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Bereits verlegte Stolpersteine



Ida Kiewy (geborene Engelmann) * 1868

Johnsallee 29 (Eimsbüttel, Rotherbaum)


HIER WOHNTE
IDA KIEWY
GEB. ENGELMANN
JG. 1868
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
BEFREIT

Weitere Stolpersteine in Johnsallee 29:
Marcus Galewski, Selma Galewski

Ida Kiewy, geb. Engelmann, geb. am 4.4.1868 in Hamburg, deportiert am 19.7.1942 in das Getto Theresienstadt, am 5.2.1945 in die Schweiz entlassen, am 19.2.1953 in Hamburg gestorben

Johnsallee 29

Ida Engelmann kam am 4. April 1868 in Hamburg in einem jüdischen Elternhaus zur Welt. Ihr Vater, der Kaufmann Joseph Engelmann, war 1835 in Hamburg geboren worden und starb 1872 in Wiesbaden. Ihre Mutter Karoline Scherer war 1840 in Fürth als Tochter des Kaufmanns Loeb Scherer und seiner Frau Jette, geb. Schloss, geboren worden und starb 1917 in Hamburg.

Zum Zeitpunkt von Ida Engelmanns Geburt wohnte die Familie in Hamburg noch am Hopfenmarkt in der Altstadt, ganz in der Nähe von Joseph Engelmanns Papierlager und seiner Schreibwarenhandlung in der Deichstraße. Als Ida zwei Jahre alt war, zog die Familie nach Hohenfelde in die 3. Alsterstraße 45 (heute Ackermannstraße), der Vater verlegte sein Geschäft an den Neuen Wall. Idas ältere Brüder waren Max Engelmann (1861-1921, möglicherweise ein Halbbruder aus einer früheren Ehe des Vaters), Hugo Engelmann (1863-1936), der das väterliche Geschäft übernahm, und der spätere Arzt Dr. Victor Engelmann (1867-1932).

Im Alter von vier Jahren verlor Ida Engelmann ihren Vater. Zusammen mit ihrer Mutter blieb sie in der elterlichen Wohnung in Hohenfelde. Als junge Frau absolvierte sie möglicherweise eine Ausbildung zur Fürsorgerin – sehr viel später, im März 1945 in der Schweiz, sollte sie das zumindest als ihren Beruf angeben.

Am 23. November 1888 heiratete Ida Engelmann in Hamburg den ebenfalls jüdischen Commis (kaufmännischer Angestellter) und späteren Kaufmann und Kaffeemakler Albert Danziger, Sohn des Hamburger Agenten (Handelsvertreter) Theodor Danziger und seiner Frau Pauline, geb. Heckscher. Die Geschäftsadresse von Albert Danziger war Sandthorquai 14/17, die Privatadresse war die 1. Alsterstraße 49 – Ida Danziger, geb. Engelmann, lebte also auch als junge Ehefrau weiterhin in Hamburg-Hohenfelde. In den Hamburger Zeitungen der Jahre tauchen die Namen von Ida und Albert Danziger wiederholt bei verschiedenen Spendenaktionen auf, u.a. für ein israelitisches Kinder-Hospiz bei Cuxhaven, ein Freimaurer-Hospital in Hamburg oder eine Sammlung des Hilfsvereins der Deutschen Juden zugunsten der Opfer der russischen Judenverfolgung 1905. Ida und Albert Danziger hatten keine Kinder.

Am 9. Juni 1908 wurde ihre Ehe in Hamburg geschieden, nach zwanzig gemeinsamen Jahren. Albert Danziger heiratete bald erneut, seine zweite Frau war Olga Loewinberg.
Ida Danziger, die als geschiedene Frau ihren Ehenamen behielt, zog in Hohenfelde in die Barcastraße 6, gleich um die Ecke von der Alsterstraße. Sie blieb weiter sozial aktiv: Sie gehörte u.a. zum Vorstand der Ortsgruppe Hamburg des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins und war hier vor allem in der Abteilung Jugendschutz engagiert. In diesem Rahmen organisierte sie verschiedene Aktivitäten und vermittelte praktische Hilfe für junge Mädchen, die am Anfang ihres Berufslebens standen.

