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Otto Horn * 1888
Langenfelder Straße 60 (Altona, Altona-Nord)
HIER WOHNTE
OTTO HORN
JG. 1888
ZEUGE JEHOVAS
VERHAFTET 11.1.1935
KZ ESTERWEGEN
1938 WOLFENBÜTTEL
1940 KZ NEUENGAMME
MS CAP ARCONA
ERTRUNKEN 3.5.1945
Otto Friedrich August Horn, geb. am 6.5.1888 in Hamburg, verhaftet am 11.1.1935, ab 5.2.1935 inhaftiert im Konzentrationslager Esterwegen, ab 27.5.1938 inhaftiert im Strafgefängnis Wolfenbüttel, ab 17.8.1940 inhaftiert im Konzentrationslager Neuengamme, am 3.5.1945 beim Untergang der MS Cap Arcona ertrunken
Langenfelder Straße 60
Otto Friedrich August Horn kam am 6.5.1888 in Hamburg zur Welt. Seine Eltern waren Hans Detlef Horn und Wilhelmine Christine Bernhardine, geb. Schulz. Er hatte noch zwei Geschwister.
Nach seiner Schulentlassung erlernte er den Beruf des Gipsers und arbeitete auch als solcher.
Am 29. Juli 1909 heiratete er Ella Bertha Minna, geb. Hiltmann, geb. 29.7.1887 in Hamburg. Im selben Jahr wurde der gemeinsame Sohn namens Bruno Horn geboren. (Dieser war später als Tischler und Kraftfahrer tätig.)
Im Ersten Weltkrieg diente Otto Horn als Soldat des Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 20 zwischen 1914 und 1918. Dabei war er an der Westfront eingesetzt und wurde mit dem Eisernen Kreuz und dem Hanseatenkreuz ausgezeichnet.
1924 schloss er sich den Bibelforschern an und ließ sich taufen. Die Bibelforscher benannten sich 1931 in Zeugen Jehovas um.
Als solcher war er auch in den nächsten Jahren tätig und beteiligte sich trotz des Verbots der Zeugen Jehovas 1933 weiter an Gottesdiensten. Dies führte dazu, dass er und seine Frau am 11. Januar 1935 in der Langenfelder Straße 60 in Hamburg festgenommen wurden.
Für die Teilnehmer des Ersten Weltkriegs wurde ab Juli 1934 das Ehrenkreuz für Frontkämpfer vom Reichpräsidenten verliehen. Dieses lehnte er jedoch ab, da er, wie er selbst meinte, "nicht mehr für den Krieg sei". Dadurch wird seine veränderte Gesinnung gegenüber Gewalt und seine Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus deutlich, nachdem er Bibelforscher geworden war.
In der Folgezeit wurde er mehrere Male zu Freiheitsstrafen verurteilt. Ab dem 5. Februar 1935 saß er kurze Zeit im Konzentrationslager Esterwegen ein, bevor er von Ende Februar bis zum 26. Oktober 1935 in Papenburg inhaftiert war. Vom 23. Juli 1936 an war er in Hamburg-Altona inhaftiert. Am 3. September 1936 wurde er unter Anrechnung der Untersuchungshaft erneut zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Diese Strafe saß er in Schwarzenbek ab. In allen Fällen erfolgte die Verurteilung "wegen seiner Betätigung für die verbotene Bibelforschervereinigung" beziehungsweise wegen der Ausübung seines Glaubens. Am 17. Januar 1937 kam er zunächst wieder frei.
Nach seiner Freilassung beteiligte er sich sofort im Februar und Juni 1937 an Flugblattaktionen. Es handelte sich um die Flugblätter "Resolution" und "Offener Brief". (Als zuvor im Dezember 1936 schon einmal das Flugblatt "Offener Brief" verteilt worden war, hatte er sich noch in Haft befunden). In diesen wurde die Verfolgung der Zeugen Jehovas geschildert und verurteilt. Die Aktion fand wiederholt reichsweit an vielen Orten statt und führte zu mehreren Verfolgungswellen. Otto Horn versorgte zudem drei Zellen in einer der Untergruppen der Hauptgruppe Altona mit Flugblättern, die er auch selbst verteilte. Die Hauptgruppen waren in sehr kleine Zellen unterteilt, um trotz des Verbots Versammlungen abhalten zu können. Ihm war bewusst, dass Flugblattverteilen mit schweren Strafen geahndet werden konnte und dass anderenorts Zeugen Jehovas deswegen gestorben waren.
Am 13. Mai 1938 wurde er vom hanseatischen Sondergericht Hamburg zu drei Jahren Haft verurteilt. Den Anfang dieser Strafe verbüßte er ab dem 27. Mai 1938 im Strafgefängnis Wolfenbüttel. Ab dem 17. August 1940 war er dann im Konzentrationslager in Neuengamme.
Im April 1945 rückten die alliierten Kräfte immer näher an Hamburg und die SS entschloss sich, das Konzentrationslager in Neuengamme zu leeren. Also brachte sie die Gefangenen auf Schiffe in der Lübecker Bucht. Darunter auch den damals 57-jährigen Otto Horn. Die Häftlinge wurden auf die Schiffe "Thielbek" und "Cap Arcona" gebracht. Da die britische Luftwaffe annahm, dass sich auf den Schiffen deutsche Truppen befanden, griff sie diese am 3. Mai 1945 an.
Otto Horn befand sich während des Angriffs auf der "Cap Arcona". Nur wenige Gefangene schafften es an Land. Die meisten ertranken oder wurden beim Rettungsversuch erschossen. Auch Otto Horn ertrank am 3. Mai 1945 in der Lübecker Bucht nach dem Untergang der "Cap Arcona".
Seine Frau Ella Minna Horn, die ebenfalls am 11. Januar 1935 in der Langenfelder Straße 60 festgenommen worden war, überlebte die Zeit des Nationalsozialismus. Sie starb am 26. Juli 1961.
Stand: November 2025
© Felix Könnecke
Quellen: StaH, 332-5 Standesämter, Personenstandsregister, Sterberegister, 1876-1950; 242-1 II__ 741-4 Fotoarchiv A 472; 213-11_60353; E-Mail von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme vom 22. Oktober 2022; Arolsen Archives: Signatur: 1.1.28.1, Titel: "Bieringer David", DocID: 3123328; Christoph Wilker: "Zeugen Jehovas: Verfolgung und Widerstand" in nsdoku München 02.02.2024, https://www.nsdoku.de/lexikon/artikel/zeugen-jehovas-verfolgung-und-widerstand-910 Zugriff: 13.02.2025; Archiv Zentraleuropa [JZArchEU] "Offener Brief" Jehovas Zeugen; Auszug Geschichtsarchiv Zeugen Jehovas Bethel Selters; Dirk Lüerßen: "Wir sind die Moorsoldaten" 25.05.2001, S. 314+315; NDR: "Tragödie am Kriegsende: Bomben auf die "Cap Arcona" 22.08.2024 https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/kriegsende/Tragoedie-am-Kriegsende-Bomben-auf-die-Cap-Arcona,caparcona100.html Zugriff 24.01.2025; Vereinigte Arbeitsgemeinschaft der Naziverfolgten e.V. (VAN): "Totenliste Hamburger Widerstandskämpfer und Verfolgter" 1968, S. 41.

