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Bereits verlegte Stolpersteine



Aufnahme im Lager Westerbork 1942
Alfons Haas im Lager Westerbork, 1942
© Arbeitskreis Jüdisches Leben in Borken u. Gemen

Alfons Haas * 1895

Parkallee 5 (Eimsbüttel, Harvestehude)


HIER WOHNTE
ALFONS HAAS
JG. 1895
FLUCHT 1938
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1944
THERESIENSTADT
ERMORDET IN AUSCHWITZ

Weitere Stolpersteine in Parkallee 5:
Carl Ellern, Heinz Ellern, Aron Ellern, Margot Mathilde Ellern, Caroline Ellern, Carl Ellern, Margot Haas, Michael Haas, Titia Werner

Alfons Haas, geb. 3.1.1895 in Borken, deportiert am 4.9.1944 von Westerbork (NL) nach Theresienstadt, deportiert am 29.9.1944 nach Auschwitz

Parkallee 5 (Harvestehude)

Alfons Haas wurde am 3. Januar 1895 in Borken/ Westfalen geboren. Seine Eltern waren Moses Haas (1862-1936) und Ricka Haas, geb. Friedmann (1866–1946). Nach dem Besuch der Volksschule in Borken und eines Gymnasiums diente er von Oktober 1915 bis Kriegsende 1918 als Soldat an der Westfront. Er wurde anfänglich dem Ersatz Eskadron Ulanen Regiment Nr. 5, ab Mai 1916 dem Feldartillerie Regiment Nr. 33 und ab März 1918 der Wirtschaftskompanie Nr. 326 zugeteilt, ehe er im Oktober 1918 verwundet in ein Lazarett eingeliefert wurde.

Nach der Rückkehr aus dem Krieg und Genesungzeit soll er sich in der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Hannover eingeschrieben haben. In den 1920er-Jahren wurde er für das Unternehmen Gebr. Haas & Co., das sein Vater und sein Onkel 1886 gegründet hatten, zum Holzeinkäufer ausgebildet. Ende der 1920er Jahre zog er aus beruflichen Gründen nach Hamburg.

Verheiratet war er seit Januar 1931 mit Margot Hirschfeldt (geb. 10.6.1909 in Hamburg, Eltern: Eduard Hirschfeldt und Henny Hirschfeldt geb. Burchard), die jüdischen Eheleute Haas bekamen einen Sohn, Michael (geb. 30.8.1931 in Hamburg). Seit ihrer Hochzeit wohnten sie in Hamburg in der Parkallee 5 (Harvestehude) und seit Mai 1938 in der Haynstraße 9 (Eppendorf), wohin auch die Schwiegereltern Hirschfeldt zogen. Seit 1932 war Alfons Haas Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg und des gemäßigt konservativen Kultusverbandes Neue Dammtorsynagoge (N.D.S.).

Dokumente geben Auskunft über eine gut eingerichtete Wohnung der Familie Haas, die offensichtlich Holzmöbel liebte: Mahagoni-Schlafzimmer, Birkenmaser-Fremdenzimmer, Nussbaum-Herrenzimmer und Nussbaummaser-Esszimmer. Letzteres war in den Werkstätten Hellerau in Dresden angefertigt worden. Im Kinderzimmer dominierten Schleiflackmöbel. Andere Gegenstände spiegelten die Zugehörigkeit zur bürgerlichen Gesellschaft und die Hobbies der Familie: Klavier, Grammophon, Radio, Bücherschrank, moderne Ölgemälde, Cloisonné-Vasen, Elfenbeinfiguren, Chippendale-Zigarrenkisten in Nussbaummaser mit Vogelahorn-Auskleidung. In der Küche thronte ein elektrischer Eisschrank, damals noch keineswegs üblich. Silberbestecke und Geschirr (Ess-Service und Obst-Service von Rosenthal) für 24 Personen warteten auf festliche Anlässe. Die tägliche Hausarbeit erledigten u.a. ein Dienstmädchen und ein Kinderfräulein.

