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Albert Bloch * 1870

Caffamacherreihe 4 rechts von Polizeiwache (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
ALBERT BLOCH
JG. 1870
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1942 TREBLINKA
ERMORDET

Albert Bloch, geb. am 17.6.1870 in Hamburg, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, weiterdeportiert am 21.9.1942 nach Treblinka

Caffamacherreihe 4, rechts vor der Polizeiwache (Caffamacherreihe 18)

Albert Bloch kam als Sohn des jüdischen Ehepaares Ludwig/Lazar Bloch und Friederike/Fridche, geb. Jacob, in Hamburg zur Welt. Er hatte fünf Geschwister: Die ältere Rosalie wurde am 11. Oktober 1862 geboren, Henriette folgte am 17. Juli 1864, Bruder Leopold im Jahre 1866, Bertha am 14. Mai 1869 und die jüngste, Helene, am 22. August 1872. Albert Bloch erhielt nach seiner Schulzeit eine kaufmännische Ausbildung und blieb wie seine Geschwister Henriette, Leopold, Bertha und Helene unverheiratet. Der Vater Ludwig Bloch war Kürschner und verdiente den Lebensunterhalt als Pelzwarenhändler und Mützenfabrikant in der Gerhofstraße 32. Nach seinem Tode am 14. Dezember 1888 führte seine Witwe Friederike Bloch das Geschäft allein fort. 1890 zog sie mit ihren Kindern aus der zweiten Etage der Gerhofstraße in die Bornstraße 7. Ein weiterer Umzug erfolgte 1896 in die Neue ABC-Straße 12b. Am 29.Oktober des gleichen Jahres starb Alberts einziger Bruder Leopold im Alter von nur 30 Jahren. Friederike Bloch starb am 4. Januar 1901. Ihre Gräber befinden sich auf dem Jüdischen Friedhof Ilandkoppel in Ohlsdorf.

Albert Bloch machte sich selbstständig, indem er zunächst eine Lotteriekonzession erwarb. Seine Tätigkeit als "Kollekteur" gab er bald wieder auf und wurde "Reisender" (Vertreter). 35 Jahre bestritt er seinen Lebensunterhalt durch den Verkauf von "Reklame- und Zugabeartikel". Im Alter von 61 Jahren handelte er mit Taschenspiegeln und Kalendern. Da der Verdienst zum Leben nicht ausreichte und er keine Rentenansprüche besaß, wurde er ab 1931 zusätzlich aus öffentlichen Mitteln unterstützt. Albert Bloch gab seine Wohnung in der Caffamacherreihe auf und bezog ein Zimmer bei Frau Petersen in den Colonnaden 40, verbilligte Mahlzeiten erhielt er durch den Hilfsverein der deutschen Juden.

Im Juni 1935 musste Albert Bloch wegen eines alten Leistenbruchs, an dem er seit seiner Zeit als Soldat im Ersten Weltkrieg litt, im Eppendorfer Krankenhaus behandelt werden. Nach seiner Entlassung wartete der mittlerweile 65-Jährige auf einen freien Platz im Israelitischen Altenheim in der Schäferkampsallee 29. Noch pflegebedürftig, konnte er in seine alte Unterkunft nicht zurückkehren und wurde von der Jüdischen Gemeinde zunächst bei Familie Blumenthal in der Karolinenstraße 22 untergebracht. 1936 fand er eine Unterkunft bei dem Ehepaar Minna und Willy Mathias (s. David und Theresia Elias) im Grindelberg 3a.

Seine drei unverheirateten Schwestern zogen 1902 aus der Dammtorstraße 35 in die Schlüterstraße 84. Sie betrieben zunächst am Gänsemarkt 61, dann in der Gerhofstraße 8 im Adlerhof, 40 Jahre ein Schirmgeschäft, bis es sich 1930 nicht mehr rentierte. Schwester Bertha starb am 26. Januar 1930. Nach ihrem Tod stellten Henriette und Helene zunächst noch Schirme in Heimarbeit her, ansonsten lebten sie von den Zinsen ihrer Wertpapiere. Sie fanden eine Unterkunft im Julius- und Betty Rée-Stift in der Schedestraße 39 in Hamburg-Eppendorf.

