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Selma Bleiweiss mit ihrer Enkelin Hannelore, 1938
Selma Bleiweiss mit ihrer Enkelin Hannelore, 1938
© Privatbesitz

Selma Bleiweiss (geborene Löwenthal) * 1873

Enckeplatz 4 (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
SELMA BLEIWEISS
GEB. LÖWENTHAL
JG. 1873
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET

Weitere Stolpersteine in Enckeplatz 4:
Semmy Selig Bleiweiss, Käthe Bleiweiss, Uri Bleiweiss, Rudolf Bleiweiss, Elsa Hüttmann

Käthe Bleiweiss, geb. Peine, geb. am 8.5.1900 in Hamburg, deportiert am 11.7.1942 nach Auschwitz
Selig Semmy Bleiweiss, geb. am 19.6.1898 in Neumünster, deportiert am 11.7.1942 nach Auschwitz
Selma Bleiweiss, geb. Löwenthal, geb. am 21.9.1873 in Wöllmarshausen, deportiert am 11.7.1942 nach Auschwitz
Rudolf Bleiweiss, geb. am 31.10.1905 in Neumünster, am 4.7.1940 während der Zwangsarbeit tödlich verunglückt
Uri Bleiweiss, geb. am 29.1.1941 in Hamburg, deportiert am 11.7.1942 nach Auschwitz

Enckeplatz 4

Als Selma Bleiweiss in Wöllmarshausen in Südniedersachsen geboren wurde, gehörten ihre Eltern Meyer Löwenthal (geb. 14.10.1840) und Rosalie, geb. Rosenberg (geb. 20.7.1840), wie alle jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner der kleinen Ortschaft zur benachbarten Synagogengemeinde Bremke. Selma war das vierte von insgesamt elf Kindern. Vor ihr waren die älteren Geschwister, die später verheirateten Schwestern Jenny Anspacher (geb. 30.7.1865, gest. 8.9.1937 in Bremen, s. Gertrud und Bernhard Leiserowitz), Mathilde Reichenbach (geb. 8.6.1867 in Bremke, gest. 1928 in Halberstadt) und Bruder Richard (geb. 5.6.1869, gest. 27.3.1920 in Duderstadt) zur Welt gekommen.

Kurz nach der Geburt ihres jüngeren Bruders Max (geb. 12.8.1875) verließen die Eltern Wöllmarshausen und zogen mit drei weiteren jüdischen Familien nach Duderstadt, ebenfalls im Landkreis Göttingen gelegen. Dort kamen die Geschwister Frieda (geb. 24.11.1876, gest. 20.12.1939 in Duderstadt), die den Kaufmann Karl Hollaender (geb. 22.3.1873 Röhe, gest. 21.5.1940 in Sobibor) heiratete, Siegmund (geb. 29.3.1878), Meta (geb. 14.2.1880), und Minna (geb. 2.2.1882, gest. 2.4.1943 in Sobibor), später verheiratet mit dem Kaufmann Ernst Jacobsohn, zur Welt.

Die jüngsten Albert (geb. 18.2.1884, gest. 19.6.1888) und Sallie (geb. 1.10.1885, gest. 27.9. 1886) starben als Kleinkinder. Ihre Mutter Rosalie Löwenthal starb 1888, im selben Jahr wie ihr Sohn Albert, vier Jahre nach der Geburt ihres elften Kindes.

Selmas Vater Meyer Löwenthal erwarb 1880 ein Haus in Duderstadt Auf der Spiegelbrücke 344, wo er eine Eisenwarenhandlung eröffnete. Er wurde sehr erfolgreich, wie man seiner hohen Steuerveranlagung aus dem Jahre 1900 entnehmen kann. 1915 zerstörte ein Brand das gesamte Stadtviertel in Duderstadt und auch das Haus der Löwenthals. Ein Neubau mit der Haus-Nr. 10 wurde 1925 errichtet. Meyer Löwenthal starb am 16. Februar 1927. Sein Sohn Max Löwenthal blieb seinem Vater beruflich verbunden. Er eröffnete eine Eisenwarenhandlung in der Duderstädter Marktstraße 9.

Vielleicht besuchten Selma und ihre Geschwister die 1872 in Duderstadt gegründete jüdische Elementarschule. Ob Selma eine berufliche Ausbildung erhielt, ist nicht überliefert. Ihre jüngere Schwester Meta ging zwei Jahre auf eine Klosterschule und im Anschluss auf eine höhere Töchterschule. Sie erhielt dann eine kaufmännische Ausbildung.

