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Bereits verlegte Stolpersteine



Theresia Elias (geborene Levor) * 1869

Großneumarkt 56 (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
THERESIA ELIAS
GEB. LEVOR
JG. 1869
FLUCHT 1939
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
SOBIBOR
ERMORDET 16.4.1943

Weitere Stolpersteine in Großneumarkt 56:
Sella Cohen, Bertha Cohen, A(h)ron Albert Cohn, Thekla Daltrop, David Elias, Louisa(e) Elias, Camilla Fuchs, Siegmund Josephi, Robert Martin Levy, Hertha Liebermann, Fritz Mainzer, Siegfried Neumann, Fanny Neumann, Lieselotte Neumann, Mirjam Neumann, Max Leo Neumann, Therese Neumann, Bela Neumann, Josef Polack, Bertha Polack, Eva Samuel, Rosa Weinberg, Siegfried Weinberg

David Elias, geb. am 4.7.1871 in Altona, Flucht 1939 in die Niederlande, deportiert am 13.4.1943 nach Sobibor, dort ermordet am 16.4.1943
Louise Elias, geb. am 30.10.1913 in Hamburg, Flucht 1939 in die Niederlande, deportiert am 8.6.1943 nach Sobibor, dort ermordet am 11.6.1943
Theresia Elias, geb. Levor, geb. am 28.2.1869 in Hamburg, Flucht 1939 in die Niederlande, deportiert am 13.4.1943 nach Sobibor, dort ermordet am 16.4.1943

Großneumarkt 56

Das Hertz-Joseph-Levy-Stift am Großneumarkt 56 wurde von einem wohlhabenden jüdischen Kaufmann 1854 gegründet, der zur Bedingung machte, dass nur solche Personen aufgenommen würden, die sich zum Judentum bekannten und nach orthodoxen Riten lebten. Diese Bedingung erfüllte das Ehepaar David und Theresia Elias, das bis zu seiner erzwungenen Emigration in die Niederlande dort fast 40 Jahre lebte.

David Elias war am 4. Juli 1871 im damals preußischen Altona geboren worden. Sein jüngerer Bruder John am 1. Oktober 1875 (s. Harriet Elias). Die Eltern, der "Rechtsanwalts-Bureauvorsteher" Levy/Louis Elias (geb. 18.1.1845, gest. 17.5.1912) und Adelheid, geb. Liepmann, hatten 1870 geheiratet. Das Ehepaar lebte 1882 in der Gademannstraße 15e und bei der Hochzeit ihres Sohnes David am 28. März 1895 in der Großen Bergstraße 128. Ihre zukünftige Schwiegertochter Theresia Levor wohnte mit ihren Eltern Benedict Levor (geb. 20.4.1834, gest. 8.4.1911) und Rieke, geb. Bähre (geb. 30.3.1828, gest. 24.7.1903) in der Straße Bei den Hütten 66 (heute Hütten). Das Geschäft für Schneidereiartikel des Vaters befand sich in der Brüderstraße 31. Theresia hatte einen älteren Bruder Philipp Levor (geb. 1.3.1866, gest. 15.4.1930), er war Schriftsetzer und lebte mit seiner Frau Mathilde, geb. Bähr (geb. 21.11.1868 in Münden), in der Gneisenaustraße 31 in Hamburg-Eimsbüttel. (Mathilde Levor starb am 17. Oktober 1943 im Getto Theresienstadt.)

