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Regina Dombrowski (geborene Grünfeld) * 1889

Rosenstraße 6 (Hamburg-Mitte, Hamburg-Altstadt)


HIER WOHNTE
REGINA
DOMBROWSKI
GEB. GRÜNFELD
JG. 1889
DEPORTIERT 1941
KZ RAVENSBRÜCK
‚VERLEGT‘ 13.2.1942
BERNBURG
ERMORDET 15.2.1942

Regina Dombrowski, geb. Grünfeld, geb. am 28.8.1889 in Budapest/Ungarn, Haft 1940 Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, 15.3.1941 KZ Ravensbrück, verlegt am 13.2.1942 in die Tötungsanstalt Bernburg a. d. Saale, ermordet am 15.2.1942

Rosenstraße 6 (früher Nr. 26)

Regina Dombrowski, geb. Grünfeld, wurde am 28. August 1889 als Tochter des jüdischen Ehepaares Moritz Grünfeld und Minna, geb. Altmann, in Budapest geboren. Über ihre Kindheit, Schulzeit und eine eventuelle Ausbildung ist uns nichts bekannt. Noch vor dem Ersten Weltkrieg verließ sie ihre Heimat, die damals noch zur Österreichisch-Ungarischen Doppelmonarchie gehörte und wanderte nach Amerika aus. Im Alter von 21 Jahren, am 21. März 1914 heiratete sie als "Rezsin Greenfeld" in Chicago Illinois den nichtjüdischen Johannes Hans Dombrowski (geb. 1888). Ihr erstes Kind, Tochter Erna, wurde am 24. Dezember 1914 in Chicago geboren.

Doch offenbar hielt die Ehe nicht. Obwohl Regina Dombrowski von ihrem Mann ein weiteres Kind erwartete, kehrte sie mit ihrer jetzt 11-Jährigen Tochter Erna nach Europa zurück. Am 7. August 1926 wurde die zweite Tochter Margarethe in Hamburg geboren. In den folgenden Jahren ist Regina Dombrowski in den Hamburger Adressbüchern nicht verzeichnet. Margarethe berichtete später, ihre Mutter wäre ständig als Haushälterin und Arbeiterin tätig gewesen. Vermutlich wohnte sie zur Untermiete oder als Hausangestellte bei ihren jeweiligen Arbeitgebern.

1934 bezog Regina Dombrowski mit ihrer jüngsten Tochter eine Keller-Wohnung in der Rappstraße 12. Noch im selben Jahr, im Juni, wurde sie Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Hamburg. Auf ihrer Kultussteuerkarteikarte wurde als Tätigkeit "Reinmachefrau" vermerkt und ein Jahr später, dass sie erwerbslos geworden war. Aufgrund ihrer Erwerbslosigkeit entrichtete sie keine Kultusteuer an die Gemeinde.

Ihre älteste Tochter Erna hatte bereits ihren eigenen Haushalt gegründet. Am 27. Februar 1932 hatte sie den nichtjüdischen Alwin Bomme (geb. 7.7.1907 in Hamburg), geheiratet. Das Ehepaar wohnte mit seinen Kindern: Alwin junior (geb. 21.3.1932), Ursula (geb. 15.2.1934) und Reinhard (geb. 5.7.1937) in der Fettstraße 11 im Stadtteil Eimsbüttel.

Nach der Volkszählung im Mai 1939 war Regina Dombrowski mit ihrer Tochter Margarethe jetzt in der Gertrudenstraße 3 in der Hamburger Altstadt gemeldet. Sie zogen dann in die nahe gelegenen Rosenstraße 26, Haus 5, um. Margarethe besuchte die nicht weit entfernte Volksschule in der Straße Kurze Mühren 39.

Seit dem 15. September 1935 verbot das "Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre", eines der Nürnberger Gesetze, Jüdinnen und Juden "Mischehen" einzugehen und stellte auch außereheliche Beziehungen unter Gefängnis- bzw. Zuchthausstrafe. Das Gesetz rief unzählige Denunzianten auf den Plan.