Selma heiratete am 13. Juli 1897 in Duderstadt den Lübecker Kaufmann Siegmund Bleiweiss (geb. 1.2.1869). Seine Eltern waren der Schuhmacher Hermann Hirsch Bleiweiss und Hannchen, geb. Cohn. Sie wohnten 1873 unter der Lübecker Adresse Untere Johannisstraße 35.

Kurz nach der Eheschließung eröffnete das Ehepaar Bleiweiss in Neumünster eine Möbelhandlung. Dort wurden auch ihre sieben Kinder geboren. Zwischen 1898 und 1907 kamen vier Söhne und drei Töchter zur Welt. Die Familie gehörte zu den wenigen dort ansässigen Juden (1905 zählte die Jüdische Gemeinde in Neumünster 28 Personen). Sie führte ein offenes gastfreundliches Haus. "Pflichtbewusstsein, Selbstdisziplin und Leistungsfreude" hatten in der Familie einen hohen Stellenwert. Der älteste Sohn Selig, Semmy genannt, beendete in Neumünster die Oberrealschule mit der mittleren Reife und kam 1913 nach Hamburg, um in der Manufakturwaren Großhandlung und Exportgeschäft von Meyer Adolf Nathan, Alter Wall 72–74, eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren: "Es galt als Auszeichnung, wenn jemand in diesem Haus als Lehrling eingestellt wurde. Sie nahmen nur die, die gute Schulzeugnisse vorweisen konnten", so erinnerte sich später seine jüngere Schwester Caroline (geb. 16.2.1902). Ihr Bruder wurde dann als Soldat eingezogen, überlebte den Ersten Weltkrieg und blieb in seiner Lehrfirma tätig, in der er bis zum Abteilungsleiter aufstieg. Anfang 1919 entschlossen sich Selma und Siegmund Bleiweiss, ihrem Sohn nach Hamburg zu folgen. Sie gaben ihre Möbelhandlung in Neumünster auf und mieteten in der Elbstraße 60 (heute Neanderstraße) ein dreistöckiges Geschäftshaus (s. Helene Schwarz).

Im Erdgeschoss wurde der Geschäftsraum eröffnet, die darüber liegende Etage diente als Ausstellungsraum und in der oberen Etage richteten sie ihre Privaträume ein. Einige Jahre später erfolgte ein Umzug in eine modernere 5-Zimmerwohnung am nahegelegenen Enckeplatz 4, die Möbelhandlung wurde in die Straße Kohlhöfen 32 verlegt.

Am 28. September 1936 traf die Familie ein erster Schicksalsschlag: Sohn Martin (geb. 21.2.1903), der als kaufmännischer Angestellter tätig war und von seiner Familie als hochbegabt beschrieben wurde, starb an einer Herzerkrankung im Israelitischen Krankenhaus. Ein weiterer Todesfall ereignete sich am 7. Dezember 1937, als der Vater Siegmund Bleiweiss nach langer Krankheit verstarb.

Seine Witwe Selma, die mehrere Angestellte beschäftigte und nach einer Überlieferung "die Seele des Unternehmens" war, versuchte die Möbelhandlung, die seit 1933 unter antijüdischen Maßnahmen und Kampagnen stark gelitten hatte, allein weiterzuführen. Im Juli 1938 musste sie das Geschäft nach einem zweimonatigen Ausverkauf schließen. Der Rest der Ware wurde unter außerordentlich ungünstigen Bedingungen bei einer Auktion verschleudert. Zusätzlich verschlechterten sich die finanziellen Verhältnisse, als ihr Sohn Selig, seit 1925/26 als Lagerverwalter bei dem jüdischen Gummischuhwaren-Großhändler Walter Wulfsohn, Hohe Bleichen 40/42, tätig, von den "neuen" Firmeninhabern Rasch & Jung, Große Bleichen 31, als "Nichtarier" nur noch als Lagerarbeiter beschäftigt wurde. Die Wohnung am Enckeplatz hatte Familie Bleiweiss bereits aufgegeben, sie wohnte jetzt in der zweiten Etage der Kaiser-Wilhelm-Straße 115, wo auch Selmas älteste Tochter Frieda (geb. 9.7.1899) aus der Wexstraße 42 mit ihrem Ehemann Julius Prag (geb. 9.2.1896) sowie Tochter Hannelore (geb. 22.7.1931) vorübergehend Unterkunft fanden (s. Familie Prag).

Selmas mittlere Tochter Caroline, später verheiratete Händler, war die Erste, die Deutschland verließ. Durch ihre geschäftlichen Beziehungen als Inhaberin der Import-Agentur Maxima, Getreide- und Futtermittel, Neuer Wall 10, gelang es ihr, am 27. Juli 1938 über die Niederlande und New York nach Mexiko zu emigrieren.

