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Bereits verlegte Stolpersteine



Familie Bari, im September 1935 (aus: Karin Guth, Bornstr. 22)
Familie Bari, im September 1935 (aus: Karin Guth, Bornstr. 22)
© Mit freundlicher Genehmigung von Frau Guth

Mirjam Bari * 1929

Bogenstraße 24 (Eimsbüttel, Rotherbaum)


HIER WOHNTE
MIRJAM BARI
JG. 1929
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
FLOSSENBÜRG
1945 TODESMARSCH
RICHTUNG DACHAU
BEFREIT

Weitere Stolpersteine in Bogenstraße 24:
Samuel A. Bari, Betty Bari, Magnus Bari

Betty Bari, geb. Heimann, geb. 7.9.1888, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, befreit

Samuel Abraham Bari, geb. 14.10.1888, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, befreit

Magnus Bari, geb. 19.12.1927, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, 1944 Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau, befreit

Mirjam Bari, geb. 25.2.1929, deportiert am 15.7.1942, nach Theresienstadt, 1944 Todesmarsch vom KZ Flossenbürg nach Dachau, befreit

Bogenstraße 24, Eimsbüttel

"Sie starb in Theresienstadt in meinem Armen", sagte Betty 1955 in Hamburg über ihre Mutter Hanna. Die gesamte Familie war dorthin deportiert worden, doch alle anderen hatten die Zeit im Getto überlebt.

Betty war als zweites von zehn Kindern der jüdischen Eheleute Sally Heimann und Hanna, geborene Schlesinger, am 7.9.1888 in Hamburg geboren worden. Wir wissen nichts über ihre Kindheit.

Betty Heimann heiratete Abraham Samuel Bari am 1. August 1913 in Hamburg. Er war als zweites von sechs Kindern der jüdischen Eheleute Marcus und Rebecka, geb. Sauber, am 14.10.1888 in Brody Galizien (Kleinstadt im westlichen Teil der Ukraine) geboren worden. Es kamen noch zwei weitere Kinder in Brody/Galizien zur Welt, Mendel Max Bari (geb. 22.5.1884) und Hene Bruche Bari (geb. 31.7.1886). Zwei weitere Kinder wurden dann in Hamburg geboren: Levy Leon Bari (geb. 12.9.1896) und Lea Frieda Bari (geb. 11.2.1898). Wegen der Herkunft aus Galizien galten sie als polnische Staatsbürger.

Über die Familie Samuel Bari gibt es zu berichten, dass sie streng religiös lebte. Die Eltern achteten auf eine koschere und rituelle Ernährung. Die Familie lebte in großer Armut.
Das frisch vermählte Paar Betty und Samuel Bari wohnte von 1913 bis 1920 in der Roonstraße 12 im Stadtteil Hoheluft-West. Samuel Bari hatte in eine recht wohlhabende Familie hinein geheiratet. Den jungen Eheleuten wurden in der Roonstraße 12 drei Kinder geboren: Moses Bari (geb. 19.8.1914), Manfred Männe Bari (geb. 19.10.1916) und Fanny Bari (geb. 2.10.1919).

Samuel Bari nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und verlor bei den Frontkämpfen ein Bein. Er verdiente den Lebensunterhalt der Familie nun als Handelsvertreter für Zigarettenartikel, wie er ins Telefonbuch eintragen ließ. Die Familie wohnte von 1921 bis 1924 in der Straße Schlump 2a. Hier kam der Sohn Gottschalck Bari (geb. 7.7.1921) zur Welt, der am 21. Mai 1922 in Hamburg verstarb und auf dem Friedhof Langenfelde beigesetzt wurde, danach Sally Bari (geb. 16.10.1922) und Rebecka Bari (geb. 27.2.1924).

Von 1925 bis 1931 wohnte die Familie in der Bundesstraße 18/Rotherbaum. Weitere Kinder wurden geboren: Sulamit Bari (geb. 3.7.1925), Magnus Bari (geb. 19.12.1927) und Mirjam Bari (geb. 25.2.1929).

