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Rosa Bauer (geborene Flörsheim) * 1879

Bundesstraße 35 (Eimsbüttel, Rotherbaum)

1942 Theresienstadt
1944 weiterdeportiert nach Auschwitz

Weitere Stolpersteine in Bundesstraße 35:
Julius Asser, Ernst Antonio Cassuto, Amalie Delmonte, Moses "Martin" Delmonte, Hans Gerson, Margot Gerson, Uri Gerson, Frieda Sternheim

Rosa Bauer, geb. Flörsheim, geb. am 14.4.1879 in Rotenburg/Fulda, deportiert nach Theresienstadt am 15.7.1942, ermordet in Auschwitz am 15.5.1944

Bundesstraße 35, Rotherbaum

Rosa Bauer wurde als Rosa Flörsheim in Rotenburg a. d. Fulda geboren. Sie hatte vier Geschwister, die Brüder Willy, Julius und Joseph und die Schwester Frieda. Frieda verstarb bereits als Kind, und Willy wurde im Ersten Weltkrieg 1916 in Flandern getötet. Die Brüder Julius und Joseph führten nach dem Ersten Weltkrieg in Rotenburg die Firma Gebr. Flörsheim, die 1906 gegründet worden war. Es handelte sich um ein Textil- und Manufakturwarenversandgeschäft. Im Haus der Familie gab es auch einen kleinen Laden. Im "Dritten Reich" gelang Joseph die Flucht nach Südafrika, während Julius 1941 im KZ Sachsenhausen umkam. Für ihn wurde in Rotenburg ein Stolperstein verlegt. Dort hatte er aber nicht bis zur Pogromnacht gelebt, sondern siedelte schon nach 1933 nach Leipzig über.

In ihrem Heimatort Rotenburg feierte Rosa Flörsheim am 8. Juli 1902 Hochzeit mit Sallis Bauer. Im März desselben Jahres hatten sich die beiden verlobt. Sallis Bauer wurde am 20. April 1864 in Rendsburg geboren und starb am 10. Februar 1942 in Hamburg. Seine Eltern waren Markus Bauer und Emma, geb. Meyer.

Rosa und Sallis Bauer hatten vier Kinder: Manfred (geb. 1903), Ella (geb. 1905), Herbert (geb. 1910) und Alice (geb. 1912). Allen Kindern gelang es, Deutschland zu verlassen. Sie lebten später in Australien. Herbert Bauer änderte seinen Namen in Herbert Bower. Ella hieß nach ihrer Eheschließung mit Nachnamen Baumgarten, Alice hörte auf den Nachnamen Cooke.

Sallis Bauer betrieb einen Großhandel für Tricotagen und Strumpf­waren im Hinterhaus in der ABC-Straße 56/57. Zunächst wohnte die Familie am Hallerplatz 10, später dann in der Fröbelstraße 12, Haus A, 2. Stock rechts in einer Fünfzimmerwohnung. Die Fröbelstraße existiert heute in ihrer alten Form nicht mehr und auch die Häuser sind nicht erhalten.

Ab 1931 erhielt das Ehepaar Wohlfahrtsunterstützung. Da war Sallis Bauer 67 Jahre alt. 1926 war sein Geschäft noch im Telefonbuch verzeichnet, aber in der wirtschaftlichen Krise hatte er wohl endgültig aufgeben müssen. Die Kinder erklärten nach dem Krieg: "Meine Eltern hatten eine vollständig eingerichtete Fünfzimmerwohnung in der Fröbelstraße 12 in den Jahren 1933 bis Anfang 1940 und zogen um in das Samuel-Levy-Stift, wo sie mietfrei wohnen konnten und Unterstützung erhielten von der Israelitischen Gemeinde, da mein Vater nichts mehr verdienen konnte."

Rosa wurde am 15. Juli 1942 vom Samuel-Levy-Stift in der Bundesstraße 35 nach Theresienstadt deportiert und am 15. Mai 1944 von dort nach Auschwitz gebracht und ermordet. Ihr Hausrat wurde am 17. September 1942 in Hamburg vom Auktionator Landjunk versteigert.

© Susanne Lohmeyer

Quellen: 1; 5; 7; StaH 351-11 AfW, AZ140479; HAB II 1904, 1916, 1926; HAB IV 1919; Hans Flörsheim, Über die Pyrenäen in die Freiheit.

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