Am 29. August 1912 ging Ida Danziger in Hamburg eine zweite Ehe ein: Sie heiratete den ebenfalls jüdischen Witwer Hirsch (genannt Hermann) Kiewy. Sie war damals 44 Jahre alt, Hermann Kiewy war 54. Der gelernte Buchhändler Kiewy, der aus der Provinz Posen stammte, war 1899 zusammen mit seiner ersten Frau Rachele Frieda, geb. Ettlinger, und ihren älteren beiden Töchtern aus Karlsruhe nach Hamburg gekommen. Er hatte dort bis 1912 überaus erfolgreich als Geschäftsführer für das in Hamburg neugegründete große Warenhaus seines Schulfreundes Hermann Tietz gearbeitet. 1904 war seine erste Frau gestorben, Hermann Kiewy war mit den Töchtern Else (geb. 1890), Gertrud (geb. 1892) und Margot (geb. 1898) in Hamburg geblieben. Sie wohnten zuletzt in der Hartungstraße im Stadtteil Rotherbaum. Schon früh hatte Hermann Kiewy angefangen, Münzen, Exlibris und Autographen zu sammeln und so drei große und bedeutende Sammlungen geschaffen. Bereits im April 1912, als das von ihm aufgebaute Warenhaus vom Großen Burstah 12 an den Jungfernstieg umzog und zum "Alsterhaus" wurde, zog er sich ins Private zurück und widmete sich mit noch mehr Nachdruck seinen Sammlungen.

Nach der Heirat zogen Ida und Hermann Kiewy mit den noch zu Hause lebenden Töchtern Gertrud und Margot in eine Villa in der Johnsallee 29, unweit der Hartungstraße. Hier war viel Platz für Hermann Kiewys immer größer werdende Sammlungen. Die älteste Tochter Else, die wie ihr Vater 1912 heiratete, zog nach Berlin zu ihrem Mann, dem Apotheker Kurt Budy. Die beiden jüngeren Töchter (die kaum Erinnerungen am ihre leibliche Mutter hatten und hauptsächlich von einem Kindermädchen aufgezogen worden waren) bauten nach Erinnerungen aus dem Familienkreis eine gute und enge Beziehung zu ihrer Stiefmutter auf. Für Ida Kiewy waren ihre Stieftöchter und deren Männer später ganz selbstverständlich "meine Kinder". Anfang der 1920er Jahre heirateten auch Gertrud und Margot Kiewy. Sie ließen sich beide in Hamburg nieder und gründeten dort Familien.

Ida Kiewy blieb politisch aktiv, sowohl in der bürgerlichen Frauenbewegung als auch in der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP): 1922 wurde sie in den Vorstand der Hamburger DDP berufen, als Nachfolgerin der bekannten Frauenrechtlerin Frieda Radel.

Hermann Kiewy starb 1924. Er hinterließ der Witwe und den Töchtern ein großes Vermögen, vor allem in Form von Haus- und Grundeigentum. Ida Kiewy wohnte weiter im großen Haus in der Johnsallee 29, in dem Kinder und eine wachsende Schar von Enkelkindern aus- und eingingen. In der Familie wird bis heute überliefert, dass Ida Kiewy in der Hamburger Gesellschaft der Weimarer Republik gut vernetzt gewesen sei: eine beliebte Gastgeberin, in deren Villa regelmäßig größere Feste und Wohltätigkeitsveranstaltungen stattgefunden hätten, darunter Weihnachtsfeiern für Kinder.

Zugleich engagierte sie sich weiterhin sozial und politisch. 1929 wurde sie als eine der Hamburger Delegierten der linksliberalen DDP zum Reichsparteitag der Partei nach Heidelberg abgeordnet. Außerdem blieb sie Vorsitzende der Abteilung Jugendschutz des Deutschen Frauenvereins in Hamburg.

