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Clara Bleiweiss (geborene Lewin) * 1875

Grindelallee 166 (Eimsbüttel, Rotherbaum)

1941 Riga
ermordet

Weitere Stolpersteine in Grindelallee 166:
Sidonie Bleiweiss

Clara Bleiweiss, geb. Lewin, geb. am 18.5.1875 in Posen, deportiert am 6.12.1941 in das Getto Riga-Jungfernhof, dort ermordet
Sidonie Bleiweiss, geb. am 14.2.1901 in Posen, deportiert am 6.12.1941 in das Getto Riga-Jungfernhof, dort ermordet

Grindelallee 166

Über das Leben von Clara Bleiweiss und ihrer Tochter Sidonie ist nur wenig bekannt. Glücklicherweise ist ein undatiertes Foto der beiden erhalten, das Johanna Neumann, die Großnichte von Clara Bleiweiss, zur Verfügung stellen konnte.

Clara Lewin wurde am 18. Mai 1875 in Posen geboren. Sie heiratete dort Oskar Bleiweiss und bekam zwei Kinder: Fritz, geboren 19. Juli 1898, und Sidonie, geboren 14. Februar 1901. Ihr Mann Oskar starb noch in Posen und Clara zog vermutlich 1926 mit ihrer Tochter nach Hamburg, in eine Wohnung in der Grindelallee 89, in der sie bis 1934 lebten. In dieser Wohnung lebte seit 1919 Claras Sohn Fritz; vermutlich war er nach Ende des Ersten Weltkriegs nach Hamburg gezogen. Mit 17 Jahren, im Januar 1916, war Fritz zum Kriegsdienst verpflichtet worden. Er überlebte den Krieg schwer verletzt und blieb dauerhaft kriegsbeschädigt – Kugeln eines Schrapnells (einer Granate, die mit Metallkugeln gefüllt war) steckten in seinem Bein und konnten nicht entfernt werden; ebenso Granatsplitter im Rücken. Trotz dieser Einschränkungen hatte er nach Kriegsende den Beruf des Dekorateurs und Plakatmalers erlernt. Nach verschiedenen Anstellungen machte er sich 1928 als Schaufensterdekorateur selbstständig. Offenbar überließ er 1926 die Wohnung seiner Mutter und seiner Schwester (möglicherweise haben die beiden aber auch schon vorher mit ihm zusammen in der Wohnung gelebt), da er Erna Rosenberg, geboren 1911 in Apenrade, geheiratet hatte und und mit ihr in eine Wohnung in den Abendrothsweg zog (zu Fritz und Erna Bleiweiss sowie ihrem 1927 geborenen Sohn Oskar, s. www.stolpersteine-hamburg.de).

Vermutlich kam Clara Bleiweiss aber auch wegen ihrer jüngeren Schwester Louise, geboren 15. November 1876, nach Hamburg, die bereits seit 1903 in der Hansestadt lebte. Louise war mit Samuel Schickler verheiratet, der die Fa. Schickler & Co, Textil en gros und Segeltuchwaren, in der Grindelallee 83 begründet hatte. So wohnten die Schwestern nur wenige Häuser voneinander entfernt und als Samuel Schickler 1935 starb, intensivierte sich ihr Kontakt sicher.

Die Tochter Sidonie arbeitete nach der Eintragung auf der Kultussteuerkarte seit 1931 als Verkäuferin bei Gustav Kohn, Schuhwaren, in der Mönckebergstraße 17; später dann als Manglerin bei M. Rieder und Sohn, ebenfalls einem Schuhwarenhandel, in der Hamburger Straße. Sie lebte mit der Mutter zusammen und verdiente den Lebensunterhalt. In eine sehr schwierige Lebenssituation kamen beide, als Sidonie durch die nationalsozialistischen Zwangsmaßnahmen gegen Jüdinnen und Juden im September 1939 arbeitslos wurde. Sohn Fritz war seit Januar desselben Jahres Fürsorgeempfänger und konnte seine Mutter ebenfalls nicht unterstützen. Nun musste Clara Bleiweiss beim Fürsorgeamt sowohl die Kostenübernahme für Arztbesuche, als auch notwendige Arzneimittel und medizinische Hilfsmittel (Gummistrümpfe aufgrund von Krampfadern) beantragen. Die einzige Möglichkeit für sie, zum Lebensunterhalt beizutragen, war die Zimmervermietung.

Nachdem Mutter und Tochter sechs Jahre in der Grindelallee 89 und dann noch zwei Jahre (1935–36) in der Grindelallee 166 gewohnt hatten, zogen sie 1936 in die Dillstraße 8, I. Stock. Sie lebten nur in einem Zimmer der gemieteten 3-½-Zimmerwohnung; 2-½-Zimmer vermietete Clara Bleiweiss und finanzierte auf diese Weise die Gesamtmiete von 65 Reichsmark (RM). Auch ihre Schwester Louise Schickler wohnte seit 1939 mit in der Dillstraße 8 und unterstützte Clara monatlich mit 15 RM. 1940 konnte Louise über Sibirien und China in die USA ausreisen.

Sidonie Bleiweiss wurde in ihren letzten beiden Lebensjahren zwangsweise zu Fabrikarbeit herangezogen; so erscheint auch auf der Deportationsliste die Berufsbezeichnung "Fabrikarbeiterin".

Nach ihrer Deportation am 6. Dezember 1941 wurde Clara Bleiweiss’ Hausstand durch das Auktionshaus W. C. Schopmann & Sohn versteigert. Dieses überwies am 20. Dezember 1941 die Summe von 548 RM an den Oberfinanzpräsidenten.

Stand: Juli 2017
© Ute Harms

Quellen: Quellen: 1; 2; StaH 314-15 Oberfinanzpräsident FVg 5754; StaH 314-15 Oberfinanzpräsident R 1938/1404; StaH 314-15 Oberfinanzpräsident 47 UA 3-5; StaH 314-15 Oberfinanzpräsident 30 UA 20; StaH 314-15 Oberfinanzpräsident 26, 42; StaH 314-15 Oberfinanzpräsident 968; StaH 314-15 Oberfinanzpräsident 969; Gesche M. Cordes, Stolpersteine und Angehörige in Hamburg, Herzogenrath 2012, S. 80f.; Johanna Jutta Neumann, Umweg über Albanien, in: Eine verschwundene Welt. Jüdisches Leben am Grindel, hrsg. v. Ursula Wamser u. Wilfried Weinke, Springe 2006, S. 36–39; Ursula Randt, Wegweiser zu ehemaligen jüdischen Leidensstätten der Deportation von Hamburg nach Riga, Schriftenreihe der Deutsch-jüdischen Gesellschaft Hamburg, Reihe 2, Heft 3, Hamburg 1997; Hamburger Adressbücher; E-Mails Johanna Neumann, Washington (13.10., 14.10., 8.11. u. 15.11.2013).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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