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Bereits verlegte Stolpersteine



Moritz Meyers * 1894

Heinrich-Barth-Straße 8 (Eimsbüttel, Rotherbaum)


HIER WOHNTE
MORITZ MEYERS
JG. 1894
"SCHUTZHAFT" 1938
SACHSENHAUSEN
1942 KZ FUHLSBÜTTEL
DEPORTIERT 1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Weitere Stolpersteine in Heinrich-Barth-Straße 8:
Rolf Arno Baruch, Marion Baruch, Georg Baruch, Bernhard Baruch, Dan Baruch, Gertrud Baruch, Martha Meyers, Berthold Walter, Elinor Wolff, Georg Wolff, Leo Wolff, Lilly Wolff, Toni Wolff, Machla Wolff, Willi Wolff

Martha "Martel" Meyers, geb. Cohn, geboren am 1.8.1911 in Krefeld, deportiert am 11.7.1942 nach Auschwitz und ermordet
Moritz Meyers, geboren am 20.1.1894 in Stadtlohn, deportiert am 11.7.1942 nach Auschwitz und ermordet

Heinrich-Barth-Straße 8, Eimsbüttel

Martha, genannt Martel, war als erstes von zwei Kindern der jüdischen Eheleute Adolf Cohn und seiner Ehefrau Henriette Cohn, geb. Nathan, am 1.8.1911 in Krefeld zur Welt gekommen. Ihr Vater war am 27.6.1882 in Braunschweig geboren worden (Er wurde am 5. Mai 1943 nach Theresienstadt deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet. Siehe www.stolpersteine-hamburg.de. Die Mutter, geb. 2.3.1884 in Emmerich, verstarb am 15. August 1931 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Solingen beigesetzt).

Die Familie war von Krefeld über Frankfurt am Main nach Solingen gezogen, wo dann Martels Bruder Georg Bernhard am 24.4.1919 geboren wurde. Adolf Cohn engagierte sich in der dortigen jüdischen Gemeinde, 1925 wurde er zu ihrem stellvertretenden Repräsentanten gewählt. Adolf Cohn arbeitete in Solingen, wo die Familie in der Wupperstraße 2 wohnte, als Vertreter für Schulwaren.

Am 26. Oktober 1932, so vermerkt es die Einwohnermeldekarte, ging Adolf Cohn "auf Reisen". Er kehrte nicht nach Solingen zurück. Die Familie zerstreute sich, nachdem Henriette Cohn gestorben war: Die Tochter Martel zog nach Köln, der Sohn Georg nach Leipzig. Doch 1934 waren alle in Hamburg gemeldet.

In Hamburg lernten sich Adolf Cohn und die ebenfalls jüdische Witwe Martha Buchhalter, geb. Jacob, kennen. Sie lebten zusammen in ihrer großen Wohnung in der Rappstraße 24/ Rotherbaum.

Martel fand eine Anstellung als Kontoristin bei Dr. Robert Wohlers, einer chemischen Fabrik in der Kaiser-Wilhelm-Straße 47 in der Neustadt und anschließend bei den Schlesischen Furnier Werken in der Billstraße 23-25 in Rothenburgsort. Ihr Bruder Georg Cohn absolvierte eine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten an der Theaterkasse an den Alsterarkaden, die von einer Familie Käse betrieben wurde.

Beide jungerwachsenen Kinder unterstützten seelisch wie finanziell ihren Vater und seine Lebensgefährtin, denn Adolf Cohn wurde oftmals die Unterstützung des Wohlfahrtsamtes versagt. Am 27. Oktober 1936 heirateten Adolf Cohn und Martha Buchhalter im Standesamt 1 in Hamburg.

Martha Cohn brachte ein Kind in die Ehe mit, ihre Stieftochter aus erster Ehe, für die sie die Vormundschaft übernommen hatte. Diese Tochter, Frieda Buchhalter, war am 29.9.1922 in Beuthen/ Kattowitz zur Welt gekommen. Ihre Mutter war kurz nach der Geburt verstorben, ihr Vater Isaak Buchhalter am 20. Januar 1935. Martha Cohn wechselte dann mit der Dreizehnjährigen nach Hamburg.

Irgendwann in dieser Zeit, vermutlich 1938 oder kurz davor, lernte Martel Cohn dann auch ihren zukünftigen Ehemann Moritz Meyers kennen.

Während des Novemberpogroms am 9./10. November 1938 rückten Kommandos der SA aus, um die Geschäfte von Juden zu demolieren. Zerstörungen und Plünderungen fanden in vielen Hamburger Stadtteilen statt. Zwischen dem 10. und 15. November wurden dann nachweislich 873 Juden in das Hamburger Polizeigefängnis Fuhlsbüttel eingeliefert, die meisten danach ins KZ Sachsenhausen überstellt. So erging es auch Georg Cohn und Moritz Meyers: Sie wurden am 11. November 1938 in "Schutzhaft" genommen und über das Polizeigefängnis Fuhlsbüttel nach Oranienburg/ Sachsenhausen eingeliefert. Während uns Georg Cohns Entlassungsdatum nicht bekannt ist, wissen wir, dass Moritz Meyers am 15. Dezember 1938 freikam.

