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Porträt Paula Fraenkel, 1931
Paula Fraenkel, 1931
© StaH

Paula Fraenkel * 1903

Kielortallee 6 (Eimsbüttel, Eimsbüttel)


HIER WOHNTE
PAULA FRAENKEL
JG. 1903
EINGEWIESEN 1940
’HEILANSTALT’ LANGENHORN
VERLEGT 17.9.1940
LADESANSTALT BRANDENBURG
ERMORDET 23.9.1940

Weitere Stolpersteine in Kielortallee 6:
Hulda Fraenkel, Lotte Fraenkel

Paula Fraenkel, geb. am 5.3.1903 in Hamburg, ermordet am 23.9.1940 in der Tötungsanstalt Brandenburg an der Havel
Hulda Fraenkel, geb. Seidel, geb. am 3.3.1872 in Ostrowo, deportiert am 6.12.1941 nach Riga
Lotte Fraenkel, geb. am 20.8.1917 in Hamburg, deportiert am 6.12.1941 nach Riga

Stolperstein Hamburg-Eimsbüttel, Kielortallee 6

Paula Fraenkel wurde am 5. März 1903 in Hamburg als Tochter von Bernhard und Hulda Fraenkel geboren. Die Eltern gehörten dem jüdischen Glauben an und stammten aus dem heute polnischen Ort Ostrów Wielkopolski, der bis 1918 unter dem Namen Ostrowo zu Preußen gehörte. Bernhard Fraenkel war am 22. Januar 1858, Hulda am 3. März 1872 zur Welt gekommen. Um 1900 ließen sich die Eheleute in der Königstraße 43 (heute ein Teil der Poststraße) in Hamburg-Neustadt nieder. Sie bekamen vier Kinder: Erwin Horst, geboren am 12. Februar 1901, Paula, geboren am 5. März 1903, Walter, geboren am 22. Oktober 1904, gestorben am 2. Dezember 1904, und 13 Jahre später Lotte, geboren am 20. August 1917.

Das Ehepaar führte in der Königstraße 43 kurzzeitig eine Billardball-Fabrik. 1903 eröffnete es dann zwei Häuser weiter, in der Nummer 47, ein Manufacturwaren-Geschäft. Ab 1907 war dies auch die Wohnadresse der Familie. Zwei Jahre später mussten Hulda und Bernhard Fraenkel jedoch Geschäft und Wohnung aufgeben, als das Gebäude im Zuge einer Stadterweiterung abgerissen wurde. Sie zogen mit ihren Kindern in die Hartungstraße 18 in Hamburg-Rotherbaum, wo Bernhard Fraenkel nun als freiberuflicher "Rechercheur" tätig war. Ab 1915 arbeitete er im Angestelltenverhältnis beim Finanzamt Schlump. Im Jahr darauf wechselte die Familie erneut den Wohnort und zog in die Kielortallee 6 im Stadtteil Eimsbüttel.

Am 1. April 1920 wurde Bernhard Fraenkel vom Hamburger Oberfinanzpräsidium übernommen. Doch die mit der Anstellung gewonnene Sicherheit stellte sich als trügerisch heraus. Bernhard Fraenkel durfte nur wenige Jahre in der Finanzverwaltung bleiben. Am 31. Dezember 1923 entließ man ihn zusammen mit vielen anderen Beschäftigten infolge der drei Monate zuvor erlassenen "Verordnung zur Herabminderung der Personalausgaben des Reichs", kurz "Personal-Abbau-Verordnung" genannt. Daraufhin versuchte Bernhard Fraenkel vergeblich, den Lebensunterhalt der Familie durch den Handel mit Brot, sogenannten Rheinlandklöben, zu sichern. Die Familie war bald auf Fürsorgeunterstützung angewiesen. Daran änderten auch die Kostgeldabgaben von Erwin und Paula Fraenkel nichts. Erwin Faenkel arbeitete als Bote bei der Feinkostfirma Heimerdinger, wurde aber wegen zu geringen Umsatzes entlassen. Paula Fraenkel hatte den Beruf der Verkäuferin erlernt, war aber meist arbeitslos und nur jeweils kurze Zeit in haushaltswirtschaftlichen Stellungen tätig. Lotte Fraenkel stand vor der Einschulung in die Israelitische Mädchenschule in der Karolinenstraße. Der Fürsorgepfleger beschrieb Bernhard Fraenkel im Mai 1925 als körperlich "kümmerlich" und Hulda Fraenkel als "kränklich". Ihr Arzt, Dr. Kurt Neufeld, behandelte sie unentgeltlich. Über Paula Fraenkel wurde berichtet, sie sei krank und befinde "sich z. Zt. [1925] im Erholungsheim Segeberg." Am 12. Mai 1927 starb Bernhard Fraenkel im Israelitischen Krankenhaus im Alter von 69 Jahren. Lotte hatte inzwischen an der Israelitischen Mädchenschule einen Freiplatz erhalten. Infolge der extremen Armut erhielt die Familie Mahlzeiten aus der Volksküche der Jüdischen Gemeinde.

