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Boleslav Leczycka * 1944

Jakob-Kaiser-Straße 14 (Bergedorf, Lohbrügge)


BOLESLAV LECZYCKA
GEB. 30.9.1944
MUTTER IN ZWANGSARBEIT
NAGELFABRIK BERGEDORF
TOT 19.12.1944

Weitere Stolpersteine in Jakob-Kaiser-Straße 14:
Peter Anton Kuczwara, Jurek Leczycka, Stanislawa Nowak, Christine Wolosch

Boleslav Leczycka, geb. am 30.9.1944 in Hamburg, verstorben am 19.12.1944 in Hamburg

Jakob-Kaiser-Straße 24 (Bergedorf, Lohbrügge)
ehemals Lager Wilhelmstraße 32, Nagelfabrik Bergedorf GmbH


Boleslav Leczycka kam am 30. September 1944 in Hamburg zur Welt. Seine Mutter Maria Leczycka, geb. am 10.12.1920 in Mordach/Mordy, war römisch-katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen verschleppt, musste sie seit dem 23. Juni 1942 in Hamburg-Lohbrügge als "Fabrikarbeiterin" mit Arbeitsausweis Nr. 261 für die Nagelfabrik Bergedorf GmbH Zwangsarbeit leisten. Sie war im Lager Wilhelmstraße 32 (heute Jakob-Kaiser-Straße 24) untergebracht.

Am 16. Mai 1943 kam im Allgemeinen Krankenhaus Hamburg-Harburg ihr erster Sohn Jurek zur Welt. Er wurde nur 4 Monate alt und verstarb am 23. September 1943 in diesem Lager.

Im folgenden Jahr wurde sie erneut schwanger. Ihren Sohn Boleslav brachte sie im Lager Wilhelmstraße am 30. September 1944 um 21:50 Uhr zur Welt. Die "Arbeiterin" Irene Rogowska, die bei der Geburt zugegen war, zeigte den Geburtsfall mündlich an. In diesem Zwangsarbeitslager musste Boleslav die kurze Zeit seines Lebens verbringen. Mindestens 22 Kinder von Zwangsarbeiterinnen waren in diesem Lager getrennt von ihren Müttern untergebracht. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für Boleslav völlig unzureichend.

Am 19. Dezember 1944 verstarb er dort um 11:30 Uhr. Im Sterberegister ist als Todesursache "Bronchopneumonie Kreislaufschwäche" angegeben. Die "Ehefrau" Herta Wollnack zeigte den Sterbefall beim Standesamt mündlich an.

Boleslav wurde 2 Monate, 2 Wochen und 5 Tage alt.

Drei Tage nach seinem Tod fand am 22. Dezember 1944 seine Beisetzung auf dem Neuen Friedhof Bergedorf statt, Grablage: Abteilung 38, Nr. 513, zusammen im Grab mit Danuscha Wezyk.

Auf eine Registrierkarte für Displaced Persons (A.E.F. D.P. Registration Record) von Maria Leczycka ist verzeichnet, dass sie am 4. November 1945 in ihre Heimat Polen nach Mordy/Siedlce, woj. Warszawskie, zurückgebracht wurde.

Die Nagelfabrik Bergedorf wurde 1883 als Filiale der ersten europäischen Hufnagelfabrik Mustard & Sön aus Oslo, Norwegen, gegründet. Die bekannten Sternhufnägel und Reichshufnägel hatten sich zum Beschlag der Pferde weltweit und insbesondere im Ersten Weltkrieg bewährt. Während des Zweiten Weltkriegs befand sich auf dem Fabrikgelände in den Gebäuden ein Frauenzwangsarbeitslager. Zwischen August 1941 und Kriegsende 1945 mussten hier mindestens 92 Frauen - 77 Polinnen, 13 Lettinnen, 1 Ungarin und 1 Belgierin Zwangsarbeit leisten, dazu kamen 3 männliche Zwangsarbeiter aus Belgien, dies zeigt eine Namensliste von 1946.

Stand: April 2026
© Margot Löhr

Quellen: Standesamt Hamburg-Bergedorf, Geburtsregister 488/1944 Boleslav Leczycka; Standesamt 8 Hamburg, Geburtsregister 667/1943 Jurek Leczycka; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 10510 u. 640/1944 Boleslav Leczycka; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 11860 u. 1169/1944 Jurek Leczycka; StaH 332-8, A 48 Alphabetische Meldekartei der Ausländer 1939–1945, 7414-4 Fotoarchiv, K 4597; Arolsen Archives Doc.70641850, 70644808, 68018446; http://www.zwangsarbeit-in-hamburg.de, eingesehen 17.2.2016.

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