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Bereits verlegte Stolpersteine



Adolph Salomon * 1875

Beim Schlump 9 (Eimsbüttel, Eimsbüttel)


HIER WOHNTE
ADOLPH SALOMON
JG. 1875
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 21.5.1944

Weitere Stolpersteine in Beim Schlump 9:
Bertha Klickermann, Louis Wolff

Adolph Salomon, geboren am 30.12.1875, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, dort am 21.5.1944 gestorben

Beim Schlump 9

Sally Salomon und Mathilde, geborene Heckscher, stammten beide aus jüdischen Familien. Sie bekamen drei Kinder: Ihr erster Sohn, Adolph, wurde am 30. Dezember 1875 geboren. Die Tochter Marianne folgte am 27. Februar 1877, der zweite Sohn, Ludwig, kam am 21. Dezember 1878 zur Welt. Über die Kindheit von Adolph Salomon oder seinen Geschwistern können wir nichts berichten.

Als Adolph 14 Jahre alt war, starb sein Bruder Ludwig am 11. Juli 1890 im Israelitischen Krankenhaus in der Eckernförder Straße 4 (heute Simon-von-Utrecht-Straße) in St. Pauli. Ludwig wurde auf dem jüdischen Friedhof Ilandkoppel, im Grab A 12 Nr. 109, beigesetzt. Am 4. Januar 1919 starb die Mutter Mathilde Salomon und der Vater Sally Salomon folgte am 13. Juni 1923. Beide fanden ebenfalls ihre letzte Ruhestätte auf dem jüdischen Friedhof Ilandkoppel.

Adolph Salomon heiratete am 26. August 1904 in Hamburg Chaje Fried/Friedmann, geboren am 25. Februar 1880 in Sieniava/Galizien.

Chajes Eltern, Sara Fried und Chaskel Friedmann, hatten sich 1875 in der 2. Elbstraße 26 (ab 1900 Elbstraße 101, heute Neanderstraße) in der Neustadt selbständig gemacht, anfangs mit einer Milchhandlung, später mit einem Hutgeschäft. 1901 wurde Chaje Friedmann als Inhaberin eintragen.

Adolph und Chaje Salomon bekamen fünf Kinder: Tochter Sabine, geboren am 25. März 1905 in der Straße Hütten 47 in der Neustadt, alle weiteren Kinder wurden in der Elbstraße 101/Neustadt geboren: John am 31. Mai 1906, Rudolf am 31. Dezember 1908, Erna Susanne am 1. August 1911 und Richard am 16. Juli 1913.

Das Leben der Familie Salomon wurde durch den Ersten Weltkrieg entscheidend geprägt. Adolph Salomon diente von 1914 bis 1918 als Infanterist im Infanterie-Regiment Nr. 20, Landsturm Allenstein (heute Olsztyn/Polen). Er kämpfte als Frontsoldat in Schützengräben und kam dabei mit Chlorgas in Berührung. Schwer gezeichnet, kehrte er mit einer 70%igen Kriegsbeschädigung, u. a. einer Lungenschädigung, nach Hamburg zurück. Eine Unfallrente sicherte seinen Lebensunterhalt, da er seinen Beruf als Hafenarbeiter zunächst nicht mehr ausüben konnte.

1918 ließ sich Adolph Salomon im Hamburger Adressbuch als Inhaber des Hutgeschäfts für "Putz- und Modewaren" im Adressbuch eintragen. Seine Frau Chaje Friedmann führte das Geschäft, während Adolph Salomon als Provisionsreisender (Vertreter) tätig war und Kunden innerhalb Deutschlands warb.

Am 5. Mai 1926 wurde die Ehe zwischen Adolph und Chaje Salomon geschieden. Zwei Jahre später, 1928, bezog er eine Wohnung in der ABC-Straße 30/Neustadt. Trotz der Trennung hielten die beiden Kontakt. Das Hutgeschäft führte Chaje Salomon allein weiter.

Nach Jahren gesundheitlicher Einschränkungen erzielte Adolph Salomon in den Jahren 1928 und 1929 kein Einkommen mehr. Vermutlich führte eine Besserung seines Gesundheitszustands dazu, dass die Unfallrente nicht mehr weitergezahlt wurde. In dieser schwierigen Lage kam ihm die Jüdische Gemeinde entgegen, indem sie ihm auf Antrag die Kultussteuer erließ. Erst ab dem 23. April 1930 gelang es ihm, über das Arbeitsamt eine Beschäftigung als Hilfsarbeiter beim Strom- und Hafenbau in der Kaiverwaltung zu finden.

