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Hans Henker
Hans Henker
© Privatbesitz

Hans Henker * 1904

Brummelhorn 7 (Wandsbek, Sasel)


HIER WOHNTE
HANS HENKER
JG. 1904
IM WIDERSTAND / KPD
VERHAFTET 23.8.1933
KZ FUHLSBÜTTEL
ENTLASSEN 29.1.1934
ZUR WEHRMACHT EINGEZOGEN
TOT 2.5.1943
ADUJEWTSCHINA / RUSSLAND

Hans Alfred Henker, geb. 25.12.1904 in Hamburg, verhaftet am 23.8.1933, als Soldat gefallen in Russland am 2. Mai 1942

Brummelhorn 7a

Seine Eltern, Wilhelmine und Otto Henker, wohnten zum Zeitpunkt seiner Geburt im "Pro-Block" Lohkoppelstraße in Barmbek. Seine Schwester Gertrud war am 10.11.1903 geboren worden. Vater Otto hatte als Tischler auf Wanderschaft die Schweiz und Frankreich erkundet. Er war Gewerkschafter, Sozialist, als Soldat im ersten Weltkrieg in Wilna in Litauen. Wann Otto und Wilhelmine aus der Kirche ausgetreten sind, ist nicht bekannt.

Als nach dem Ersten Weltkrieg die Wohnungsbaugenossenschaft Gartenstadt Hamburg in Berne gegründet wurde, war er Gründungsmitglied, später auch zeitweise im Aufsichtsrat. Wilhelmine und Otto Henker bezogen als erste ein Gartenstadt-Siedlungshaus im Meiendorfer Stieg, wo sie bis Mitte der 1930er Jahre wohnten. Sie zogen dann zu ihrer Tochter Gertrud am Meiendorfer Mühlenweg. Vater und Sohn waren Mitglieder der KPD, Hans war auch im Freidenkerverband und in der Gewerkschaft.

Gartenbesitz war für alle wichtig: Sie wollten nie wieder so hungern wie im Ersten Weltkrieg. Zusammen mit vielen anderen Bernern wurde 1923 das Stubbenland, heute Brummelhorn, Bienenkamp und Am Berner Wald, von einem Bauern erworben. Seit mehr als 100 Jahren ist das Grundstück Brummelhorn Nr. 7 also in Familienbesitz. Nach der Rodung der Fläche bauten Vater und Sohn eine kleine Bude und pflanzten viele Obstbäume. Für den langen Weg bis zum Wald gossen sie in Handarbeit mühsam und beschwerlich viele Betonsteine für den Wegrand. Um sich von den Eltern unabhängiger zu machen, baute Hans sich auf diesem Grundstück ab 1929 nach und nach ein Haus, das Sommerhaus genannt.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten hatten Vater und Sohn als KPD-Mitglieder schnell Repressalien zu befürchten. Tatsächlich sollen im Haus am Meiendorfer Weg Scheiben eingeworfen worden sein. Hans tauchte vorübergehend bei dem Nachbarn Schäfer unter. Im Nachlass seiner Schwester Gertrud fanden sich (1978) Briefe an ihren Verlobten auf See, in denen sie die Umstände der Verhaftung von Hans am 23. August 1933 im Haus seiner Eltern schildert.