Theresia und David Elias bekamen neun Kinder. Tochter Alice kam 1897 in der Mathildenstraße 9 in Altona zur Welt. Als Berthold Elias (s. dort) 1898 folgte, waren die Eltern in die Straße Kohlhöfen 4 gezogen. Hertha wurde 1900 geboren, bei Mathildes Geburt, 1902, lebten sie bereits am Großneumarkt 56. Dort kamen die Geschwister Julius 1905, Elfriede 1906, Irma 1908, Erwin 1910 und die jüngste Tochter Louise 1913 zur Welt. Bei der Geburt seiner Kinder gab David Elias seine Tätigkeit noch als Kaufmann an, später arbeitete er als Masseur. 1913 verzeichnete ihn das Hamburger Adressbuch als "Krankenwärter". Diesen Beruf soll auch sein Großvater Behrend David Elias (gest. 1874) ausgeübt haben. David Elias Teilnahme als Soldat im Ersten Weltkrieg an der russischen Front endete 1917, er wurde als Pfleger in ein Hamburger Lazarett versetzt. Nach seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst meldete David Elias am 8. März 1919 ein Gewerbe als Auktionator an. Ein Vermerk auf seiner Kultussteuerkarte der Jüdischen Gemeinde vom 8. Dezember 1922 weist ihn auch als "Beamten" der "Beerdigungsbrüderschaft der Deutsch-Israelischen Gemeinde" aus.

Die Kinder besuchten jüdische Schulen, die Mädchen die Israelitische Töchterschule in der Carolinenstraße, die Söhne die Talmud Tora Schule im Grindelhof. Sie erhielten bis auf Alice, die später auch in einen Pflegeberuf wechselte, und Erwin, der eine Bauschlosserlehre absolvierte, kaufmännische Ausbildungen.

Tochter Mathilde war in verschiedenen Warenhäusern tätig und bediente als Kontoristin den "Comptometer", eine damalige Rechenmaschine. Sie war die Erste, die ihr Elternhaus verließ. 1929 zog sie in die Niederlande. Ob sie erst dort ihren späteren Ehemann Richard Leopold Metzger (geb. 23.10.1905) kennenlernte, ist nicht überliefert. Seine Familie (s. Frieda Sommer) lebte seit vielen Jahren in der Peterstraße 2. Seit 1928 war er als Korrespondent für eine Hamburger Firma in Den Haag tätig. Mathilde und Richard heirateten am 21. Juni 1932 in Hamburg, das Ehepaar lebte dann in der Trompstraat 93 in Den Haag.

Mathildes jüngerer Bruder Julius entschied sich Anfang April 1933, in die Niederlande zu gehen, da er keine berufliche Perspektive in Deutschland mehr sah. 1921 hatte er eine Ausbildung im Bankhaus Elias Ruben in der Hermannstraße begonnen und war 1929 in die Firma Oskar Blaustein Eier Im- und Export am Lindenplatz in St.Georg gewechselt. Danach hatte er eine Tätigkeit als "Unkosten Statistiker" der EPA Einheitspreis AG, damals eine Tochter-Gesellschaft der Rudolph Karstadt AG in der Steinstraße, gefunden. 1932 war er mit der Hauptverwaltungszentrale nach Berlin versetzt worden, bis ihm dort am 1. April 1933, am Tag des Boykotts jüdischer Geschäfte, erklärt worden war, "dass es nicht wünschenswert sei, zur Arbeit zurückzukehren".

