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Bereits verlegte Stolpersteine



Beate Ruben * 1895

Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße) (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
BEATE RUBEN
JG. 1895
DEPORTIERT 1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 3.5.1942

Weitere Stolpersteine in Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße):
Hanna Aghitstein, Julie Baruch, Ludwig Louis Baruch, Julius Blogg, Rebecca Blogg, Kurt Cossmann, Mathilde Cossmann, Frieda Dannenberg, Alice Graff, Leopold Graff, Flora Halberstadt, Elsa Hamburger, Herbert Hamburger, Lea Heymann, Jettchen Kahn, Adolf Kahn, Curt Koppel, Johanna Koppel, Hannchen Liepmann, Henriette Liepmann, Bernhard Liepmann, Johanna Löwe, Flora Samuel, Karl Schack, Minna Schack, Werner Sochaczewski, Sophie Vogel, Sara Vogel

Adolf Maurice Ephraim Ruben, geb. am 20.4.1863 in Paris, deportiert am 19.7.1942 nach Theresienstadt, am 26.9.1942 im Vernichtungslager Treblinka ermordet

Martin-Luther-Straße 21


Beate Ruben, geb. am 4.1.1895 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, am 3.5.1942 im Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof ermordet

Großneumarkt 38 (Schlachterstraße 46/47)


Adolf Maurice Ephraim Ruben war am 20. April 1863 in Paris zur Welt gekommen, wo seine Eltern am 26. August 1856 geheiratet hatten. Die Mutter Alida Ruben (geb. 24.7.1831) war in Amsterdam geboren worden, sie war die Tochter von Mietze/Mietje Emanuel, geb. Digtmaker und Machiel Alexander von den Broek (andere Schreibweise Brook oder Wandenbrock). Der Vater Eduard Ephraim Ruben (geb. 13.9.1824) war der Sohn des Hamburger Ehepaares Abraham Ephraim Ruben und Betty, geb. Prager. Er verdiente seinen Lebensunterhalt als Geschäftsreisender und meldete sich zwei Jahre nach der Heirat in Paris wieder in Hamburg in der 2. Elbstraße 34 (heute Neanderstraße) an. Erst als Adolf zwei Jahre alt war, kam Alida Ruben mit ihrem Sohn nach Hamburg.

Eduard Ruben eröffnete im Stadtteil St. Pauli, Reeperbahn 66 ein "Trödlergeschäft". Seit 1897 wohnte die Familie in der Bundesstraße 35. Alida Ruben starb mit 75 Jahren am 14. März 1907 im Israelitischen Krankenhaus, Eduard Ruben zehn Jahre später am 25. März 1917 im hohen Alter von 92 Jahren.

Adolf Ruben beendete Ostern 1878 die Volksschule und begann eine vierjährige Lehre als Graveur, Ziseleur, Gold- und Silberschmied in der auf Monogramme und Clubzeichen spezialisierten Werkstatt von Hermann Rädel in St. Pauli. Im Anschluss arbeitete er 14 Jahre als Gehilfe in der Firma von Joseph Bauer in derselben Branche in der Kaiser-Wilhelm-Straße 115 und machte sich dann selbstständig.

Am 31. Dezember 1888 heiratete er Emma Cohen (geb. 5.1.1862). Die Tochter von Georg Cohen und Riecke, geb. Renner, war in Kuhstedt, Kreis Osterholz, geboren worden und wohnte mit ihren Eltern in der Glashüttenstraße 5.

Das Ehepaar Ruben zog in die Peterstraße 65. Drei Kinder kamen zur Welt: Sohn Georg am 17. September 1889, Tochter Martha am 11. Januar 1891 und die jüngste, Beate, am 4. Januar 1895, nach einem Umzug in den Neuen Steinweg 14. 1905 wohnten sie in der Elbstraße 49 (heute Neanderstraße), zwei Jahre später in der Schlachterstraße 46/47, Haus 6, im jüdischen Lazarus-Gumpel-Stift. Georg Ruben erhielt eine kaufmännische Ausbildung. Im Ersten Weltkrieg wurde er Soldat. Als er am 24. September 1916, im Alter von 27 Jahren in Galizien getötet wurde, lebten seine Eltern bereits getrennt.