Alfons Haas war, zusammen mit seinem Bruder Harry Haas und seinem Cousin Max Haas (beide ebenfalls in Hamburg wohnhaft) sowie den Seniorchefs und Brüdern Moses Haas und Jonas Haas (beide in Borken wohnhaft), Inhaber der circa 1927 gegründeten Hamburg-Altonaer Zweigniederlassung der Borkener Firma Gebr. Haas & Co., die den Handel mit in- und ausländischen Hölzern und Furnieren betrieb. Prokura für die Firma besaßen Leo Haas (geb. 4.12.1896 in Borken, Bruder von Alfons u. Harry Haas) und Erich Haas (geb. 3.2.1897 in Borken, Bruder von Max Haas), beide wohnhaft in Borken. Die Firma betrieb eine Zweigniederlassung in Paris, ein Holzlager in Mailand, hielt Kontakte auf dem Balkan und arbeitete in Ungarn mit der Furnier- und Plattenwerke AG Újpest (Budapest, IV. Bezirk) zusammen. 1933 war die Hamburger Zweigniederlassung von der angemieteten Gewerbefläche Rainweg 32 (Altona) zur firmeneigenen Immobilie Billstraße 158 (Hamburg-Rothenburgsort) umgezogen.

Im Dezember 1937 wurde die Hamburger Zweigniederlassung im Handelsregister aufgehoben und nach der "Arisierung" ab 1. September 1938 unter dem Namen Ulrich, Lofink & Co. (Inhaber Rudolf H. Ulrich und Reinhold J. Lofink) fortgeführt. Die große zeitliche Differenz zwischen der Löschung und Neuanmeldung der Firma im Handelsregister könnte darauf hindeuten, dass die "Ariseure" auf einen sinkenden Marktwert sowie Nachverhandlungen mit dem Ziel einer Kaufpreisreduzierung spekulierten. Sobald der Hamburger NSDAP-Gauwirtschaftsberater seine Zustimmung zur Übernahme signalisiert hatte, bedeuteten jegliche Verzögerungen für die jüdischen Eigentümer Nachteile für ihre Emigration, die sich verschob, und meist auch hinsichtlich der Kaufsumme.

Harry Haas beschrieb die "Arisierung” im März 1947 aus London: "In September 1938, we were forced to surrender the firm to Gruppenführer Ulrich and Sturmbannführer Lohfink and a certain Mr. Meyer, who were members of the Nazi Party (…).” Die neuen "arischen" Eigentümer von Firma und Grundstück (Billstraße 156–158) hatten viele Jahre bei den "jüdischen" Besitzern im Geschäft gearbeitet. Rudolf Ulrich (geb. 5.9.1907 in Karlsberg/Schlesien) hatte nach der Höheren Handelsschule in Görlitz 1928 bei Gebr. Haas & Co. in Hamburg als Angestellter begonnen. Laut seinem Entnazifizierungsfragebogen war er dort zuletzt als leitender Angestellter in den Bereichen Einkauf, Verkauf und Organisation tätig gewesen. Er gehörte dem im Dezember 1918 gegründeten deutschnationalen "Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten" und dem Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) sowie ab April 1930 der NSDAP an, für die er ab circa 1935 als Stellenleiter für Schulungen und Propaganda wirkte, 1937 stieg er zum NSDAP-Ortsgruppenleiter auf. Reinhold Lofink (geb. 26.6.1907 in Altona) arbeitete drei Jahre lang als angestellter Holzeinkäufer, ehe er 1931 zu Gebr. Haas & Co. wechselte. Er gehörte ab 1933 der NSDAP und der Marine-SA an, wo er 1935 Obertruppführer (entsprach dem Dienstgrad eines Oberfeldwebels) wurde. Das Jahreseinkommen von Lofink lag in der Zeit von 1931 bis 1937 zwischen 6.000 und 9.000 RM, nach der Übernahme der Firma seines Arbeitgebers schnellte es auf 20.000 bis 30.000 RM hoch. Neben Ulrich und Lofink war auch Paul Friedrich Meyer, Inhaber der Holzfirma J. H. Dubbers & Hempell (Billstr. 158) an dem "arisierten" Unternehmen beteiligt.

