Namen, Orte und Biografien suchen
Bereits verlegte Stolpersteine
Suche
Sylvia Mitz * 1894
Moltkestraße 57 I (Eimsbüttel, Hoheluft-West)
HIER WOHNTE
SYLVIA MITZ
JG. 1894
DEPORTIERT 1941
LODZ
1942 CHELMNO
???
Sylvia Mitz, geb. am 22.6.1894 in Hamburg, deportiert nach Lodz am 25.10.1941, am 10.5.1942 im Vernichtungslager Chelmno ermordet
Moltkestraße 57 I
Sylvia Mitz war die Tochter des Kaufmanns (Öle en gros) Bernhard Binem Mitz und seiner Ehefrau Hanna, geb. Hagenow. Binem Mitz, Mitte des 19. Jahrhunderts geboren, stammte aus Lemberg in Galizien. Seine Eltern lebten später in Wien. Die Familie hatte 1894, als Sylvia geboren wurde, im Grindelberg 39 gewohnt und lebte später in der Parkallee 19. Beide Eltern starben 1939 im Abstand von wenigen Wochen im Israelitischen Krankenhaus bzw. in einem Jüdischen Altenheim. Sylvia hatte mindestens eine Schwester Erika, die ein Jahr jünger war als sie. Die Moltkestraße 5 war die letzte Adresse von Sylvia Mitz. Ihre Vermieter hießen vermutlich Carow. Es ist eher unwahrscheinlich, dass dies noch eine freiwillig gewählte Wohnunterkunft war. Zuvor lebte sie in der Parkallee 19, Schlankreye 43 I und Grindelberg 45 bei Samson. Grindelberg 45 ist die Adresse, die bei der Volkszählung 1939 angegeben ist. Von Beruf war sie Schneidermeisterin. Eine kleine Spur von ihr findet sich in einer Kleinanzeige im Hamburger Familienblatt vom 10. Dezember 1936. Hier wird Werbung für die "Kleiderwerkstätten" von Sylvia Mitz in der Schlankreye 43 I gemacht.
Im August 1920 hatte Sylvia Mitz den in Altona geborenen und in Elmshorn wohnenden Egon Goldschmidt (geb. 30.9.1894) geheiratet. Die Ehe wurde aber schon 1923 geschieden, und Sylvia nahm wieder ihren Mädchennamen an.
Am 25. Oktober 1941 wurde Sylvia Mitz nach Lodz deportiert. Ihre Adresse im Getto war Rauchgasse 37 Wohnung 10. Dort lebte sie zusammen mit ihrem fünf Jahre jüngeren Cousin Herbert Mitz, der Kaufmann in Hamburg gewesen war und im Februar 1942 in Lodz starb. Im Frühjahr 1942 erhielt Sylvia Mitz eine "Ausreiseaufforderung". Daraufhin schrieb sie einen Brief an das Aussiedlungsamt Getto, in dem es heißt: "Ich habe heute eine Ausreiseaufforderung zum 4. Mai 1942 erhalten. Ich bitte um Rücknahme dieser Aufforderung. Ich bin von Beruf Schneiderin (Meisterin) und habe mich immer wieder vergeblich um Arbeit im Schneider-Ressort beworben (Arbeitskarte No. 15591). Während des ganzen Winters war ich mit schwerkranken Menschen im Quartier, die ich pflegen musste, und von denen mein Vetter Herbert Mitz gestorben ist. Ausserdem hatte ich sehr starken Frost, teilweise offen noch sichtbar an Händen und Füssen. Als ich mich vor einigen Wochen um Arbeit bemühte, es wurden keine Deutschen mehr eingestellt! Ich bin 47 Jahre alt, gesund, sehr geschickt und für jede Schneider- und Handarbeit sehr geeignet."
Ihr Gesuch wurde nicht bewilligt. Am 10. Mai 1942 wurde Sylvia Mitz nach Chelmno gebracht und ermordet.
Stand: März 2026
© Susanne Lohmeyer
Quellen: 1; 4; 5; StaH 332-5 Sterberegister, 1104 + 558/1939; StaH 332-5 Sterberegister, 5419 + 1692/1939; StaH 332-5 Geburtsregister, 9098 + 1124/1894; StaH 522-1 Jüdische Gemeinden 992e2 Band 3 Deportationsliste; USHMM 300/265-266; HAB II 1939 und 1942; Hamburger Familienblatt 10.12.1936; Deportationsliste Litzmannstadt, Gedenkstätte Lodz Radegast.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

