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Hermann Wolff * 1899

Wohlers Allee 50 (Altona, Altona-Altstadt)


HIER WOHNTE
HERMANN WOLFF
JG. 1899
DEPORTIERT 1941
MINSK
ERMORDET

Hermann Wolff, geb. 14.12.1899, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk

Wohlers Allee 58 (Wohlersallee), Stolperstein vor Haus 50

Hermann Wolff wurde am 14. Dezember 1899 in der Kleinstadt Neumark in der Gegend von Marienwerder im damaligen Ostpreußen nahe der Ostseeküste geboren. Über seine Eltern, Bernhard und Bertha Wolff, geborene Jacob, liegen keine Informationen vor. Hermann Wolff soll fünf Geschwister gehabt haben, von denen nur vier namentlich bekannt sind: die Brüder Julius und Arthur sowie die Schwestern Eva Weiss, geborene Wolff, und Paula Wolff. Alle überlebten den Holocaust.

Laut Meldeschein am 28. Oktober 1925 von Berlin nach Hamburg gezogen, heiratete Hermann Wolff am 19. November 1925 Hertha Happ, geboren am 11. Mai 1902 in Berlin. Beide gehörten der Jüdischen Gemeinde an. In seiner Berliner Zeit war Hermann Wolff beruflich erfolgreich. Bei der dortigen Stofffirma Finkelstein brachte er es nach Auskunft seines Bruders Julius zum Geschäftsführer und verfügte über ein Einkommen von monatlich etwa 400 Reichsmark (RM).

Auch in Hamburg muss es den Wolffs zunächst gut gegangen sein. Er betrieb einen Handel mit Manufakturwaren. Die Geschäftsadresse lautete Burggarten 4 in Hamburg-Borgfelde. Der erste Steuereintrag in der Kultussteuerkartei der hamburgischen Jüdischen Gemeinde datiert aus dem Jahr 1927. Hermann "lebte selbstständig und sorgenfrei", erinnerte sich sein Bruder Julius. 1928 zog das Ehepaar Wolff nach Eilbek in die Hasselbrookstraße 96 und wohnte dort zur Untermiete bei der Witwe C. F. Möller. Seit Mai 1930 lebten die Wolffs auf dem Dulsberg, zunächst in der Probsteier Straße 35, ab Anfang 1932 in der Probsteier Straße 33. Zwischen 1934 und 1939 ist im Hamburger Adressbuch die Probsteier Straße 23 vermerkt, 1937 mit dem Zusatz "Schaufensterdekorateur".

Während der Dulsberger Jahre verschlechterten sich die Lebensumstände. In der Weltwirtschaftskrise brachte der selbstständige Handel immer weniger ein, sodass Hermann Wolff ab 1931 "beim Arbeitsamt zur Vermittlung gestempelt" hat. Die Familie erhielt nun Unterstützung aus öffentlichen Mitteln. Zudem ging es den Wolffs gesundheitlich schlecht. Erschwert wurde die Situation noch dadurch, dass Hertha Wolffs Mutter jetzt bei der Familie lebte. 1932 wurde Hermann Wolff erwerbsunfähig. Ab 1937 verrichtete er mit Unterbrechungen sogenannte Unterstützungsarbeit. Unterstützungs- oder Pflichtarbeit wurde erwerbslosen Männern und Frauen auferlegt, die Arbeitslosen- und Fürsorgeunterstützung bezogen. Bei einem solchen Einsatz erlitt Hermann Wolff eine Rippenquetschung. Später kamen Herzbeschwerden, Bronchitis und ein Magenleiden hinzu.

Ab 1935 richtete die Abteilung Arbeitsfürsorge der Gesundheits- und Fürsorgebehörde in Hamburg spezielle Arbeitsplätze für jüdische Personen ein, die zu schwersten Erdarbeiten herangezogen wurden. 1938 arbeitete Hermann Wolff kurze Zeit in Waltershof und musste mit anderen Männern auf einem Schlickfeld Sport- und Spielplätze für die dortige Kindertageskolonie und ein Kleingartengelände anlegen. 1938 arbeitete er auf der Horner Rennbahn und auf einer Baustelle in Buxtehude. Die Dienststelle Arbeitsfürsorge beschickte 1938/39 zwei, zeitweilig drei auswärtige Plätze im Bezirk Stade ausschließlich mit Juden. Auch hier wurden sie von den anderen Arbeitern separiert. In diesen Sonderlagern bei Buxtehude waren bis zu 90 jüdische erwerbslose Unterstützungsempfänger mit schweren Erdarbeiten beschäftigt. 1939 war Hermann Wolff für etwa acht Monate bei einer Firma in Altona tätig, 1940 wurde er nach Stade zu einer Baufirma dienstverpflichtet. Im April 1941 arbeitete er bei der Hanfspinnerei Steen & Co. in Lokstedt, einem Unternehmen, das in Hamburg mehrere Standorte hatte. Es beschäftigte 1944 polnische Zwangsarbeiter sowie sowjetische und belgische Zwangsarbeiterinnen.