Am 23. Januar 1931 erhielt er eine Festanstellung beim Amt für Strom- und Hafenbau im Hamburger Hafen. Dort oblag es seiner Abteilung, die Verladung der Fruchtkisten an den Anlegestellen und Docks zu organisieren. Sein Arbeitsplatz befand sich im Schuppen 24 am Versmannkai im Baakenhafen, wo Lastkähne mit Planen gegen Regen und Schnee geschützt und Lastwagen und Pferdefuhrwerke mit Obst- und Fruchtkisten beladen wurden.

Am 23. April 1931 schob Adolph Salomon eine Karre mit Apfelsinenkisten, die er zum Schuppen 24 bringen sollte, zur Rampe. Als er einem anderen Arbeiter auswich, fiel er von der Rampe. Er zog sich dabei eine schwere Verletzung am linken Bein zu und wurde ins Hafenkrankenhaus eingeliefert. Die Ärzte dort stellten einen Splitterabbruch am linken Knie und eine Verletzung des linken Fußes fest. Das Bein musste drei Monate im Gipsverband ruhiggestellt werden. Am 21. August 1931 wurde Adolph Salomon aus dem Hafenkrankenhaus entlassen und weiter ambulant behandelt. Die Heilung des Knies schritt nur langsam voran. Ein Jahr nach dem Unfall konnte er das immer noch stark geschwollene Knie nur bis zu 30 Grad anwinkeln. Aufgrund der Verletzung wurde ihm ab dem 23. Oktober 1931 eine Rente von der Deputation für Handel, Schifffahrt und Gewerbe – dem Ausschuss zur Feststellung der Unfallentschädigungen - in Höhe von 150,08 Reichsmark (RM) zugesprochen.

Eine Untersuchung beim Amtsarzt am 18. Juni 1932 ergab, dass Adolph Salomon weiterhin nicht arbeitsfähig war. Der Amtsarzt ordnete zur Wiederherstellung seiner Gesundheit eine Heilbehandlung von vier Wochen in einer Rehabilitationsklinik an, die aber von der Allgemeinen Ortskrankenkasse/AOK abgelehnt wurde. Trotz weiterer ambulanter Behandlung blieb das Knie geschwollen und versteift. Da keine Besserung mehr zu erwarten war, wurde die ambulante Heilbehandlung am 31. August 1932 eingestellt.

Ab 1. Juli 1932 erhielt Adolph Salomon eine vorläufige Altersrente, zum 1. September 1932 dann eine Vollrente.

Der Amtsarzt stellte am 4. Oktober 1933 fest, dass Adolph Salomon auf beiden Beinen nur sehr unsicher stand. In beiden Beinen bestanden Zirkulationsstörungen und das Gehen war besonders treppabwärts nur unter Schmerzen möglich. Der Arzt empfahl, den Rentensatz um 30% anzuheben. Daraufhin wurde die Rente ab 31. Oktober 1933 erhöht.

Seit Mitte der 1930er Jahre verschlechterte sich die soziale Absicherung jüdischer Menschen zunehmend. Unterstützungen aus der jüdischen Wohlfahrt wurden auf staatliche Leistungen angerechnet, wodurch sich die tatsächliche Hilfe deutlich verringerte.

Am 13. Februar 1935 stellte sich Adolph Salomon erneut bei dem Amtsarzt vor. Der Grund war seine fortwährende Erwerbsunfähigkeit seit dem Unfall vom 23. April 1931. In seinem Gutachten gab der Arzt zu Protokoll, dass die Erwerbsminderung neu zu bewerten und auf 80 % zu erhöhen sei. Die Deputation für Handel, Schifffahrt und Gewerbe folgte dieser Einschätzung jedoch nicht.

Da Adolph Salomon eine weitere Heilbehandlung beantragte, wurde im April 1936 erneut ein ärztliches Rentengutachten von der Deputation für Handel, Schifffahrt und Gewerbe in Auftrag gegeben. Adolph Salomon gab an, dass er unter Schwäche in beiden Beinen leide, was zur Folge habe, dass er sich oft nicht auf die Straße traue. Das Treppensteigen sei nach wie vor sehr schwierig. Das Untersuchungsergebnis ergab, dass eine Erwerbsminderung als Dauerzustand anzusehen und eine weitere Besserung nicht zu erwarten sei. Dennoch wurde Adolph Salomon am 16. April 1936 aus der Heilbehandlung entlassen.