Hertha folgte ihren Geschwistern 1937. Sie hatte eine zweijährige Ausbildung als Verkäuferin im Modehaus der Gebrüder Robinsohn absolviert. Zuletzt war sie als Kassiererin im Konfektionsgeschäft Gebr. Hirschfeld, Neuer Wall 19 tätig gewesen. Alice, die Älteste, hatte nach Ende ihrer Schulzeit zunächst eine Lehre als Corsettnäherin am Jungfernstieg begonnen. Später war sie als Pelznäherin tätig gewesen. 1918 hatte sie eine Ausbildung in der städtischen Entbindungsanstalt in Altona begonnen und im Barmbeker Krankenhaus eine Beschäftigung als Pflegerin gefunden. Danach war sie in verschiedenen privaten Haushalten zur Wochen- und Babypflege tätig. Am 29. Mai 1929 hatte sie in Frankfurt Leo Cohn geheiratet. Ende 1937 kehrte sie mit ihrer Familie noch einmal vorübergehend in ihr Elternhaus am Großneumarkt zurück. Ihr Ehemann verließ Deutschland im Dezember 1937. Alice folgte mit ihrer siebenjährigen Tochter Ruth am 20. Januar 1938 mit dem Schiff von Cuxhaven nach New York. Noch im selben Jahr verließ auch Elfriede ihr Elternhaus. Nach achtjähriger Schulzeit und dem Besuch einer Handelsschule war sie als kaufmännische Angestellte in verschiedenen Firmen tätig gewesen, zuletzt in der Rechnungsabteilung der Firma Rappolt & Söhne in der Mönckebergstraße. Dort wurde sie 1938 entlassen und emigrierte am 19. September 1938 in die Vereinigten Staaten. 1939 heiratete sie den amerikanischen Staatsbürger Benjamin Cooper.

Irma fand nach ihrer Entlassung als Kontoristin und Verkäuferin 1937 bei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in der "Kleiderabgabe" eine Beschäftigung. Am 25. April 1935 hatte sie den Kunst- und Landschaftsgärtner Paul Israel (geb. 11.2.1908) geheiratet. Wegen seiner illegalen politischen Betätigung als Mitglied des Roten Frontkämpferbund (RFB) und als Jude war er doppelter Verfolgung ausgesetzt. Anfang Februar 1934 war er zusammen mit seinem Cousin Walter Vogel (s. Rosa Vogel) verhaftet worden. Nach einer erneuten Festnahme am 16. Juni 1938 – vermutlich im Rahmen der Aktion "Arbeitsscheue Reich", weil er Jude und vorbestraft war – erfolgte Ende Dezember seine Entlassung aus dem KZ Sachsenhausen unter der Bedingung, Deutschland sofort zu verlassen.

Seit August bemühte sich Irma vergeblich um Einreisevisa für Paraguay. Am 15. März 1939 flüchteten sie gemeinsam mit Tochter Helga (geb. 2.4.1937) nach Shanghai, da dort kein Visum verlangt wurde. 1943 wurden sie, wie alle in Shanghai lebenden deutsch-jüdischen Emigranten, gettoisiert. 1947 gelang ihnen die Ausreise in die USA, wo Irma Israel im Alter von 92 Jahren am 9. Februar 2000 verstarb.

Ihr Vater David Elias war, wie viele andere jüdische Männer, in der Pogromnacht vom 9./10. November 1938 in die Fänge der Gestapo geraten. Um den Druck zur Auswanderung zu erhöhen, wurde auch ihm bei seiner Entlassung aus dem Polizeigefängnis Fuhlsbüttel "anheimgestellt", Deutschland unverzüglich zu verlassen. Das Ehepaar Elias, mittlerweile 67 und 69 Jahre alt, entschied sich, seinen drei Kindern Mathilde, Julius und Hertha, die in Den Haag bereits Fuß gefasst hatten, am 27. Februar 1939 zu folgen. Die jüngste Tochter Louise kam kurze Zeit später nach. Doch die Niederlande waren kein sicheres Aufnahmeland und sollten sich schon bald als Falle erweisen.

Louise, Lieschen genannt, hatte im März 1928, wie zuvor ihre Schwester Hertha, eine Lehre als Verkäuferin im Modehaus der Gebrüder Robinsohn am Neuen Wall begonnen. Nach Ende ihrer Lehrzeit blieb sie dort tätig und besuchte nebenbei eine Fortbildungsschule. Im November 1938 wurde die Firma "arisiert" und Louise, wie alle jüdischen Angestellten entlassen, konnte keine andere Erwerbstätigkeit mehr finden. Über ihre Abreise im Frühjahr 1939 berichtete ihre Schwester Elfriede: "Ich erinnere mich noch, dass sie auf der Reise an der Grenze Bentheim von deutschen Beamten aus dem Zug geholt und einer sehr gründlichen Untersuchung unterzogen wurde. Später jedoch erlaubte man ihr mit einem anderen Zug die Fahrt fortzusetzen. Unsere Eltern, die Deutschland zwei Monate früher verlassen hatten, warteten vergebens am Bahnhof in Den Haag, und die Aufregung war sehr groß, als sie nicht mit dem festgesetzten Zuge eintraf."