Hier ein Auszug aus den Briefen: "29. August 1933: Inzwischen hat sich nun etwas ereignet, das gibt auch unseren Absichten ein anderes Gesicht. Ich komme am Sonntag nach Berne und erfahre dort, daß Hans und Köhler verhaftet und in Fuhlsbüttel eingeliefert sind. Hans war im Haus, Mutter wollte ihn bereden, wieder fortzugehen, und als ob sie rechte Ahnung gehabt hätte, Hans wird in der Nacht vom K.z.b.V. (Kommando zur besonderen Verwendung) abgeholt. Eine furchtbare Geschichte, weil Mutter versucht hatte, den Hans zu verstecken und zu leugnen, daß er im Hause war. Unglücklicherweise hatten die Eltern, wie schon so oft, die Tür nicht verschlossen, so stürmten sie gleich nach oben. Sie verschleppten den Jungen zum Stubbenland und müssen ihn furchtbar verprügelt haben. Denn Vater kam nachher kreidebleich vom Stubbenland. Er war mit einem Arbeitskollegen hingegangen und sahen nun zu zweit die Zeugnisse des Vorgefallenen. Blut an Decke und Wänden. Vom Fußboden aufgewischt, aber draußen auf den Fliesen den halben Weg bis zum Wald hinunter, Blut. Sie haben noch einen Landnachbarn als Zeugen geholt, dann alles reingemacht, um Mutter den Anblick zu ersparen. Die Kunde vom Vorgefallenen war innerhalb kurzer Zeit durch Berne gerast, ob das nun für den Nationalsozialismus wirbt? Vater hat über den Verbleib des Jungen vom Donnerstag bis Sonntag nichts erfahren können. Man bekommt eben in derlei Sachen keine Auskunft. Am Sonntag brachte irgendwer die Nachricht, daß H. und K. in Fuhlsbüttel eingeliefert sind. Wer weiß, wann und wie wir ihn wiedersehen. Mutter soll sich recht tapfer gezeigt haben, aber was nützt das alles? Ich fürchte sogar, man wird Vater und Mutter im Verlaufe dieser Sache auch noch holen … und unsere Heirat schieben wir hinaus, bis sichere Zeiten eingetreten sind ... ich habe den Mut verloren, das Heiraten zu betreiben, so sehr bedrückt mich die Angst und Sorge, daß Du, und wer weiß noch, in die Sache hineingezogen werden. … Das ist nun der neue Geist? Wahrhaftig, ich finde noch weniger Idealisten unter ihnen als unter den Materialisten, ist das nicht zum Verzweifeln? Machen ihren Führer zum Götzen und ihren Gruß zum Geßlerhut."

"5. September 1933: Unser Hans ist tatsächlich in F. Mutter bekommt seine Wäsche zum Waschen und muss sie auch wieder hinschicken. Eine Mark die Woche darf er empfangen, sonst gar nichts. In den ersten vier Wochen darf er uns nicht schreiben und Besuche erst nicht bekommen. Vater und Mutter grämen sich sehr darum, Vater sieht noch älter aus und Mutter wird immer schlanker ..."

Gegen Hans wurde Haftbefehl erlassen wegen "Vorbereitung zum Hochverrat". Ihm konnte aber nicht nachgewiesen werden, dass die ihm vorgeworfenen Waffenübungen noch nach der nationalsozialistischen Machtübernahme stattgefunden hatten. Am 5. Februar 1934 wurde deshalb der Haftbefehl aufgehoben.

Bei einem Berner Feuerwehrfest im Herbst 1935 lernte Hans die Bernerin Ingeborg Martha Minna Pabst kennen, die er am 23.4.1936 heiratete. Sie bauten eine Veranda am Sommerhaus an und bohrten einen Brunnen. Im Juli 1937 wurde Tochter Ingeborg geboren, im Februar 1940 Tochter Leni. Da es keinen Stromanschluss gab, spendeten ihnen Petroleumlampen Licht. Gekocht und Wäsche gewaschen wurde auf einem Küchenherd in der Wohnküche. Auch einen Sielanschluss gab es natürlich nicht, die Notdurft wurde auf einem von draußen zugänglichen "Plumpsklo" erledigt.

Im April 1940 wurde Hans zum Kriegsdienst bei der Luftwaffe eingezogen. Am 2. Mai 1942 fiel er in Adujewtschina/ Russland.

Die Nachricht erreichte die Familie erst am 27. Mai !!! Mehr als drei Wochen waren sie ohne einen Brief von ihm geblieben! Die Angst und Ungewissheit wurden bestätigt durch eine kurze Mitteilung, dass "Ihr Mann sein Leben für die Größe und den Bestand von Führer, Volk und Reich hingegeben" habe. Später erhielt die Familie noch eine ausführliche Schilderung über die Verwundung und die Todesumstände von einem Kameraden; sogar ein Foto vom Grab mit Birkenkreuz lag dabei.

Tochter Ingeborg und Enkelin Anne Kathrin versuchten im Juni 2008, sein Grab zu finden. Sie fuhren nach Russland mit einer Reisegruppe des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Nach dieser einwöchigen Reise mit dem Reisebus durch Russland glauben sie, den Platz gefunden zu haben, wo Vater und Großvater Hans begraben wurde. Die Originalgräber existieren ja nicht mehr. Es ist jetzt ein wunderschöner großer Park mit wucherndem blühenden Giersch, in dem ein altes Herrenhaus eines Grafen Scheremedjew steht.

Stand: Februar 2026
© Ingeborg Henker-Kelsch (Angehörige)

Quellen: Briefe (Privatbesitz)

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