Hulda Fraenkel wohnte nach dem Tod ihres Mannes weiter in der Kielortallee.

In ihrer verzweifelten Lage fasste Hulda Fraenkel am 25. Oktober 1931 den Mut, sich an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zu wenden. Die Petition hatte folgenden Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Reichspräsident!
Bei der jetzigen schweren Zeit werden Sie hochgeehrter Herr Reichspräsident wohl mit Bittgesuchen überhäuft, trotzdem wage ich es als Landsmännin. Da ich soviel von Ihrer Läutseligkeit und Mitgefühl gehört habe. Als Tochter eines in guten Verhältnissen lebenden Kaufmannes bin ich am 3. März 1872 in Ostrowo Pr. Posen geboren. Mein Mann, welcher vor 4 Jahren verstorben ist, war auch ein Ostrower, dessen Eltern daselbst eine Dampfmühle und Sägewerk besaßen und die größten Steuerzahler der Stadt waren. Der Bruder meines Mannes der Komissionsrat war besaß den Kronenorden 2. Klasse, den er am 14. Oktober 1900 bei der Einweihung des Denkmals Kaiser-Wilhelms des 1ten erhielt, wozu er den großten Teil zusteuerte. Schlimm ist es aus solchen Verhältnissen und solch einer Jugend von Wohlfahrtsunterstützungen zu leben, die 13 Mark wöchentlich betragen. Ich habe noch meine eigene Wohnung muß 56 Mark monatlich bezahlen, wovon ich ein Zimmer vermietet habe. Mein ältester Sohn dreißig Jahre alt hat ein chronisches Asthmaleiden, meine 28-jährige Tochter ist leider durch den Ernst der Zeit und schlechte Stellungen nervenkrank geworden und ist seit 3 Jahren in Langenhorn bei Hamburg in einer Heilanstalt. Meine jüngste Tochter (ein Sonntagskind) verläßt jetzt die Schule und weiß auch nicht was werden soll, da sie nicht so recht gesund und blutarm ist.
Mein verstorbener Mann war die letzten 9 Jahre bei der Finanzbehörde und fehlte noch ein Jahr und ich hätte vielleicht eine kleine Pension, auch bei der Reichsversicherung hat er 16 Monate zu wenig eingezahlt und so habe ich auf nichts zu hoffen. Manch eine Mutter hätte den Kopf verloren meine Kinder können mich nicht missen. Die Kranke wartet auf meinen Besuch.
Mit der Bitte meine Lage zu verbessern, vielleicht dafür zu wirken, daß ich eine kleine Rente erhalte
zeichne ich
hochachtungsvoll ergebenst
Frau Hulda Fraenkel
Hamburg Kielortallee 6 II r.
Wie ich aus der Zeitung ersah, feierten Herr Reichspräsident seinen 84 Geburtstag. Nachträglich meine herzlichste Gratulation, verbunden den Wüschen für ein recht Langes, gesundes, ungetrübtes Alter.
H. F."

Der älteste Sohn, Erwin Fraenkel, hatte zunächst die Privatschule von Dr. Joseph Unna in der Wrangelstraße besucht und war dann zur Talmud Tora Schule gewechselt. Als seine jüngste Schwester Lotte 1917 zur Welt kam, befand er sich bereits in einer Lehre als Kellner bei der Firma Heimerdinger, "Hoflieferant, feine Lebensmittel, Stadtküche", am Neuen Wall. Sie übernahm ihn anschließend als Mitarbeiter, und er blieb dort bis Mitte der zwanziger Jahre, zuletzt wie oben erwähnt als Bote. Schon von Jugend an war es Erwins größter Wunsch gewesen, Zauberkünstler zu werden. Parallel zu seiner Berufstätigkeit bildete er sich in den Fertigkeiten aus, die er dazu brauchte – als Autodidakt und immer wieder mit Lehrstunden bei János Bartl, einer renommierten Firma für "magische Apparate und Illusionen" mit Sitz am Neuen Jungfernstieg. 1930 hatte er sein Ziel erreicht: Von nun an trat er hauptberuflich als Magier auf, seine Spezialität waren "Kartenmanipulationen". Unter dem Künstlernamen Erwin Frankoni faszinierte er große und kleine Zuschauerinnen und Zuschauer mit seinen Zauberkunststücken – ob auf Bühnen und Märkten oder in Varietés. Er wurde auch Mitglied im "Magischen Zirkel Hamburg", einem Zusammenschluss von Berufs- und Amateurzauberkünstlern, der noch heute existiert. Und er war befreundet mit Clara Benthien, Wirtin von "Benthiens Weinstuben", der legendären Hamburger Künstlerkneipe Ecke Brandsende und Raboisen. Dort gab es nicht nur belegte Brote und "Tante Claras" beliebte Bänkellieder, im Hinterzimmer half man jüdischen Verfolgten ab 1933 bei der Flucht aus Deutschland.