In den Jahren 1932 und 1933 wohnte die Familie in der Blücherstraße 18. Laut Adressbuch betrieb sie nun unter der Adresse Blücherstraße 27 ein Lebensmittelgeschäft, mit dem sie dann Wohn- und Geschäftsadresse zunächst in die Bogenstraße 24 und dann in die Bornstraße 25 verlegte. Die Familie war inzwischen sehr wohlhabend. Das Geschäft florierte, dort trafen sich jüdische und nichtjüdische Nachbarn beim täglichen Einkauf. Von den Ausgrenzungen und gesetzlich verankerten Schikanen gegen Juden war bis Mitte der dreißiger Jahre hier noch nicht allzu viel zu spüren. Samuel Bari und seine Frau Betty sollen sehr beliebt gewesen sein.

Betty und Samuel Bari mussten am 28. April 1938 ins "Judenhaus" in der Bornstraße 22 ziehen. Während andere jüdische Geschäfte spätestens Ende 1938 schließen mussten, durfte Samuel Bari wegen seiner Kriegsverletzung das Geschäft noch bis 1940 offiziell weiterführen. Dann wurde es versiegelt.

Im Oktober 1938 wurde Sohn Manfred Bari aus der Bornstraße 25 mit der sog. Polen-Aktion nach Bentschen/Zbaszyn gebracht und dort bis 1939 interniert. Manfred Bari gelang es, von dort nach Hamburg zurückzukehren und in die USA zu flüchten. Die anderen Kinder flohen bis auf die beiden jüngsten nach Palästina.

Diese, Magnus und Mirjam Bari, blieben bei ihren Eltern und ihrer Großmutter Hanna Heimann in Hamburg. Alle fünf Personen wurden am 15.7.1942 nach Theresienstadt deportiert. Die Familie Bari lebte im Getto.

Hanna Heimann verstarb im Getto von Theresienstadt. Für sie liegt ein Stolperstein in der Straße Rutschbahn 11/Rotherbaum. (Siehe www.stolpersteine-hamburg.de.)

Magnus Bari und Mirjam Bari wurden weiter deportiert, unter anderem in die Konzentrationslager Gleiwitz, Oranienburg, Auschwitz und Flossenbürg. Magnus Bari und Mirjam Bari wurden am 23.4.1945 auf dem "Todesmarsch" vom Konzentrationslager Flossenbürg nach Dachau in Pemfling von den Alliierten befreit.

Magnus Bari kurierte eine Lungenentzündung und andere Folgeerkrankungen in Feldafing aus. Mirjam Bari erholte sich im Auffanglager Deggendorf von den Strapazen.

Samuel und Betty Bari wurden am 8. Mai 1945 von den Alliierten aus Theresienstadt befreit und ebenfalls ins Lager Deggendorf gebracht, wo sie ihre Tochter wiedertrafen. Bis 1947 blieb Mirjam Bari im Auffanglager Deggendorf und wanderte dann über Italien nach Palästina aus.

Betty und Samuel Bari reisten mit dem Schiff "Masdam" am 21.8.1955 über Holland nach Israel aus. Samuel Bari, geschwächt von der Zeit im Getto Theresienstadt, starb am 24. Oktober 1958 in Israel. Betty Bari wohnte nach seinem Tod im Haus ihrer Tochter Schulamith Bari, bis sie am 1. Mai 1971 im Alter von 82 Jahren starb.

Zum Schicksal der Kinder von Betty und Samuel Bari:

Gottschalck Bari (geb. 7.7.1921) verstarb am 21. Mai 1922 in Hamburg und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel beigesetzt.

Moses Bari (geb. 19.8.1914) gelang 1939 die Flucht nach Palästina.

Manfred Bari (s.o.) flüchtete dann in die USA, er verstarb am 15. November 1965 in Israel.

