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Bereits verlegte Stolpersteine



Leopold Falck * 1880

Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße) (Hamburg-Mitte, Neustadt)


HIER WOHNTE
LEOPOLD FALCK
JG. 1880
DEPORTIERT 1941
RIGA-JUNGFERNHOF
ERMORDET

Weitere Stolpersteine in Großneumarkt 38 (vorm. Schlachterstraße):
Hanna Aghitstein, Julie Baruch, Ludwig Louis Baruch, Helene Biskupitzer, Julius Blogg, Rebecca Blogg, Kurt Cossmann, Mathilde Cossmann, Frieda Dannenberg, Jenny Falck, Rosalie Falck, Alice Graff, Leopold Graff, Flora Halberstadt, Elsa Hamburger, Herbert Hamburger, Louis Hecker, Max Hecker, Marianne Minna Hecker, Lea Heymann, Alfred Heymann, Wilma Heymann, Paul Heymann, Alice Rosa Holländer, Gustav Holstein, Johanna Holstein, Ferdinand Justus, Ida Justus, Hannelore Justus, Jettchen Kahn, Adolf Kahn, Curt Koppel, Johanna Koppel, Bernhard Leiserowitz, Gertrud Leiserowitz, Hannchen Liepmann, Henriette Liepmann, Bernhard Liepmann, Heinz Lippmann, Johanna Löwe, Robert Löwenthal, Minna Meierstein, Marianne Melhausen, Martin Moses, Julius Pilatus, David Pollak, Adolf Julius Posner, Ida Prager, Anna Prager, Siegmund Rittlewski

Leopold Falck, geb. 4.5.1880 in Hamburg, deportiert am 6.12.1941 nach Riga-Jungfernhof

Großneumarkt 38 (Schlachterstraße 40/42)

Über das Leben von Leopold Falck konnte nicht viel in Erfahrung gebracht werden. Er wurde am 4. Mai 1880 in der 3. Elbstraße 25 (heute Neanderstraße) in der Hamburger Neustadt geboren. Die Neustadt war zum Zeitpunkt seiner Geburt das Hauptwohngebiet der Hamburger Juden. Der Vater Ferdinand Falck war "Handelsmann" (Kaufmann) und stammte aus dem damals noch nicht zum Hamburger Stadtgebiet gehörenden, selbstständigen Wandsbek, wo er als Sohn des Fuhrmanns Samuel Liepmann Falck und Rahel, geb. Mayer, am 21. November 1840 zur Welt kam. Die Mutter Friederike, geb. Jacob, war die Tochter des Pfeifenhändlers Joel Jacob (gest. 16.5.1881) und Hanna, geb. Meyer. Die Familie gehörte der Jüdischen Gemeinde an.

Von Leopold sind zwei ältere Geschwister bekannt: Jenny (geb. 11.10.1870) und Samuel Siegfried Falck (geb. 18.7.1872). Darauf dass die Familie nicht wohlhabend war, deutet ihr Einzug 1885 in das drei Jahre zuvor errichtete jüdische Marcus-Nordheim-Stift in der Schlachterstraße 40/42, Haus 3 hin. Aufgenommen wurden dort, nach den Richtlinien der Stiftung, nur bedürftige Personen, die ein religiös geprägtes Leben führten.

Sicherlich besuchte Leopold Falck die Talmud Tora Schule, die sich damals zu dieser Zeit in der Nähe der elterlichen Wohnung, Kohlhöfen 20, befand.
Als er 11 Jahre alt war, starb seine Mutter mit 54 Jahren am 3. März 1892. Knapp zwei Jahre später heiratete der Vater am 30. Januar 1894 in zweiter Ehe die ebenfalls jüdische Verkäuferin Rosalie Rittlewski (geb. 8.5.1861). In dieser Ehe wurde am 21. September 1897 der Halbbruder Salomon Falck geboren, der sich später Siegbert nennen sollte.

Ferdinand Falck wurde 76 Jahre alt, er starb am 20. November 1916 in der Wohnung in der Schlachterstraße.

