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Already layed Stumbling Stones



Helene Martha Fernich * 1898

Großneumarkt 56 (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
HELENE MARTHA
FERNICH
JG. 1898
DEPORTIERT 1941
ŁODZ / LITZMANNSTADT
KULMHOF / CHELMNO
ERMORDET 12.5.1942

further stumbling stones in Großneumarkt 56:
Sella Cohen, Bertha Cohen, A(h)ron Albert Cohn, Thekla Daltrop, David Elias, Theresia Elias, Louisa(e) Elias, Martha Minna Fernich, Camilla Fuchs, Siegmund Josephi, Robert Martin Levy, Hertha Liebermann, Fritz Mainzer, Elsa Nathan, Ruth Nathan, Siegfried Neumann, Fanny Neumann, Lieselotte Neumann, Mirjam Neumann, Max Leo Neumann, Therese Neumann, Bela Neumann, Josef Polack, Bertha Polack, Eva Samuel, Rosa Therese Weil, Bernhard Weil, Rosa Weinberg, Siegfried Weinberg

Helene Martha Fernich, geb. am 14.7.1898 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, am 12.5.1942 im Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof ermordet
Martha Minna Fernich, geb. 25.2.1900 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, am 12.5.1942 im Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof ermordet

Großneumarkt 56

Die Schwestern Helene und Martha Fernich kamen als Töchter von Samuel Fernich (geb. 29.12.1868) und Pauline, geb. Goldschmidt (geb. 26.12.1867), in Hamburg zur Welt, wo ihre Eltern, die beide keine gebürtigen Hamburger waren, am 8. Dezember 1892 geheiratet hatten. Der Vater stammte aus Klotten an der Mosel. Eine Familie mit dem Namen Fernich (Vernig) soll dort seit dem 18. Jahrhundert ansässig gewesen sein. Die Großeltern väterlicherseits waren der Fleischer Leopold Fernich und Helene, geb. Ruben.

Ihre Mutter Pauline Fernich, Tochter des Kaufmannes Salomon Goldschmidt (geb. 10.4.1837, gest. 16.2.1907 in Hamburg) und Bertha Betty, geb. Feldheim (geb. 6.12.1836, gest. 20.12.1931 in Hamburg), war in Delligsen im Kreis Gandersheim, Landkreis Holzminden in Braunschweig geboren worden. Ihre Familie war wohl schon vor dem Ersten Weltkrieg nach Hamburg verzogen. Ihre Eltern liegen auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel in Ohlsdorf begraben.

Helene und Martha hatten zwei ältere Brüder: Ernst Siegfried war am 4. Juni 1894 zur Welt gekommen, Max Manfred am 30. April 1896. Beide starben früh, Max Manfred bereits als Sechsjähriger am 2. Januar 1903 in der elterlichen Wohnung in der Grindelallee 131, Ernst Siegfried war Soldat im Ersten Weltkrieg und wurde am 29. August 1918 südwestlich von Genvry in Frankreich durch einen Kopfschuss getötet.

Als Samuel Fernich die Geburten seiner Kinder registrieren ließ, gab er seinen Beruf unterschiedlich als Agent, Commis und Geschäftsführer an. Helene wurde in der Grindelallee 47 geboren, Martha in der Bartelsstraße 58. Am 1. März 1913 zog Familie Fernich aus dem Laufgraben 8, wo sie seit 1908 gelebt hatte, in eine mietfreie Wohnung des jüdischen Herz-Joseph-Levy-Stiftes am Großneumarkt 56, Haus A.

Samuel Fernich war seit zehn oder zwölf Jahren als kaufmännischer Angestellter in der Firma Arthur Goldschmidt & Co. tätig, die Maschinenöle vertrieb. Er erkrankte und konnte kein festes Einkommen mehr erzielen. Laut der Kultussteuerkarte der Jüdischen Gemeinde wurden ihm ab 1913 die Kultussteuern erlassen. Vermerkt wurde: "Einkünfte unbestimmt, da leidend u. eigentlich nicht erwerbsfähig".