In Den Haag nahm Louise, körperlich nicht sehr kräftig, Anstellungen als Dienstmädchen an, vermutlich gegen Kost und Logis. Ihre Eltern lebten in der Weissenbrückstraat 6.

Nach der deutschen Besetzung der Niederlande im Mai 1940, als alle deutschen Jüdinnen und Juden, die im Küstengebiet wohnten, aufgefordert wurden, dieses Gebiet innerhalb von 48 Stunden zu verlassen, musste auch Louise nach Erinnerung ihrer Schwester "Hals über Kopf" Den Haag verlassen und ging nach ‘s Hertogenbosch (Den Bosch) im Süden der Niederlande, "wo sie dann auch nach vielen Mühen eine Arbeit im Haushalt fand".

Eine Unterkunft bekam sie nun gemeinsam mit ihren Eltern und Schwester Hertha in der Verwersstraat 28. Am 2. Mai 1942 wurden sie gezwungen, künftig den "Judenstern" zu tragen. Schwester Elfriede, die in den USA lebte, bemühte sich, ihre Familie aus "Holland herauszubekommen", scheiterte aber, eine Emigration war nicht mehr möglich.

David Elias und seine Ehefrau Theresia wurden im April 1943 von deutschen Besatzungspolizisten aus ihrer Wohnung geholt und im Sammellager Westerbork interniert. Am 13. April 1943 wurden sie von dort ins Vernichtungslager Sobibor deportiert und am 16. April 1943 ermordet.

Ihre Tochter Louise kam im April 1943 zunächst in das nahegelegene Durchgangslager Kamp Vught. Zwei Monate später, am 8. Juni 1943, wurde auch sie über Westerbork nach Sobibor deportiert. Ihr offizielles Todesdatum ist der 11. Juni 1943.

Bruder Julius Elias war nach seinem erzwungenen Ortswechsel 1940 von Den Haag nach -Utrecht gezogen. Er sah seinen Vater zuletzt im Sommer 1942, "vor meiner Flucht, um einem Transport nach Polen zu entfliehen". Julius hatte bereits im Juli 1942 die Aufforderung zur Deportation erhalten. Mithilfe ihm unbekannter Personen konnte er nach Brüssel entkommen. Mit falschen Papieren, unter dem Namen Louis von den Plas, wurde er im September 1942 in Frankreich verhaftet und ins Camp de Rivesaltes bei Perpignan gebracht. Aus einer Stahlfabrik, in der er Zwangsarbeit leisten musste, konnte er 1943 fliehen und erlebte das Kriegsende in einem Versteck in Brüssel. 1947 zog er in die Vereinigten Staaten und änderte seinen Namen in Jules Ellis.

Hertha, die zuletzt mit ihrer Familie in ‘s Hertogenbosch lebte, kam der Aufforderung, sich im September 1942 zur Deportation, getarnt als Arbeitseinsatz, zu melden, ebenfalls nicht nach. Sie flüchtete nach Amsterdam und erlebte das Kriegsende dort in der Illegalität. 1951 heiratete sie Alfred Dornblatt, sie starb 1994 in den USA.

