Neues von den Stolpersteinen


Helfer verlegen 29 neue Stolpersteine am Großneumarkt 38
Helfer verlegen 29 neue Stolpersteine am Großneumarkt 38
© Sabine Brunotte

Im März 2026 verlegten Helfer 29 Stolpersteine am Großneumarkt 38 anstelle der nicht mehr existierenden Schlachterstraße. 39 Stolpersteine erinnerten dort bereits an deportierte Bewohnerinnen und Bewohner. Ein erklärender Kopfstein soll noch folgen. Wo einst die Schlachterstraße verlief, am Durchgang zum Michel, befanden sich zwei jüdische Wohnstifte, die beide im 19. Jahrhundert von wohlhabenden jüdischen Stiftern finanziert worden waren, deren Namen sie trugen: das Marcus-Nordheim-Stift und das Lazarus Gumpel-Stift. Die Freiwohnungen dort entlasteten ärmere jüdische Familien von der damals üblichen halbjährlichen Mietzahlung. Waren die Stifte einst ein sichtbares Zeichen jüdischer Wohltätigkeit und Verantwortung für die Gemeinschaft, so wurden sie während der NS-Zeit als "Judenhäuser" zur Konzentration der jüdischen Bevölkerung missbraucht. 245 Personen wurden aus den Stiftshäusern Schlachterstraße 40/42 und 46/47 bis zum 19. Juli 1942 deportiert, alteingesessene Mieter sowie dort zwangsweise Einquartierte.

Mit dieser Verlegung erinnern in Hamburg ca. 7.500 Stolpersteine an Opfer des NS-Regimes, deren Lebensgeschichten bei mehr als 5.200 Personen verlinkt sind.

Ansonsten setzten die Projektbeteiligten im ersten Quartal 2026 ihre Arbeit fort: schrieben oder übersetzten Biografien und begleiteten Angehörige zu Stolpersteinen oder den Stätten familiärer Geschichte. Sie kooperierten mit Schulen, die - wie das Johanneum – derzeit ein größeres Vorhaben realisieren (davon mehr in einem der nächsten Newsletter) oder Institutionen wie dem Geschichtomat am IGdJ. Dort begaben sich Schülerinnen und Schüler der Schule Tegelweg auf die Spurensuche nach den Bewohnerinnen und Bewohner der ehemaligen Alsterdorfer Anstalten, die der sogenannten Euthanasie zum Opfer fielen. Ihr Video kann hier angesehen werden (siehe http://www.geschichtomat.de/orte/geschichten/detail/euthanasie)

Im Oktober 2026 jährt sich der Beginn unserer Biografieforschung zu den Stolpersteinen zum 20. Mal, Anlass genug, in einer Jubiläumsveranstaltung über die Entwicklung des Projektes zu reflektieren und die neuesten Ergebnisse vorzustellen. Über Ort, Beteiligte und Programm wird ein späterer Newsletter informieren.

Dr. Beate Meyer


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