Mit der "Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden” vom April 1938 schuf das NS-Regime die Basis für die systematische Enteignung jüdischen Besitzes. Zollinspektor Kusch von der Zollfahndungsstelle Hamburg (Poggenmühle 1) erließ am 10. August 1938 gegen die ehemaligen Gesellschafter von Gebr. Haas & Co. eine vorläufige "Sicherungsanordnung”, womit deren gesamtes Vermögen (einschließlich der Gelder aus dem Firmenverkauf) gesperrt war, dies wurde fünf Wochen später von der Devisenstelle des Hamburger Oberfinanzpräsidenten bestätigt. Für die Abwicklung der Firma wurden von der Devisenstelle des Oberfinanzpräsidenten als Treuhänder der Rechtsanwalt Walter Klaas (geb. 1895, kein NSDAP-Mitglied) und der Konsul R. H. van de Vyver eingesetzt. Hierfür erhielten beide zusammen rund 33.000 Reichsmark. Die Auslandsaußenstände der Firma in Mailand mussten an die Commerz- und Privat-Bank AG abgetreten werden.
Zeitgleich wurden in Hamburg weitere Unternehmen aus dem Bereich Holzhandel "arisiert".

Die mittlerweile juristisch eigenständige Hauptniederlassung in Borken wurde von Firma Walter Krech im Zuge der "Arisierung" günstig erworben.

Alfred Haas‘ jüngere Schwester Ilse David, geb. Haas (geb. 1907 in Borken) war bei ihrer Heirat in die nur rund 10 km von Borken entfernten Niederlande 1934 verzogen. Vier Jahre später emigrierten auch die Schwestern Helene Gans, geb. Haas (1889–1973) und Erna Nachmann, geb. Haas (1899–1944) mit ihren Ehemännern dorthin. Alfons Haas flüchtete im November 1938 zuerst von Hamburg in seinen Heimatort Borken und von dort wenige Tage nach dem Novemberpogrom am 15. November 1938 in die nahe gelegenen Niederlande. Mit Hilfe einer befreundeten Bauernfamilie, die ihn auch kurzzeitig versteckt hatte, gelang ihm zusammen mit Erich Haas (und möglicherweise auch Harry Haas) der illegale Grenzübertritt. Das repräsentative Doppel-Wohnhaus der Haas-Familien in Borken, Bahnhofstraße 9–11, und das Geschäft in Borken waren in der Pogromnacht von einem örtlichen SA-Kommando verwüstet worden.

Im Melderegister des niederländisches Ortes Winterswijk wurde Alfons Haas im November 1938 offiziell als Untermieter bei Gans (vermutlich beim Schwager Abraham Gans) eingetragen. Es ist anzunehmen, dass er seine Familie zügig nachkommen lassen wollte. Die Bedingungen für Immigranten hatten sich aber auch in den Niederlanden bereits deutlich verschlechtert. Seit Mai 1938 garantierte auch der Nachweis genügender Geldmittel ihnen kein dauerhaftes Niederlassungsrecht in den Niederlanden mehr. Und Ende 1938 wurden Emigranten aufgefordert, sich neue Papiere zu besorgen, womit illegal im Land lebende Personen ermittelt werden konnten.

Alfons Haas wurde nach rund zwei Monaten in Winterswijk von der niederländischen Polizei als illegal dort lebender Ausländer verhaftet und am 12. Januar 1939 in der Kleinstadt Beesel im Kamp Reuver interniert. Es folgten Stationen im Flüchtlingslager Hoek van Holland in der Nähe der Maas-Mündung (ab 29. August 1939) und im zentralen Flüchtlingslager Westerbork (ab 28. März 1940) rund 50 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt. In Kamp Westerbork traf er nur wenige Wochen vor dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in den Niederlanden (Mai 1940) ein; durch diese relativ frühe Überstellung wurde er dem Stammlager zugeteilt und arbeitete in diesem selbstverwalteten zentralen Auffanglager. Sein Cousin Erich Haas (1897–1968) war bereits seit dem 23. November 1939 dort interniert und arbeitete u.a. in der Sohlenkleberei.

Seine Ehefrau Margot Haas und Sohn Michael mussten ihre Pläne nachzureisen aufgeben, hatte doch die Inhaftierung von Alfons Haas gezeigt, dass ihnen in den Niederlanden die Abweisung an der Grenze oder die Verhaftung drohte. Auf der Kultussteuerkarte der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg wurde der Austritt von Alfons Haas erst im September 1939 mit dem Hinweis "12. Juni 1939 Holland" vermerkt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Alfons Haas, der schon bei der Volkszählung vom Mai 1939 im Deutschen Reich nicht mehr erfasst worden war, bereits in einem niederländischen Flüchtlingslager.

Alfons Haas blieb im Kamp Westerbork, als dieses von einem Flüchtlingslager nach der deutschen Besetzung in ein Durchgangslager für Deportationen umgewandelt wurde. Am 4. September 1944 wurde er mit weiteren Insassen des Stammlagers ins Getto Theresienstadt deportiert; am 29. September 1944 erfolgte der Weitertransport ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, wo er jedoch als Arbeitsfähiger aussortiert wurde.