Auch die Situation von Schwester Mathilde und Richard Metzger änderte sich schlagartig nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht im Mai 1940. So mussten sie u.a. ihre Fahrräder abgeben und durften nur noch zu bestimmten Zeiten Einkäufe erledigen. Als die Deportationen der jüdischen Bevölkerung begannen, gingen sie im August 1942 mithilfe einer niederländischen Widerstandsgruppe in den Untergrund. Trotz menschenunwürdiger Lebensbedingungen, sie mussten sich von Kartoffelschalen und Tulpenzwiebeln ernähren und bekamen Hungerödeme, erlebten beide das Kriegsende. Auch sie wanderten später in die USA aus.

Ob der Jüngste der Geschwister, Erwin Elias, sich um seine Auswanderung bemühte und dafür Vorbereitungen traf, ist nicht dokumentiert. Nach Ende der Schulzeit, im März 1925, begann er eine vierjährige Kunst- und Bauschlosserlehre. Am 20. Februar 1929 wurde seine Tochter Wilma Liesa geboren. Ihre Mutter Lissy Elias, geb. Rohweder (geb. 22.2.1908), stammte aus einem evangelischen Elternhaus. Die Ehe wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt geschieden. Im April 1932 geriet Erwin in der ehemaligen Schlachterstraße in eine Auseinandersetzung zwischen Anhängern der KPD und der NSDAP. Wegen "schweren Landfriedensbruchs" erhielt er eine Haftstrafe von sechs Monaten, aus der er aufgrund einer Amnestie vorzeitig entlassen wurde. Bis zum Frühjahr 1938 war er in verschiedenen Firmen tätig. Seine Schwester Elfriede erinnerte sich, als Jude habe Erwin in seinem Beruf keine feste Anstellung mehr gefunden und für kurze Zeit eine Expedientenstelle in einer jüdischen Firma angenommen. Später, so berichtete sie weiter, kam er in ein Arbeitslager, wo er schwerste körperliche Arbeit verrichten musste. "Bereits mit dem ersten Transport wurde er nach dem Osten verschickt, und wir haben niemals wieder vom ihm gehört."

Tatsächlich wurde Erwin Elias am 8. November 1941 mit dem zweiten Transport, der Hamburg verließ, deportiert. Das Ziel war Minsk. Auf seiner Kultussteuerkarte wurde als letzte Beschäftigung die Mazzoth-Fabrik von Leopold Katz vermerkt, wahrscheinlich die Expedientenstelle. Seine Adresse war im Vorderhaus, Großneumarkt 56. Kurz vor der Deportation, am 17. Oktober, heiratete er in zweiter Ehe Gerda Rosenthal. Ihr Name wurde auf die Nachtragsliste für denselben Transport gesetzt. Allerdings war sie noch in der Wohnung ihrer Halbschwester Minna Mathias am Grindelberg 3a gemeldet (s. Albert Bloch). Gerda war Krankenschwester und arbeitete im Israelitischen Krankenhaus in der Eckernförderstraße 4 (heute Simon-von-Utrecht-Straße). 1939 wurde die Klinik in die Johnsallee 54 verlegt, wo auch Gerda eine Unterkunft erhielt.

Gerda Elias war am 26. November 1915 in Cuxhaven geboren worden. Ihr Vater, der Schlachtermeister Bernhard Rosenthal (geb. 24.10.1865 in Barnstorf), betrieb in der Großen Hardewikstraße 1 eine Ladenschlachterei. Seine zweite Ehefrau Selma, geb. Schwabe (geb. 1880), Gerdas Mutter, war am 2. Mai 1936 verstorben. Ihre Eltern hatten 1915 geheiratet. Gerdas Halbschwester, Erna Asch-Rosenthal (geb. 4.6.1903), die bereits 1933 in die Niederlande emigriert war und ihre Familie zuletzt 1936 zur Beerdigung ihrer Stiefmutter Selma in Cuxhaven besucht hatte, berichtete nach dem Krieg, dass ihr Vater in Cuxhaven großen Anfeindungen ausgesetzt gewesen sei. Da er als Jude keine "arischen" Angestellten mehr beschäftigen durfte, musste auch Gerda im väterlichen Betrieb mitarbeiten. In diesem Zusammenhang erwähnte sie, dass der ehemalige Geselle Carl von Kampen sich trotzdem nicht davon abhalten ließ, die Familie heimlich zu unterstützen.