Die Machtübergabe an die Nationalsozialisten Anfang 1933 sorgte dafür, dass Erwin Fraenkel nicht lange in seinem Traumberuf arbeiten konnte. Als "Volljude" entzog man ihm gleich fast vollständig die Auftrittserlaubnis, nur kleine Märkte waren ihm noch erlaubt. Am 14. Juni 1933 heiratete er die drei Jahre jüngere, katholische Rosina Lindermeier aus Derching bei Augsburg. Ihre Eltern besaßen dort einen Bauernhof, auf dem sie schon als Kind hatte mitarbeiten müssen. Einen Beruf erlernte Rosina nicht. Um 1926 war sie nach Hamburg zu einer dort lebenden Schwester gezogen und hatte bis zu ihrer Heirat als Buffet- und Küchenhilfe gearbeitet. Da Rosina und Erwin Fraenkel keine Kinder bekamen, handelte es sich bei ihrer Ehe gemäß der Rassenideologie der Nationalsozialisten ab Dezember 1938 nicht um eine "privilegierte Mischehe", die Erwin Fraenkel größeren Schutz geboten hätte. So musste er ab September 1941 den "Judenstern" tragen und war von Anbeginn an nicht vor der Deportation geschützt, wenn auch erst einmal zurückgestellt. Rosina erhielt mehrfach Vorladungen der Gestapo in die Rothenbaumchaussee. Sie wurde aufgefordert, sich von ihrem Ehemann scheiden zu lassen, was sie jedoch nicht tat. Da die Gestapo sie an anderer Stelle irrtümlicherweise als "Rosina Sara Fraenkel" führte, erhielt sie zudem später einen "Evakuierungsbefehl", d. h. den Deportationsbefehl. Als sie das Schreiben las, erlitt sie einen Herzanfall.

1938 wurde Erwin Fraenkel auch der Wandergewerbeschein entzogen, was einem vollständigen und endgültigen Berufsverbot gleichkam. In den folgenden Monaten arbeitete er als Hausmeister, Kellner und Zigarettenverkäufer, bis er zunächst von Oktober 1939 bis August 1941 Zwangsarbeit leisten musste. Willibald Schallert, Leiter der Sonderdienststelle für derartige Arbeitseinsätze beim Hamburger Arbeitsamt, teilte ihn nacheinander verschiedenen Unternehmen und einem Privathaushalt für Erd-, Garten- und Tiefbauarbeiten zu: unter anderem einer Aggregate-Fabrik in Borstel, einer Firma, die Schießplätze in Volksdorf errichtete, dem Erdarbeiten-Unternehmen Walter Bibow an der Schäferstraße in Eimsbüttel, der Pinselfabrik Hechter in Borgfelde und dem Bankdirektor Hermann Huth in Blankenese. Bei der Firma Bibow erfuhren die Zwangsarbeiter jeweils einen Tag vorher durch das Arbeitsamt von dem Arbeitseinsatz, mussten sich dann am nächsten Morgen um 5 oder 6 Uhr meist am Bahnhof Schlump einfinden und wurden von dort gemeinsam unter Bewachung, häufig durch Schallert persönlich, zum Arbeitsplatz geführt. Dort kontrollierte die Gestapo noch einmal, ob die angekündigten Männer auch wirklich erschienen waren.

