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Erich Hoffmann * 1885
Reeperbahn 139 (Hamburg-Mitte, St. Pauli)
HIER WOHNTE
ERICH HOFFMANN
JG. 1885
MDHB 1922 – 1927
IM WIDERSTAND / KPD
VERHAFTET 1936
KZ FUHLSBÜTTEL
FLUCHT IN DEN TOD
7. JULI 1936
Erich Hoffmann, geb. 12.1.1885, von 1922-1927 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, 1936 im Widerstand verhaftet, Konzentrationslager Fuhlsbüttel, 7.7.1936 Flucht in den Tod
Reeperbahn 139, St. Pauli
Heinrich Louis Erich Hoffmann wurde am 12. Januar 1885 in Goldberg, Kreis Haynau, geboren. Seine Eltern, Heinrich Emil Hoffmann, geboren 6. Dezember 1856 und Emilie Alwine Adolfine Hoffmann, geboren 16. Februar 1859, geborene Geisler, hatten am 17. März 1884 in Görlitz geheiratet. Sein Vater betrieb das Handwerk eines Goldarbeiters und fertigte Schmuckstücke aus Gold und anderen Metalllegierungen an.
Goldberg gehörte damals zum Deutschen Reich. Die Stadt erhielt schon 1211 das Stadtrecht und ihren Namen aufgrund des dortigen Goldbergbaus. Sie hatte eine wechselvolle Geschichte, fiel schließlich 1945 an Polen und wurde in Złotoryja umbenannt.
Erichs Vater starb am 17. Februar 1894 in Goldberg. Erich, war zum Zeitpunkt des Todes erst neun Jahre alt. Er besuchte das Gymnasium in Goldberg und sollte nach den Vorstellungen seiner Mutter Theologie studieren. Er verließ jedoch die Schule mit dem Zeugnis der Reife für die Obersekunda, um in Hamburg zu leben.
Im September 1902 – kurz nach seiner Ankunft in Hamburg – heuerte er auf dem Schiff "Ado" an und begann eine Ausbildung zum Verwalter-Assistent, die er erfolgreich abschloss. Er fuhr auf mehreren Schiffen der Woermann-Linie.1909 beendete er seine Laufbahn als Seemann und begann bei Blohm & Voss zu arbeiten.
Erich Hoffmann lernte Ida Minna Bertha Sophie Sandberg kennen, die am 17. Juli 1895 in Güstrow geboren worden war und in Hamburg als Dienstmädchen arbeitete. Am 23. September 1916 wurde die gemeinsame Tochter Gertrud Wilhelmine Emilie Sandberg geboren. Damals wohnte die Familie in der Mühlenstraße 22 beim Michel. Die Straße lag zwischen dem Zeughausmarkt und der Englischen Planke, sie gibt es heute nicht mehr.
Am 2. Juni 1917 heirateten Erich Hoffmann und Ida Sandberg. Idas Eltern waren Friedrich Johann Albert Sandberg und Wilhelmine Dorothea Louise Friederike Sandberg, geborene Reimar.
Erich Hoffmann trat 1917 der in diesem Jahr gegründeten USPD, einer Abspaltung des linken Flügels der SPD (Sozialdemokratische Partei Deutschlands) bei. Hauptgrund für diese Abspaltung war die Position der SPD-Führung zum Krieg und insbesondere deren Zustimmung zu den Kriegskrediten.
Im Jahr 1918 war Erich Hoffmann Vorsitzender des Arbeiterrats bei Blohm & Voss. Der Versuch des Arbeiter- und Soldatenrats am 11. November 1918, die Kontrolle der Werft zu übernehmen, scheiterte.
Die Revolution hatte im Oktober/November 1918, ausgelöst durch Matrosenaufstände in Kiel und Wilhelmshaven, begonnen und sich dann in ganz Deutschland ausgebreitet. Ziel der Revolution die Beendigung des Krieges, die Abschaffung des Kaiserreichs und die Einführung demokratischer Mitbestimmung.
Erich Hoffmann trat vom linken Flügel der USPD zur KPD über, auch seine Frau wurde Mitglied der Partei. Im Jahr 1920 wurde Erich Hoffmann als Abgeordneter in die Hamburger Bürgerschaft gewählt. Bereits am 13. Oktober desselben Jahres wählte ihn das Parlament zudem in die Deputation für Handel, Schifffahrt und Gewerbe. Deputationen stellten in Hamburg ein wichtiges Kontroll- und Mitwirkungsinstrument dar. Sie ermöglichten es den Abgeordneten, unmittelbaren Einfluss auf die Verwaltung auszuüben und politische Interessen – etwa im Bereich der Hafen- und Wirtschaftspolitik – einzubringen.
Seit 1921 wohnte Erich Hoffmann mit seiner Familie, die sich inzwischen mit der Geburt der Tochter Johanna Erna Margarethe am 24. Juni 1919, vergrößert hatte, in der Rothesoodstraße 21/Neustadt.
