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Alfred Aron * 1886

Eppendorfer Landstraße 46 (Hamburg-Nord, Eppendorf)

1941 Lodz
1942 ermordet in Chelmno

Weitere Stolpersteine in Eppendorfer Landstraße 46:
Bertha Engers, Bertha Margaretha Haurwitz, Dr. Rudolf Haurwitz, Siegfried Marcus, Martha Markus, Elsa Meyerhof, Käte Meyerhof, Olga Reyersbach

Alfred Aron, geb. 19.5.1886 in Bremen, am 25.10.1941 nach Lodz deportiert, am 10.9.1942 in das Vernichtungslager Chelmno weiterdeportiert
Ida Aron, geb. Sussmann, geb. am 6.11.1893 in Kumehnen/Samland, wahrscheinlich am 25.10.1941 nach Lodz deportiert

Eppendorfer Landstraße 46

Wann der 1886 in Bremen als Sohn von Daniel und Amalie, geb. Levy, geborene Alfred Aron nach Hamburg kam, ist uns nicht bekannt.

Er war Kaufmann und betrieb einen eigenen Brennstoffhandel, den er 1938 zwangsweise auf­geben musste. Außerdem war er als Provisionsreisender für Kohle für die Kohlenfirma Gebr. Burmeister, Hamburg, tätig. Es ist anzunehmen, dass er gut situiert war. Dafür sprechen verschiedene frühere Eppendorfer Adressen wie Haynstraße 20, Kremperstraße 9, Tarpenbekstraße 60 und dann die Fünfzimmerwohnung in der Eppendorfer Landstraße 46 mit einer durch mehrere Bekannte bezeugten hochwertigen Einrichtung, die das Ehepaar Aron bis zur Deportation bewohnte. Neben seinen Einkünften aus dem Brennstoffhandel bezog Alfred Aron noch eine kleinere Kriegsbeschädigtenrente.

In erster Ehe war Alfred Aron mit der 1886 geborenen Johanna, geb. Lindenborn, verheiratet gewesen, die 1930 verstarb. Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor.

1932 heiratete er die am 6. November 1893 in Kumehnen/Samland in Ostpreußen geborene Ida Sussmann. Diese Ehe blieb kinderlos.

Die zunehmend unerträglicher werdenden Zustände in Deutschland führten offenbar dazu, dass die Familie beschloss auszuwandern. Während die Söhne sich für Palästina entschieden, versuchten die Eltern nach Rhodesien bzw. Chile zu emigrieren.

Der am 4. Mai 1913 in Hamburg geborene Sohn Martin Aron absolvierte eine kaufmännische Lehre in der Hamburger Importfirma Franz Kauders & Co. Er übersiedelte 1939 mit seiner am 13. Dezember 1913 geborenen Ehefrau Rosa, geb. Josephs, nach Dänemark, um dort mit finanzieller Unterstützung der Reichsvertretung der Juden in Deutschland eine landwirtschaftliche Ausbildung mit dem Ziel einer späteren Auswanderung nach Palästina zu machen. Später lebte er als amerikanischer Staatsbürger in den USA.

Der am 31. August 1914 in Hamburg geborene zweite Sohn Werner Aron hatte ebenfalls eine kaufmännische Ausbildung und durchlief von 1934 bis 1936 eine Vorbereitung (Hachschara), die jungen Juden die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen oder handwerklichen Ausbildung und religiöse und sprachliche Vorbereitung für ein Leben in Palästina bot. Er wanderte – wahrscheinlich Ende der 1930er Jahre – nach Palästina aus.

1938 musste Alfred Aron seinen Brennstoffhandel zwangsweise aufgeben. Er wurde am 9. No­vember 1938 – wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Pogromnacht – von der Gestapo verhaftet und kam in "Schutzhaft" ins Polizeigefängnis Fuhlsbüttel und für ca. einen Monat ins KZ Sachsenhausen.

Vermutlich scheiterten die 1939 eingeleiteten Auswanderungsversuche von Alfred und Ida Aron nach Rhodesien bzw. Chile am Kriegsbeginn, obwohl sie bereits weit gediehen waren – so lag zum Beispiel 1940 eine genehmigte Liste für das Umzugsgut vor.

Ob aus eigener Not oder wegen der Notlage der Aufgenommenen nahm das Ehepaar Aron in den letzten Jahren mehrere Untermieterinnen und Untermieter auf: 1938 den Neffen Oskar Judelowitz, der sich nach der Hausmeldekartei am 26. Juli 1940 nach Lipaja in Lettland abgemeldet hatte; am 23. April 1940 zogen Manfred Flatov, geb. am 23. April 1940, und Siegfried Friedel Flatov, geb. am 16. Mai 1928, aus Berlin und die Schwägerin Mindel Sussmann, geb. 10. März 1889, aus Königsberg, wohin sie sich am 6. August 1941 wieder abmeldete, ein. Am 24. September 1940 folgte Antonia Kahan, geb. Sussmann, geb. am 21. August 1887, ebenfalls aus Berlin, wohin sie sich am 7. Oktober 1941 wieder abmeldete. Bertha Haurwitz (s. dort) wohnte ab 3. Februar 1941 bei den Arons, bis sie sich vor ihrer Deportation am 25. Oktober 1941 nach Lodz am 24. Oktober 1941 das Leben nahm.

Am 25. Oktober 1941 wurde der 55-jährige Alfred Aron in das Getto Lodz deportiert und von dort am 19. September 1942 weiterdeportiert ins Vernichtungslager Chelmno, wo er ermordet wurde. Wahrscheinlich erlitt seine Frau das gleiche Schicksal, allerdings fehlt ihr Name auf der Transportliste für den 25. Oktober 1941. Sie wurde aber wie ihr Ehemann Ende 1945 für tot erklärt. Die in Hamburg verbliebene Wohnungseinrichtung einschließlich der Wertgegenstände und des Schmucks wurde beschlagnahmt und versteigert. Der Erlös, wie auch ein Bankguthaben, wurden eingezogen.

© Birgit Burgänger

Quellen: 1; 4; 5; 7; StaH 351-11 AfW Abl.2008/1, 190586 Aron, Alfred; StaH 314-15 OFP, Fvg 4519: StaH 314-15 OFP, R1939/3125; StaH 332-8 Meldewesen A 51 (Aron Alfred und Ida); StaH 522-1 Jüd. Gemeinden, 992e2 Band 1; Meyer, Verfolgung, 2006; schriftl. Auskunft Gedenkstätte Museum Sachsenhausen v. 6.11.2008.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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