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Stolpersteine in Hamburg
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Otto Meyer * 1898

Lenhartzstraße 1 (Hamburg-Nord, Eppendorf)


HIER WOHNTE
DR. OTTO MEYER
JG. 1898
DEPORTIERT 1941
LODZ
???

Dr. Otto Meyer, geb. 20.8.1898 in Köln, im Oktober 1941 von Köln nach Lodz deportiert

Lenhartzstraße 1

"Ich wurde geboren am 20.8.1898 zu Köln am Rhein als Sohn des Kaufmanns Hermann Meyer und seiner Ehefrau Emilie, geb. Haas. Nachdem ich die Vorschule des Städtischen Gymnasiums in der Kreuzgasse zu Köln durchgemacht hatte und späterhin mich der Realgymnasialen Seite dieser Anstalt zugewandt hatte, wurde ich von der Unterprima aus im Januar 1917 zum Heeresdienst eingezogen. Nach meiner Entlassung im Dezember 1918 und Erhalt des Reifezeugnisses immatrikulierte ich mich im 1. Zw. Semester 1919 in der medizinischen Fakultät der Universität Bonn. Hier bestand ich auch die ärztliche Vorprüfung. Des weiteren besuchte ich die Universitäten Freiburg, Köln und Hamburg. An dieser letzten legte ich am 2. Januar 1926 das medizinische Staatsexamen ab. Zur Zeit bin ich als Medizinal-Prak­ti­kant am Allgemeinen Krankenhaus St. Georg tätig."

Diesen Lebenslauf schrieb Otto Meyer zu seiner Dissertation 1926. Er promovierte über das Thema "Trichomonas vaginalis" an der Universitäts-Frauenklinik Hamburg-Eppendorf. Er untersuchte hier und an der Kölner Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten 149 Frauen auf Trichomonaden. In seiner Arbeit erforschte er die diese Krankheit begünstigenden Faktoren.

Nach seinem praktischen Jahr im Krankenhaus St. Georg ließ er sich in Barmbek am Langenrehm 46 als praktischer Arzt nieder und hielt morgens und am späten Nachmittag Sprechstunden ab.

Im April 1933 erklärte eine Verordnung des Reichsarbeitsministeriums "die Tätigkeit von Kassenärzten nicht arischer Abstammung sowie von Kassenärzten, die sich in kommunistischem Sinne betätigt" hatten, für beendet. Im September schlossen sich die meisten Ersatzkassen und die privaten Versicherungen dieser Verordnung an. Otto Meyer durfte in seiner Praxis nur noch jüdische Patienten und Patientinnen oder Menschen, die die Arztrechnungen selbst bezahlen konnten, behandeln. Der Verlust der Zulassung zu den Krankenkassen bedeutete für ihn einen einschneidenden Einbruch seiner wirtschaftlichen Verhältnisse.

Im August 1935 meldete er sich bei der Jüdischen Gemeinde in Hamburg ab und zog in seine Heimatstadt Köln zurück. Hier richtete er in seiner Wohnung in der Raunerstraße 12 eine Praxis ein. Daneben arbeitete er als Volontär im "Israelitischen Asyl", dem Jüdischen Krankenhaus Kölns. Das "Israelitische Asyl" war eines von sieben großen jüdischen Krankenhäusern im Deutschen Reich. Sein Einzugsgebiet erstreckte sich über das Rheinland bis nach Westfalen. In den 1930er Jahren zog es jüdische Ärzte und Ärztinnen und Studierende an, da es sich bereits seit 1933 verstärkt um die Aus- und Weiterbildung derer kümmerte, denen der Zugang zu anderen Fortbildungsmöglichkeiten verwehrt war.

Zwei Jahre später verlegte Otto Meyer seinen Wohnsitz nach Bad Neuenahr und übernahm dort die Praxis des nach Palästina emigrierten Hermann Simon in der Hermann Göring Straße 26. In den Kurlisten von Bad Neuenahr wurden die jüdischen Ärztinnen und Ärzte mit einem Stern gekennzeichnet. Laut dieser Liste verlegte Otto Meyer 1938 seine Praxis in das Haus des jüdischen Viehhändlers Ludwig Vos in der Hindenburgstraße. Nachdem am 30. September 1938 allen jüdischen Ärztinnen und Ärzten die Approbation entzogen worden war, erschienen ab 1939 keine jüdischen Ärzte mehr auf den Kurlisten von Bad Neuenahr. Nur Wenige durften als sogenannte Krankenbehandler weiter praktizieren. Wir wissen nicht, ob Otto Meyer zu ihnen gehörte oder auf welche Art er sonst versuchte, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Vielleicht versorgte er, wie viele andere in dieser Zeit, als Privatpfleger jüdische Patientinnen und Patienten. Am 22. und 30. Oktober gingen zwei Transporte mit 2029 Menschen von Köln ins Getto Lodz. Otto Meyer war in einem von ihnen.

© Maria Koser

Quellen: 1; Kur- und Fremdenlisten des Heilbades Neuenahr von 1934, 1936 und 1938; Recherche und Auskunft von Hans-Jürgen Ritter vom 4.5. und 5.5.2010; Recherche und Auskunft von Dr. Barbara Becker-Jakli vom 6.4.2010; Recherche und Auskunft von Steffen Schütze, Stadtarchiv Bad Neuenahr-Ahrweiler vom 10.2.2010; Becker-Jakli, Das jüdische Krankenhaus, Schriften des NS Dokumentationszentrums, Bd.11, 2004; AB 1930/31 und 1933; Von Villiez, Mit aller Kraft verdrängt, Studien zur jüdischen Geschichte Bd. 11, 2009, S. 360.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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Stand: © 21.10.2020 00:40:50