Hertha Wolffs Gesundheit war stark angegriffen. Sie litt unter schweren Rückenschmerzen, zitternden Händen und Herzrasen. Ihr wurde leicht schwindelig, sie hatte Rheuma und war insgesamt "furchtbar schwach". Dennoch wurde sie 1938 energisch zur Arbeitssuche angehalten, es müsse ihr binnen kurzem möglich sein, Arbeit in einem jüdischen Haushalt zu finden. Ab Mitte Juni 1938 war sie arbeitsunfähig. Es wird berichtet, sie sei trotzdem weiter zur Arbeitsaufnahme angehalten worden. 1940 hatte sie dann eine "Reinmachestelle" am Mittelweg.

Seit Ende Januar 1939 lebte die Familie in Altona-Altstadt in der General-Litzmann-Straße 93 (heute: Stresemannstraße, Stadtteil Sternschanze), später in einer Kellerwohnung in der Adolphstraße 71 (heute: Bernstorffstraße) in Altona. Diese Wohnung wurde den Wolffs zum 1. Juli 1940 wegen ihrer jüdischen Glaubenszugehörigkeit gekündigt. Die letzte bekannte Adresse vor der Deportation lautete Wohlersallee 58 (heute Wohlers Allee).

Familie Wolff hatte oft Kontakt mit der Hamburger Fürsorgebehörde. Nach einer besonderen Anweisung sollten ihre persönlichen Verhältnisse "über das übliche Maß hinaus" laufend überwacht werden. Ab 6. Februar 1939 nahm die "Sonderdienststelle B" auf St. Pauli ihre Arbeit auf. Sie war ausschließlich für jüdische Unterstützungsempfänger zuständig, für die die Jüdische Gemeinde nun aufkommen musste. Dieser Dienststelle unterstanden auch die Wolffs. Am 18. April 1941 wurde die Familie von einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin dieser Sonderdienststelle aufgesucht. In der Fürsorgeakte stand: "Es ist jetzt ein Kleinkind im Hause. Die Eheleute bewohnen eine kleine Kellerwohnung für mtl. RM 20,--, das Grundstück gehört dem J. R. V. [Jüdischer Religionsverband]. Die Miete ist laufend bezahlt." Am 16. Januar 1941 war der einzige Sohn Uri geboren worden. Die in der Fürsorgeakte erwähnte Kellerwohnung in der Wohlersallee 58 befand sich in einem "Judenhaus", in dem Juden konzentriert wurden und auf engstem Raum wohnten. 1941 wurde die Familie vom Hannoverschen Bahnhof aus nach Minsk deportiert, Hermann Wolff am 8. November, Hertha und der zehn Monate alte Sohn Uri folgten am 18. November. Seitdem gab es von ihr kein Lebenszeichen mehr. Hermann, Hertha und Uri Wolff wurden 1965 vom Amtsgericht Hamburg-Altona auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) verlangten mit Schreiben vom 6. Januar 1942 an die "Verwaltungsstelle für Judenvermögen" beim Finanzamt Hamburg-Dammtor für die in einer mehrseitigen Liste aufgeführten "Juden, die in letzter Zeit evakuiert sind", Kostenerstattung für verbrauchten Strom, darunter für Hermann Wolff 2,73 RM.

Für Hermann Wolff und seine Familie liegen zudem Stolpersteine in der Hasselbrookstraße 96 in Eilbek.

Stand September 2015

© Ingo Wille

Quellen: 1; 2 (29 HEW) 4; 5; 9; AB Hamburg und Altona; 332-5 Standesämter 6637-582/1925; StaH 351-11 Amt für Wiedergutmachung, 22241 (Erbengemeinschaft Wolff, Hermann); Standesamt Hamburg-Eimsbüttel, Geburteneintrag Uri Wolff; Standesamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin 1324/1902 Geburtsurkunde; Lohalm, Fürsorge und Verfolgung, S. 35, 52; Littmann, Ausländische Zwangsarbeiter; Lohalm, Völkische Wohlfahrtsdiktatur, S. 403ff.; Rosenberg, Jahre des Schreckens.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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