Die Unfallversicherung überprüfte, wo Adolph Salomon sich tagsüber aufhielt. Er gab an, sich bei seinem Cousin Iwan Osiakowsky in der Tresckowstraße 43/Eimsbüttel oder seinem Schwiegersohn Dr. Rudolf Heckscher und seiner Tochter Erna Susanne Salomon, Mühlenstraße 9/Wandsbek aufzuhalten. Sie argwöhnte vermutlich Schwarzarbeit. Da die Versicherung Zweifel an der Richtigkeit seiner Angaben äußerte, wurde eine polizeiliche Überprüfung veranlasst. Obwohl er bei einer Vorladung die Angaben erneut schriftlich bestätigte, ging die Unfallversicherung weiter davon aus, dass er einer Beschäftigung nachgehe, und setzte seine Rente wieder herab.

Am 14. September 1938 forderte die Unfallversicherung ein neues Gutachten zum Gesundheitszustand von Adolph Salomon an. Sein Gesundheitszustand hatte sich jedoch nicht gebessert.

Ab 1938 trafen die Einschränkungen der öffentlichen Fürsorge für jüdische Hilfsbedürftige auch die Kriegsopfer. Das Amt für Kriegsbeschädigte setzte ab Juli 1938 fest, dass jüdische Menschen keinen Anspruch mehr auf gehobene Fürsorge hatten. Die fortschreitende Ausgrenzung führte dazu, dass insbesondere ältere und erwerbslose Personen wie der mittlerweile 63jährige Adolph Salomon in existenzielle Not gerieten. Gleichzeitig wurde selbst geringes Einkommen und Vermögen strenger berücksichtigt, während gesundheitliche Vorsorgeleistungen entfielen. Die Lebensverhältnisse unterlagen einer verstärkten Kontrolle durch die Behörden.

Infolge der gesellschaftlichen Isolierung, Verfolgung und Verarmung der jüdischen Bevölkerung gewann die Jüdische Gemeinde neue Bedeutung für Adolph Salomon. Sie war fortan nicht nur Zentrum für das religiöse Leben, sondern bot Versorgungseinrichtungen an, die die Not ihrer Mitglieder mildern sollten. Dazu zählte bis Ende November 1941 die Essensausgabe an bedürftige Gemeindemitglieder im Heim Innocentiastraße und ab 1941 die Volksküche in der Schäferkampsallee 27/Eimsbüttel. Vermutlich nutzte Adolph Salomon diese Angebote der Jüdischen Gemeinde, soweit er sie erreichen konnte.

Nach einer Neuberechnung der Rente erhielt Adolph Salomon schließlich ab 1. Juni 1941 eine monatliche Rente von 104,80 RM. Das reichte nicht zum Leben.

1941 wohnte er in der Straße Beim Schlump 9 bei Bertha Klickermann zur Untermiete. (Bertha Klickermann wurde nach Theresienstadt deportiert und ist dort verstorben. Ein Stolperstein für sie ist in der Straße Beim Schlump 9/Eimsbüttel geplant.)

Nach mehreren Wohnungswechseln (Beneckestraße 20, Dillstraße 13) bezog Adolph Salomon am 14. März 1942 bei Ester Zirkmann im Grindelberg 7 ein Zimmer zur Untermiete.
Am 19. Mai 1942 musste er auf Veranlassung der Gestapo in das "Judenhaus" Agathenstraße 3 umziehen und bekam dorthin den Deportationsbefehl gesandt.

Er musste sich am 15. Juli 1942 morgens an der Schule Altonaer Straße an der Sternschanze einfinden. Auf dem Schulhof versammelten sich mit ihm 925 Menschen. Die Schule Altonaer Straße befand sich ganz in der Nähe des Bahnhofes Sternschanze. Versteckt hinter Wohnhäusern, war sie von der Straße aus nicht einsehbar.

Aufgrund dieser abgeschirmten Lage wurde der Schulhof von der Geheimen Staatspolizei im Juli 1942 zum idealen Sammelplatz für diejenigen Juden erklärt, die wegen ihres Alters (über 65 Jahre) oder Gebrechlichkeit nicht in die Osttransporte eingereiht worden waren. Adolph Salomon gehörte als 66jähriger Mann mit einer Schwerbehinderung dazu. Auf Lastwagen wurden die Menschen zum Hannoverschen Bahnhof gefahren. Der Transport erreichte einen Tag später Theresienstadt.

