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Bereits verlegte Stolpersteine



Paula Cohn (geborene Goldberg) * 1896

Dillstraße 16 (Eimsbüttel, Rotherbaum)

1941 Minsk

Weitere Stolpersteine in Dillstraße 16:
Julius Cohn, Walter Horwitz, Else Horwitz, Gertrud Weidner

Paula Cohn, geb. Goldberg, geb. 20.2.1896 in Melsungen, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk

Dillstraße 16 (Rotherbaum)

Paulas Eltern, Salomon Goldberg (1856-1917) und Malchen, geb. Stern (geb. 1867), hatten 1893 in Langenschwarz geheiratet, wo Malchen bisher gelebt hatte. Sie bekamen sieben Kinder. Paula Goldberg wurde 1896 als zweites von ihnen im nordhessischen Melsungen geboren.

Mit 16 Jahren zog Paula Goldberg im Juni 1912 nach Hamburg und nahm Stellungen als Dienstmädchen an: Nachdem sie vier Wochen bei dem selbstständigen Metallmakler Julius Philipp (Beneckestraße 2) gearbeitet hatte, blieb sie zwei Jahre bei dem selbstständigen Bankier Michael Flörsheim jr. (Werderstraße 30). Fünf Tage vor Beginn des Ersten Weltkriegs wechselte sie zu dem selbstständigen Metallhändler Herbert Gotthold (Werderstraße 7) und im Mai 1915 zu dem "Privat-Beamten" Isidor Isaak (Rappstraße 2). (Ein Privat-Beamter war in einem privaten Unternehmen zu ähnlichen Bedingungen beschäftigt wie Beamte im Staatsdienst).

Aufgrund des schlechten Gesundheitszustandes ihres Vaters meldete sich Paula Goldberg am 17. August 1917 nach Melsungen ab – ihr Vater starb zwei Wochen später, am 2. September 1917.

Vermutlich kehrte Paula Goldberg nach einiger Zeit wieder nach Hamburg zurück. Jedenfalls heiratete sie dort am 2. September 1930 den Kaufmann Julius Cohn (geb. 16.1.1886 in Hamburg), der seit 1921 Mitglied der Jüdischen Gemeinde Hamburgs war. Außerdem gehörte er dem orthodoxen Synagogenverband an. Trauzeugen waren Paulas verwitwete Schwiegermutter Johanna Cohn, geb. Ehrmann (75 Jahre, wohnhaft Dillstraße 16), und der Ehemann ihrer Schwester Frieda, der Bankbeamte Max Oppenheimer.

Paula und Julius Cohn lebten in der Dillstraße 16 im Stadtteil Rotherbaum; die Ehe blieb kinderlos.

Zwei von Paulas Schwestern waren ihr nach Hamburg gefolgt: Gidel, genannt Julie (geb. 19.11.1894 in Melsungen) im Dezember 1920 und Frieda Goldberg (geb. 23.11.1897 in Melsungen) im April 1922. Beide arbeiteten als Verkäuferinnen und heirateten ebenfalls 1922 bzw. 1924 in der Hansestadt.

Die auf der Karteikarte der Jüdischen Gemeinde von Julius Cohn vermerkten Beiträge sind recht niedrig; 1924 bis 1926 blieben sie ganz aus, d.h. Julius und Paula Cohn verfügten nur über geringe oder gar keine Einkünfte. Ihre Lage verbesserte sich dann wieder leicht. Doch ihre ohnehin wirtschaftlich angespannte Situation dürfte sich durch die NS-Herrschaft weiter verschärft haben, was sich daran zeigt, dass sie ab 1935 wieder nur sehr niedrige Beiträge an die Jüdische Gemeinde zahlten. Offensichtlich waren beide arbeitslos und mussten staatliche Fürsorgeleistungen in Anspruch nehmen.

Im Dezember 1938 führten die Arbeitsämter für jüdische Unterstützungsempfänger die Verpflichtung ein, körperliche Arbeit in jüdischen Arbeitskolonnen zu leisten. So musste Julius Cohn ab April 1939 "Pflichtarbeit" verrichten, für die er 12,30 RM in der Woche erhielt. Das reichte nicht einmal für die Miete. Von Paula Cohn wissen wir, dass sie zumindest im Jahr 1941 als Köchin arbeitete.

Das Haus, in dem sie wohnten, in der Dillstraße 16, wurde vermutlich 1940 zum "Judenhaus" erklärt und in die Vorbereitung der Deportationen einbezogen. Die Jüdinnen und Juden, die dort eingewiesen worden waren, lebten in den beengten Wohnungen bzw. Zimmern (manche mussten noch einmal in andere "Judenhäuser" umziehen), bis sie den Deportationsbefehl erhielten.

Paula und Julius Cohn wurden am 8. November 1941 nach Minsk deportiert. In dem Deportationszug befand sich auch ihre Schwester Julie Josephs, geb. Goldberg (siehe www.stolpersteine-hamburg.de), mit ihrem Ehemann Martin und ihrer Tochter Hannah, für die Stolpersteine in der Hudtwalckerstraße 28 (Hudtwalckertwiete 4) verlegt wurden.

Niemand von ihnen überlebte.

Stand: März 2022
© Björn Eggert

Quellen: Standesamt Hamburg (StaH) 332-5 (Standesämter), 13291 u. 375/1930 (Heiratsregister 1930, Julius Cohn u. Paula Goldberg); StaH 332-8 (Meldewesen), K 6139 (Alte Einwohnermeldekartei 1892-1925), Paula Goldberg, Frieda Goldberg, Julie Goldberg; StaH 522-1 (Jüdische Gemeinden), 992b (Kultussteuerkartei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg) Julius Cohn, Paula Cohn geb. Goldberg; Standesamt Langenschwarz-Grosenmoor Nr. 7/1893 (Heiratsregister 1893, Salomon Goldberg u. Malchen Stern); Standesamt Melsungen 4584 u. 27/1896 (Geburtsregister 1896, Paula Goldberg); Standesamt Melsungen 4682 u. 80/1917 (Sterberegister 1917, Jakob Salomon Goldberg); Bundesarchiv Koblenz, Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945 (Paula Cohn geb. Goldberg, Julius Cohn); Adressbuch Hamburg 1913 (Michael Flörsheim, Julius Philipp); Adressbuch Hamburg 1915 (Herbert Gotthold, Isidor Isaak); Adressbuch (Dillstraße 16 Erdgeschoss) 1932, 1934, 1936, 1938, 1940 (Kaufmann J. Cohn); www.stolpersteine-hamburg.de (Julie Josephs geb. Goldberg).

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