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Erna Ernestine Kahan * 1920

Bornstraße 16 (Eimsbüttel, Rotherbaum)


HIER WOHNTE
ERNA ERNESTINE KAHAN
JG. 1920
DEPORTIERT 1941
ŁODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 1.9.1942

further stumbling stones in Bornstraße 16:
Emma Cohn, Philipp Kahan, Mathilde Kahan, Gustav Jacob Kahan, Rosi Kahan, Rahel Kahan, Sophie Oljenick, Jenny Pincus, Gertha Pincus

Ernestine Erna Kahan, geb. 30.6.1920 in Berlin, deportiert am 25.10.1941 ins Getto Łodz, ermordet am 1.9.1942

Bornstraße 16

Im Oktober 1941 begannen die Nationalsozialisten mit der systematischen Deportation der deutschen Juden nach Osteuropa. Der erste Deportationstransport aus Hamburg führte am 25. Oktober ins besetzte Polen, ins Ghetto Lodz. Die Stadt Łódź war damals erst in Lodsch, dann in Litzmannstadt umbenannt worden. Unter den Deportierten war auch Erna Kahan. Von den 1 034 Menschen, die von Hamburg aus nach Lodz deportiert wurden, kamen 1 016 ums Leben.

Erna (Ernestine) Kahan war die Tochter von Philipp Kahan, geboren am 17. April 1886 in Berlin, und seiner Ehefrau Mathilde, geborene Michalski, geboren am 14. April 1893 in Erfurt.

Fünf Kinder hatte das Ehepaar; die ersten drei wurden in Berlin geboren: Erna (Ernestine), geboren am 30. Juni 1920, Siegfried, geboren am 25. Februar 1924, und Rosie, geboren am 27. Dezember 1925. Nach dem Umzug der Familie nach Hamburg wurden zwei weitere Kinder geboren: Rahel Hella, am 27. Dezember 1926, und Gustav, am 15. Februar 1930.
Die Familie lebte in der Straße Beim Schlump 88.

Ernas Vater Philipp Kahan war Kaufmann; für 1929 verzeichnete ihn das Adressbuch mit der Sparte Textilwaren-Großhandlung und dem Firmensitz von Kahan & Co im Großen Burstah 44, das Geschäft betrieb er gemeinsam mit Heinrich Randad. Die Adressbücher von 1930 bis 1933 wiesen Philipp Kahan als alleinigen Inhaber der Textilwaren-Großhandlung wie bisher mit der Adresse Beim Schlump 88 aus. 1934 und 1935 lautete die Anschrift von Kahan & Co Parkallee 10. 1936 und 1937 war als Firmensitz und Wohnung Grindelhof 62 eingetragen. 1938 befanden sich die Firma und Wohnung in der Hansastraße 36, 1939 in der Bornstraße 12; für das Folgejahr lautete der Eintrag Philipp Israel Kahan an der bisherigen Adresse. Die Stigmatisierung erreichte eine weitere Stufe. Für 1941 gibt es keinen Eintrag mehr. Die wechselnden Adressen zeichnen das Bild eines sich mühsam behauptenden Kaufmanns.

Vom Schlump 88 war es für die junge Erna ein Weg von etwa einer Viertelstunde zu ihrer jüdischen Schule in der Karolinenstraße, die sie von 1926 bis 1934 besuchte. Anschließend machte sie eine Lehre bei der Firma Schoenthal, wo sie bis 1938 als Kontoristin arbeitete. Die Kultussteuerkarte weist sie später als Hausgehilfin aus.

Wann genau Erna Kahan an den Steubenweg 36 kam, ist nicht bekannt. Das Haus war aber am 7. Juli 1941 von allen Jugendlichen, die sich dort zur Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palästina aufhielten, geräumt worden. Anzunehmen ist demnach, dass das Haus noch im Juli 1941 den neuen Bewohnern zugewiesen wurde. Bereits am 21. Oktober 1941 erhielten die ersten jüdischen Männer, Frauen und Kinder den »Evakuierungsbefehl«, darunter auch Erna Kahan, ebenso ihr Vater, ihre Mutter, ihr Bruder Gustav sowie ihre Schwestern Rosie und Rahel; alle wurden ins Ghetto Lodz deportiert. Allein Siegfried überlebte; er hatte bis 1938 die Talmud-Tora-Schule besucht und war mit einem Kindertransport nach England entkommen. 2002 lebte er in Tel Aviv.

Für Ernas Eltern und ihren Bruder Gustav werden als Todestag der 10. April 1942 genannt, für ihre Schwestern ist das Todesdatum unbekannt, alle sind in Lodz gestorben.

Für Erna gab es noch einen kurzen Moment der Hoffnung: Am 8. Dezember heiratete sie im Ghetto Julius Michael Cohn, geboren am 3. März 1904 in Hamburg. Er hatte seit 1929 als Versicherungsagent gearbeitet und war 1938, vermutlich im Rahmen der Pogromnacht, verhaftet worden und bis zum 17. Dezember in Sachsenhausen inhaftiert. Am 25. Oktober 1941 war er nach Lodz deportiert worden, wie Erna Kahan. Hier lernten sie sich spätestens kennen. Ihre Eheschließung wurde, wie öfter im Ghetto geschehen, von einem Rabbiner oder von der Ghetto-Verwaltung durchgeführt.

Julius Michael Cohn bemühte sich mit einem Antrag vom 1. April 1942 um eine Befreiung von der Weiterdeportation in ein anderes Lager, das häufig ein Vernichtungslager war, indem er besonders seinen bisherigen Arbeitseifer hervorhob. Der Antrag wurde bewilligt, ebenso das zweite Schreiben vom 10. April 1942, in dem er auch um die Rückstellung seiner Frau Ernestine bat, unter Beilage einer Abschrift der Heiratsurkunde als Beweis ihrer Eheschließung.

Mit diesen Anträgen ermöglichte er ihnen weitere Monate Lebenszeit im Ghetto. Seine Frau starb jedoch am 1. September 1942 an Mangelernährung. Kurze Zeit später, am 21. Oktober, starb auch Julius Michael, vermutlich infolge der gleichen Ursache.

Für Julius Michael Cohn liegt ein Stolperstein in der Heinrich-Barth-Straße 25; für keines der Mitglieder der Familie Kahan, also auch nicht für Erna Kahan, verheiratete Cohn, gibt es bisher einen Gedenkstein.

© Friedemann Hellwig

Quellen: Volkszählung 1939, mappingthelives.org; Adressbücher; Gedenkbuch 2004; geni.com; StaHH 351-11 Amt für Wiedergutmachung, 44027 (Exzerpte Sabine Boehlich); Hamburger Abendblatt, 21.8.2002.

Text mit freundlicher Genehmigung der Herausgeber entnommen aus: "Menschen, die plötzlich nicht mehr da waren«: Jüdisches Leben in Hamburg-Blankenese von Petra Bopp Friedemann Hellwig, Frauke Steinhäuser, Alan Kramer (Herausgeber), Hamburg 2024.

Ergänzung: Für Erna Ernestine Kahan, verheiratete Cohn, und ihre Familie wurden Stolpersteine in der Bornstraße 16 verlegt.

Susanne Rosendahl, Februar 2026

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