Der Beginn des NS-Regimes 1933 muss für Ida Kiewy ein harter Einschnitt gewesen sein, als Mitglied einer demokratischen Partei und als Jüdin. Trotz ihrer privilegierten Situation geriet auch sie wie alle jüdischen NS-Verfolgten mehr und mehr unter finanziellen Druck. Plötzlich gab es zum ersten Mal Mieter in ihrem Haus: Das Hamburger Adressbuch verzeichnet u.a. einen Kaufmann H. Bloch, später dann auch eine Witwe M. Goldschmidt. Vielleicht waren die Mieter Bekannte, die aufgrund der NS-Verfolgung in Schwierigkeiten geraten waren oder ihre Flucht aus Deutschland vorbereiteten. Sie blieben jedenfalls nur wenige Jahre. 1937 ist Ida Kiewy wieder allein in der Johnsallee 29 gelistet.

Ab 1938 kamen neue Mieter, nun im Rahmen von Zwangseinweisungen von als Juden verfolgten Menschen. Dazu gehörte u.a. das Ehepaar Marcus und Selma Galewski, das vorher im Mittelweg gewohnt hatte. Marcus Galewski war Inhaber eines Damenbekleidungsgeschäfts am Steindamm 104-108, das während der Novemberpogrome 1938 zerstört wurde (siehe www.stolpersteine-hamburg.de).

Ida Kiewy selbst wohnte jetzt im zweiten Stock der Villa. Die NS-Zwangsmaßnahmen trieben sie immer weiter in die Enge: Um die stetig wachsenden Zwangsabgaben zahlen zu können, musste sie seit 1938 Immobilien und auch Teile von Hermann Kiewys Sammlungen unter Wert verkaufen. Die Erlöse gingen auf ein Sperrkonto, auf das Ida Kiewy nur sehr begrenzt Zugang hatte. Besonders wertvolle Stücke aus der Münz- und auch aus der Autographensammlung konnte Ida Kiewy noch in sichere Hände geben (und zwar an den Makler Ernst Martin Petersen); sie wurden nach dem Krieg im Auftrag der Erben verkauft.

Hermann Kiewys jüngste Tochter Margot Cohn, geb. Kiewy, die 1922 den Hamburger Zahnarzt Dr. Siegfried Cohn geheiratet und mit ihm die Kinder Gert, Heinz und Elfi bekommen hatte, floh mit ihrer Familie im Mai 1937 in die USA. Sie ließen sich in New York nieder, wo Siegfried Cohn bald wieder als Zahnarzt arbeiten konnte.

Die mittlere Tochter Gertrud Götz, geb. Kiewy, seit 1920 verheiratet mit dem Kaufmann Otto Götz, wohnte mit ihrer Familie weiterhin in Hamburg. Zunächst konnten sie noch in ihrer Wohnung in der Bieberstraße 9 bleiben. Nach den Novemberpogromen flohen Gertruds ältere Kinder Rudolf und Lotte vor der NS-Verfolgung: Lotte konnte im Dezember 1938 im Alter von 16 Jahren mit einem Kindertransport nach England entkommen, der damals 18-jährige Rudolf folgte ihr im Juli 1939. Ihre Eltern Gertrud und Otto blieben mit dem jüngsten Kind Hermann (geboren 1927) zurück – möglicherweise wollten auch sie das Land verlassen, und der Kriegsbeginn im September 1939 hatte das vereitelt.

Ida Kiewy erlebte nun, wie die Familie Götz in Hamburg in der Falle saß, wie sie in immer kleinere Wohnungen im Grindelviertel umziehen musste und schließlich auch von dort deportiert wurde: Von ihrer letzten Wohnung in der Lenhartzstraße 7 aus wurden Gertrud Götz, ihr Mann Otto und ihr damals 14-jähriger Sohn Hermann am 25. Oktober 1941 ins Getto Lodz deportiert und von dort am 25. April 1942 in den Tod, vermutlich nach Chelmno (siehe www.stolpersteine-hamburg.de).