Adolf Ruben war zur Untermiete in die Peterstraße 59 gezogen. In den Nachkriegsjahren, in denen sein Geschäft nicht mehr gut lief – er selbst führte dies auf seine Tätigkeit in einer Luxusbranche zurück – richtete er sich ein Zimmer in seiner Werkstatt in der Marcusstraße 8 (heute Markusstraße) ein.

Eine Zeitlang erhielt er noch Auftragsarbeiten anderer Firmen und gab dann seine Werkstatt auf. In den folgenden Jahren bewohnte Adolf Ruben ein ärmliches Hinterzimmer im Erdgeschoss der Martin-Luther-Straße 21 bei der Witwe Grundlich. 1933 bat er um Fürsorgeunterstützung, da er die Miete nicht mehr aufbringen konnte. In seinem Zimmer, nach einem Eintrag in seiner Fürsorgeakte eher wie eine Werkstatt eingerichtet, führte er noch kleine Reparaturarbeiten aus, die aber nicht zum Lebensunterhalt ausreichten. Adolf Rubens letzte, nicht mehr freiwillig gewählte Unterkünfte waren im "Lazarus-Samson-Cohen-Eheleute und Levy-Hertz-Eheleute Stift" im Neuen Steinweg 78 und im Altenheim der Jüdischen Gemeinde in der Schlachterstraße 40/42, Haus 2. Beide Einrichtungen dienten bereits als sogenannte Judenhäuser. Am 19. Juli 1942 wurde Adolf Ruben nach Theresienstadt deportiert. Seine Spur verliert sich mit seinem Weitertransport am 26. September 1942 ins Vernichtungslager Treblinka.

Tochter Beate hatte Schneiderin gelernt, seit 1914 war sie selbstständig tätig. Nach dem Tod ihrer Mutter, Emma Ruben starb am 13. April 1928 im Israelitischen Krankenhaus, lebte sie allein in der Schlachterstraße. Zu ihrem Vater bestand seit der Trennung ihrer Eltern kein Kontakt mehr. 1936 musste Beate Ruben ihren Gewerbeschein abgeben. Sie wurde von ihrer Schwester Martha Dahms finanziell unterstützt. Martha hatte Friseurin gelernt und war, kurz nach ihrer Scheidung, im Sommer 1922 in die USA ausgewandert. Die Hoffnung, ihre Schwester Beate nachzuholen, ließ sich nicht mehr realisieren.

Beate Ruben wurde am 25. Oktober 1941 ins Getto "Litzmannstadt" nach Lodz deportiert. Am 3. Mai 1942 erhielt sie im Getto an der Adresse Neustadtstraße 31 ihren "Ausreisebefehl", eine Umschreibung für den Weitertransport ins Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof.


Stand: August 2018
© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; StaH 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge 1782 (Ruben, Maurice Ephraim); StaH 332-5 Standesämter 2732 u 1806/1888; StaH 332-5 Standesämter 2202 u 3870/1889; StaH 332-5 Standesämter 2252 u 304/1891; StaH 332-5 Standesämter 2369 u 136/1895; StaH 332-5 Standesämter 940 u 147/1928; StaH 332-5 Standesämter 589 u 203/1907; StaH 332-5 Standesämter 747 u 1256/1916; StaH 332-5 Standesämter 6961 u 529/1917; StaH 332-5 Standesämter 3317 u 253/1918; StaH 522-1 Jüdische Gemeinden 628 c; StaH 522-1 Jüdische Gemeinden 696 f; StaH 332-7 BI a 1859 Nr. 1473; http://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=1970796 (eingesehen 20.4.2014); http://www.jüdischer-friedhof-altona.de/img/Datenbanken/ilandkoppel_grabregister.pdf, (Zugriff 20.4.2014).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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