Ihre jüngste Schwester Sella (geb. 29.5.1904) hatte am 21. Mai 1937 den Kaufmann Hermann Kanter (geb. 29.4. 1901) geheiratet. Sie gründeten ihren eigenen Haushalt in der Juliusstraße 8a in Hamburg-Altona. Sella arbeitete als Abteilungsleiterin im Modehaus der Gebrüder Robinsohn am Neuen Wall, bis sie, wie alle anderen jüdischen Angestellten, nach der "Arisierung" der Firma entlassen wurde. Im Februar 1940 gelang Sella und Hermann Kanter die gemeinsame Flucht in die USA.

Ihr ein Jahr jüngerer Bruder Rudolf Bleiweiss (geb. 31.10.1905) verlor seine Tätigkeit als Handelsvertreter für die Berliner Lederwarenfabrik Dreifuss bereits 1935, als das Geschäft "arisiert" wurde. Im Anschluss arbeitete er als Bote bei dem jüdischen Schlachter Willy Oppenheimer am Grindelberg 82. Etwa zur gleichen Zeit verlobte sich Rudolf Bleiweiss mit Mirla/Minna Londner (geb. 5.5.1910). Ihre Familie war kurz nach ihrer Geburt 1910 aus Sosnowiec, einer Stadt unweit von Kattowitz, nach Deutschland eingewandert und hatte sich im damals noch zu Preußen gehörenden Altona in der Lindenstraße 54 niedergelassen. Ihr Vater Jacob Londner (geb. 1875 in Bendin/Bendzin) hatte 1911 in der Großen Bergstraße 130a eine Buchdruckerei gegründet, die ihr Bruder Nathan Berndt (geb. 10.2.1903 in Sosnowicz) nach dem Tod des Vaters 1926 übernahm. Die Mutter Doba Frimet, eine geborene Londner (geb. 26.2.1876 in Bendin/Bendzin), war am 10. Februar 1914 verstorben. Ihre Gräber befinden sich auf dem Jüdischen Friedhof Bornkampsweg.

Bereits als 16-jährige Kontoristin unterstützte Mirla ihren Bruder im eigenen Betrieb. Im April 1938 wurde die Buchdruckerei als jüdische Firma "arisiert". Danach fand Mirla Londner bei dem Kaufmann Kurt Moses (s. Stolpersteine in Hamburg-Eppendorf und Hoheluft-Ost) im Allgemeinen Bekleidungshaus Centrum, kurz "ABC" genannt, im Alten Steinweg 1, eine neue Beschäftigung. Am 28. Oktober 1938 wurde sie als Jüdin mit polnischer Staatsangehörigkeit morgens um 6 Uhr aus ihrer Wohnung in der Holstenstraße 79 von der Polizei "aus dem Bett geholt" und noch am selben Abend mit ca. 1000 weiteren polnischstämmigen Jüdinnen und Juden aus Hamburg bei Zbaszyn/Bentschen über die deutsch-polnische Grenze abgeschoben. Ihr Bruder Nathan Berndt und seine Ehefrau Gertrud, geb. Sauer (geb. 1908 in Erfurt) entgingen der Abschiebung, denn sie waren bereits im Juni 1938 in die USA emigriert. Wie Mirla Londner später berichtete, lebte sie sieben Monate unter schrecklichen Umständen in einem provisorisch eingerichteten Grenzlager in Zbaszyn/Bentschen. Als sie die Erlaubnis erhielt, nach Hamburg zurückzukehren, um hier ihre "Angelegenheiten" zu regeln, nahmen sie und Rudolf Bleiweiss die Gelegenheit wahr und heirateten am 31. Mai 1939. Mirla erlangte mit der Eheschließung die deutsche Staatsbürgerschaft. Gleichzeitig bemühte sich das Paar um die nötigen Formalitäten ihrer Emigration. Die Abreise in die USA sollte am 28. Dezember 1939 erfolgen. Zwei Passagen auf dem Dampfer "Manhattan" der United States Lines nach New York waren bereits gebucht. Aus unbekannten Gründen verschoben sie ihre Abreise um einige Monate. Doch der Plan schlug fehl.