Die Über-65jährigen Jüdinnen und Juden sollten nach den Deportationsrichtlinien zunächst noch nicht erfasst werden, so blieb Ida Kiewy in der Johnsallee zurück, zusammen mit ihren Mietern, den Galewskis. Zwischenzeitlich war 1941 zudem die Witwe Mathilde Dyhrenfurth für kurze Zeit bei ihr einquartiert (siehe www.stolpersteine-hamburg.de).

Im Juli 1942 wurde Ida Kiewy im zweiten großen "Alterstransport" aus Hamburg deportiert: Am 19. Juli 1942 brachte man sie zusammen mit knapp 800 anderen als Juden verfolgten Menschen (darunter das Ehepaar Galewski und die Mathilde Dyhrenfurth) zunächst in den Sammelort in der Schule Schanzenstraße und dann mit Mannschaftswagen der Polizei zum Hannoverschen Bahnhof. Dort fuhren die Züge nach Theresienstadt. Am 20. Juli 1942 erreichten sie das Lager, das von den Nationalsozialisten beschönigend "Altersghetto" genannt wurde.

Ida Kiewys erhaltener Ausweis aus dem "Jüdischen Siedlungsgebiet Theresienstadt", unterschrieben am 1.1.1945 von Leo Baeck, Mitglied des Ältestenrats, nennt als ihre letzte Adresse dort die Bahnhofstraße 12. Aus einem Formular der frühen Nachkriegszeit, das nach ihrer Befreiung in der Schweiz ausgefüllt wurde, geht hervor, dass Ida Kiewy in Theresienstadt "Hausälteste" war.

Nach ihrer Deportation wurde Ida Kiewys gesamtes verbliebenes Eigentum, darunter der Hausrat und verschiedene wertvolle Sammlungen in der Johnsallee 29, im Auftrag des Oberfinanzpräsidiums von der Gestapo Hamburg beschlagnahmt. Der Hausstand wurde direkt vor Ort durch die Auktionatorin Frau Elsass versteigert. Die Gerichtsvollzieherei versteigerte im November 1942 die Münzsammlung und die Exlibrissammlung, dazu die "Einrichtung des Hinterzimmers (Sammlungszimmers)." Der Erlös waren fast 35.000 RM, von denen nach Abzug der Gebühr des Versteigerers und diverser Auslagen noch gut 20.000 RM für den Oberfinanzpräsidenten Hamburg übrigblieben. Auch Hermann Kiewys wertvolle Autographensammlung, bestehend aus 5000 bis 6000 Stück, wurde zu Geld gemacht: Das Oberfinanzpräsidium verkaufte sie für 5400 RM, d.h. unter Wert, an die Bibliothek der Hansestadt Hamburg (heute Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg).

Von all dem wusste Ida Kiewy in Theresienstadt nichts. Wie alle Häftlinge hier lebte sie in Angst, in Kälte, im Dreck, mit Hunger und Krankheiten. Immer wieder gab es Selektionen, immer wieder Abschiede – stets verbunden mit der nagenden Furcht, wer als nächstes weiterdeportiert werden würde. So ging es jahrelang. Als Anfang 1945 in Theresienstadt plötzlich bekannt wurde, dass ein Transport in die Schweiz zusammengestellt werden sollte, war die Skepsis verständlicherweise groß. Es gab sogar Gettobewohner, die aus Angst vor einer Falle ihren Namen von der Liste streichen ließen.

Erstaunlicherweise sollte dies jedoch wirklich ein Zug in die Freiheit werden: Der SS-Chef Heinrich Himmler, einer der Hauptverantwortlichen des Holocaust, hatte Ende 1944 mit Blick auf das nahende Ende des Deutschen Reiches aus taktischen Überlegungen damit begonnen, mit verschiedenen Unterhändlern über den Freikauf von Häftlingen aus Konzentrationslagern zu sprechen. Unter anderem sollten gegen die Zahlung größerer Devisenbeträge Tausende jüdischer Häftlinge über die Schweiz in die USA ausreisen können. Am Ende blieb von dieser Abmachung nur ein einziger Transport übrig: Am 5. Februar 1945 verließen 1.200 Personen das Getto Theresienstadt – bis zuletzt völlig im Unklaren darüber, ob sie wirklich freikommen würden.

