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Bereits verlegte Stolpersteine



Fritz Mainzer * 1907

Großneumarkt 56 (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
FRITZ MAINZER
JG. 1907
VERHAFTET 1938
SACHSENHAUSEN
1939 ZUCHTHAUS FUHLSBÜTTEL
1939 ZUCHTHAUS
BREMEN-OSLEBSHAUSEN
ERMORDET 18.2.1943 IN
AUSCHWITZ

Weitere Stolpersteine in Großneumarkt 56:
Sella Cohen, Bertha Cohen, A(h)ron Albert Cohn, Thekla Daltrop, David Elias, Theresia Elias, Louisa(e) Elias, Camilla Fuchs, Siegmund Josephi, Robert Martin Levy, Hertha Liebermann, Siegfried Neumann, Fanny Neumann, Lieselotte Neumann, Mirjam Neumann, Max Leo Neumann, Therese Neumann, Bela Neumann, Josef Polack, Bertha Polack, Eva Samuel, Rosa Weinberg, Siegfried Weinberg

Fritz Mainzer, geb. am 9.3.1907 in Koblenz, mehrfach inhaftiert, aus dem Zuchthaus Bremen-Oslebshausen nach Auschwitz deportiert, dort am 18.2.1943 ermordet

Großneumarkt 56

Fritz Mainzer wurde als Sohn jüdischer Eltern in Koblenz geboren. Dort besuchte er zunächst die Volksschule und absolvierte nach Abschluss der Realschule in Frankfurt am Main eine dreijährige kaufmännische Ausbildung. Nach dem Tod seines Vaters Bernhard Mainzer am 24. Juni 1927 in Frankfurt am Main ließ er sich in Hamburg nieder. Seine Mutter Bertha Mainzer, geb. Mayer, lebte später in Straßburg im Elsass.

Fritz Mainzer arbeitete zunächst im renommierten Warenhaus der Rudolf Karstadt AG in der Mönckebergstraße. Von der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in Hamburg wurde er nur einmal, 1928/1929 besteuert. Auf seiner Kultussteuerkarte wurden Adressen als Untermieter in der Reichenstraße 18 und in der Lincolnstraße 10 im Stadtteil St. Pauli genannt.

Am 23. Februar 1928 kam es zu einer ersten Verurteilung wegen Unterschlagung. In den folgenden Jahren sind zwölf weitere Verurteilungen wegen Betrugs, Diebstahls und Urkundenfälschung dokumentiert. In der Zeit zwischen seinen Inhaftierungen blieb er arbeitslos oder konnte nur als ungelernter Maler auf der Werft von Blohm & Voss und in einer Wollspinnerei in Hamburg-Wilhelmsburg Erwerbsmöglichkeiten finden. 1933 erkrankte Fritz Mainzer schwer an Tuberkulose (TBC), ein infizierter Lungenflügel wurde "still gelegt", zudem mussten ihm acht Rippen entfernt werden. Es folgten häufige Aufenthalte in Lungenheilanstalten bis 1936 seine Krankheit zum Stillstand kam. Nach einem Unfall, den er als Notstandsarbeiter der "Reichsautobahn" in Bergen bei Celle erlitt, blieb sein rechtes Bein nach einer mehrfachen Kniefraktur steif.

Am 23. Juni 1938 geriet Fritz Mainzer aufgrund seiner Vorstrafen (seine letzte Verurteilung war am 6. März 1937 durch das Schöffengericht in Berlin erfolgt) in Haft. In Hamburg waren mit ihm im Rahmen der sogenannten Juni-Aktion etwa weitere 700 Männer verhaftet worden, die, wie es hieß, "durch geringfügige, aber sich immer wiederholende Gesetzesübertretungen, sich der in einem nationalsozialistischen Staat selbstverständlichen Ordnung nicht fügen wollen".