Von Januar bis Juli 1942 erhielt Erwin Fraenkel Unterstützung von der "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland": Er konnte als Aushilfskellner in ihrem Gemeinschaftshaus arbeiten. Anschließend musste er wieder Zwangsarbeit leisten, nun fast durchgehend bis Februar 1945. Erneut wurde er beim Bau von Schießplätzen in Volksdorf eingesetzt, hinzu kamen jetzt Arbeiten für die Gestapo. Während er bei Firmen und Privatpersonen zumindest einen minimalen Stundenlohn erhielt, der wie beim Bau der Schießplätze 73 Pfenning pro Stunde abzüglich 15 Prozent "Judenabgaben" betragen hatte, zahlte die Gestapo nichts. Dafür musste er folgende Arbeiten ausführen: mehrmalige Umzugshilfe, von der Beneckestraße zur Rothenbaumchaussee, von dort zum Sievekingplatz und danach zum Johannisbollwerk; Transport großer Mengen Akten anfangs zur Sicherung in den Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld, später zwecks Vernichtung, da nun belastend, in die Müllverbrennungsanlage Bahrenfeld. Des Weiteren musste Erwin Fraenkel nach den schweren Bombenangriffen im Juli/August 1943 ausgebombten Gestapoangehörigen beim Umzug helfen und ihnen neue Möbel besorgen. Er musste bei den Deportationen helfen, für Gestapoangehörige Möbel aus den Wohnungen deportierter Jüdinnen und Juden holen und für die leeren Viehwagen der Deportationszüge zusammen mit anderen Juden Holz und sonstiges Material für den Bau von Bänken beschaffen. Letzteres geschah im Auftrag der Hamburger Bezirksstelle der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, die seit Juli 1939 bis zu ihrer Auflösung 1943 dem Reichssicherheitshauptamt unterstand und von der Gestapo kontrolliert wurde.

Bereits 1936 waren Hulda und Lotte Fraenkel in den Kleinen Schäferkamp 32 gezogen. Das Gebäude wurde später zum "Judenhaus" erklärt. Erwin und Rosina Fraenkel mussten 1941 in das "Judenhaus" Bornstraße 22 überwechseln.

Anders als über Erwin Fraenkel ist über das Leben seiner beiden jüngeren Schwestern Paula und Lotte nur wenig bekannt.

Lotte, die jüngste Tochter, arbeitete bis 1934 als Hausgehilfin, danach hatte sie kein zu versteuerndes Einkommen mehr.

Paula Fraenkel scheint psychisch krank gewesen zu sein. Sie lebte lange in ihrer Familie. In den Jahren 1927 und 1928 war sie mehrfach Patientin in der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg und wurde schließlich in die Staatskrankenanstalt Langenhorn überwiesen. Am 31. August 1935 schloss die Stadt Hamburg einen Vertrag mit dem Landesverband der Inneren Mission von Schleswig-Holstein zur Übernahme Hamburger Anstaltspatienten nach Rickling. Vereinbart wurde zunächst die Verlegung von 30 Männern und 150 Frauen. So kam Paula Fraenkel am 5. Dezember 1935 in das Haus Lindenhof der in "Ricklinger Anstalten" umbenannten "Holsteinischen Heilstätten für Nerven- und Alkoholkranke".

1938 versuchte die Leitung der Ricklinger Anstalten, die dort lebenden jüdischen Patienten gegen andere "auszutauschen". Angeblich befürchtete die Anstaltsleitung, den Status der Gemeinnützigkeit und damit verbundene Steuervergünstigungen zu verlieren, "wenn nicht ausnahmslos deutsche Patienten bei uns aufgenommen werden." Daraufhin wurden vier männliche Patienten in die Staatskrankenanstalt Langenhorn verlegt. Gründe dafür, dass Paula Fraenkel als Jüdin zunächst in Rickling blieb, sind nicht bekannt.

Im Frühjahr/Sommer 1940 plante die "Euthanasie"-Zentrale in Berlin, Tiergartenstraße 4, eine Sonderaktion gegen Juden in öffentlichen und privaten Heil- und Pflegeanstalten. Sie ließ die in den Anstalten lebenden jüdischen Menschen erfassen und in staatlichen sogenannten Sammelanstalten zusammenziehen. Die Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn wurde zur norddeutschen Sammelanstalt bestimmt. Alle Einrichtungen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg wurden angewiesen, die in ihren Anstalten lebenden Juden bis zum 18. September 1940 nach Langenhorn zu verlegen.

Paula Fraenkel traf am 7. September 1940 aus Rickling in Langenhorn ein. Am 23. September wurde sie mit weiteren 135 Patienten aus norddeutschen Anstalten nach Brandenburg an der Havel transportiert. Der Transport erreichte die märkische Stadt noch an demselben Tag. In dem zur Gasmordanstalt umgebauten Teil des ehemaligen Zuchthauses trieb man die Patienten umgehend in die Gaskammer und tötete sie mit Kohlenmonoxyd. Nur Ilse Herta Zachmann entkam zunächst diesem Schicksal (siehe dort).