Zu dieser Gruppe gehörte Ida Kiewy. Am 7. Februar 1945 erreichte ihr Zug das schweizerische St. Gallen, wo die Freigelassenen zunächst in einem notdürftig als Quarantänelager hergerichteten Schulhaus untergebracht wurden. Nach wenigen Tagen wurden die Flüchtlinge auf verschiedene Lager in der Schweiz verteilt. Ida Kiewy kam in ein Auffanglager in Les Avants bei Montreux. Von dort wurde sie am 12. März 1945 in das Flüchtlingsheim Hotel Titlis in Engelberg (Obwalden) gebracht. Ida Kiewy scheint sich im Zuge des Transports aus Theresienstadt eines fünfjährigen Jungen aus Prag angenommen zu haben, Pavel Hoffmann. Er war als Vollwaise aus Theresienstadt mit in die Schweiz gekommen. In der Schweiz wurden die Flüchtlinge vom Verband Schweizerischer Jüdischer Flüchtlingshilfen unterstützt und betreut.

Dokumente aus der Schweiz zeigen, dass Ida Kiewy sich sehr früh darum bemühte, zu ihrer Familie in die USA ausreisen zu können. Ihre Tochter Gertrud besorgte ihr in New York ein Visum für die Einreise und organisierte auch Geldanweisungen in die Schweiz, u.a. über das "Jewish Refugees Committee" in London. Obwohl Ida Kiewy also ein Konto mit ausreichendem Guthaben hatte, war es für sie sehr schwierig, vor Ort das Nötigste zu beschaffen. Am 25. September 1945 schrieb sie an die Polizei in Bern: "Ich bin aus dem Konzentrationslager Theresienstadt ohne Winterkleidung in die Schweiz gekommen. Ich bin 77 Jahre alt und befinde mich in einem Heim, das über 1000 Meter Höhe liegt. Ich benötige zur Anschaffung von Wintermantel, Winterkleider und Winterwäsche den auf meinem Konto bei der Berner Volksbank erliegenden Betrag von Fr. 206,85 und ersuche Sie daher höfl., mir diesen Betrag freizugeben."

Verschiedene bürokratische Probleme führten auch dazu, dass sich die Ausreise bis zum Frühjahr 1946 hinzog. Erst Anfang April 1946 konnte Ida Kiewy das Flüchtlingsheim hinter sich lassen, ihre letzten Wochen in der Schweiz verbrachte sie bei Pfarrer Dr. Hans Langhoff in Langenthal (Bern). Von dort aus verließ sie am 10. April 1946 mit dem Flugzeug die Schweiz Richtung Frankreich. In Le Havre bestieg sie den Dampfer "Uruguay", und am 8. Mai 1946 erreichte Ida Kiewy endlich ihr Ziel New York. Dort lebte sie mehrere Jahre lang bei der Familie ihrer Tochter Gertrud Curtis (früher Cohn).

In den frühen Nachkriegsjahren versuchten alle Überlebenden der Familie Kiewy mehr über das Schicksal von Gertrud, Otto und Hermann Götz nach deren Deportation herauszubekommen, jedoch ohne Erfolg.

