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Hugo Levinson * 1898

Dillstraße 21 (Eimsbüttel, Rotherbaum)

1941 Minsk

Weitere Stolpersteine in Dillstraße 21:
Bertha Berges, Charlotte Berges, Marianna Berges, Emma Blitz, Herbert Cohen, Abraham Freimann, Karl Gänser, Julius Gottschalk, Minna Gottschalk, Hermann Samuel Gottschalk, Ernst August Gottschalk, Karola Gottschalk, Erwin Levinson, Flora Levinson, Bert(h)a Seligmann

Hugo Levinson, geb. am 22.7.1898 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Flora Dora Levinson, geb. Goldschmidt, geb. am 26.3.1902 in Harmuthsachsen, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk
Erwin Levinson, geb. am 3.9.1929 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk

Dillstraße 21

Hugo Levinson war der Sohn von Eduard Levy Jacob Levinson (geb. 15.3.1857) und seiner Frau Henriette Levinson, geb. Henriquez (geb. 9.4.1865). Er war das sechste von insgesamt neun Kindern, seine Geschwister waren Max (geb. 1.5.1889), Semmy (geb. 2.6.1890), Meinhard (geb. 17.12.1891), Elfriede (geb. 2.2.1894), Rudolf (geb. 24.9.1895), Rosa (geb. 21.8.1902), Clara (geb. 12.4.1904) und Theodor (geb. 30.9.1905). Von den neun Geschwistern überlebten nur vier die Zeit des Nationalsozialismus.

Hugo Levinsons Vater arbeitete als Redakteur und später als Geschäftsführer der Eduard Levinson GmbH (Buch- und Zeitungsverlag), die dann zur Levinson und Bielfeld Buchdruckerei wurde.

Die Familie lebte zum Zeitpunkt von Hugos Geburt in der Bogenallee 6 und zog wenig später in die Wexstraße und schließlich 1908 in die Brüderstraße. Im Jahr 1914 folgte der Umzug in die Rutschbahn 11.1919 zog die Familie in die Hansestraße 77.

Hugo besuchte in seiner Jugend die Talmud-Tora-Realschule und absolvierte anschließend eine kaufmännische Lehre. Danach arbeitete er im Rohproduktengeschäft Eduard Lichtenhain. Im Jahr 1925 taucht Hugo Levinson zum ersten Mal in den Hamburger Adressbüchern auf, als Geschäftsführer der "Hapa", der Hamburger Produkten und Altmetall GmbH, in der Hansestraße 77. Später besaß er eine Möbelhandlung in der Hochstraße 4.

Hugos Vater starb am 7.1.1925, seine Mutter am 15.9.1941. Sie lebte zuletzt in der Sedanstraße 2.

Am 31.07.1928 heiratete Hugo Flora Goldschmidt in ihrem Geburtsort Harmuthsachsen (Hessen).

Flora Dora Levinson, geb. Goldschmidt, wurde am 26.3.1902 geboren. Die Familie Goldschmidt war seit 1751 in Harmuthsachsen ansässig, Floras Eltern Minna Goldschmidt (geb. 20.6.1875), geb. Abraham und Benjamin Marcus Goldschmidt (geb. 1868), hatten neben Flora noch drei weitere Kinder, Hilde (geb. 26.10.1900), Siegfried (geb. 12.9.1914) und Selli (geb. 10.10.1903). Sie besaßen ein Manufakturengeschäft in Harmuthsachsen. Nachdem Floras Eltern ihr Geschäft aufgeben mussten, siedelten sie nach Kassel um.

Die junge Familie Levinson lebte zunächst vermutlich bei Hugos Eltern in der Hansestraße 77. 1933 zog sie in die Trommelstraße 19. Flora Levinson arbeitete vermutlich in der Möbelhandlung ihres Mannes und kümmerte sich um den Haushalt, in der Fürsorgeakte ist notiert, dass sie früher als Amme tätig gewesen war (vermutlich ist Hebamme gemeint). Das erste und einzige Kind des Ehepaars Levinsohn, Erwin, wurde am 3.9.1929 in Hamburg geboren. Der Junge besuchte ab April 1936 die Schule.

Am 15.12.1934 musste Hugo Levinson sein Geschäft aufgeben, zu den näheren Umständen ist nichts bekannt. Sein Bruder vermutete, dass es als Folge von "NS-Gewaltmaßnahmen" geschah. Von da an hatte die Familie keine ausreichende Lebensgrundlage mehr. Sie erhielt Unterstützung durch die Wohlfahrtsbehörde und Hugo Levinson verrichtete im Rahmen der vom Amt vorgeschriebenen Arbeitsleistungen verschiedene Tätigkeiten ("Pflichtarbeit"), meist als Erd- und Tiefbauarbeiter.

Am 25.9.1935 zog die Familie in den Grindelberg 76 und Ende 1937 in die Dillstraße 21. Sowohl im Grindelberg als auch in der Dillstraße lebten sie als Untermieter. Als auch Flora Goldschmidts Vater Benjamin am 4.4.1939 in Kassel verstarb, zog Minna Goldschmidt zu ihrer Tochter und deren Familie nach Hamburg in die Dillstraße 21.

Hugo Levinson hatte 1937 durch die Vermittlung der Jüdischen Gemeinde die Möglichkeit, nach Johannisburg auszuwandern und bekam sowohl die nötige finanzielle Unterstützung als auch den notwendigen Nachweis der Wohlfahrtsstelle zur Arbeitsfähigkeit. Er bezahlte Pässe und ließ Urkunden und Dokumente übersetzten, laut den Akten der Wohlfahrtsbehörde sollte die Auswanderung nach zwei Monaten erfolgen. Warum diese letztlich nicht erfolgte, ist unklar. Auch ein Versuch der Familie 1939, nach Shanghai auszuwandern, schlug fehl.

Das Ehepaar Levinson ließ sich im Jahr 1939 scheiden, lebte aber weiterhin unter einem Dach.

Hugo, Flora und der zwölfjährige Erwin Levinson wurden zusammen mit Floras Mutter Minna Goldschmidt am 8.11.1941 in das Getto Minsk deportiert. Niemand von ihnen überlebte.

Theodor Levinson stellte nach Kriegsende für seinen Bruder Hugo einen Antrag auf Wiedergutmachung. Im Laufe des Verfahrens war ein wichtiger Streitpunkt das Todesdatum, weil danach die Entschädigung berechnet wurde. Sowohl für Hugo als auch für Flora und Erwin Levinson gibt es – wie für die meisten nach Minsk Deportierten - kein bekanntes Todesdatum. Nach einigem Hin und Her wurde das Jahr 1943 als Hugos Levinsons Todesdatum angenommen.

Stand: Januar 2020
© Mareike Kelzenberg

Quellen: 1; 5; StaH 332-5 Standesämter; StaH 351-11 AfW 24168; StaH 351-11 AfW 977; StaH 351-11 AfW 20895; Hamburger Adressbücher 1898-1941; Familienbuch der Harmuthsachsener Juden: Goldschmid(t). Harmuthsächser Opfer der Schoa. Rede Gedenkfeier der ehemaligen Synagoge Harmuthsachsen 2005; Rentrop-Koch: Die "Sonderghettos" für deutsche Jüdinnen und Juden im besetzten Minsk (1941-1943), in: Beate Meyer (Hrsg.): Deutsche Jüdinnen und Juden in Ghettos und Lagern (1941-1945). Lodz. Chelmno. Minsk. Riga. Auschwitz. Theresienstadt, S.88-109.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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