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Cosimo Giunta * 1920
Falkenbergsweg 62 (Harburg, Neugraben-Fischbek)
HIER LEBTE
COSIMO GIUNTA
JG. 1920
ITALIEN
ZWANGSARBEIT
LAGER FALKENBERGSWEG
ERSCHOSSEN 26.4.1945
Weitere Stolpersteine in Falkenbergsweg 62:
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Cosimo Giunta, geb. 7.6.1920 in Barcellona Pozzo di Gotto/Messina/Sizilien, als italienischer Militärinternierter in Hamburg zur Zwangsarbeit gezwungen, am 26.4.1945 erschossen
Falkenbergsweg 62 (ehem. Lager)
Cosimo Giunta wurde am 7. Juni 1920 in Barcellona Pozzo di Gotto in der Provinz Messina auf Sizilien geboren und am Morgen des 27. April 1945 im Lager Falkenbergsweg vom damaligen Lagerleiter erschossen.
Deutschland und Italien waren bis September 1943 Verbündete gewesen. Doch nachdem Benito Mussolinis im Juli 1943 gestürzt worden war, schloss die neue italienische Regierung einen Waffenstillstand mit den Alliierten, d.h. den bisherigen Kriegsgegnern. Die deutsche Wehrmacht nahm daraufhin italienische Soldaten fest, die sich weigerten, weiterhin an der Seite Hitler-Deutschlands zu kämpfen Damals weigerten sich rund 650.000 italienische Soldaten, an der Seite Hitler-Deutschlands zu kämpfen, insgesamt schlossen sich etwa 190.000 italienische Soldaten den Truppen der Wehrmacht an.
Der im Juli 1943 gestürzte italienische Diktator Mussolini wurde am 12. September 1943 von der SS befreit. Am 23. September 1943 rief er den neuen Staat der Republik von Salò (RSI) aus. Die Regierung war in der kleinen Stadt Salò am Gardasee angesiedelt; die Ministerien waren über verschiedene norditalienische Städte verstreut. Die RSI war ein deutscher Marionettenstaat und diente primär dazu, das von der Wehrmacht besetzte Gebiet zu verwalten sowie Ressourcen für den deutschen Kriegseinsatz rücksichtslos auszubeuten. Gemeinsam mit Wehrmacht und SS beteiligte sie sich an zahlreichen Massakern an der Zivilbevölkerung und an Partisanen sowie an der Deportation der italienischen Jüdinnen und Juden.
Zu den Verweigerern gehörte Cosimo Giunta. Über seine Familie und sein Leben vor dem zweiten Weltkrieg ist uns nichts bekannt. Seine Einheit war bis zum Waffenstillstand in Albanien stationiert gewesen, wo er auch gefangen genommen wurde. Für ihr "Nein" wurden sie als Zwangsarbeiter vor allem nach Deutschland verschleppt, das dringend Arbeitskräfte benötigte. Um den Schutz der Genfer Konvention für Kriegsgefangene zu umgehen, erfand Hitler den Status der "italienischen Militärinternierten" (IMI).
Cosimo Giunta kam über das Kriegsgefangenen-Stammlager Sandbostel bei Bremervörde nach Hamburg. In der Zeit von der ersten Ankunft italienischer Militärinternierter in Hamburg am 23. September 1943 bis zum 3. Mai 1945 wurden etwa 20.000 von ihnen als Zwangsarbeiter in über 600 Betrieben ausgebeutet. Die ersten aus Sandbostel kommenden IMI wurden direkt an die Firma AUG(ust). PRIEN übergeben und nicht zunächst in die Massenunterkünfte der Lagerhäuser G, F und H am Dessauer Ufer gebracht. In den Augen der Nationalsozialisten galten die IMI als "Verräter" und wurden häufig schlechter behandelt als andere westliche Gefangene. In Hamburg kamen über 1.000 IMI infolge mangelnder medizinischer Versorgung oder durch Bombardierungen ums Leben. Bekannt sind zudem drei erschossene IMI.
Abhängig von den Aufträgen, die AUG. PRIEN von der Stadt Hamburg erhielt, war Cosimo Giunta in der Folgezeit in verschiedenen Zwangsarbeitslagern untergebracht. Zunächst lebte er im "Brunnenthal-Lager" in der Heimfelder Straße. Zuletzt war er im Zwangsarbeitslager am Falkenbergsweg untergebracht.
In der Nacht vom 26. auf den 27. April 1945 wurde er vom Lagerführer Richard Bargunk am Falkenbergsweg erschossen.
Francesco Moresco, einer seiner italienischen Kameraden, erinnerte sich: "Die Verhältnisse in dem Lager waren sehr schlecht und unsere tägliche Ration bestand aus einer Suppe, größtenteils Wasser, und 200 gr Brot pro Tag. … In der Nacht vom 26. April 1945 stahlen einige meiner Kameraden Lebensmittel. Gegen 2 Uhr am 27. April 1945 sprach ich mit Cosimo Giunta, und er sagte mir, dass er fürchte, erschossen zu werden."
Mario Chiesa, ein weiterer gefangener italienischer Soldat, erinnerte sich ebenfalls an diesen Abend. Er berichtete, dass er Cosimo Giunta gegen 2 Uhr in die Baracke kommen sah. "Ich sah, dass er Nahrungsmittel in der Hand hatte, und er wurde von den folgenden Leuten aufgefordert herauszukommen: Nobis, Meier, Fridal und Bargunk." Bargunk war im letzten Kriegsjahr Lagerleiter am Falkenbergsweg. Carl Möbis, ein weiteres Mitglied der Lagerleitung, sagte über die Nacht: "Dass Bargunk den Italiener Giunta erschossen hat, habe ich gesehen. … Ich lehnte es ab, dem Befehl Folge zu leisten und Giunta zu erschießen. Dazu hat sich der Lagerführer Bargunk bereit erklärt." Bargunk schoss dreimal auf Cosimo Giunta.
Auf der italienischen Ehrenanlage des Öjendorfer Friedhofs erinnert ein Grabstein an Cosimo Giunta.
Stand: Juni 2026
© Holger Artus
Quellen:
https://www.ns-zwangsarbeit.de/italienische-militaerinternierte/themen/besetzung-und-gefangennahme;
https://collections.arolsen-archives.org/de/document/70643283;
https://imiinhamburg.com/2025/06/24/ein-weiterer-in-der-ns-zeit-1945-erschossener-italiener/;
https://imiinhamburg.com/2023/08/18/die-italienischen-militarinternierten-von-aug-prien/; https://imiinhamburg.com/2024/09/07/cosimo-giunta-aus-dem-zwangsarbeitslager-am-falkenbergsweg/.

