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Bereits verlegte Stolpersteine



Magda und Paul Thürey
Magda und Paul Thürey, vermutlich Anfang der 1940er Jahre
© Gedenkstätte Ernst Thälmann

Magda Thürey (geborene Bär) * 1899

Emilienstraße 30 (Eimsbüttel, Eimsbüttel)


Verhaftet Herbst 1943 KZ Fuhlsbüttel
Verstorben an Haftfolgen 17.07.1945

Weitere Stolpersteine in Emilienstraße 30:
Paul Thürey

Magda Thürey, geb. Bär, geb. am 4.3.1899 in Hamburg, verfolgungsbedingt gestorben am 17.7.1945
Paul Thürey, geb. am 16.7.1903, 1943/44 mehrfach verhaftet wegen Vorbereitung zum Hochverrat, am 3.5.1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt, am 26.6.1944 hingerichtet

Emilienstraße 30

Das Ehepaar Magda und Paul Thürey gehörte zu den wenigen Hamburgern, die gegen das NS-Regime aktiv Widerstand leisteten und diesen Mut mit ihrem Leben bezahlten. Die Thüreys gehörten zur kommunistischen Widerstandsgruppe Bästlein-Jacob-Abshagen, die sich um 1940 bildete und ihren Namen von den führenden Aktivisten Bernhard Bästlein, Franz Jacob und Robert Abshagen ableitete.

Magda Thürey wurde als Augusta Luise Magda Bär 1899 in Hamburg am Grindelberg 33 geboren. Zwei Jahre später kam ihr Bruder Curt zur Welt. Die Mutter der Kinder hieß Bertha Elise Martha Bär, geb. Walsen, ihr Vater war der Steuermann Hermann Karl Bär. Magdas Eltern waren evangelisch. Ihre Mutter stammte aus einer Kaufmanns-, der Vater aus einer Arbeiterfamilie. Er brachte es bis zum Schiffsoffizier, verstarb aber bereits vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Magda besuchte das Emilie-Wüstenfeld-Lyzeum und absolvierte bis 1919 eine Ausbildung zur Lehrerin im Lehrerseminar Hohe Weide in Eimsbüttel. Schon als junge Frau knüpfte sie Kontakte zu reformorientierten, politisch linken Gleichgesinnten. Sie war beeinflusst von der Wandervogelbewegung und engagierte sich in der Freideutschen Jugend. 1925 trat Magda Thürey der KPD bei und gehörte für die Partei kurz vor 1933 zeitweilig der Hamburgischen Bürgerschaft an, wo sie als Spezialistin für Schulfragen galt.

Paul Carl Ludwig Thürey, wie er mit vollem Namen hieß, war etwas jünger als seine Frau. Seine Eltern hießen Auguste Malwine Johanna Thürey, geb. Struve, und Jonny Karl Friedrich Thürey. Paul war das jüngste von vier Kindern. Im Adressbuch ist zur Zeit seiner Geburt ein John Thürey eingetragen mit der Berufsbezeichnung Schriftsetzer und der Adresse Rosenstraße 2. Dort verbrachte Paul Thürey seine Kindheit und Jugend. Nach Abschluss der Volksschule 1918 begann er eine Lehre als Schlosser und Maschinenbauer in der Elektromotorenfabrik Conz Elektrizitätsgesellschaft m.b.H in Bahrenfeld. Während seiner Lehre schloss er sich der radikalen Arbeiterbewegung an und trat 1920 in die KPD ein. 1922 verlor er seine Beschäftigung und widmete sich nun verstärkt den Parteiaktivitäten. Arbeit fand er manchmal für kurze Zeit bei verschiedenen Firmen. Ende der 1920er Jahre lernte er die Lehrerin Magda Bär kennen.

Sie unterrichtete ab 1919 in Eimsbüttel, zunächst an der Schule Lutterothstraße 80, ab 1930 an der Schule Methfesselstraße 28. Sie wurde Mitglied der "Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens". Als sie im Juli 1933 aus dem Schuldienst entlassen wurde, lebte sie bereits ge­meinsam mit Paul Thürey in der Alsterdorferstraße 192. Im November 1932 und im April 1933 hatte es in der Wohnung Haussuchungen gegeben. Als Begründung für ihre Entfernung aus dem Schuldienst diente das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", dessen Paragraph 2 die Entlassung wegen einer Mitgliedschaft in der KPD vorsah.

Nach der Zerstörung ihrer beruflichen Existenz heirateten Magda Bär und Paul Thürey am 27. Dezember 1933. Auch Paul Thürey war arbeitslos. Um sich eine Existenz zu schaffen, erwarb das Ehepaar ein Seifengeschäft in der Osterstraße 100, das später in die Emilienstraße 30 verlegt wurde. Der Laden trug den Namen "Waschbär" – ein Wortspiel mit Magdas Mädchennamen. Das Geschäft diente von Anfang an auch als Treffpunkt für die illegale KPD. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs war der Laden eine wichtige Anlaufstelle für die kommunistische Bästlein-Jacob-Abshagen Widerstandsgruppe. In Seifenkartons wurden Flugblätter und illegale Druckschriften versteckt. Auch Magdas Bruder Curt, der 1933 ebenfalls aus dem Schuldienst entlassen worden war, versuchte, sich mit einem Seifenladen eine neue Existenz aufzubauen. Sein Laden befand sich in Barmbek-Süd in der ehemaligen Diederichstraße 21.

