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Fritz Dringelburg * 1904

Winsener Straße 184 d (Harburg, Sinstorf)


1934 Polizeigefängnis Berlin
1935-1936 Straflager Lingen
Strafbataillon 999
???

Fritz Dringelburg, geb. 28.7.1904 in Harburg, zum "Bewährungsbataillon 999" eingezogen, seit September 1944 vermisst

Stadtteil Sinstorf, Winsener Straße 184d

Der Arbeiter Fritz Dringelburg heiratete Gertrud Vogt, geb. am 19.7.1909 in Meckelfeld bei Harburg. Sie hatten zwei Kinder: Heinrich, geb. am 4.6.1926 in Harburg, und Inge, geb. am 8.6.1927 in Harburg. Die Familie wohnte in der Hörstener Straße 38, seit April 1932 ganz in der Nähe am Finkenweg 20 (heute: Zehntland), ab März 1938 am Meisenweg 23 (heute: Flutende). An der Winsener Straße 184d betrieben die Eheleute eine Wäscherei.

Fritz Dringelburg war seit 1928 Kommunist und 1931 Mitglied der "Revolutionären Gewerkschafts-Opposition" (RGO). Nach 1933 beteiligte er sich am Widerstand, wir wissen nicht wo und in welcher Form, vermuten aber, dass er nicht in Harburg aktiv war, denn dann hätte er zu den Angeklagten der so genannten Harburger Hochverratsprozesse gehört. Kommunisten, die in ihrem Stadtteil sehr bekannt waren, wurden oft in anderen Gegenden eingesetzt.

Fritz Dringelburg wurde festgenommen und am 1. März 1935 ins Gerichtsgefängnis an der Buxtehuder Straße eingeliefert. Am 7. März wurde er ins Untersuchungsgefängnis Berlin überführt. Das Kammergericht Berlin verurteilte ihn wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis, die er in der Strafanstalt Lingen abbüßte. Von dort wurde er nach Harburg entlassen.

Während des Kriegs wurden viele politisch Verfolgte zum "Bewährungsbataillon 999" eingezogen, einem Strafbataillon, das in besonders gefährlichen Gegenden eingesetzt wurde, um die Soldaten regelrecht zu "verheizen". Die Einberufenen mussten in der Regel zum Truppenübungsplatz am Heuberg in der Schwäbischen Alb, wo ihre Züge zusammengestellt wurden. Später, als der Bedarf an Soldaten immer größer wurde, zog man verurteilte Kriminelle ein, zuletzt sogar direkt aus den Haftanstalten.

Auch Fritz Dringelburg wurde auf dem Heuberg zum Bewährungsbataillon 999 (17. Bataillon) eingezogen, und zwar am 25. Juni 1943. Er kam an die Ostfront, wurde aber wegen politischer Unzuverlässigkeit wieder abgezogen. Offenbar befürchteten seine Vorgesetzten, Fritz Dringelburg könnte zur Sowjetarmee überlaufen. Im Juli 1944 wurde er von Baumholder (heute Rheinland-Pfalz) aus in Griechenland eingesetzt. Seit September 1944 gilt er als vermisst.

Gertrud Dringelburg wohnte nach dem Krieg in Hamburg auf der Veddel, Harburger Chaussee 73a. Sie starb am 13. November 1973.

© Hans-Joachim Meyer

Quellen: StaH, 332-8 Meldewesen, A46; StaH, 351-11; AfW, Gertrud Dringelburg; StaH, 430-64 Amtsgericht Harburg II B 25; StaH,, Adressbücher Harburg-Wilhelmsburg und Hamburg; VVN, Komitee-Akten; Heyl/Maronde-Heyl, Abschlussbericht; Totenliste VAN.

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