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Juruch Turczyn * 1944
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf, Bergedorf)
ZWANGSARBEITSLAGER KAMPCHAUSSEE
DEUTSCHE KAP-ASBEST-WERKE
1943 – 1945
56 KINDER VON POLNISCHEN ZWANGSARBEITERINNEN
VERNACHLÄSSIGT – UNTERERNÄHRT - ERMORDET
JURUCH TURCZYN
GEB. 11.5.1944
TOT 29.4.1945
Weitere Stolpersteine in Kurt-A.-Körber-Chaussee 9:
Richard Bafoll, Leo Georg Bartyzel, Jerzy Antoni Biernat, Ursula Caban, Eugenius Chrusciel, Zokistaco Domanska, Josef Dudek, Mirek Dziziong, Sophia Galeza, Wieslawa Grat, Wieslawa Gromczyk, Georg Gubanska, Richard Jedrzejczak, Alfrede Jonczyk, Kristine Kaicher, Barbara Karpinska, Marzel Keyl, Julius Dadewach Kinjora, Genovefa Klesczynska, Jan Kluba, Karol Kowalczyk, Henrik Krolikowska, Richard Kuzniarek, Therese Lebjoda, Waldemar Czeslaw Lekowski, Wlodzimierz Lipka, Julia Januta Lucik, Wladislaw Maciejczyk, Edward Stanislaw Malecka, Waldemar Masur, Veronika Michalczak, Leszek Moldysz, Jadwiga Nykel, Boleslaw Georg Olszewska, Czeslaw Olszewska, Irene Olzewska, Iwan Paliwoda, Stanislaw Polak, Johannes Puc, Robert Radwan, Iworna Saganowska, Peter Siczek, Wieslaw Staszak, Johann Stempczynska, Ryszard Telenga, Krystyna Tesarczyk, Irene Tylczak, André Wasiak, Danuscha Wezyk, Sofie Wietrak
Juruch Turczyn, geb. am 11.5.1944 in Hamburg, verstorben am 29.4.1945 in Hamburg
Kurt-A.-Körber-Chaussee 9 (Bergedorf)
ehemals Lager Kampchaussee 9/11 Deutsche Kap-Asbest-Werke AG
Juruch Turczyn kam am 11. Mai 1944 in Hamburg zur Welt. Seine Mutter Maria Turczyn, geb. am 25.11.1909 in Mlyny, war römisch-katholischen Glaubens und ledig. Aus ihrer Heimat Polen verschleppt, musste sie zunächst in Hamburg-Bahrenfeld Zwangsarbeit leisten.
Im 9. Monat ihrer Schwangerschaft erfolgte für sie am 15. April 1944 die Verlegung nach Hamburg-Bergedorf zum Arbeitseinsatz als "Asbestmischerin" für die Deutsche Kap-Asbest-Werke AG. Sie war im Lager Kampchaussee 9 (heute Kurt-A.-Körber-Chaussee) untergebracht.
Am Tag der Geburt ihres Kindes wurde Maria Turczyn in der Frauenklinik Finkenau, Hamburg-Uhlenhorst, aufgenommen. Neun Tage nach der Entbindung kam sie mit ihrem Sohn Juruch am 20. Mai 1944 zurück in das Lager Kampchaussee. Dort musste Juruch die kurze Zeit seines Lebens verbringen. Die Ernährungs- und Lebensbedingungen waren für ihn völlig unzureichend.
Im folgenden Jahr wurde er am 20. März 1945 mit der Diagnose "Bronchitis u. Krätze" (Entzündung der Mundschleimhaut) in das Allgemeine Krankenhaus Langenhorn eingeliefert und nach zwei Wochen am 3. April 1945 wieder in das Lager Kampchaussee entlassen.
Kurze Zeit später kamen Juruch und Krystina Tesarczyk, ebenfalls aus dem Lager Kampchaussee, in das Krankenhaus Altona, wo beide verstarben.
Jururch verstarb am 29. April 1945 im Allgemeinen Krankenhaus Altona – Hilfskrankenhaus Hohenzollernring 57 um 4:00 Uhr. In der Todesanzeige des Krankenhauses ist als Todesursache "Masern Bronchopneumonie" und als unterzeichnender Arzt Reylaender (Liselotte Reylaender) angegeben.
Juruch wurde 1 Jahr, 11 Monate 2 Wochen und 4 Tage alt.
Achtzehn Tage nach seinem Tod fand kurz nach Kriegsende seine Beisetzung am 17. Mai 1945 auf dem Friedhof Ohlsdorf statt, ohne Sarg, Grablage: AE 41, Reihe 17, Nr. 8. Sein Grab ist nicht mehr erhalten. Ende der 1950er-Jahre wurde es eingeebnet, zusammen mit mindestens 11 weiteren Gräbern der Säuglinge von Zwangsarbeiterinnen, die am selben Tag ohne Sarg dort begraben worden waren. An Juruch und die anderen Kinder erinnert dort heute keine Grabsteinplatte.
Maria Turczyn kam nach Kriegsende in das "Camp Luisenberg" in Eckernförde. Vermutlich dort traf sie den 12 Jahre jüngeren Stanislav Chodak, geb. am 8.6.1921 in Chalpki aus Polen. Er hatte seit 1940 in Boizenburg bei Ludwigslust Zwangsarbeit leisten müssen. Sie heirateten und waren im Mai 1950 als Arbeitskräfte in der Landwirtschaft für die Auswanderung nach Australien abgelehnt worden. Über Stanislaw ist verzeichnet, dass er Analphabet gewesen sei und nie eine Schule besucht hatte, sondern seit er 10 Jahre alt war, seinen Lebensunterhalt verdient hatte. Maria Turczyn hatte nur 3 Jahre Grundschule besucht.
Stand: April 2026
© Margot Löhr
Quellen: Standesamt Hamburg 6, Geburtsregister 815/1944 Juruch Turczyn; StaH 131-1 II, 517, Listen der in Hamburg während des Zweiten Weltkrieg ums Leben gekommenen Ausländer. Band 2: Sowjetbürger, Polen, Niederländer und Belgier, S. 143; StaH 131-1 II, 518 Listen der während des Zweiten Weltkrieges in Hamburg verstorbenen und beigesetzten ausländischen Zivilarbeiter, S. 175; StaH 131-1 II, 519 Listen der 1940 in Hamburger Krankenhäusern behandelten Ausländer, nach Nationalitäten geordnet, S. 252; 131-1 II, 2721, Listen der Gräber von im Zweiten Weltkrieg verstorbenen ausländischen Zivilisten auf Hamburger Friedhöfen, S. 149; StaH 332-5 Standesämter, Sterberegister 5118 u. 613/1945 Juruch Turczyn; StaH 332-5 Sterbefallsammelakten, 64425 u. 613/1945 Juruch Turczyn; StaH 332-8, A 48 Alphabetische Meldekartei der Ausländer 1939–1945, 741-4 Fotoarchiv, K 4602; StaH 352-8/7 Staatskrankenanstalt Langenhorn, 184 Band 2, S. 151; ITS Archives, Bad Arolsen, Copy of Krankenhausliste Frauenklinik Finkenau 2.1.2.1 / 70646043, 70643783; http://www.zwangsarbeit-in-hamburg.de, eingesehen 17.2.2016; Archiv Friedhofsverwaltung Ohlsdorf, Beerdigungsregister 1945.

