhausen * 1884

Kurt-Schumacher-Allee 10 (Gewerkschaftshaus) (Hamburg-Mitte, St. Georg)


HIER ARBEITETE
LUDWIG WELLHAUSEN
JG. 1884
VERHAFTET 1939
’LANDESVERRAT’
ZUCHTHAUS MAGDEBURG
1939 SACHSENHAUSEN
ERMORDET 4.1.1940

Weitere Stolpersteine in Kurt-Schumacher-Allee 10 (Gewerkschaftshaus):
Wilhelm Bock

Ludwig Wellhausen

3. Oktober 1884 – 4. Januar 1940

Die Historikerin Beatrix Herlemann ("Wir sind geblieben, was immer wir waren, Sozialdemokraten". Das Widerstandsverhalten der SPD im Parteibezirk Magdeburg-Anhalt gegen den Nationalsozialismus, 2001) ist der Ansicht, dass die Gruppierung, der Ludwig Wellhausen angehörte, eine der erfolgreichsten SPD-Widerstandsorganisationen im Deutschen Reich war.

In der Nähe seiner Geburtsstadt Hannover, in Leinhausen, hat Ludwig Wellhausen als Maschinenbauer in einer Eisenbahnwerkstätte gelernt. Er fuhr von 1902 bis 1911 als Maschinistenassistent und später als patentierter Seemaschinist auf Handelsschiffen zur See. Bis 1914 arbeitete er als Maschinenmeister in einem Elektrizitätswerk in Hamburg. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Maschinenmeister eingesetzt. 1919 fand er im Hamburger Hafen als Werkmeister bei der Norderwerft Anstellung, bei der er wahrscheinlich Mitglied oder Vorsitzender des Betriebsrates war. Ludwig Wellhausen war bis vermutlich 1924 Leiter der Hamburger Organisation des freigewerkschaftlichen "Werkmeisterverbands".

Von 1926 bis 1932 war er Parteisekretär der Hamburger SPD. Erwähnenswert, neben dem umfassenden alltäglichen Tätigkeitsbereich, ist die Organisation der großen Massendemonstrationen von 1931 bis 1933.

Ab Januar 1933 bis zum Verbot, Juni 1933, war Ludwig Wellhausen Bezirkssekretär der Magdeburger SPD.
Schließlich fand er von 1934 bis 1938 Arbeit bei der Maschinenfabrik Buckau, R. Wolf, in Magdeburg als Monteur und Reparatur-Schlosser.

Mit den Mitgliedern der SPD-Bezirksleitung Magdeburg-Anhalt, Werner Bruschke, zuständig für Finanzen, Bildung und Kommunales, und Ernst Lehmann, zuständig für die Jugend, stimmte er darin überein, dass die Nationalsozialisten eine große Gefahr für die Demokratie darstellten. Eine zügige Vorbereitung der Partei auf die Arbeit im Untergrund erschien ihnen deshalb dringend notwendig.
Auf einer Sitzung in Berlin wurde Ludwig Wellhausen, einen Tag vor dem SPD-Verbot am 22.6.1933, in den Vorstands-Beirat sowie in ein Gremium von fünf "Vormännern", eine Art illegaler SPD-Leitung, gewählt. Sie sollte im Falle der Verhaftung des amtierenden Vorstandes die Arbeit im Reich leiten.

In den sechs Jahren seit dem Machtantritt der Nationalsozialisten bis 1939 haben Ludwig Wellhausen, Werner Bruschke und Ernst Lehmann ein weit gespanntes Informationsnetz unterhalten, das sich in ihrem einstigen Parteibezirk Magdeburg-Anhalt von der Altmark bis zum Vorharz erstreckte mit etwa fünfzig Orten wie Stendal, Burg, Dessau, Köthen, Staßfurt, Halberstadt, Aschersleben, Wernigerode und Thale. Vor allem war ihnen die programmatische Diskussion wichtig. Die meisten SPD-Mitglieder hatten großen Informationsbedarf, den sie selbstverständlich nicht aus der gleichgeschalteten Presse befriedigen konnten.
Am 12. Januar 1939 wurde Ludwig Wellhausen im Vorfeld einer massiven Verhaftungswelle, die vor allem Sozialdemokraten betraf, gemeinsam mit weiteren 19 GenossInnen aus Magdeburg und Umgebung verhaftet und sofort schwer misshandelt.

Bis zum 9. August 1939 war er Häftling im Polizeigefängnis Magdeburg, obwohl bereits im April 1939 vom Untersuchungsrichter die Ausstellung eines Haftbefehls untersagt wurde. An dem Tag wurde er ohne Gerichtsverfahren wegen des "Verdachtes auf Hochverrat" ins KZ Sachsenhausen gebracht. Ludwig Wellhausen starb am 4. Januar 1940.



Stand: Juni 2020
© Enkelin Beate Blanke, geb. Wellhausen

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