Der 49-jährige Alfons Haas wurde nun am 6. Oktober 1944 einem Außenlager, dem Arbeitslager Golleschau (Goleszów), zugeteilt (Häftlings-Nr. B 11199), wo er im Steinbruch und in der Zementfabrik arbeiten musste. Das Arbeitslager wurde am 19. Januar 1945 vor der anrückenden Roten Armee geräumt und die geschwächten Gefangenen in kräftezehrenden Märschen Richtung Konzentrationslager Sachsenhausen getrieben. Es ist anzunehmen, dass Alfons Haas am 2. Februar 1945 auf diesem Marsch an Entkräftung oder durch gezielte Schüsse der SS-Wachmannschaft starb. Das Amtsgericht Hamburg legte sein Todesdatum 1950 auf den 8. Mai 1945 fest.

Am 18. November 1941 war seine 32jährige Ehefrau Margot Haas zusammen mit dem 10jährigen Sohn Michael Haas von Hamburg ins Getto Minsk im besetzten Weißrussland deportiert worden. Ihre Wohnung in der Haynstraße 9 wurde versiegelt und der Hausrat später zugunsten des NS-Staates versteigert. An Alfons Haas, Margot Haas und Michael Haas erinnern Stolpersteine in der Parkallee 5.

Das Schicksal der Familienangehörigen:

Alfons‘ Bruder Harry Haas (geb. 7.9.1891 in Borken), der nach dem Besuch eines Gymnasiums eine Lehre in einer Holzgroßhandlung in Kassel von 1906 bis 1908 absolviert hatte, dann in Hamburg die höhere Handelsschule besuchte und in Paris Auslandserfahrungen sammelte, heiratete im Januar 1932 in Hamburg Charlotte "Lotte" Fürst (geb. 29.8.1908 in Hamburg). Seit 1932 wurde er als Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg und des Kultusverbandes Neue Dammtorsynagoge geführt. Die Eheleute bekamen eine Tochter, Ellen Marlene Josefa Haas (geb. 16.8.1933 in Hamburg), die die private Vorschule von Cläre (Clara) Lehmann (1874–1942) in der Heilwigstraße 46 und ab 1940 gezwungenermaßen die Talmud Tora Schule besuchte.

Die Wohnadressen von Harry und Charlotte Haas in Hamburg lauteten Rothenbaumchaussee 195 (1931–1933) und Isestraße 125 (1934–1939). Harry Haas wurde während des Novemberpogroms 1938 von Hamburg aus in das Konzentrationslager Sachsenhausen (Oranienburg) verschleppt. Erst nach Zahlung eines Freikaufbetrages durch die mittlerweile in die Niederlande emigrierte Schwester Helene Gans, geb. Haas wurde er am 25. November 1938 entlassen, vermutlich mit der Auflage sich zügig um seine Emigration zu bemühen. Der Vermerk auf seiner Kultussteuerkartei "Juni 1939 Holland" und "U.B. ert. 13/6.39" verweisen auf die geplante offizielle Emigration in die Niederlande und die dafür erteilte Unbedenklichkeitsbescheinigung staatlicher Stellen.

Zusammen mit seinem Bruder Alfons Haas und deren Mutter Ricka soll er aber laut anderen Quellen schon im November 1938 illegal in die Niederlande emigriert sein. Seine Ehefrau gab in ihrem Ausreiseantrag seinen Abreisemonat mit Dezember 1938 an. Seine Schwester Helene Gans wiederum meinte, der Grenzübertritt sei am 4. Januar 1939 erfolgt und Harry Haas aufgrund ungültiger Papiere in das niederländische Flüchtlingslager "Camp Reuver" gebracht worden. Hier erhielt er mehrfach Besuch von seiner Schwester, die sich vermutlich auch um ein Visum für ihn bemühte.

Im August 1939 konnte er nach Großbritannien emigrieren, wo er im Mai 1940 aufgrund der sich zuspitzenden Kriegssituation als feindlicher Ausländer verhaftet und nach Australien ausgeschifft wurde, wo er bis 1946 blieb.