Die Geschwister Bloch erbten 1939 von einem Vetter jeweils 2000 Dollar. Louis Bloch, der vermutlich früh nach Amerika ausgewandert war, hinterließ dort eine Stiftung für "Freiwohnen". Albert Bloch hoffte mit seinen beiden ledigen Schwestern in der Stiftung Aufnahme zu finden und traf erste Vorbereitungen für eine mögliche Emigration. Doch das Vorhaben realisierte sich nicht. Denn nach Abzug der Erbschaftssteuer forderte die Sonderstelle B der Sozialverwaltung die Unterstützungssumme von 3369,10 Reichsmark der letzten acht Jahre von Albert Bloch zurück. Da er sich weigerte, eine Abtrittserklärung an die Sozialverwaltung zu unterschreiben, wurde sein Geld, das auf einem Konto im Bankhaus Warburg & Co. hinterlegt worden war, am 29. Juli 1939 per Pfändungsverfügung eingezogen und auf das -Konto der Reichsbankhauptstelle, Krämmerei Hauptkasse I überwiesen. Somit war der Versuch, aus Deutschland zu entkommen, finanziell gescheitert. Wobei ohnehin unklar war, ob die Geschwister in ihrem Alter überhaupt noch unter dem Quotensystem ein Einreisevisum für die USA erhalten hätten.

Drei Jahre später bekam Albert Bloch seinen Deportationsbefehl im "Judenhaus" im ehemaligen Samuel Lewisohn-Stift, Kleiner Schäferkamp 32 zugestellt. Henriette und Helene Bloch erhielten ihren im ehemaligen Martin-Brunn-Stift in der Frickestraße 24. Die Schwestern hatten ihr Vermögen an die "Reichsvereinigung der Deutschen Juden" abgetreten und einen "Heimeinkaufsvertrag" abgeschlossen, um im "Altersgetto" Theresienstadt eine Unterkunft und Verpflegung zu erhalten. Am 15. Juli 1942 wurden sie gemeinsam deportiert. Bereits am 21. September 1942 befanden sie sich auf einem Transport von Theresienstadt ins Vernichtungslager Treblinka, wo sie vermutlich gleich nach ihrer Ankunft in den dortigen Gaskammern ermordet wurden.

Die älteste Schwester, Rosalie Meyer, hatte am 29. Januar 1891 den Auktionator Johann Meyer (geb. 31.10.1857, gest. 26.05.1938) geheiratet. Das Ehepaar lebte zunächst in der Neustädter Fuhlentwiete 15 und in den 1920er Jahren in der Schäferkampsallee 37, später Kleiner Schäferkamp 35c. Ihr Sohn, der Spediteur Ludwig Johann Meyer (geb. 19.8.1892) war mit Ida Elisabeth Meyer (geb. 5.7.1891, gest. 12.10.1990) verheiratet. Ludwig und Ida Meyer konnten 1935 ihren Sohn Rolf Bernd (geb. 26.7.1921) in der Schweiz in Sicherheit bringen. Ida Meyer kehrte dann 1937 von einem Familienbesuch in den USA nicht mehr nach Hamburg zurück. Ludwig Meyer mochte seine seit 1938 verwitwete Mutter nicht allein in Hamburg zurücklassen. Am 25. Oktober 1941 wurde er aus der Gosslerstraße 65 (heute Eppendorferweg) in das Getto "Litzmannstadt" nach Lodz deportiert, wo er am 9. Juli 1942 im "Getto-Hospital" an Unterernährung verstarb.

Rosalie Meyer lebte zuletzt in den Jüdischen Altenheimen "Nordheim-Stift" in der Schlachterstraße 40/42 und in der Beneckestraße 6. Am 9. Juni 1943 wurde sie nach Theresienstadt deportiert. Knapp einen Monat später, am 4. Juli 1943, verstarb sie dort im Alter von 81 Jahren.


Stand: Juli 2018
© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 3; 4; 8; StaH 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge 989 (Bloch, Albert); StaH 314-15 OFP_1939/ 2939; StaH 351-11 AfW 44767 (Meyer, Rolf); StaH 351-11 AfW 14532 (Meyer, Ludwig); StaH 351-11 AfW 12953 (Meyer, Ida); StaH 332-5 Standesämter 2279 u 2254/1892; StaH 332-5 Standesämter 2776 u 73/1891; StaH 332-5 Standesämter 398 u 1869/1896; StaH 332-5 Standesämter 8742 u 571/1920; StaH 332-5 Standesämter 8102 u 55/1930; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 1; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e 2 Band 4; StaH 322 Jüdische Gemeinde Abl. 1993 Ordner 10 Heimeinkaufsverträge Theresienstadt; Lodz Hospital, Der Hamburger Gesellschaft für Genealogie zur Verfügung gestellt von Peter W. Landé, 2009, USHMM, Washington, bearbeitet von Margot Löhr; diverse Hamburger Adressbücher.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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