Leopold Falck blieb, wie seine Schwester Jenny, unverheiratet. Auf seiner später von der Jüdischen Gemeinde angelegten Kultussteuerkarte wurde sein Beruf zunächst als "Heizer” vermerkt. Vielleicht fuhr er für eine Zeit zur See. Nach einem ersten Eintrag im Hamburger Adressbuch aus dem Jahre 1926, bewohnte Leopold Falck (im Adressbuch Falk) im Marcus-Nordheim-Stift in der Schlachterstraße 40/42 eine eigene Wohnung im Haus Nr. 4 und somit in unmittelbarer Nachbarschaft seiner Stiefmutter Rosalie. Als Beruf gab er dann Schlosser und später, 1929 Hafenarbeiter an.

Leopold Falck zahlte ab 1933 keine oder nur geringe Kultussteuern an die Jüdische Gemeinde. Eine Notiz weist auf Wohlfahrtsunterstützung hin, eine dementsprechende Akte existiert jedoch nicht mehr.
Seine letzte, nicht näher bezeichnete Tätigkeit war in "Hellmanns Gaststätten" im Jüdischen Gemeinschaftshaus in der Hartungstraße.

Am 6. Dezember 1941 wurde Leopold Falck mit insgesamt 753 Jüdinnen und Juden von Hamburg in das von der Wehrmacht besetzte Lettland nach Riga deportiert. Da aber das Getto in Riga bereits mit einheimischen Juden überfüllt war, schuf die SS mit einer Mordaktion "Platz" für die Neuankommenden und die Erschießungen liefen noch, als der Hamburger Transport sein Zielgebiet erreichte. Deshalb wurde er in das nahe bei Riga gelegene, heruntergekommene "Gut Jungfernhof" umgeleitet. Einige Deportierte starben bereits vor ihrer Ankunft in den ungeheizten Güterwaggons, viele überlebten den strengen Winter in den provisorisch eingerichteten Scheunen und Viehstellen nicht, und fast alle, die im Frühjahr 1942 noch am Leben waren, wurden im März 1942 in einem Wald bei Riga erschossen. Wann und wo Leopold Falck ums Leben kam, ist unbekannt.

Seine Schwester Jenny Falck war nach dem Tod der Mutter Friedericke als Köchin in verschiedenen Haushalten tätig und wohnte wahrscheinlich auch bei ihren jeweiligen Arbeitgebern. 1926 zog sie in den Haushalt ihrer Stiefmutter Rosalie Falck zurück. Sie fand, angeblich aufgrund ihres Alters, nur noch aushilfsweise eine Beschäftigung und bezog zwischenzeitlich Fürsorgeleistungen.
Jenny Falck als über 70-jährige war von den ersten Deportationen noch zurückgestellt und wurde am 19. Juli 1942 aus dem ehemaligem Marcus-Nordheim-Stift, jetzt ein sogenanntes Judenhaus, in das Getto von Theresienstadt deportiert. Von dort wurde sie am 21. September 1942 in einen Transport in das Vernichtungslager Treblinka eingereiht, wo sie ermordet wurde.

Ebenfalls in dem Transport am 19. Juli 1942 befand sich der Bruder Siegfried Falck (geb. 18.7.1872), der früher ein Milchgeschäft im Grindelviertel betrieben hatte, mit seiner Frau Minna, geb. Cohen (geb. 31.5.1872), aus dem benachbarten "Judenhaus" in der Schlachterstraße 46/48, ehemals Lazarus-Gumpel-Stift. Das Ehepaar Falck starb bereits im Oktober 1942 im Getto. Ihr einziges Kind James Falck (geb. 11.8.1902), bis zum Berufsverbot Heilpraktiker in der Brahmsallee 32, war mit seiner Frau Judith, geb. Gräper (geb. 18.9.1909) und Tochter Bescha (geb. 11.1.1939) bereits mit dem zweiten Großtransport aus Hamburg am 8. November 1941 ins Getto nach Minsk deportiert worden. Auch sie überlebten nicht.

Die Stiefmutter Rosalie Falck musste nach der Räumung des Marcus-Nordheim-Stift in das "Judenhaus" in der Beneckestraße 6 umziehen. Am 24. Februar 1943 wurde sie mit insgesamt 50 Jüdinnen und Juden in das Getto Theresienstadt deportiert. Zu ihnen gehörte auch ihr Bruder Siegmund Rittlewski. Rosalie Falck starb nur wenige Monate später am 6. Mai 1944. (s. Jenny und Rosalie Falck und Siegmund Rittlewski www.stolpersteine-hamburg.de).

