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Selma Cain * 1884

Lüneburger Straße 48 (Harburg, Harburg)


HIER WOHNTE
SELMA CAIN
JG. 1884
DEPORTIERT 1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 30.11.1941

Selma Cain, geb. am 8.10.1884 in Harburg, deportiert von Berlin nach Lodz am 18.10.1941, ermordet am 30.11.1941

Lüneburger Straße 48, (früher: Lüneburger Straße 18)

Selma Cain wurde als Tochter des jüdischen Kaufmanns Max Cain und seiner Ehefrau Rosalie, geb. Hütgen, kurz vor der Wahl Julius Ludowiegs zum Harburger Bürgermeister geboren. Ihr Vater führte ein Geschäft für Putz- und Weißwaren in der Lüneburger Straße, der renommierten Harburger "Einkaufsmeile".

Über Selma Cains weiteren Lebensweg ist so gut wie nichts bekannt. Sie lebte später in Berlin. Ob sie vor oder nach 1933 dorthin zog, bleibt vorerst offen. Ebenso wenig wissen wir darüber, wie stark sie in den ersten Jahren nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler unter der nationalsozialistischen Judenverfolgung litt, und ob sie angesichts dieser wachsenden Bedrohung früher oder später versuchte, Deutschland zu verlassen. Die Verhängung des endgültigen Auswanderungsverbots für deutsche Juden im Oktober 1941 setzte allen derartigen Plänen, falls es sie denn gegeben haben sollte, sowieso ein jähes Ende.

Selma Cain gehörte zu den 1082 Berliner Jüdinnen und Juden, die am 18. Oktober 1941 mit dem ersten Transport aus der Reichshauptstadt nach Lodz deportiert wurden. Eine Zeitzeugin, die damals im Dienst der jüdischen Gemeinde Berlins arbeitete, erinnerte sich später an die Abreise der Betroffenen vom Bahnhof Grunewald: "Die SS hatte ihre offenen Lastwagen vorfahren lassen, […] diese Lastwagen durften aber nur Schwache und Kinder benutzen, alle anderen mussten in einem langen Zug durch die Stadt laufen. Es regnete […] in Strömen; die Verladung in alten, aber ordentlichen und sauberen Personenwagen nach einem von der Gemeinde ausgearbeiteten System ging ohne Gedränge und ohne Ungerechtigkeiten vor sich. Als alle ihre Plätze eingenommen hatten, wurden warmes Essen und heiße Getränke verteilt; auch die vorbereiteten Proviantpakete wurden hier jedem Teilnehmer ausgehändigt."

Als Selma Cain einen Tag später im Getto Lodz eintraf, dürfte auch sie – wie viele andere Westjuden – einen ungeheuren Schock erlebt haben. Das Getto war damals bereits heillos überfüllt. Alle Neuankömmlinge wurden zunächst in provisorische Sammelunterkünfte eingewiesen. Noch schlimmer war der Hunger, der sich bald einstellte und speziell den älteren Menschen die letzte Kraft raubte.
Mehr als ein Viertel der Berliner Jüdinnen und Juden war sechs Monate nach ihrer Ankunft im "Getto Litzmannstadt" nicht mehr am Leben. Zu ihnen gehörte auch Selma Cain, die am 30. November 1941 – im Alter von 57 Jahren – für immer die Augen schloss.
Stand Dezember 2015

© Klaus Möller

Quellen: Hamburger jüdische Opfer des Nationalsozialismus. Gedenkbuch, Jürgen Sielemann, Paul Flamme (Hrsg.), Hamburg 1995; Gedenkbuch. Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945, Bundesarchiv (Hrsg.), Koblenz 2006; Yad Vashem. The Central Database of Shoa Victims´ Names: www.yadvashem.org; Freie und Hansestadt Hamburg Staatsarchiv, 332-5. Standesämter; Harburger Opfer des Nationalsozialismus, Bezirksamt Harburg (Hrsg.), Hamburg-Harburg 2002; Alfred Gottwald, Diana Schulle, Die `Judendeportationen´ aus dem Deutschen Reich 1941 - 1945, Wiesbaden 2005; Andrea Löw, Juden im Getto Litzmannstadt, Göttingen 2006.

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