Am 21. April 1939 heirateten Martel Cohn und Moritz Meyers im Standesamt Hamburg und zogen zu ihren Eltern in die Rappstraße 24/ Rotherbaum im 1. Stock. Dort lebten nun Adolf und Martha Cohn, die Stieftochter Frieda Buchhalter, Georg Cohn und Martel und Moritz Meyers. Manchmal beherbergten sie auch vorübergehend Nichten und Neffen, denn die Familie hielt in dieser schweren Zeit zusammen.

Moritz Meyers war als viertes von sechs Kindern der jüdischen Eheleute Meijer Meijers und Schenetta Schorfine, geb. Kleffmann, am 20.1.1894 in Stadtlohn/ Westfalen geboren worden. Die Eltern hatten 1888 in Stadtlohn geheiratet. Meijer Meijers stammte aus Holland und handelte mit Manufaktur- und Kurzwaren.

In erster Ehe war Moritz, der seinen ursprünglichen Namen Meijers in Meyers geändert hatte, mit Hanne Hedwig, geb. Stein, verheiratet gewesen, die am 10.6.1897 in Lügde im Kreis Höxter geboren worden war. Sie hatten am 14. Oktober 1919 dort geheiratet. Zuvor war er im Ersten Weltkrieg an der Front eingesetzt gewesen. In Lügde übernahm Moritz Meyers ein Manufakturengeschäft für Stoffe, Kleider und Anzüge von seinem Schwiegervater, für das er 1926 Konkurs anmelden musste.

Mit seiner ersten Ehefrau hatte er vier Kinder: Erwin Meyers (geb. 2.9.1920), der nach nur 10 Tagen verstarb; Margot Meyers (geb. 21.9.1921), Gisela Meyers (geb. 12.1.1924) und Kurt Karl Meyers (geb. 10.2.1926), die alle in Lügde geboren worden waren.

Anfang der 1930er Jahre wohnte Moritz Meyers in Heiligenstadt in der Bonifatiusstraße 7 in Thüringen. Von dort ging er Ende 1936 nach Leipzig. Seine Kinder gaben später an, er habe von 1928 bis 1937 als "Reisender" (Vertreter) gearbeitet.

Am 17. Januar 1939 wurde die Ehe geschieden. Moritz Meyers zahlte für seine geschiedene Ehefrau und die Kinder Unterhalt. (Seine geschiedene Ehefrau Hanne Hedwig Meyers verstarb am 24. Februar 1942 im Israelitischen Krankenhaus in Hannover.)

1938 ließ Moritz Meyers sich in Hamburg nieder und fand bei den Eltern seiner zukünftigen Ehefrau Martel ein Zuhause in der Rappstraße 24.

1939 wurde der Mieterschutz für Juden aufgehoben. Das erlaubte den Vermietern, ihren jüdischen Mietern die Wohnung zu kündigen. Davon waren auch Martel und Moritz Meyers betroffen. Sie mussten am 1. Juni 1939 aus der Rappstraße 24 ausziehen und sich im "Judenhaus" Heinrich-Barth-Straße 8 ein Zimmer bei Kendziora teilen. (Hier wurden auch die Stolpersteine verlegt.)

Die Kinder von Moritz Meyers konnten im Juli 1939 mit einem Kindertransport nach England gelangen und überlebten so die Zeit des Nationalsozialismus.

Bis 1940 sind auf der Kultussteuerkartei von Martel Meyers noch Einkünfte verzeichnet, d.h. sie war noch erwerbstätig, wenn auch nicht ersichtlich, wo und in welcher Tätigkeit.

Martel Meyers‘ Vater Adolf Cohn kam im Dezember 1941 aus uns nicht bekannten Gründen ins Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, für seine Ehefrau Anlass, Selbstmord zu begehen. In Martha Cohns Abschiedsbrief an ihre Stieftochter Martel nannte sie als Grund für den Suizid, es sei für sie unerträglich, ihrem Mann nicht helfen zu können. Das Schreiben heftete sie an ihre Wohnungstür in der Rappstraße 24, der letzten gemeinsamen Wohnung des Ehepaares. Adressiert hatte sie den Umschlag an ihre Tochter Martel in der Heinrich-Barth-Straße 8, Keller. Martha Cohn wurde von ihrem Schwiegersohn Moritz Meyers aufgefunden. Er sagte vor der Polizei aus, was er vorgefunden hatte: "Der Küchengasherd war geöffnet. Es roch stark nach Leuchtgas. Der Haupthahn war geöffnet."

Obwohl Moritz Meyers die Einlieferung seiner Schwiegermutter ins Jüdische Krankenhaus in der Johnsallee sofort veranlasste, verstarb sie kurz darauf am 15. Dezember 1941 an den Folgen des Suizids.

Am 8. Juni 1942 wurde Moritz Meyers erneut im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel inhaftiert und erst "entlassen", als sein Deportationsdatum, der 11. Juli 1942, bevorstand.