1950 kehrte Ida Kiewy aus New York nach Hamburg zurück. Mit Unterstützung ihres Berliner Schwiegersohns Kurt Budy kämpfte sie nun von Deutschland aus um eine angemessene "Wiedergutmachung". Die verschiedenen Rückerstattungs- und Entschädigungsverfahren zogen sich allerdings über Jahre hin, sodass Ida Kiewy deren Abschluss nicht mehr erlebte. Sie starb am 19.2.1953 in Hamburg.
Erst 1959 wurde das Verfahren zu den beschlagnahmten Sammlungen Hermann Kiewys mit einem Vergleich abgeschlossen. Ein Teil seiner verschollen geglaubten Autographensammlung kehrte 1998 aus Armenien nach Hamburg zurück und konnte 2025 an die Erben von Ida und Hermann Kiewy restituiert werden.

Ida und Hermann Kiewys jüngste Tochter Margo Curtis (Margarete Cohn, geb. Kiewy) starb 1963 in New York, ihre älteste Tochter Else Budy, geb. Kiewy, starb 1982 in Berlin.

Stand: Januar 2026
© Anneke de Rudder

Quellen: 1, 2, 9; Hamburgisches Adressbuch 1868, 1870, 1872, 1895, 1900, 1913, online verfügbar: https://adressbuecher.sub.uni-hamburg.de/ https://zeitungen.sub.uni-hamburg.de/ (03.11.2025); StaH 213-13 Landgericht Hamburg – Wiedergutmachung Nr. 3155, 3156, 3157, 3158 und 19175 (Ida Kiewy geb. Engelmann); StaH 214-1 Gerichtsvollzieherwesen Nr. 393 (Israel Kiewy); StaH 232-3 Testamentsbehörden Nr. H 4148 (Joseph Engelmann); StaH 314-15 Oberfinanzpräsident Nr. V 1/175 (Johnsallee 29) und Nr. R 1940/0248 (Ida Kiewy); StaH 351-11 Amt für Wiedergutmachung Nr. 213 und 1282 (Ida Kiewy); Schweizerisches Bundesarchiv, Bestand E 4264 (-) 1985/196, Dossier-Nr. 32286 (Ida Kiewy); Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg – Bibliotheksarchiv, Standakten Wahl, Monatsberichte 1937-1942, (Bibliotheksdirektor Wahl an die Verwaltung für Kunst- und Kulturangelegenheiten, 30.12.1942), Sammlung Kiewy (Materialsammlung von Otto Ernst Krawehl); Arolsen Archives, Records of the ITS and its predecessors, Inquiry processing, ITS case files as of 1947 (Tracing request concerning Goetz Otto 1875-12-13), https://collections.arolsen-archives.org/en/document/106709159 (03.11.2025); Arolsen Archives, Incarceration Documents, Camps and Ghettos, Theresienstadt Ghetto (Karteikarte Ida Kiewy), https://collections.arolsen-archives.org/en/document/4996189 (03.11.2025); US Holocaust Memorial Museum, Database of Holocaust Survivor and Victim Names (Theresienstadt Survivors Sent to St. Gallen, Jewish Arrivals in Switzerland), https://www.ushmm.org/remember/resources-holocaust-survivors-victims/database-of-holocaust-survivor-and-victim-names (03.11.2025); Holocaust.cz, Opferdatenbank (Eintrag Marcus Galewski), https://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/11646-marcus-galewski/ (03.11.2025); Horst Gronemeyer, Franz Grillparzers Locke in Armenien. Zum Schicksal der Autographensammlung Hermann Kiewy, in: Scrinium Berolinense. Tilo Brandes zum 65. Geburtstag, Band 1, Berlin 2000, S. 569-576; Jörg Krummenacher, Die freigekauften Juden aus Theresienstadt, in: Neue Zürcher Zeitung vom 9.2.2015; Thomas Metzger/Johannes Gunzenreiner, Von Theresienstadt ins Schulhaus Hadwig, in: Ostschweiz am Sonntag vom 08.02.2015; Thomas Metzger/Helen Kaufmann (Hg.), "Wir machen einen großen Schritt ins Leben". Die aus dem Ghetto Theresienstadt Befreiten in