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Bereits verlegte Stolpersteine



Alice und Emil Hammerschlag, 1920
Alice und Emil Hammerschlag, 1920
© Privat

Emil Hammerschlag * 1882

Sierichstraße 108 (Eingang zu 106) (Hamburg-Nord, Winterhude)

1941 Minsk
ermordet

Weitere Stolpersteine in Sierichstraße 108 (Eingang zu 106):
Alice Hammerschlag

Alice Hammerschlag, geb. Wagner, geb. 17.9.1893 in Hamburg, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk, dort verschollen
Emil Hammerschlag, geb. 4.2.1882 in Lippstadt, deportiert am 8.11.1941 nach Minsk, dort verschollen

Sierichstraße 108 – Eingang zu 106

Adolf Blankenstein, geb. 11.10.1872 in Aachen, deportiert am 24.02.1943 nach Theresienstadt, Tod am 28.03.1943

Sierichstraße 98

Emil Hammerschlag kam in Lippstadt als Sohn von Jacob Hammerschlag und seiner Frau Therese, geb. Bieber, zur Welt. Die Familie Hammerschlag muss dort länger ansässig und bekannt gewesen sein. In das jüdische Mahnmal in Lippstadt, eine schlichte Stehle aus Stein, ist unter der Jahreszahl 1942 der Name Hammerschlag eingraviert. Emil hatte zwei Schwestern und zwei Brüder. Er war Soldat im Ersten Weltkrieg und wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Nach dem Ersten Weltkrieg kam er nach Hamburg, wo einer seiner Brüder, Hermann Hammerschlag, am Neuen Wall 52 eine Hutfabrik besaß. (Der Hutfabrikant Hermann Hammerschlag gelangte im November 1940 über Sibirien nach Shanghai. Von dort wanderte er nach dem Zweiten Weltkrieg nach Südafrika aus.)

Emil heiratete Alice, geb. Waldheim. Das Ehepaar hatte eine Tochter, Hildegard (geb. 24.8.1921). Sie besuchte zuletzt die Oberstufe der Talmud Tora Schule am Grindelhof. 1939, wenige Monate vor dem Abitur nutzte sie die Möglichkeit, mit einem Kindertransport nach England zu gelangen.

Mit Hilfe der Familie seiner Frau hatte Emil eine eigene kleine Textilfabrik aufgebaut, die baumwollene Hemden, Schürzen und Overalls herstellte. Gleichzeitig betrieb er einen Großhandel für Baumwollprodukte. Seine Firma lag 1925 an der ABC-Straße 33a, mit Frau und Kind wohnte er seit 1924 in der Haynstraße 15 in Eppendorf.

Die Tochter Hilde erinnerte sich später gegenüber ihrer eigenen Tochter, dass die Einnahmen der Familie in den 1930er Jahren immer geringer wurden. Dies wird eine Folge der wirtschaftlichen Boykottmaßnahmen gegen jüdische Firmeninhaber und Angestellte gewesen sein. Auf Emils Steuerkarte bei der jüdischen Gemeinde Hamburg befindet sich nach der Eppendorfer Adresse noch der Eintrag Sierichstraße 106a, von wann bis wann sie dort wohnten, bleibt unklar. Dies scheint aber die letzte eigenständige Wohnung der Familie gewesen zu sein.

Um Geld zu sparen, zog die Familie 1937 in die Sierichstraße 98, zu Adolf Blankenstein, einem Cousin mütterlicherseits von Alice Hammerschlag. Er hatte die Im- und Exportfirma Waldheim & Söhne geerbt, die aber im Ersten Weltkrieg untergegangen war. Danach verkaufte er als Vertreter Pumpen an landwirtschaftliche Betriebe. Er blieb unverheiratet und in Hildes Erinnerungen sehr um seine Verwandten bemüht. Er war es auch, der eine weitere Cousine von Alice, die in England lebende Violet Roditi, dazu veranlasste, sich um Hildes Auswanderung zu kümmern. Solange es ging, blieben Hilde und ihre Hamburger Familie brieflich in Kontakt.

Am 8. November 1941 wurden Alice und Emil Hammerschlag nach Minsk deportiert. Sie trafen dort am 10. November 1941 ein. Die Neuankömmlinge fanden ärmliche Quartiere vor, die kurz zuvor von der SS durch die Ermordung der bisherigen Bewohner "freigemacht" worden waren. Hilde Hammerschlag erhielt nach dem Krieg vom Roten Kreuz die Auskunft, dass ihr Vater Emil dort an Hungertyphus gestorben sei. Bald darauf sei ihre Mutter Alice mit Gas ermordet worden.

Adolf Blankenstein musste nach der Deportation seiner Verwandten seine Wohnung in der Sierichstraße aufgeben und in ein "Judenhaus" an der Sonninstraße ziehen. Über das Rote Kreuz stand er mit Hilde Hammerschlag in Kontakt. Am 24. Februar 1943 wurde er nach Theresienstadt deportiert, am 28. März 1943 ist er dort gestorben.

Stand: Januar 2018
© Ulrike Sparr

Quellen: 1; 4; 8; Amtliche Fernsprechbücher Hamburg 1919–1940; AB 1913, 1925; https://www.google.com/maps/uv?hl=de&pb=!1s0x47bbd250efc04fab%3A0x417da63ad31db7ab!2m22!2m2!1i80!2i80!3m1!2i20!16m16!1b1!2m2!1m1!1e1!2m2!1m1!1e3!2m2!1m1!1e5!2m2!1m1!1e4!2m2!1m1!1e6!3m1!7e115!4shttps%3A%2F%2Fpicasaweb.google.com%2Flh%2Fsredir%3Funame%3D106655147406959670113%26id%3D6343179682091506466%26target%3DPHOTO!5sj%C3%BCdisches%20mahnmal%20lippstadt%20-%20Google-Suche&imagekey=!1e10!2sAF1QipP4tVK4ZpEPiRdvWfP-fqHByQrx0Hi1_P7jv-7i&sa=X&ved=0ahUKEwiO2MCF6t7VAhWJYlAKHcIIA1UQoioIfjAO (Zugriff 17.8.2017); https://www.archives.gov/research/foreign-policy/shanghai-visas/background.html (Zugriff 17.8.17); Beate Meyer (Hrsg.), Die Verfolgung und Ermordung der Hamburger Juden 1933–1945, Hamburg 2006; Ursula Randt, Die Talmud Tora Schule in Hamburg, Hamburg 2005, S. 155.; Beate Meyer (Hrsg.), Deutsche Jüdinnen und Juden in Ghettos und Lagern (1941-1945), Hamburg 2017, S. 88–109; E-Mails von Frau Sue Hurtubise, 26.8.2010, 20.8.2017 u. 13.11.2017.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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