Schon vor Harry Haas Emigration auf die britische Insel (August 1939) hatte seine Ehefrau Charlotte für sich und die sechsjährige Tochter Ellen im April 1939 einen Ausreiseantrag nach England gestellt. In den Auswanderungsformularen, mit denen Rechtsanwalt Herbert Samson (1898-1945) in der Großen Theaterstraße 34 beauftragt wurde, findet sich auch die Angabe, Harry Haas sei im Dezember 1938 nach England ausgereist. Drei komplette Zimmereinrichtungen hatte das Ehepaar verkauft, die übrige Wohnungseinrichtung samt Kleidung in drei Liftvans verpackt, mit 10.000 Reichsmark versichert und im Lager von Spedition Friedrich Wiese in Hamburg-St. Pauli (Schönstraße 11) für die geplante Verschiffung nach Großbritannien eingelagert. Ob sich darunter auch die Ölgemälde der Maler Dirk und Bergmann befanden konnte der Auswanderungsakte nicht entnommen werden.

Von dort übernahm die Frachtagentur Brasch & Rothenstein (Inhaber Harry W. Hamacher) das Lagergut am 11. Juli 1939, um es per Schiff nach London zu schicken – hierzu kam es jedoch nicht mehr. Angeblich aus Luftschutzgründen wurden die großen Transportkisten später aus dem Hamburger Freihafen entfernt und deren Inhalt versteigert.

Charlotte Haas und Tochter Ellen hatten die 6 ½ Zimmer-Wohnung Isestraße 125 (Harvestehude) aufgelöst und wohnten seit April 1939 zur Untermiete bei Conrad in der Hagedornstraße 49 I.Stock (Harvestehude). Das letzte an Charlotte Haas gerichtete Schreiben in ihrer Auswandererakte stammte vom Juwelier M. H. Wilkens & Söhne, der am 18. Juli 1939 an sie zwei Schreiben mit Wertaufstellungen der verpackten Edelmetallgegenstände geschickt hatte. Sechs Wochen später marschierte NS-Deutschland in Polen ein. An eine Auswanderung nach England war nicht mehr zu denken.

Im Oktober 1941 wurde die Emigration von Juden aus NS-Deutschland verboten und das NS-Regime begann mit der Deportation von Jüdinnen und Juden in die eroberten Staaten im Osten Europas. Am 18. November 1941 wurden Charlotte und Ellen Haas, zusammen mit der Schwägerin Margot Haas und deren Sohn Michael sowie der Mutter Henny Hirschfeldt, geb. Burchard, von Hamburg ins Getto Minsk im besetzten Weißrussland deportiert. Niemand von ihnen überlebte. Das Amtsgericht Hamburg erklärte Margot und Michael Haas 1950 für tot auf den 8. Mai 1945. An Charlotte Haas, geb. Fürst und seine Tochter Ellen Haas erinnern Stolpersteine vor dem Haus Isestraße 125.

Harry Haas lebte zuletzt in London; bei einem Besuch in Hamburg verstarb er hier am 25. Mai 1948.

An seinen Cousin Max Haas (geb. 16.4.1895 in Borken), dessen Ehefrau Lilli Haas und deren Sohn Manfred Haas erinnern Stolpersteine im Mittelweg 29 (Rotherbaum), wo die Familie von 1930 bis 1941 wohnte.

Für seine Schwiegermutter Henny Hirschfeldt, geb. Burchard (geb. 3.9.1880 in Neubukow/ Mecklenburg) wurde in der Grindelallee 88 ein Stolperstein verlegt, wo die Eheleute Hirschfeldt bis zum repressionsbedingten Verkauf 1936 als Eigentümer gewohnt hatten.


