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Bereits verlegte Stolpersteine



Meyer Jelinewski * 1866

Schäferkampsallee 29 (Eimsbüttel, Eimsbüttel)

1943 Theresienstadt
ermordet am 23.8.1943

Weitere Stolpersteine in Schäferkampsallee 29:
Dr. Rudolf Borgzinner, Martha Dessen, Heinrich Harth, Margaretha Magnus, Eva Emma Mathiason, Emma Weiland

Meyer Jelinewski, geb. am 1.4.1866 in Bialla, deportiert am 23.6.1943 nach Theresienstadt, dort gestorben am 23.8.1943

Schäferkampsallee 29

Meyer Jelinewski war schon 77 Jahre alt und sehr krank, als er mit dem vierzehnten Hamburger Transport am 23. Juni 1943 nach Theresienstadt deportiert wurde, wo er zwei Monate später starb.

Er wurde am 1.4.1866 im kleinen Ort Bialla in Ostpreußen geboren. 1938 benannte man den Ort im Zuge der Germanisierung in Gehlenburg um. Meyer Jelinewski wurde Kaufmann. Seine Eltern hießen Israel und Johanna Jelinewski, geb. Tucher. Er hatte mindestens eine Schwester, Eva, die um 1940 in Königsberg lebte. Nach Hamburg kam er 1892 im Alter von 26 Jahren. Er war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, von der er geschieden wurde, hieß Anette, geb. Blitz (geb. 1868), und stammte aus Leer in Ostfriesland. Sie starb 1936. In zweiter Ehe heiratete er 1910 Franziska, geb. Scheibner, die am 22.11.1876 in Altona geboren und nichtjüdisch war.

Seit 1910 lebte Meyer Jelinewski in der Wrangelstraße 107 im zweiten Stock, bis er und seine Frau Franziska im September 1942 gezwungen wurden, aus der Wohnung auszuziehen. Das Ehepaar beherbergte einen Untermieter. Wie schwierig die Situation in dem Mietshaus war und wie das Ehepaar drangsaliert wurde, wird auch daran deutlich, dass das Ehepaar dem Hauswart 18 Reichsmark für den Luftschutzraum zahlen sollte, obwohl Meyer Jelinewski diesen Raum nicht erreichen konnte, denn er konnte nicht laufen. Der Antrag auf Ermäßigung wurde abgelehnt.

In seinen letzten Lebensjahren ging es Meyer Jelinewski gesundheitlich sehr schlecht. Herzkrank und teilweise gelähmt konnte er die Wohnung in der Wrangelstraße mehrere Jahre nicht mehr verlassen. Seine Frau, die selbst krank war, pflegte ihn bis zur Erschöpfung.

Ab Dezember 1939 war er auf Fürsorgeleistungen des Jüdischen Religionsverbandes, wie die Jüdische Gemeinde sich jetzt nennen musste, angewiesen. Mitte 1941 wurde seine ärztliche Betreuung eingestellt, er bekam keine Krankenscheine mehr. Da er an die Wohnung gefesselt war, versuchte das Ehepaar zu erreichen, dass ihn ab und zu jemand mit einem Rollstuhl ausfahren konnte, aber auch dieser Wunsch wurde ihnen versagt.

Im September 1942 lehnte das Amt den Antrag des Ehepaars, in der Wohnung Wrangelstraße zu bleiben, ab. Am 17. September wurde Meyer Jelinewski ins Israelitische Krankenhaus eingeliefert. Der behandelnde Arzt war Dr. Wolffson.

Wohin die Ehefrau Franziska zog, ist nicht bekannt. Auf der Steuerkarte taucht noch die Adresse Belowdamm auf. Es scheint so, dass das Ehepaar am 18. Dezember 1942 geschieden wurde.

Meyer Jelinewski hatte mit seiner ersten Frau Anette den Sohn Alfred, der am 14. Juni 1894 in Elmshorn geboren wurde. Da sich Meyer Jelinewski scheiden ließ, als sein Sohn noch ein Kind war, wuchs dieser bei der Mutter im Grindel auf, studierte in Freiburg und Rostock Medizin und ließ sich 1921 als promovierter Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten nieder. Er lebte später in der Eichenstraße 56 und floh 1939, nachdem er wegen "Rassenschande" inhaftiert gewesen war, von Vlissingen in den Niederlanden aus mit dem Schiff "Ilsenstein" nach New York. Später ließ er sich in Brooklyn, New York, nieder. Seine evangelische Ehefrau Hertha, geb. Petersen, konnte ihm mit dem gemeinsamen Sohn folgen.

© Susanne Lohmeyer

Quellen: 1; 3; 4; 7; StaH 522-1 Band 1, 992n Band 16 Fürsorgewesen Jüdischer Religionsverband Hamburg e.V.; http://matrikel.uni-rostock.de/id/200012751, Zugriff am 15.2.2013; Anna v. Villiez, Mit aller Kraft; www.ancestryinstitution.com, Zugriff am 15.2.2013.

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