Ab 1924 war Erich Hoffmann neben seiner Abgeordnetentätigkeit für die KPD auch als Redakteur bei der Hamburger Volkszeitung tätig, die im Valentinskamp 40/Neustadt ihren Sitz hatte. Anfang 1925 erschien von ihm ein Artikel "Sind die alten Gewerkschaftsführer fähig siegreich Arbeiterkämpfe zu führen" in der Zeitung, ein scharf formulierter Artikel, der die Hamburger Sozialdemokraten mit der sogenannten Kutisker-Barmat-Affäre in Verbindung brachte. Julius Barmat (1889–1937), ein jüdischer Unternehmer und Finanzier, sowie Iwan Baruch Kutisker standen zu dieser Zeit im Zentrum eines Korruptionsskandals, der die Weimarer Republik erschütterte und von rechten Parteien massiv antisemitisch ausgeschlachtet wurde. Der Artikel rief die Hamburger Justiz auf den Plan: Erich Hoffmann wurde wegen angeblicher Beleidigung des Generalstaatsanwalts, der Staatsanwaltschaft, der Polizeibehörde und des Senators Krause angeklagt und seine Immunität aufgehoben. Vor Gericht am 23. Juni 1925 übernahm Erich Hoffmann zwar die Verantwortung für den Text, bestritt aber, eine Beleidigung beabsichtigt zu haben. Zum Jahresende 1925 beendete Erich Hoffmann seine Tätigkeit als Redakteur.
Am 4. Januar 1926 begann Erich Hoffmann eine Tätigkeit als Angestellter beim Arbeitsamt in Hamburg. Im Rahmen seiner Arbeit als Bürgerschaftsabgeordneter übernahm er die Aufgabe eines Domherrn und hatte dafür zu sorgen, dass die Schausteller beim Hamburger Dom ihre Tätigkeiten ordnungsgemäß ausübten. Die Schausteller schätzten ihn offensichtlich, denn noch viele Jahre hielten etliche Verbindungen zur Familie Hoffmann. (Der Hamburger Dom ist ein Volksfest, das seit 1892 in Hamburg stattfindet. Seit 1893 ist er dauerhaft auf dem Heiligengeistfeld angesiedelt.)
Im Jahr 1929 legte Erich Hoffmann sein Mandat in der Hamburger Bürgerschaft nieder, blieb aber aktives Mitglied der KPD.
Am 27. Mai 1933, inzwischen wohnte die Familie in der Reeperbahn 139/St. Pauli, wurde Erich Hoffmann aus dem Angestelltenverhältnis beim Arbeitsamt entlassen. Den Grund dafür lieferte die Mitgliedschaft in der KPD und seine daraus resultierende politische Einstellung. Es kamen die §§ 2, 3 und 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, erlassen am 7. April 1933, zur Anwendung. Dieses Gesetz zielte darauf ab, politische Gegner oder aus rassistischen Gründen unerwünschte Personen aus dem öffentlichen Dienst zu entfernen.
Anfang 1936 wurde Erich Hoffmann verhaftet und in das Konzentrationslager Fuhlsbüttel / Kola-Fu, seit 1936 genannt Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, überstellt. Das genaue Datum ist nicht bekannt, aber Ida Hoffmann gab nach Kriegsende zu Protokoll, dass er im Mai 1936 aus der Haft entlassen worden sei:
"Mein Ehemann hat sich am 7. Juli 1936 das Leben genommen. Er war im Mai 1936 aus der Haft entlassen worden und hatte dann infolge der ständigen Verfolgungen und aus Furcht vor einer erneuten Verhaftung einen Nervenzusammenbruch erlitten. Der Tod meines Mannes ist eine Folge der ständigen Verfolgungen, da man als Mitglied der Kommunistischen Partei befürchten musste, erneut in Haft zu kommen."
Erich Hoffmann nahm sich am 7. Juli 1936 das Leben. Ein Stolperstein erinnert an ihn in der Straße Reeperbahn 139.
Ida Hoffmann starb am 24. Oktober 1958.
Stand: März 2026
© Gert Planer/Bärbel Klein
Quellen: StaH, 111-1 Deputation für Handel und Schifffahrt 66696; 215-5 Außerordentliches Gericht des Reiches in Hamburg 2 C 257-24; 241-1 Justizverwaltung I 972 (Erich Hoffmann); 351-11 AfW 17577 (Erich Hoffmann); 332-5 Heiratsurkunde 3301 Nr. 184/1917 Hoffmann/Sandberg, Sterbeurkunde 1054 Nr. 166/1936 Erich Hoffmann; 741-4 Fotoarchiv 2515 Hausmeldekartei Reeperbahn 139, K 4536 (Ida Sandberg); Bundesarchiv Berlin R3003/7 und R3003/3810 Erich Hoffmann; Die SPD, Franz Walter, Verlag Reinbek bei Hamburg 2009; Ausbau, Schutz und Untergang der Weimarer Republik, Ernst Rudolf Huber, Deutsche Verfassungsgeschichte von 1789, Stuttgart 1984, Band 7, Seite 535 bis 538 Kutisker-Barmat Skandal.