Adolph Salomon verstarb dort am 21. Mai 1944. In der Sterbeurkunde ist keine Todesursache angegeben.

Zum Schicksal der geschiedenen Ehefrau von Adolph Salomon:
Chaje Salomon starb am 27. März 1950 in New York/USA.

Zum Schicksal der Kinder von Adolph Salomon:
Sabine/Senta Salomon starb 1922 in den USA.

John Salomon flüchtete nach Südafrika. Über sein weiteres Schicksal ist uns nichts bekannt.

Rudolph/Jack Salomon heiratete Claire, geborene Wortmann, geboren am 14. Februar 1914. Beide flüchteten in die USA. Rudolph/Jack fiel im zweiten Weltkrieg am 4. Juni 1944 in Italien.

Erna Susanne Salomon flüchtete 1937 zusammen mit Rudolf Heckscher, geboren am 14. August 1901, nach England. Sie heirateten am 26. Dezember 1937. Erna Susanne Heckscher stellte nach dem Krieg die Entschädigungsansprüche. Sie bekam bis zu ihrem Tod am 11. Januar 1988 eine Rente. Im Zuge des Besuchsprogramms der Senatskanzlei reiste sie im Juni 1985 nach Hamburg.

Richard Salomon wurde von der Gestapo eine Beteiligung am Rotfrontkämpferbund vorgeworfen und wurde am 18. Juli 1934 zu einer 10-monatigen Haftstrafe verurteilt, die er im Zuchthaus in Fuhlsbüttel verbüßen musste. Unmittelbar nach der Haft starb er am 13. Juni 1935 beim Baden in der Elbe an einem Herzschlag. Sein Tod war möglicherweise auch den Folterungen in der Haft geschuldet. Ein Stolperstein für Richard Salomon ist geplant.

Zum Schicksal der Schwester von Adolph Salomon:
Marianne Salomon heiratete am 30. März 1911 Abraham Nathan, geboren am 16. Juni 1871. Abraham Nathan starb am 6. Juli 1922. Marianne Nathan wurde am 28. Juni 1940 verhaftet, am 11. Oktober 1940 wegen "staatsfeindlicher" Äußerungen verurteilt, später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Siehe www.stolpersteine-hamburg.de.

Stand: April 2026
© Bärbel Klein

Quellen: 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7; StaH, 131-1 II Fürsorgewesen 3756 Betreuung ehem. Jüdischer Mitbürger (Susanne Heckscher); 213-13 Landgericht Hamburg Widergutmachung 18634 (Adolph Salomon); 351-11 AfW 2885 (Adolf Salomon); 351 – 14 Arbeits- und Sozialwesen 365 (Adolph Salomon); 332-3_1868 Geburtsregister Nr. 8/1875 Adolph Salomon,1893 Geburtsregister Nr. 822/1877 Marianne Salomon, 1926 Geburtsregister Nr. 5071/1878 Ludwig Salomon,14436 Geburtsregister Nr. 521/1905 Sabine Salomon, 114706 Geburtsregister Nr. 899/1906 John Salomon, 113788 Geburtsregister Nr. 25/1908 Rudolph Salomon, 115372 Geburtsregister Nr. 760/1911 Erna Salomon, 116318 Geburtsregister Nr. 687/1913 Richard Salomon, 3023 Heiratsregister Nr. 875/1904 Salomon/Fried, 8675 Heiratsregister Nr. 90/1911 Nathan/Salomon, 276 Sterberegister Nr. 1654/1890 Ludwig Salomon, 809 Sterberegister Nr. 17/1919 Mathilde Salomon, 8075 Sterberegister Nr. 194/1923 Sally Salomon, 11833 Sterberegister Nr. 106/1935 Richard Salomon; 741-4 Fotoarchiv K 4407 (Burghardt), K 4514 (Onderka), K 6091 (Fried), K 6093 (Fried), K6134 (Goede), K 6218 (Heckscher), K 6655 (Nathan), K 2351 (Falkenried), K 6849 (Salomon), K 4536 (Salomon), A 261 (Salomon); Alfred Gottwald und Diana Schulle, Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich, Wiesbaden 2005; Uwe Lohalm, Völkische Wohlfahrtsdiktatur, München/Hamburg 2010; www.wikipedea.de; www.geni.com; www.ancestry.de (Zugriff am 25. Januar 2025).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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