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Karl Wolter * 1912
Kanzlershof 34 (Harburg, Rönneburg)
HIER WOHNTE
KARL WOLTER
JG. 1912
EINGEWIESEN 1935
HEILANSTALT LÜNEBURG
´VERLEGT‘ 7.3.1941
PIRNA-SONNENSTEIN
ERMORDET 7.3.1941
´AKTION T4‘
Karl Wolter, geb. am 21.10.1912 in Harburg-Neuland, eingewiesen in die Landes Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg am 22.1.1935, am 7.3.1941 ´verlegt` in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein und ermordet
Kanzlershof 34 (früher Haus 46), Stadtteil Harburg/Neuland
Karl Wolter lebte mit seinen Eltern Anna und Otto – nach der Scheidung der Eltern mit seiner Mutter – in Neuland. Über seine Kindheit und Jugend ist nichts bekannt, sein Beruf war Maler.
Bei Karl Wolter wurde eine "Dementia praecox" diagnostiziert, eine Erkrankung, die im frühen Erwachsenenalter beginnt und zu einer schleichenden geistigen Beeinträchtigung führt.
Am 22. Januar 1935 wurde Karl Wolter in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg eingewiesen. In der Patientenakte wird er als unruhiger Patient geschildert. Am Tag der Aufnahme wurde vermerkt, dass der Patient nicht im Bett bleiben wolle und immer wieder sagte "er habe Vater und seiner Mutter nichts getan". Eine Woche später verweigerte er die Nahrungsaufnahme. Am 30. Januar wurde sein Zustand als "weinerlich verstimmt" beschrieben. Über den weiteren Krankheitsverlauf ist nichts bekannt. Der letzte Eintrag lautet "am 7.3.1941 verlegt in eine Sächsische Anstalt".
In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurden in den 1930er-Jahren Zwangssterilisationen an über 100 Patientinnen und Patienten vorgenommen. Ob Karl Wolter zu ihnen gehörte, ist nicht bekannt.
Ab Herbst 1939 waren alle Heil- und Pflegeanstalten verpflichtet, Patienten mit körperlichen, geistigen und seelischen Erkrankungen an die Zentraldienststelle in Berlin, Tiergartenstraße 4, zu melden (Aktion T4). Dort entschieden Gutachter über deren weiteres Schicksal. Über 70 000 Patienten fielen diesem Programm zum Opfer.
Aus Lüneburg wurden zwischen 1940 und im Zuge der Aktion T4 fast 500 Patientinnen und Patienten (sog. Ballastexistenzen) in die verschiedenen Tötungsanstalten überführt.
(In der 1941 eingerichteten "Kinderfachabteilung" wurden zudem über 300 Kinder mit Luminal oder Morphium getötet.)
Am 7. März 1941 wurden 14 Patientinnen und Patienten der Heil-und Pflegeanstalt Lüneburg in die Tötungsanstalt Pirna-Sonnenstein ´verlegt`. Darunter befand sich auch Karl Wolter. Alle Patienten wurden noch am Tag der Ankunft in der Gaskammer ermordet.
In der Heil- und Pflegeanstalt Pirna-Sonnenstein wurden in den Jahren 1940 und 1941 rund 13.720 psychisch kranke und geistig behinderte Menschen im Rahmen der "Aktion T4" in einer Gaskammer im Keller der Anstalt ermordet.
Stand: September 2026
© Margrit Rüth
Quellen: Niedersächsisches Landesarchiv Hann.155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 08667; Adressbuch Gut Moor 1934; Hamburger Gedenkbuch Euthanasie DIE TOTEN 1939-1945: https://hamburger-euthanasie-opfer.de/ (Zugriff 21.9.2026); Auskunft Gedenkstätte Lüneburg 7.5.2024; Stiftung Sächsische Gedenkstätten: https://www.stsg.de/cms/pirna/geschichte/ns-verbrechen_in_pirna (Zugriff 21.9.2026).