Fanny Bari (geb. 2.10.1919) gelang 1939 die Flucht nach Palästina, wo sie ihren Vornamen in Pnina änderte.

Sally Bari (geb. 16.10.1922) flüchtete im Februar 1939 nach Palästina, wo er seinen Vornamen in Schlomo änderte.

Rebecka (geb. 27.2.1924) flüchtete im November 1939 nach Palästina, wo sie ihren Vornamen in Riwka änderte.

Sulamit (geb. 3.7.1925) flüchtete im Juli 1934 nach Palästina, wo sie ihren Vornamen in Schulamit änderte.

Zum Schicksal der Geschwister von Samuel Bari:

Mendel Bari (geb. 22.5.1884) heiratete am 20.9.1908 Hedi Hesie Schneider. Das Ehepaar bekam zwei Kinder: Lea Frida (geb. 20.8.1909) und Senta (geb. 7.9.1910). Hedi Hesie Bari verstarb am 24. Juni 1939 an Lungenembolie. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel beigesetzt. Mendel Bari verstarb an Unterernährung. Für ihn ist ein Stolperstein in der Kielortallee 24 geplant.

Lea Bari heiratete Max Jakob (geb. 27.10.1906) und bekam mit ihm die Kinder Marga (geb. 26.10.1934) und Dorit (geb. 12.10.1935). Lea Frieda verstarb in Hamburg am 25. November 1906 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel beigesetzt.
Die Kinder wurden deportiert und in Riga ermordet, Max Jakob wurde in Buchenwald ermordet. Es liegen Stolpersteine in der Bornstraße 14. (Siehe www.stolpersteine-hamburg.de.)
Senta Bari flüchtete nach Israel.

Hene Bruche Bari (geb. 31.7.1886) heiratete Anna Sinnreich und flüchtete mit ihr nach Israel.

Levy Leon Levi Bari (geb. 12.9.1896) heiratete in Hamburg Fräncis Belzinger. Das Ehepaar flüchtete im März 1939 mit seinen Kindern Manfred (geb. 16.6.1921), Siegfried (geb. 20.11.1922) und Wolfgang (geb. 12.8.1928) nach New York

Zum Schicksal der Geschwister von Betty Bari, geb. Heimann:

David Heimann (geb. 10.11.1887) verstarb am 25. April 1899 in Hamburg und wurde auf Jüdischen Friedhof Langenfelde beigesetzt.

Magnus Heimann (geb. 25.1.1899) verstarb am 25. April 1914 in Hamburg und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Langenfelde beigesetzt.

Adele Heimann (geb. 23.10.1889) verstarb am 13. November 1891 in Hamburg und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Langenfelde beigesetzt.

Joseph Hesekel Heimann (geb. 27.10.1890) heiratete Gretchen, geb. Weichselbaum (geb. 16.11.1902). Sie bekamen die Kinder Betty (geb. 20.1.1934), Sophie (geb. 25.12.1934), Abraham Sally (geb. 9.3.1936), Jakob (geb. 30.7.1937) und Menachem (geb. 18.9.1938). Das Ehepaar flüchtete 1939 mit seinen Kindern nach Palästina.

Blüme Heimann (geb. 21.9.1891) verstarb am 27. Mai 1892 in Hamburg und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Langenfelde beigesetzt.

Baszion Heimann (geb. 4.3.1893) heiratete am 31. Mai 1934 in Hamburg Siegmund Aron. Das Ehepaar wurde am 25.10.1941 nach Lodz/Litzmannstadt deportiert. Siegmund starb dort, Baszion wurde im September 1942 in Chelmno/Kulmhof ermordet. An sie erinnern Stolpersteine im Grindelberg 74a. (Siehe www.stolpersteine-hamburg.de)

Sarah Heimann (geb. 30.9.1894) wurde am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Für sie liegt ein Stolperstein in der Straße Durchschnitt 1/Rotherbaum. (Siehe www.stolpersteine-hamburg.de)

Benzion Heimann (geb. 8.9.1895) heiratete Sara Schenkolewski (geb. 7.2.1904) in Hamburg. Sie bekamen die Kinder Gella (geb. 3.6.1928), Rahel (geb. 21.12.1929), Frieda (geb. 1.8.1931), Abraham Sally (geb. 21.1.1933), Wolf (geb. 7.1.1934), Adele (geb. 5.5.1936) und Lea (geb. 12.11.1937). (Ein Kind (geb. 28.10.1896) war tot geboren und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Langenfelde beigesetzt). Das Ehepaar flüchtete 1939 mit seinen Kindern nach Palästina.