Martel und Moritz Meyers mussten sich am 10. Juli 1942, einen Abend vor der geplanten Deportation, am Sammelort einfinden, diesmal das Jüdische Gemeinschaftshaus in der Hartungstraße.

Der Zug verließ am 11. Juli 1942 den Hannoverschen Bahnhof und erreichte vermutlich zwischen dem 14. und 16. Juli 1942 Auschwitz. Dort wurden die Deportierten gleich nach der Ankunft ermordet.

Martel Meyers wurde 31 Jahre alt, Moritz Meyers 48 Jahre.

Zum Schicksal der Angehörigen von Moritz Meyers:
Das Ehepaar Meijer Meijers flüchtete 1939 in die Niederlande. Im März 1943 wurden sie im KZ Vught interniert, wo Schenetta Schorfine Meijers am 23. April 1943 verstarb. Meijer Meijers wurde am 14. Mai 1943 in Sobibor ermordet. (Siehe www.stolpersteine-stadtlohn.jimdofree.com; www.stolpersteine-guide.de.)

Leopold Meyers (geb. 4.3.1889) wurde am 13. Dezember 1941 mit seiner Ehefrau Bertha und zwei Kindern nach Riga deportiert und dort ermordet (der jüngste Sohn überlebte die Deportation). (Siehe: www.stolpersteine-stadtlohn.jimdofree.com.)

Betty Meyers (geb. 3.4.1891) wurde am 31. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 9. Oktober 1944 weiterdeportiert nach Auschwitz und dort ermordet. (Siehe: www.stolpersteine-stadtlohn.jimdofree.com.)

Siegmund Meyers (geb. 20.12.1892) verstarb in Stadtlohn am 24. Dezember 1892.

Lina Meyers (geb. 16.10.1895) heiratete Alex Wolff. Lina Wolff verstarb am 25. April 1922 in Brüggen Hildesheim. Ihr Ehemann Alex Wolff wurde am 11. Dezember 1941 nach Riga deportiert. (Siehe: www.stolpersteine-stadtlohn.jimdofree.com.)

Johanna Meyers, verh. Marx (geb. 12.4.1899), wurde am 13. Dezember 1941 zusammen mit ihren Ehemann Max Marx und den Söhnen Rudolf Gustav und Werner Marx von Münster nach Riga deportiert.

Martel Meyers Bruder Georg Cohn wurde am 26. Juli 1941 im "Jüdischen Forsteinsatzlager" in Schönfelde/ Berlin interniert. Am 19. April 1943 wurde er von dort nach Auschwitz deportiert und dann ermordet. (Siehe www.stolpersteine-hamburg.de.)

Für Adolf und Georg Cohn liegen Stolpersteine in Hamburg (wie oben) und in Solingen Mitte, Breidbacher Tor 2. (Siehe: www.stolpersteine-solingen.de.)
Frieda Buchhalter flüchtete am 22. Februar 1939 nach Schweden. Sie heiratete dort am 29. Juli 1944 Kurt Rothschild (geb. 1.12.1916) und bekam mit ihm zwei Kinder.

Stand: Dezember 2021
© Bärbel Klein/Ergänzungen Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 2; 4; 5; 8; StaH; 213-13_13965; 213-13_14661; 213-13_25396; 214-1_203; 351-11_14363; 351-11_34951; 351-11_39751; 351-11_44595; 351-11_45670; 351-11_7643; 351-11_47894; 351-14_1041; 351-14_1321; 351-14_1807; 351-14_1959; 351-14_1974; 332-5_1012/1881; 332-5_114/1883; 332-5_2077/1883; 332-5_3664/1884;332-5_4281/1885; 332-5_4438/1886; 332-5_2009/1887; 332-5_2255/1887; 332-5_2231/1888; 332-5_3886/1888; 332-5_754/1891; 332-5_4719/1893; 332-5_3487/1889; 332-5_3296/1890; 332-5_51/1903; 332-5_245/1913; 332-5_677/1913;332-5_255/1916; 332-5_288/1916; 332-5_778/1916; 332-5_2136; 332-5_759/1918; 332-5_240/1919; 332-5_475/1919; 332-5_1029/1921; 332-5_576/1929; 332-5_607/1936; 332-5_213/1937; 332-5_406/1940; 332-5_445/1941; 331-5_3 Akte 1945/1941; 522-1_1066; Stadtarchiv Gudensberg Nr. 52/1886; Stadtarchiv Solingen, Sterbeurkunde Henriette Cohn Nr. 224/1931; Krefeld Geburtsurkunde Martha Cohn 1334/1911;ITS Archives Bad Arolsen Digital Archive Korrespondenzakten 1.2.4.1. [12650952] und [99094924]; Buch und Biografie Stolpersteine Solingen Man soll mich nicht vergessen von Armin Schulte, 16. Januar 2020, Stadtarchiv Solingen; Alfred Gottwaldt und Diana Schulte, Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005, S. 395; Karin Guth, Bornstraße 22. Ein Erinnerungsbuch, Hamburg 2001, S. 17; www.ancestry.de;www.geni.com;www.wikipedea.de (Einsicht am 9.3.2017).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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