Helene und Martha mussten nach ihrem Schulabschluss mitverdienen und blieben unverheiratet im elterlichen Haushalt. Helene arbeitete als "Reinmachefrau" bei der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft, Abteilung Schiffbau, beim Hamburger Finanzamt, und später auch in privaten Haushalten, nachdem sie, wie alle Jüdinnen und Juden, aus dem Staatsdienst entlassen worden war. Die jüngere Martha war seit November 1921 in der Chemischen Fabrik Beiersdorf & Co. beschäftigt. Beide Schwestern erzielten nur einen geringen Verdienst, wie aus ihrer Kultussteuerkarte ersichtlich ist. Martha wurde im November 1938 als "erwerbslos" geführt. Helene verdiente 1939 noch ca. 60 Reichsmark (RM) netto im Monat, 1941 ca. 10 RM wöchentlich. Dann wurde auf ihrer Kultussteuerkarte "krank" vermerkt.

Im Januar 1923 wandte sich Samuel Fernich an das Wohlfahrtsamt mit der Bitte um Unterstützung. Von der Jüdischen Gemeinde erhielt die Familie 10 RM wöchentlich. Zudem bezog das Ehepaar Fernich für seinen im Ersten Weltkrieg getöteten Sohn Ernst Siegfried eine sogenannte Elternrente in Höhe von 39,49 RM.

Samuel Fernich starb am 4. Januar 1933. Nach seinem Tod zog seine Witwe Pauline mit ihren Töchtern innerhalb des Herz-Joseph-Levy-Stiftes um, wahrscheinlich in eine kleinere Wohnung Haus B, 1. Stock.

Pauline Fernich litt an Asthma, sie starb am 16. Februar 1941 im Jüdischen Krankenhaus in der Johnsallee 68 und wurde neben ihrem Ehemann auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel in Ohlsdorf beigesetzt.

Martha und Helene mussten am 25. Oktober 1941 dem Deportationsbefehl Folge leisten. Sie wurden gemeinsam nach "Litzmannstadt" in das Getto nach Lodz deportiert, wo es ihnen gelang zusammenzubleiben. Sie wurden in der Hohensteinerstraße 31/33, Zimmer 69 einquartiert. Vermutlich konnten sie keine Arbeit in einer der zum Überleben wichtigen Werkstätten des Gettos finden und erhielten einen "Aussiedlungsbefehl" für den 7. Mai 1942. Gemeint war ein Transport in das Vernichtungslager Chelmno/Kulmhof, etwa 60 km von Lodz entfernt. Die Schwestern konnten eine Zurückstellung vom Transport erreichen. Helene Fernich reichte eine ärztliche Bescheinigung an die "Ausweisungs-Kommission" ein, dass sie sich einer Operation unterzogen habe und ihre Schwester Martha zur Betreuung benötige. Ihre "Aussiedlung" wurde jedoch nur um ein paar Tage verschoben. Am 12. Mai 1942 mussten sie "dann pünktlich um 12 Uhr in der Trödlergasse 7 zwecks Ausreise erscheinen". Martha und Helene Fernich wurden am 22. September 1949 vom Amtsgericht Hamburg für tot erklärt.

© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 9; StaH 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge 1131 (Fernich, Samuel); StaH 332-5 Standesämter 8559 u 658/1892; StaH 332-5 Standesämter 9103 u 1324/1894; StaH 332-5 Standesämter 9126 u 1011/1896; StaH 332-5 Standesämter 824 u 546/1818; StaH 332-5 Standesämter 9151 u 1599/1898; StaH 332-5 Standesämter 13272 u 492/1900; StaH 332-5 Standesämter 7962 u 28/1903; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 1; http://mosella-judaica.de/Gemeinden/Spuren234.html (Zugriff 26.12.2016); http://www.alemannia-judaica.de/klotten_friedhof.htm (Zugriff 26.12.2016); USHMM, RG-15_083M_0224_00000291, E-Mail von Trevor Culley am 8.11.2016; Auskunft von Fritz Neubauer, Universität Bielefeld, E-Mail vom 19.12.2016.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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