der Schweiz: Lebenswege und Erinnerungen, Zürich 2025, auch online verfügbar: https://www.chronos-verlag.ch/node/28841 (03.11.2025); Refugees Released from Theresienstadt, in: The Hebrew Standard vom 26.04.1945, S. 7; Bernhard Röhl, Reichspogromnacht: "Wie nach einer Beschießung", in: taz vom 08.11.2003; Catrina Schmid, Der Zug in die Freiheit. Das Schicksal jüdischer Gefangener aus dem KZ Theresienstadt und ihr Aufenthalt im Hadwig-Schulhaus in St. Gallen im Februar 1945, Masterarbeit, PH St. Gallen 2017, auch online verfügbar: https://phsg.contentdm.oclc.org/digital/api/collection/p15782coll2/id/1887/download (03.11.2025); Torsten Schöll, Der steinige Weg eines jüdischen Jungen aus dem KZ Theresienstadt in die Schweiz, in: Südkurier vom 23.11.2018, auch online verfügbar: https://www.suedkurier.de/ueberregional/panorama/Der-steinige-Weg-eines-juedischen-Jungen-aus-dem-KZ-Theresienstadt-in-die-Schweiz;art409965,9969261 (03.11.2025); Hermann Tietz, Geschichte einer Familie und ihrer Warenhäuser. Berichtet von Georg Tietz, Stuttgart 1965, S. 54; private Auskünfte von Nachfahren gegenüber der Verfasserin 2022-2024; Hamburger Zeitungen: Bergedorfer Zeitung vom 21.10.1922, Bergedorfer Zeitung vom 11.12.1930 (Allgemeine Frauenarbeit und Jugendfürsorge), Hamburger Echo vom 25.02.1928 (Aufruf! Für Kinder in Not!), Hamburger Fremdenblatt vom 01.01.1897 (Freimaurer-Krankenhaus), Hamburger Fremdenblatt vom 30.04.1910 (Der Jugendschutz), Hamburger Fremdenblatt vom 05.03.1919 (Todesanzeige Pauline Heckscher), Hamburger Fremdenblatt vom 13.03.1924 (Todesanzeigen Hermann Kiewy), Hamburger Fremdenblatt vom 20.03.1929 (Zum demokratischen Parteitag), Hamburgischer Correspondent vom 31.10.1898 (Angeordnete Aufgebote), Hamburgischer Correspondent vom 26.11.1905, Hamburgischer Correspondent vom 15.02.1920, alle online verfügbar: https://zeitungen.sub.uni-hamburg.de/ (03.11.2025); ancestry.de (Sterbeurkunde Karoline Engelmann, Heiratsurkunde Ida Engelmann/Albert Danziger, Heiratsurkunde Ida Danziger/Hermann Kiewy), www.ancestry.de (03.11.2025); The Statue of Liberty – Ellis Island Foundation (Ship Manifest, S.S. Uruguay, Passengers sailing from Le Havre, France, May 1st, 1946), https://www.statueofliberty.org/statue-of-liberty/ (03.11.2025); Lexikon verfolgter Musiker und Musikerinnen der NS-Zeit (Irene-Charlotte Guthmann), https://www.lexm.uni-hamburg.de/object/lexm_lexmperson_00003972 (03.11.2025); Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Online-Ausstellung "Sehr erfreuliche Vermehrungen", https://galerie.sub.uni-hamburg.de/exhibits/show/sehr-erfreuliche-vermehrungen/ida-und-hermann-kiewy (03.11.2025); LostArt-Datenbank (Autographensammlung Hermann Kiewy), https://www.lostart.de/de/fund/objekt/autographensammlung-hermann-kiewy/630505 (03.11.2025); Anneke de Rudder: Ein Stolperstein für Ida Kiewy – und eine Restitution von 1.500 Autographen, Stabi-Blog, 27.11.2025, https://blog.sub.uni-hamburg.de/?p=41424 (05.12.2025); Erinnerung an die Deportationen von der Sternschanze (Namenstafel 19. Juli 1942),
https://www.sternschanze1942.de/die-namen-der-deportierten-vom-15-und-19-juli-1942/ (03.11.2025).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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