Rudolf Bleiweiss leistete seit Ende 1938 für die Firma Karl Vogt & Söhne in Bergedorf-Lohbrügge "Pflichtarbeit" als Tiefbauarbeiter. Am 4. Juli 1940 suchte seine Arbeitskolonne während schwerer Regenfälle Schutz in einem Bauwagen, der auf dem Bürgersteig stand. Beim Verlassen des Wagens wurde Rudolf Bleiweiss von einem Lastwagenfahrer erfasst, er starb auf dem Weg ins Krankenhaus an den Folgen schwerer Kopfverletzungen. Die Beerdigung fand am 10. Juli auf dem Jüdischen Friedhof an der Ilandkoppel statt. Der Hamburger Oberrabbiner Joseph Carlebach (geb. 30.1.1883 in Lübeck, am 26.3.1942 bei Riga ermordet, Stolperstein im Grindelhof 30) hielt die Trauerrede, in der er Rudolfs Fleiß und unermüdlichen Einsatz für andere erwähnte.

Seine Tochter Judith/Judis lernte ihren Vater nicht mehr kennen, sie wurde am 31. Oktober 1940 geboren. Mirla Bleiweiss blieb im Haushalt ihrer Schwiegermutter Selma, bis sie mit ihrer zehn Monate alten Tochter am 27. August 1941 Deutschland doch noch verließ. Eingeschlossen in einem verplombten Zugabteil mit weiteren jüdischen Emigranten gelangte sie über Frankreich und Spanien nach Lissabon und von dort mit dem Schiff in die USA, wo sie die Familie ihres Bruders bereits erwartete.

Rudolfs jüngerer Bruder, der kaufmännische Angestellte Hermann Bleiweiss (geb. 5.8.1907), war ebenfalls zum "Arbeitsdienst" in einer sogenannten Judenkolonne in der Nähe von Buxtehude gezwungen worden. Auch ihm gelang es noch im August 1941, Deutschland zu verlassen. Mit seiner späteren Ehefrau Bertha, geb. Sonn (geb. 1908), bekam er die Kinder Steven-Peter und Susan Ruth. Sie wurden 1946 und 1949 in den USA geboren.

Selmas Auswanderungsabsicht nach Mexiko zu ihrer Tochter Caroline bestätigt eine am 21.Oktober 1940 erteilte "Unbedenklichkeitsbescheinigung" der Devisenstelle, die ihr die Ausreise erlaubte. Vermutlich führten der Tod ihres Sohnes Rudolf und die bevorstehenden Geburten ihrer Enkelkinder zum Umdenken. Denn auch die Ehefrau ihres Sohnes Selig, Käthe Bleiweiss, geb. Peine (geb. 8.5.1900), erwartete ein Kind. Enkelsohn Uri wurde am 29. Januar 1941 geboren. Käthe Bleiweiss, Tochter des Ehepaares Leopold und Auguste Peine (s. dort), war wie ihre Schwägerin Sella Verkäuferin und wurde nach der "Arisierung" des Modehauses der Gebrüder Robinsohn entlassen. Sie fand keine anderweitige Erwerbstätigkeit mehr.

Im Juni 1942 musste Selma Bleiweiss mit ihrem Sohn Selig, Schwiegertochter Käthe und Enkelsohn Uri aus der Kaiser- Wilhelm-Straße in das "Judenhaus" Heinrich-Barth-Straße 8 ziehen. Am 11. Juli 1942 wurden ihre Namen auf die alphabetische Nachtragsliste für einen Transport mit unbekanntem Ziel gesetzt. Da nicht alle Personen, die auf der regulären Liste standen, am Tage vor der Deportation zur Registrierung im Jüdischen Gemeinschaftshaus in der Hartungstraße 9/11 erschienen, einige nahmen sich das Leben oder gingen in den Untergrund, rückte Familie Bleiweiss mit den Nr. 5 bis 8 nach. Der Transport ging nach Auschwitz, wo sie unmittelbar nach ihrer Ankunft in den Gaskammern ermordet wurden. Selmas älteste Tochter Frieda Prag war schon am 8. November 1941 mit ihrer Familie aus dem Neuen Steinweg 78 nach Minsk deportiert worden.