Auch Regina Dombrowski geriet unter dem Vorwurf der "Rassenschande" ins Visier der NS-Justiz. Am 8. März 1940 wurde sie verhaftet und ins Polizeigefängnis Fuhlsbüttel (auch KolaFu) gebracht. Sie wurde beschuldigt in den Jahren 1935-1937 eine Beziehung zu dem geschiedenen nichtjüdischen Dreher August Todt, (geb. 8.10.1886) unterhalten zu haben.

Das "Blutschutzgesetz" zielte auf die an der "Rassenschande" beteiligten Männer ab, Frauen erwähnte es nicht. In der Praxis standen Männer vor Gericht, Frauen drohte ohne Verfahren eine KZ-Haft. So geschah es auch hier: In der Gerichtsverhandlung am 6. Januar 1941 vor dem Landgericht Hamburg wurde August Todt zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monate Gefängnis verurteilt. Regina Dombrowski wurde am 15. März 1941 ohne rechtskräftige Verurteilung mit der Haftnummer 5753 und dem Vermerkt "R.Sch." (Rassenschande) in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verlegt.

Laut einer Sterbeurkunde des Standesamtes Ravensbrück II verstarb Regina Dombrowski am 13. Februar 1942 in Ravensbrück. Nach dem Gedenkbuch des Bundesarchivs gehörte sie jedoch zu den nicht mehr arbeitsfähigen und kranken zumeist jüdischen Häftlingen, die im Rahmen der "Sonderbehandlung 14f13" in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Bernburg an der Saale verbracht wurden und dort am 15. Februar 1942 in der Gaskammer ermordet wurden.

Tochter Margarethe Dombrowski befand sich, als ihre Mutter verhaftet wurde, im Rahmen einer Kinderlandverschickung im KLV- Lager Beratzhausen. Da sie noch nicht volljährig war, wurde sie "als alleinstehende Jugendliche" unter Aufsicht des Jugendamtes gestellt. Sie lebte mit Unterbrechungen in verschiedenen Mädchen-Erziehungsheimen wie Schwanenwik und Feuerbachstraße. Zwischenzeitlich wurde sie auch als Hausmädchen "in Stellung" gegeben.
Margarethe Dombrowski wurde kurz nach Kriegsende, am 23. Juli 1945 aus der Vormundschaft entlassen und gründete später in Hamburg eine Familie.

August Todt überlebte seine Haftzeit und ließ 1949 das nationalsozialistische Urteil wegen "Rassenschande" aus seinem Strafregister löschen.

Stand: Februar 2026
© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 5; 9; Todt, August; 352-8/7_23761 Todt, August; 213-11 Staatsanwaltschaft Landgericht 61661 Todt, August; StaH 351-11_40362 Schmidt (gesch. Busch), Margarethe; StaH 351-11_40361 Bohne, Erna (gesch. Bromme); 332-5_13797 u. 53/1932; ancestry: Heiratsregister in Landkreis Cook, Illinois, Heiraten, 1871-1920, Heirat am 21. März 1914 Hans Dombrowski und Rezsin Greenfeld (Zugriff 11.12.2021); ancestry Mecklenburg, Deutschland Kirchenbuchduplikate 1740-1918; https://collections.arolsen-archives.org/de/search/person/3774150?s=Regina%20Dombrowski&t=2464391&p=1 (Zugriff 29.5.2025);
Collection.arolsen-archiv.org/de/dokument/12561728 Reichsvereinigung der Juden (Kartei) und /3774150 Individuelle Unterlagen Ravensbrück (Zugriff 11.2.2026);
Gedenkbuch für die Opfer des Konzentrationslagers Ravensbrück 1939-1945, 2005 Metropol Verlag, S. 175.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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