Die Widerstandsgruppe entstand aus der konspirativen Arbeit von KPD-Genossen, die 1933 verfolgt und inhaftiert, gegen Ende der 1930er Jahre jedoch entlassen worden waren – zu einem Zeitpunkt, als sich das nationalsozialistische Regime auf dem Höhepunkt seiner Macht und Akzeptanz befand. Im Herbst 1943 erhielt die Gestapo durch den Spitzel Alfons Pannek Kenntnis davon, dass die Seifenhandlung "Waschbär" als Anlaufstelle für illegal lebende Mitglieder der Bästlein-Organisation diente. Am 30. Oktober 1943 nahm der berüchtigte Gestapobeamte Henry Helms Magda Thürey in "Schutzhaft" und ließ sie ins Gefängnis Fuhlsbüttel bringen. Sie musste einen Zettel unterschreiben, wonach sie einer gewissen Gertrud Pfälzer – ein Tarnname – alle Rechte und Pflichten an dem Geschäft übertrage. Von nun an benutzte die Gestapo den Laden "Waschbär" als Falle, indem Gertrud Pfälzer vorgab, eine Freundin Magda Thüreys zu sein. Die Gestapo enttarnte die Widerstandsgruppe, und auch andere Mitglieder wurden verhaftet.

Magda Thürey war krank. Seit ihrem 31. Lebensjahr litt sie an Multipler Sklerose, eine Krankheit, die sich durch die Haftbedingungen rapide verschlimmerte. 1944 kam sie, bereits bewegungsunfähig, ins Krankenhaus Langenhorn auf die Station für Nervenkranke, erhielt jedoch auch dort nicht die nötige medizinische Versorgung. Curt Bär überlebte wie Magda Thürey das Kriegsende und konnte seine Schwester 1945 nach Hause holen, wo diese allerdings bereits am 17.7.1945 im Alter von 46 Jahren an den Haftfolgen starb. Als Todesursache wurden Multiple Sklerose und Dekubitus eingetragen.

Paul Thürey hatte 1939 noch einmal Arbeit in seiner Lehrfirma Conz-Elektromotoren-Werke gefunden, die jetzt ein Rüstungsbetrieb war. Die Firma befand sich in Bahrenfeld in der Gasstraße. In der illegalen Arbeit der KPD spielten Betriebsgruppen eine wichtige Rolle. Paul Thürey war Vertrauensmann bei Conz. 1942 nahm die Gestapo Paul Thürey fest. Im Herbst 1944 wurde er im Zuge der "Hamburger Kommunistenprozesse", die im Mai desselben Jahres be­gon­nen hatten, zum Tode verurteilt und am 26.6.1944, einundvierzigjährig, im Hamburger Untersuchungsgefängnis Holstenglacis 3 enthauptet. Im Verlauf der Prozesse wurden in zwölf Verhandlungen, je zur Hälfte vor dem in Hamburg tagenden Volksgerichtshof und dem Hanseatischen Oberlandesgericht, 47 Mitglieder der Bästlein-Organisation abgeurteilt. Allein der 2. Senat des Volksgerichtshofes verhängte im Mai 1944 14 Todesurteile. Paul Thürey war einer von zehn Verurteilten, die am 26. Juni hingerichtet wurden. Insgesamt wurden mehr als 70 Mitglieder dieser nordwestdeutschen Widerstandsorganisation zu Opfern des Nationalsozialismus.

Magda Thüreys Begräbnis kurz nach Kriegsende wurde zur ersten und einzigen großen Einheitskundgebung der linken Arbeiterparteien in Hamburg. Karl Meitmann für die SPD und Friedrich (Fiete) Dettmann für die KPD reichten sich über dem Grab symbolisch die Hände und versprachen, den Bruderkampf niemals wieder aufleben zu lassen.

Magda und Paul Thürey sind auf dem Ehrenfeld der Geschwister-Scholl-Stiftung auf dem Friedhof Ohlsdorf begraben. Um an sie zu erinnern, wurde 1981 in Niendorf die Thüreystraße nach ihnen benannt. Im Kurt-Schill-Weg steht ein Mahnmal: ein Tisch mit 12 Stühlen, 1987 geschaffen vom Düsseldorfer Künstler Thomas Schütte zum Gedenken an den Widerstand. Die Rückenlehnen tragen Namen von Hamburger Widerstandskämpferinnen und -kämpfern; hier steht auch der Name Paul Thürey. Auch Curt Bär wurde geehrt, indem nach ihm eine Straße im neuen Stadtteil Allermöhe benannt wurde.

© Susanne Lohmeyer

Quellen: StaH 131-10I, 1933Ja13c; StaH 331-1 II Polizeibehörde, Abl. 15 vom 18.9.1984; StaH 332-5 Standesämter, 1203 + 571/1944; StaH 332-5, 9959 + 1478/1945; StaH 332-5, 13086 + 473/1899; StaH 351-11 AfW, 27282; HAB II 1904, 1935, 1937; Edith Burgard, Magda Thürey; Ursel Hochmuth, Gertrud Meyer, Streiflichter; Justiz und NS-Verbrechen, Bd. IV, S. 765ff.; Klaus Bästlein, "Hitlers Niederlage"; Ingo Böhle, www.hamburg.de/clp/frauenbiografien;de.wikipedia.org/wiki/Paul_Thürey Zugriff am 30.4.2012; Auskunft Archiv Neuengamme vom 3.5.2012; Gymnasium Ohmoor, "GEDENKEN HEISST: NICHT SCHWEIGEN", Hamburg 1984.

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