Von den Geschwistern Löwenthal aus Duderstadt lebten auch Selmas Schwester Meta und ihr Bruder Max in Hamburg. Meta Löwenthal hatte am 10. November 1919 in Duderstadt den Kaufmann Nathan Behr (geb. 22.10.1868) geheiratet und war ihm nach Hamburg gefolgt. Das Ehepaar wohnte in der Caffamacherreihe 53, wo Meta Behr einen Textilgroßhandel für Bettinletts betrieb. Nach dem Tod ihres Ehemannes, der am 4. Juni 1933 starb, heiratete sie am 8. Januar 1935 den aus Ratibor in Oberschlesien stammenden Bruno Berger (geb. 3.5.1880), auch für ihn war es die zweite Ehe. Bruno Berger stieg nach der Heirat in den Versandhandel seiner Frau Meta ein. Geschäft und Privatwohnung wurden in die Isestraße 57, in eine 5-Zimmerwohnung verlegt. Von dort aus betrieb das Ehepaar später seine Auswanderung. Am 28. Juli 1938 emigrierte Meta Berger nach Uruguay. Bruno Berger der vermutlich noch geschäftlich gebunden war, sollte mit dem Umzugsgut folgen. Doch der Beginn des Zweiten Weltkrieges machte das Vorhaben zunichte. Bruno Berger konnte nicht mehr ausreisen. Seine letzte Hamburger Adresse war das "Judenhaus" in der Rutschbahn 25a, von dort wurde Metas Ehemann am 19. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und am 15. Mai 1944 weiter nach Auschwitz. Meta Berger starb, 84-jährig, 1964 im "Asyl Israelita" der Jüdischen Gemeinde in Montevideo.

Max Löwenthal, der Bruder, hatte seine Eisenwarenhandlung in Duderstadt aufgegeben und war Ende März 1933 mit seiner Familie nach Hamburg gezogen. Bei ihrem Umzug lebten nur noch 33 jüdische Einwohnerinnen und Einwohner in Duderstadt. In der Großstadt Hamburg erhoffte er sich vermutlich größere Sicherheit.

Max Löwenthal wurde mit seiner Ehefrau Lina, geb. Fink (geb. 20.7.1878), und den Kindern Edith (geb. 25.11.1922) und Bodo (geb. 16.3.1911) und der Schwiegertochter Marie, geb. Massarik, geschiedene Seidel (geb. 4.7.1909 in Wien), am 6. Dezember 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert. Nur das Todesdatum von Bodo ist bekannt, er starb am 26. März 1942. Seine Schwester Franziska Rothschild (geb. 19.7.1903), die bereits seit 1927 in Hamburg lebte, emigrierte im März 1937 in die Niederlande, von dort wurde sie am 16. Juli 1942 gemeinsam mit ihrem Ehemann Julius Rothschild (geb. 9.8.1902 in Hamburg) und Sohn Günther (geb. 18.3.1928 in Hamburg) über das Durchgangslager Westerbork nach Auschwitz deportiert. Franziska und Günther wurden am Tage ihrer Ankunft ermordet, Julius Rothschild starb am 17. September 1942 in Auschwitz. Auch die andere Schwester, Bella (geb. 30.3.1908), verheiratet mit Walter Klein (geb. 25.7.1907 in Gajar), suchte im März 1938 Schutz in den Niederlanden, auch sie wurde in Auschwitz ermordet. Ihr Bruder Rudolf Löwenthal (geb. 26.7.1905) wurde ebenfalls mit seiner Ehefrau Wilma, geb. Meyerson (geb. 13.8.1913 in Rostock) und den Kindern Manfred (geb. 5.4.1937 in Hamburg), und Beatrix (geb. 8.12.1939 in Amsterdam) nach Auschwitz deportiert. Die Flucht in die Niederlande hatten auch sie nicht retten können. Stolpersteine in Hamburg und in Duderstadt erinnern an sie.


Stand: Juli 2018
© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 4; 5; 7; 8; 9; StaH 351-11 AfW 2234 (Bleiweiss, Selma); StaH 351-11 AfW 29231 (Kanter, Sella); StaH 351-11 AfW 21148 (Bleiweiss, Selig Semmy); StaH 351-11 AfW 26015 (Haendler, Caroline Lina); StaH 351-11 AfW 35440 (Bleiweiss, Mirla); StaH 351-11 AfW 21972 (Prag, Frieda); StaH 351-11 AfW 26849 und 26854 (Londner, Nathan Berndt); StaH 351-11 AfW 4811 (Berger, Meta); StaH 314-15 OFP_FVg 3594; StaH 314-15 OFP, R 1939/3029; StaH 314-15 OFP_FVg 8634; StaH 332-5 Standesämter 1070 u 457/37; StaH 332-5 Standesämter 1053 u 348/36; StaH 352-5 Todesbescheinigung 1936, Sta 2a, 348; StaH 332-5 Standesämter 5302 u 286/1914; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde 992d, Band 3; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 2; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 3; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 4; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 5; Schäfer-Richter/Klein: jüdische Bürger, S. 147, S. 151–153; www.joodsmonument.nl (Zugriff 25.3.2012); Auskünfte von Judis Birke-Bleiweiss 2008.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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