Der Halbbruder Siegbert/Salomon Falck war bereits am 25. Oktober 1941 mit seiner zweiten Frau Lieselotte, geb. Rosenberg, die er erst im Juni 1940 geheiratet hatte, ins Getto "Litzmannstadt" nach Lodz deportiert worden. Lieselotte Falck verstarb am 30. Juni 1943 an einer Lungentuberkulose im "Getto-Hospital". Siegbert/Salomon wurde nach Auflösung des Gettos, angesichts des Vormarsches der Roten Armee, im August 1944 nach Tschenstochau (Czestochowa) südlich von Warschau in ein von der SS verwaltetes Zwangsarbeiterlager für den Rüstungskonzern "HASAG" (Hugo Schneider AG) verlegt. Am 24. Dezember 1944 kam Siegbert/Salomon Falck mit einem Massentransport in das KZ Buchenwald. Mit der Haftnummer 11874 wurde er dort als "jüdischer Häftling" und der Berufsangabe "Krankenpfleger" registriert. Ab März 1945 musste er Zwangsarbeit in einem Baukommando leisten, zuletzt Instandhaltungsarbeiten in der nahegelegenen SS-Siedlung in Kleinobrigen, obwohl er seit 1942 linksseitig gehbehindert war. Siegbert/Salomon Falck starb kurz vor Auflösung des Lagers am 29. März 1945 im Krankenbau des "Kleinen Lagers". Als Todesursache wurde ein infektiöser Magen-Darmkatarrh angegeben.

Die Schlachterstraße, die vom Großneumarkt über die heutige Ludwig-Erhard-Straße zur St. Michaeliskirche führte, gibt es heute nicht mehr. Sie wurde 1943 komplett zerstört. Daher wurden die Stolpersteine für Leopold, Jenny und Rosalie Falck, sowie für weitere Bewohnerinnen und Bewohner des jüdischen Marcus-Nordheim-Stift und des jüdischen Lazarus-Gumpel-Stift am Großneumarkt 38 verlegt (s. www.stolpersteine-hamburg.de).

An Siegbert/Salomon Falck erinnert ein Stolperstein im Försterweg 43 (s. www.stolpersteine-hamburg.de). Für Lieselotte Falck und ihren Eltern Bettina und Harry Rosenberg in der Hamburger-Altstadt in der Lilienstraße 15 (s. www.stolpersteine-hamburg.de).

Stand: März 2026
© Susanne Rosendahl

Quellen: 1; 3; 5; 7; 9; StaH 332-5_1978 u. 2186/1880; StaH 332-5_2433 u. 3243/1897; StaH 332-5_2829 u. 106/1894; StaH 332-5_2924 u. 272/1899; www.ancestry: Sterbeurkunde Friederike Falck am 3.3.1892 Urkunden-Nr. 594; www.ancestry: Sterbeurkunde Friederike Falck am 20.11.1916 Urkunden-Nr. 1158; www.ancestry: Sterbeurkunde Salomon Falck am 29.3.1945 Urkunden-Nr. 594; www.ancestry: Sterbeurkunde Joel Jacob am 16.5.1881 Urkunden-Nr. 1410; StaH 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge 1142 (Falck, Jenny); StaH 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge 1140 (Falck, Samuel Siegfried); StaH 351-14 Arbeits- und Sozialfürsorge 1143 (Falck, James); StaH 351-11 AfW 19952 (Falck, Salomon); StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e Band 2; StaH 522-1 Jüdische Gemeinde Nr. 992 e Band 5; Lodz Hospital, Der Hamburger Gesellschaft für Genealogie zur Verfügung gestellt von Peter W. Landé, 2009, USHMM, Washington, bearbeitet von Margot Löhr; Auskunft aus der Gedenkstätte Buchenwald von Torsten Jugi, E-Mail vom 22.3.2016; diverse Hamburger Adressbücher; https://www.statistik-des-holocaust.de/VI3-1.jpg.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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