Stand: Januar 2019
© Björn Eggert

Quellen: 1; 4; 5; Staatsarchiv Hamburg (StaH) 213-13 (Landgericht Hamburg, Wiedergutmachung), 13114 (Jewish Trust Corporation für Margot Haas geb. Hirschfeld, Michael Haas, Henny Hirschfeld geb. Burchard); StaH 221-11 (Staatskommissar für die Entnazifizierung), I (B) 9437 (Reinhold Lofink); StaH 221-11 (Staatskommissar für die Entnazifizierung), 43479 (Rudolf Ulrich); StaH 221-11 (Entnazifizierung), L 1331 (Dr. Walter Klaas); StaH 231-7 (Handelsregister), A 1 Band 170 (Gebr. Haas u. Co, HR A 37936); StaH 314-15 (Oberfinanzpräsident), F 851 (Charlotte Haas); StaH 332-5 (Standesämter), 13628 u. 24/1931 (Heiratsregister 1931, Alfons Haas u. Margot Hirschfeldt); StaH 332-8 (Meldewesen), Hausmeldekartei, Werderstraße 63 (Dr. Walter Klaas); StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 13208 (Alfons u. Harry Haas in Firma Gebr. Haas & Co); StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 13262 (Helene Gans geb. Haas); StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 10531 (John A. Gims, früher Julius Gimnicher); StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 35041 (Irmgard Roesel für Max Roesel); StaH 351-11 (Amt für Wiedergutmachung), 18186 (Rosa Heimann); StaH 522-1 (Jüdische Gemeinden), 992b (Kultussteuerkartei der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg), Alfons Haas, Harry Haas, Max Haas; Stadtarchiv Borken/Westfalen, Recherchen von Dr. Norbert Fasse (Familie Haas); Stadtarchiv Kassel, Einwohnermeldekarte (Harry Haas, Hohenzollernstraße 8 bei Hammerschlag); Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen (Harry Haas, 11.11.1938–25.11.1938); Kamp Westerbork (Orte und Daten der Internierungen von Alfons Haas); Handelskammer Hamburg, Handelsregisterinformationen (Gebr. Haas u. Co, HR A 37936; H. W. Almind Nachf., HR A 4639; Gebr. Frank KG, HR A 49584; Schlesische Furnierwerke AG Zweigniederlassung Hamburg, HR B 1189 und C 9184); Hamburger Börsenfirmen, Hamburg 1935, S. 15 (H. W. Almind Nachfolger, gegr. 1884, Inh. Max Roesel), S. 136 (Benjamin E. van Cleef, gegr. 1865, Inh. Wilhelm u. Julius van Cleef), S. 238 (Gebr. Frank KG, gegr. 1832, pers. haft. Ges. J. Gimnicher), S. 295 (Gebr. Haas & Cie. Zweigniederlassung Hamburg, eingetragen 1933, Inh. Moses Haas, Jonas Haas, Harry Haas, Max Haas, Alfons Haas), S. 748 (Schlesische Furnierwerke AG Zweigniederlassung Hamburg, gegr. 1871, Hauptsitz Breslau, Vorstand: John Levi, Emil Glücksmann, Arthur Schiff in Breslau u. Jacques Heimann in Hamburg); Gedenkbuch Bundesarchiv Koblenz (Internetseite), Alfons Haas, Henny Hirschfeldt geb. Burchard, Max Roesel; Adressbuch Hamburg (Alfons Haas) 1932, 1933; Adressbuch Hamburg (Harry bzw. H. Haas) 1931–1934, 1936, 1938, 1939; Adressbuch Altona (Rainweg 32), 1928, 1929, 1931 (Gebr. Haas); Telefonbuch Hamburg 1931 (Gebr. Haas & Co, Rainweg 32, Inhaber Alfons Haas, Harry Haas, Max Haas); Frank Bajohr, "Arisierung" in Hamburg, Hamburg 1998, S. 347 (H.W.Almind), 352 (van Cleef), 355 (Gebr. Frank), S. 358 (Gebr. Haas & Cie., Furnierhandel, Billstr. 158), S. 370 (Schlesische Furnierwerke AG); Hartmut Bringmann, Erich Haas – Ein jüdisches Leben in Borken, 75 Seiten, 2017; Maike Bruhns, Geflohen aus Deutschland, Hamburger Künstler im Exil 1933–1945, Bremen 2007, S. 167 (Exil Niederlande); Mechtild Oenning u.a., Leben und Schicksal der Juden in Borken, Borken 1989, S. 81 (Foto u. Militärdienstbescheinigung von Alfons Haas); Ursula Randt, Die Talmud Tora Schule in Hamburg 1805 bis 1942, Hamburg 2005, S. 13 (Michael Haas, Ellen Haas); www.tracingthepast.org (Volkszählung 1939) Margot Haas, Michael Haas, Henny Hirschfeldt geb. Burchard; www.stolpersteine-hamburg.de (Charlotte Haas, Ellen Haas, Max Haas, Henny Hirschfeldt geb. Burchard, Clara Lehmann, Gertrud Weinstein geb. Samuel verw. Hirschfeldt, Herbert Samson); https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Stolpersteine_in_Zeitz (Siegfried Fürst 1889–1942).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen":

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