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Siegmund Josephi * 1908

Großneumarkt 56 (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
SIEGMUND JOSEPHI
JG. 1908
DEPORTIERT 1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET 21.12.1944
DACHAU

Weitere Stolpersteine in Großneumarkt 56:
Sella Cohen, Bertha Cohen, A(h)ron Albert Cohn, Thekla Daltrop, David Elias, Theresia Elias, Louisa(e) Elias, Camilla Fuchs, Robert Martin Levy, Hertha Liebermann, Fritz Mainzer, Siegfried Neumann, Fanny Neumann, Lieselotte Neumann, Mirjam Neumann, Max Leo Neumann, Therese Neumann, Bela Neumann, Josef Polack, Bertha Polack, Eva Samuel, Rosa Weinberg, Siegfried Weinberg

Siegmund Josephi, geb. am 22.6.1908 in Hamburg, deportiert am 9.6.1943 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 29.9.1944 nach Auschwitz, Todesdatum 21.12.1944 im KZ Dachau, Außenlager Kaufering

Großneumarkt 56

Die Eltern von Siegmund Josephi hatten am 22. Juni 1907 in der Geburtsstadt der Mutter, in Obersitzko in Posen (heute Obrzycko/Polen), geheiratet. Auf den Tag genau zwölf Monate später war Siegmund in Hamburg geboren worden.

Seine Eltern Moritz Josephi (geb. 22.4.1876) und Hedwig, geb. Leiserowitz (geb. 29.12.1881), hatten ihren Sohn nach dem verstorbenen Hamburger Großvater väterlicherseits benannt.

Siegmund wuchs in der Gegend des Großneumarktes auf; zunächst in der Elbstraße 45 (heute Neanderstraße), dann in der Schlachterstraße 32/33, bis die Familie im Jahre 1914 schließlich eine Freiwohnung im jüdischen Hertz-Joseph-Levy-Stift am Großneumarkt 56 erhielt. In unmittelbarer Nähe, in der Schlachterstraße 46/47, wohnte Siegmunds verwitwete Großmutter aus Obersitzko, Amalie Leiserowitz, geb. Abraham (geb. 22.5.1948, gest. 27.12.1929), bei ihrem Sohn Bernhard und Schwiegertochter Gertrud Leiserowitz (s. dort). Sie war ihren Kindern nach Hamburg gefolgt.

Siegmunds Vater Moritz Josephi arbeitete als Kontorist (Buchhalter), seit Anfang der 1920er Jahre als Registraturbeamter beim Tschechoslowakischen Bankverein, Zweigniederlassung Hamburg, dann bis 1929 wieder als Kontorist der Firma Nebel & Sander, die in Hamburg mehrere Geschäfte für Leinen und Baumwollwaren betrieb. Beide Stellen verlor er wegen "Personalabbaus" infolge der Weltwirtschaftskrise. Eine Aushilfstätigkeit beim Finanzamt St. Pauli-Eimsbüttel musste er wegen einer Erkrankung im März 1931 aufgeben.

Siegmunds Mutter Hedwig arbeitete viele Jahre als Saison- und Aushilfsverkäuferin in der Firma Radeberger Hutfabrik-Lager, Große Bleichen 59, und zwischenzeitlich mit Unterbrechungen im Putzgeschäft von Hermann Hammerschlag, Neuer Wall 52. Die finanzielle Lage der Familie wurde zunehmend schwieriger, als auch Siegmund, der nach seiner Schulzeit eine kaufmännische Ausbildung erhalten hatte und als Angestellter in der Rohtabakbranche tätig war, zu Beginn der 1930-er Jahre arbeitslos wurde. Familie Josephi musste Fürsorgeleistungen in Anspruch nehmen.

Nach einer nicht näher beschriebenen Aushilfstätigkeit in der Jüdischen Gemeinde fand Siegmund dann von April 1936 bis Oktober 1938 im Textilunternehmen der Firma Rappolt & Söhne in der Mönckebergstraße 11 (s. Franz Rappolt) Arbeit. Während des Pogroms am 9./10. November 1938 wurde Siegmund Josephi, wie viele jüdische Männer, verhaftet. Am 15. Dezember 1938 wurde er aus dem KZ Sachsenhausen entlassen.

Am 30. April 1939 trat das "Reichsgesetz über die Mietverhältnisse mit Juden" in Kraft, die freie Wohnungswahl entfiel und der gesetzliche Mietschutz für Juden wurde aufgehoben. Das Hertz-Joseph-Levy-Stift, wo die Jüdische Gemeinde Betroffene einquartierte, wurde eines der sogenannten Judenhäuser.

Familie Josephi konnte zunächst in ihrer Wohnung im ehemaligen Hertz-Joseph-Levy-Stift bleiben. Am 31. Juli 1942 wurde ihr jedoch gekündigt. "Auf Anordnung der Aufsichtsbehörde ist mit größtmöglicher Beschleunigung das Haus, in dem Sie wohnen von jüdischen Bewohnern frei zu machen", hieß es. Familie Josephi bezog Quartier im "Judenhaus" Beneckestraße 2.

Am 26. April 1943 starb Hedwig Josephi im Alter von 61 Jahren an einer Hirnembolie. Sie fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel in Ohlsdorf. Nur wenig später erhielten Siegmund und Moritz Josephi den sogenannten Evakuierungsbefehl. Am 9. Juni 1943 wurden sie ins Getto nach Theresienstadt deportiert. Dort wurden Vater und Sohn am 29. September 1944 voneinander getrennt. Siegmund kam mit einem Transport nach Auschwitz-Birkenau, wurde als arbeitsfähiger Häftling "selektiert" und am 10. Oktober 1944 schließlich in das KZ Dachau, und von dort in eines der Außenlager Kaufering gebracht, wo die Häftlinge unter mörderischen Lebensbedingungen unterirdische Bunker für die Rüstungsproduktion errichten sollten. Siegmund Josephi kam am 21. Dezember 1944 in Kaufering ums Leben.

Moritz Josephi überlebte im Getto Theresienstadt. Am 9. Mai 1945 wurde er von der Roten Armee befreit. Er kehrte fast erblindet nach Hamburg zurück und starb am 1. November 1946.

Stand: Juli 2018
© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 9; StaH 332-5 Standesämter 8185 u 248/1943; StaH 332-5 Standesämter 8658 u 29/1908; StaH 332-5 Standesämter 8202 u 978/1946; StaH 332-5 Standesämter 8185 u 248/1943; StaH 351-11 AfW 2994 (Josephi, Moritz); StaH 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge 1346 (Josephi, Moritz); StaH: 522-1 Jüdische Gemeinden 391; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 5; Auskunft von Albert Knoll aus dem Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau, E-Mail vom 11.5.2016; Auskunft von Monika Liebscher aus dem Archiv Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, E-Mail vom 3.6.2016; http://stevemorse.org/dachau/details.php?lastname=JOSEPHI&firstname=Siegmund&title=&birthday=22&birthmonth=Jun&birthyear=1908&
birthplace=Hamburg&from=Auschwitz&town=Hamburg&street=Bonechostr.%202&number=115723&DateOfArrival=10%20Oct%201944%20Ausch.&disposition=gest.%2021%20Dec%201944&comments=Check%20G&category=Sch.%20DR.%20J.&ID=149494&page=2.495/Ky.&disc=3&image=688 (Zugriff am 15.11.2014).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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