Am 6. September 1938 wurde Fritz Mainzer aus dem Häftlingsblock 5 des KZ Sachsenhausen als "haftunfähig" entlassen. Während seiner "Schutzhaft" hatte er den Mitgefangenen Siegfried Neumann (s. dort) kennengelernt, der ihn bat, seine Familie am Großneumarkt 56 zu besuchen, um Grüße auszurichten. Fritz Mainzer, der wohnungslos war, blieb bei Familie Neumann als Untermieter.

Bereits am 15. Oktober geriet Fritz Mainzer erneut in Haft. Angeblich soll er mit einer befreundeten Nachbarin der Neumanns ein Verhältnis eingegangen sein. Am 4. Januar 1939 erfolgte eine Verurteilung wegen "Rassenschande", gegen die Fritz Mainzer Revision einlegte. Am 16. März wurde das Urteil aufgehoben und zur erneuten Verhandlung an die Vorinstanz zurückverwiesen.

Sein Anwalt Edgar Fels versuchte, eine erneute Haftunfähigkeit des Lungentuberkulösen zu erreichen, allerdings erfolglos. Das Gericht bezeichnete Fritz Mainzer als "wertlosen" Menschen, der trotz hinreichender Warnung erneut gegen die Gesetze seines "Gastvolkes" verstoßen habe. Am 3. Mai 1939 verurteilte ihn das Landgericht Hamburg, wegen "vollendeter fortgesetzter Rassenschande" zu einer Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten Zuchthaus. Die Zeit vom 4. Januar 1939 bis zur Revision wurde ihm als Untersuchungshaft angerechnet.

Am 2. Oktober 1939 kam Fritz Mainzer aus dem Untersuchungsgefängnis in die Strafanstalt Hamburg-Fuhlsbüttel. Auf seiner Haftkarteikarte war mit roter Tinte vermerkt "Jude!" und "Selbstmordgefahr!" 18 Tage später erfolgte eine Verlegung ins Zuchthaus Bremen-Oslebshausen.

Von dort wurde Fritz Mainzer im Zuge der Deportation jüdischer Häftlinge aus Strafanstalten nach Auschwitz deportiert und am 18. Februar 1943 dort ermordet.

In der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel wurde für Fritz Mainzer ein Gedenkblatt von einer Nichte hinterlegt.

Sein Anwalt Edgar Fels (geb. 20.9.1885 in Mannheim) durfte sich zur Zeit der Verteidigung von Fritz Mainzer nur noch als "jüdischer Konsulent" bezeichnen. Seine Kanzlei befand sich am Alstertor 21. Rechtsanwälte wie Edgar Fels, die nur noch zur rechtlichen Beratung und Vertretung von Juden zugelassen waren, traten oft unter Gefährdung des eigenen Lebens für ihre Mandanten ein. Sie mussten vor Gericht ohne Robe auftreten und hatten seit September 1941 auch dort den "Judenstern" zu tragen, wie Heiko Morisse in seinem Buch "Jüdische Rechtsanwälte in Hamburg" beschreibt. Nach einem gescheiterten Versuch, nach Chile auszuwandern, wurde er am 25. Oktober 1941 nach Lodz deportiert, wo er am 22. Mai 1942 starb. An Dr. Edgar Fels erinnert ein Stolperstein in der Hallerstraße 64 (s. Stolpersteine in Hamburg-Eimsbüttel).


Stand: August 2018
© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 8; StaH 621-1/129_3, Firmenarchiv Fels Edgar; StaH 213-1 OLG Abl. 8, 143E, L4b; StaH 242-1II, Abl.13, jüngere Kartei Strafhaft Männer; 242-1II, Abl. 16, U-Haft; Morisse: Ausgrenzung, Band 1, S. 137; Yad Vashem, Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer Fritz Mainzer (Gedenkblatt); Auskunft aus der Gedenkstätte Sachsenhausen von Monika Liebscher, E-Mail vom 2.8.2013; www.ancestry.de (Sterbeurkunde von Bernhard Mainzer am 24. Juni 1927 in Frankfurt am Main, Zugriff 28.6.2017).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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