Nach erzwungener Geschäftsaufgabe verließen Gerda und ihr Vater Cuxhaven und zogen im Juli 1936 zur ältesten Tochter und Halbschwester Minna Mathias (geb. 31.10.1895) in den Grindelberg 3a. Ihr Umzug nach Hamburg erfolgte auch in der Hoffnung, von hier aus schneller ihre Auswanderung betreiben zu können. Die in die Wege geleitete Emigration von Bernhard Rosenthal in die Niederlande scheiterte jedoch, trotz bereits erhaltener "Unbedenklichkeitsbescheinigung", im August 1939. Bernhard Rosenthal starb am 20. Dezember 1942 im Getto Theresienstadt (Stolperstein Sedanstraße 23, s. Stolpersteine in Hamburg-Eimsbüttel, Rotherbaum).

Die Halbschwester Minna Mathias, der Schwager, der Bankbeamte Willy Mathias (geb. 12.7. 1886) und die Nichte Vera (geb. 15.12.1923) wurden wie Gerda und Erwin Elias am 8. November 1941 ins Getto Minsk deportiert.

Die ältere Nichte Lisa (geb. 13.10.1918), ihr Ehemann Manfred Menco (geb. 10.7.1910) und die Kinder Rolf (geb. 20.7.1938) und Reha (geb. 1.1.1942) wurden am 10. März 1943 nach Theresienstadt und von dort am 6. Oktober 1944 nach Auschwitz weiterdeportiert (Stolpersteine Ilandkoppel 68, s. Stolpersteine in Hamburg-Ohlsdorf). Ihr Leben schildert Frauke Dettmer ausführlich in ihrem Buch "Cuxhavener Juden 1933 bis 1945".

Da Erwin Elias 1939 auch eine Zeitlang im Grevenweg 49 in Hamburg-Hamm gelebt hatte, wurden dort für ihn und für seine Ehefrau Gerda Stolpersteine verlegt (s. Stolpersteine in Hamburg-Hamm).


Stand: Juli 2018
© Susanne Rosendahl

Quelle: 1; 4; 8; 9; StaH 351-11 AfW 25694 (Metzger, Mathilde); StaH 351-11 AfW 35267 (Elias, Erwin); StaH 351-11 AfW 39287 (Elias, Louise); StaH 351-11 AfW 1694 (Elias, David); StaH 351-11 AfW 1500 (Elias, Theresia); StaH 351-11 AfW 11305 (Elias, Berthold); StaH 351-11 AfW 26955 (Rosenthal, Bernhard); StaH 351-11 AfW 26955 (Mathias, Minna); StaH 351-11 AfW 33549 (Israel, Irma); StaH 351-11 AfW 33420 (Israel, Paul); StaH 351-11 AfW 24145 (Dornblatt, Hertha); StaH 351-11 AfW 29945 (Ellis, Jules); StaH 351-11 AfW 31674 (Copper, Elfriede); StaH 314-15 FVg, 3785; StaH 213-11 Staatsanwaltschaft Landgericht-Strafsachen AO 1656/33; StaH 242-1II, Abl. 13, Gefangenenkartei Männer; StaH 332-5 Standesämter 9136 u 441/1897; StaH 332-5 Standesämter 2459 u 2439/1898; StaH 332-5 Standesämter 2846 u 249/1895; StaH 332-5 Standesämter 13844 u 364/1932; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 2; Dettmer: Cuxhavener Juden, S. 52; Thevs: Stolpersteine, über Erwin Elias, S. 29; www.joodsmonument.nl (Zugriff am 25.3.2012); http://akevoth.org/genealogy/denbosch/1174.htm (Zugriff am 25.3.2012).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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