Auf dem Geburtsregistereintrag von Paula Fraenkel wurde notiert, dass das Standesamt Cholm II ihren Tod unter der Nummer 276/41 registriert hat. Die in Brandenburg Ermordeten waren jedoch nie in Chelm (polnisch) oder Cholm (deutsch). Die dort früher existierende polnische Heilanstalt bestand nicht mehr, nachdem SS-Einheiten am 12. Januar 1940 fast alle Patienten ermordet hatten. Auch gab es in Chelm, einer Stadt östlich von Lublin, kein deutsches Standesamt. Dessen Erfindung und die Verwendung späterer als der tatsächlichen Sterbedaten dienten dazu, die Mordaktion zu verschleiern und zugleich entsprechend länger Verpflegungskosten einfordern zu können.

Erwin Fraenkel erhielt im Februar 1945 einen Deportationsbefehl. Umgehend flüchtete er mit seiner Frau zu Bekannten nach Wellingsbüttel, wo sie, so Rosina Fraenkel später, "3 Wochen in einem Hundezwinger hausen mussten". Erwin Fraenkel überlebte den Holocaust. Nach dem Krieg wohnte er zusammen mit seiner Frau in einer Stiftswohnung der Jüdischen Gemeinde in der Bundesstraße 35 b. Auch versuchte er weiter als Zauberkünstler zu arbeiten. Die jahrelange Zwangsarbeit hatte jedoch seine Gesundheit so sehr beeinträchtigt, dass er bald nicht mehr die Kraft besaß, auf der Bühne zu stehen. Am 9. August 1965 starb er 64-jährig in Hamburg.

Erwins Mutter Hulda wurde zusammen mit seiner Schwester Lotte am 6. Dezember 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert, wo sich ihre Spur verliert. An Hulda, Lotte und Paula Fraenkel erinnern Stolpersteine in Hamburg-Eimsbüttel, Kielortallee 6.

Stand: November 2017
© Frauke Steinhäuser

Quellen: 1; 4; 5; AB; StaH 133-1 III Staatsarchiv III, 3171-2/4 U.A. 4, Liste psychisch kranker jüdischer Patientinnen und Patienten der psychiatrischen Anstalt Langenhorn, die aufgrund nationalsozialistischer "Euthanasie"-Maßnahmen ermordet wurden, zusammengestellt von Peter von Rönn, Hamburg (Projektgruppe zur Erforschung des Schicksals psychisch Kranker in Langenhorn); 332-5 Standesämter 926 Sterberegister Nr. 211/1927 Bernhard Fraenkel, 13558 Geburtsregister Nr. 681/1901 Erwin Horst, 10304 Sterberegister Nr. 751/1977 Rosina Fraenkel, 10172 Sterberegister Nr. 2080/1965 Erwin Fraenkel, 13925 Geburtsregister Nr. 616/1903 Paul Fraenkel, 14232 Geburtsregister Nr. 2419/1904 Walter Fraenkel; 351-11 Amt für Wiedergutmachung 29086 Rosina Fraenkel, 24373 Erwin Fraenkel-Frankoni; 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge – Sonderakten 1155 Hulda Fraenkel, 1156 Lotte Fraenkel; 352-8/7 Staatskrankenanstalt Langenhorn Abl. 1/1995 Aufnahme-/Abgangsbuch Langenhorn 26.8.1939 bis 27.1.1941; 352-8-7 Staatskrankenanstalt Langenhorn Abl. 2-1995 16811 (Patientenakte Paula Fraenkel); UKE/IGEM, Archiv, Patienten-Karteikarte Paula Fraenkel der Staatskrankenanstalt Friedrichsberg; JSHD Forschungsgruppe "Juden in Schleswig-Holstein", Datenpool Erich Koch, Schleswig; Landesverein für Innere Mission Rickling, Archiv. Bartl-Engelhardt, Birgit, Aus der Zauberhistorie des Magischen Zirkels Hamburg; Treffpunkt Tante Clara, "Hamburgs Sphinx", Ausstellung von Nele Lipp (KoïnziDance e. V.) in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, 18.1.–3.3.2013, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky, Ausst.-Heft Nr. 2. Guth, Karin, Bornstraße 22. Ein Erinnerungsbuch, Hamburg 2001, S. 99. Littmann, Friederike, Ausländische Zwangsarbeiter in der Hamburger Kriegswirtschaft 1939–1945, Hamburg 2014. Rönn von, Wege in den Tod, 1993, S. 70f. Wunder, Michael, Die Transporte in die Ricklinger Anstalten, in: Rönn von, Wege in den Tod, S. 256ff.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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