Stand: Mai 2021
© Bärbel Klein

Quellen: StaH, 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7; 131-1 II_6851 Korrespondenz ehem. Jüd. Mitbürger; 213-13_11401 Betty Bari; 213-13_11410 Max und Lea Jakob; 213-13_11911 Siegmund Aron; 213-13_14126 Siegmund Aron; 213-13_20649 Siegmund Aron; 213-13¬_25166 Hanna Heimann; 213-13_15574 Schlesinger; 213-13_18398 Schlesinger / Hertz; 351-11_773 Hanna Heimann; 351-14_923 Mendel Bari; 351-11_1418 Sarah Heimann; 351-11_3846 Max und Lea Jakob; 351-11_4025 Max und Lea Jakob; 351-11_6262 Siegmund Aron; 351-11_17239 Sarah Heimann; 351-11_28287 Sarah Heimann, 351-11_29263 Max und Lea Jakob; 351-11_31483 Max und Lea Jakob; 351-11_34415 Leo Scharf / Bari; 351-11_39950 Betty Bari; 351-11_43491 Siegmund Aron; 351-11_45006 Siegmund Aron; 351-11_45292 Betty Bari; 351-11_46576 Siegmund Aron; 351-11_47565 Betty Bari; 351-11_46727 Betty Bari; 351-11_46728 Betty Bari; 351-11_48259 Sarah Heimann; 351-11_48947 Sarah Heimann; 522-1_992 f 2; 522-1_992 p 1569; 522-1_992 p 1567; 332-5_1073/1877; 332-5_1650/1878; 332-5_3030/1878; 332-5_502/1879; 332-5_3331/1880; 332-5_156/1882; 332-5_2026/1883; 332-5_1011/1887; 332-5_4321/1888; 332-5_4437/1889; 332-5_4486/1890; 332-5_2717/1891; 332-5_4729/1891; 332-5_1356/1892; 332-5_3529/1894; 332-5_105/1895; 332-5_3034/1895; 332-5_1136/1896; 332-5_1394/1896; 332-5_1862/1896; 332-5_1167/1897; 32-5_589/1898; 332-5_2062/1899; 332-5_3516/1899; 332-5_1554/1900; 332-5_84/1902; 332-5_7/1904; 332-5_2473/1904; 332-5_154/1906; 332-5_789/1906; 332-5_297/1911; 332-5_210/1913; 332.5_780/1914; 332-5_232/1917; 332-5_290/1917; 332-5_468/1921; 332-5_265/1922; 332-5_363/1922; 332-5_873/1928; 332-5_433/1933; 332-5_508/1933; 332-5_233/1934; 332-5_3/1936; 3325-5_235/1936; 332-5_402/1939; 332-5_505/1939; 332-5_572/1940; 332-5_48/1941; 332-5_209/1941; 332-5_294/1942; ITS Archives Bad Arolsen Digital Archive Korrespondenzakte 6.3.3.2 / 7105 Archivnummer [93256986] und ITS Archives Bad Arolsen Digital Archive Korrespondenzakte 6.3.3.2 / 7105 Archivnummer [93252971] Einsicht am 7.3.2017; Karin Guth, Ein Erinnerungsbuch Bornstraße 22, Hamburg 2001, Seite 60-68, Familie Bari – Trennung von den Kindern; www.geni.com; www.ancestry.de; www.wikipedea.de.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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