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Martha Bedey (née Metschies) * 1901

Reeseberg 109 (Harburg, Wilstorf)


HIER WOHNTE
MARTHA BEDEY
GEB. METSCHIES
JG 1901
EINGEWIESEN 1941
STAATSKRANKENANSTALT
FRIEDRICHSBERG
"VERLEGT" 7.8.1943
HADAMAR
ERMORDET 20.1.1945

Martha Bedey, geb. Metschies, geb. am 5.3.1901 in Harburg, am 7.10.1941 eingewiesen in die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn, ‚verlegt‘ am 7.8.1943 in die Landesheilanstalt Hadamar, ermordet am 20. Januar 1945

Stadtteil Harburg, Rönneburg, Reeseberg 109

Martha Bedey wurde am 5.3.1901 in Harburg geboren. Sie war die älteste Tochter des Arbeiters Karl Metschies und seiner Ehefrau Helene, ihre Geschwister hießen Karl und Hedwig.

Martha besuchte in Harburg die Schule, nach Abschluss der Handelschule arbeitete sie als Kontoristin.

Am 5. August 1927 heiratete sie Christian Bedey. Das Ehepaar wohnte in der Lönsstraße 93.

Wegen psychischer Probleme wurde Martha Bedey am 16. September 1938 ins Allgemeine Krankenhaus Harburg eingeliefert. Dort stellten die Ärzte – nach Befragung der Angehörigen - fest, dass bei der Patientin seit ca. 1 ½ Jahren eine Veränderung der Psyche eingetreten sei. In der Krankenakte wurde vermerkt: "Die Patientin wird zur Weiterbehandlung in die Psychiatrische und Nervenklinik der Hansischen Universität Eilbecktal verlegt, da sich der Ehemann Besserung von einer Kur (Insulinkur) verspricht."

Am 20. September 1938 wurde sie dort, begleitet von Schwester und Schwägerin, eingeliefert. Am 30. Januar 1939 bat die Klinik die Kollegen des Universitäts-Krankenhaus Hamburg-Eppendorf um eine fachärztliche Untersuchung, " ...insbesondere interessiert die Frage, ob Sterilisation notwendig ist." Ob die dortigen Ärzte auf diese Frage eine Antwort gaben, ist nicht bekannt. Aber am 1.3.39 wurde die Patientin aus der Klinik entlassen, nachdem auch das Gesundheitsamt Harburg mit Schreiben vom 18. Februar 1939 bestätigte, "dass Bedenken gegen die Entlassung nicht erhoben werden".

Nach der Entlassung aus der Klinik zog Martha Bedey zu ihrem Vater in die Wohnung Reeseberg 109.

Am 17. September 1941 wurde sie erneut in die Psychiatrische Klinik Eilbecktal eingewiesen und kurz darauf wegen ‘Platzmangel’ am 7. Oktober 1941 mit einem Sammeltransport in die Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn 'verlegt'. Auf Anfrage der Sozialverwaltung Hamburg-Harburg teilte die Pflegeanstalt Langenhorn mit, dass mit einem längeren Anstaltsaufenthalt der Patientin zu rechnen sei.

Martha Bedeys Patientenakte enthält den Vermerk vom 7. August 1943: "Evakuiert nach Hadamar wegen Luftangriffe". Die Familie wurde darüber nicht informiert. Erst auf schriftliche Nachfrage der Schwester in Langenhorn, erfuhr die Familie vom Verbleib der Tochter bzw. Schwester.

Die Schwester Hedwig nahm umgehend Kontakt zur Landesheilanstalt Hadamar auf, schilderte das Leben ihrer Schwester und wies auf Umstände hin, die zu der Erkrankung geführt haben könnten. Außerdem bat sie um die Erlaubnis für einen Besuch, der mit Schreiben vom 14. Dezember 1943 genehmigt wurde und wahrscheinlich am Geburtstag der Patientin am 4. März 1944 stattfand. Am 30. August 1944 beantragte die Familie erneut eine Besuchserlaubnis für Schwester und Vater der Patientin.

Doch trotz solcher Besuchsgenehmigungen: Die Landesheilanstalt Hadamar war eine Tötungsanstalt im Rahmen des nationalsozialistischen Krankenmords. Die Menschen wurden dort mit Gas, der Überdosierung von Medikamenten und durch Mangelernährung zu Tode gebracht.

Auch Martha Bedeys Zustand verschlechterte sich. Mit Schreiben vom 5. Dezember 1944 fragte das Amtsgericht Harburg in der Landesheilanstalt Hadamar an, ob die Patientin "damit einverstanden ist, dass ihr Vater als Pfleger für die Wahrnehmung ihrer vermögensrechtlichen Angelegenheiten bestellt wird." In dem Antwortschreiben vom 16. Januar 1945 bestätigte die Klinik dem Amtsgericht, dass die Patientin "eines Pflegers bedarf". Drei Tage später teilte die Landesheilanstalt Hadamar Marthas Schwester Hedwig mit: "Bei Ihrer Schwester ist seit längerer Zeit ein auffallender Verfall festzustellen... Heute morgen ist sie zusammengebrochen. Lebensgefahr ist nicht ausgeschlossen. Besuch ist gestattet."

Einen Tag später, am 20. Januar 1945, starb Martha Bedey.

© Margrit und Helmut Rüth

Quellen: StaH 352-8/7 Sign. Abl. 1/1995 Nr. 29075; Hamburger Gedenkbuch Euthanasie. Die Toten 1938-1945, Berlin/Hamburg 2017, S. 88; Hamburger Adressbuch 1940.

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