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Bereits verlegte Stolpersteine



Josef Baner * 1886

Stresemannstraße 60 (Altona, Altona-Nord)


HIER WOHNTE
JOSEF BANER
JG. 1886
"POLENAKTION" 1938
BENTSCHEN / ZBASZYN
ERMORDET IM
BESETZTEN POLEN

Weitere Stolpersteine in Stresemannstraße 60:
Gittel Baner, Benno Baner

Josef Baner (Banner), geb. 14.9.1886 (1885) in Bursztyn / Rohatyn / Galizien, am 28.10.1938 abgeschoben nach Zbąszyń (Polen), ermordet im besetzten Polen

Gittel (Gitel) Baner (Banner), geb. Treisser, geb. 13.1.1888 in Bohorodczany / Stanislau/ Galizien, am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet

Israel Hermann Baner, geb. 8.11.1922 in Altona, am 28.10.1938 abgeschoben nach Zbąszyń (Polen), ermordet im besetzten Polen

Chaim Benno Baner, geb. 27.6.1919 in Altona, 3.10.- 8.10.1938 inhaftiert im KZ Fuhlsbüttel, am 28.10.1938 abgeschoben nach Zbąszyń (Polen), ermordet im besetzten Polen

Stresemannstraße 60

Das polnische Ehepaar jüdischen Glaubens Josef und Gittel Baner hatte sich im Jahr 1918 in der damals noch selbstständigen preußischen Stadt Altona niedergelassen.

Josef Baner war am 14. September 1886 oder 1885 in Bursztyn / Rohatyn / Galizien geboren worden. Auf seiner Mitgliedskarte der Hochdeutschen Israeliten-Gemeinde Altona war er als Josef Banner eingetragen. In seiner Heimat wurde der Vorname Jozef geschrieben.

Seine Ehefrau Gittel (Gitel) Baner (Banner), geborene Treisser, war am 13. Januar 1888 in Bohorodczany / Stanislawow / Galizien zur Welt gekommen. In Altona nannte sie sich Gisela Elka.

Das Paar hatte drei Kinder, die alle in Altona geboren worden waren: Chaim Benno, geboren am 27. Juni 1919, Eisig Leib (auch Erich Leo), geboren am 31. Oktober 1920, der später Eisig Leo bzw. Louis genannt wurde, und Israel Hermann, geboren am 8. November 1922. Sie erhielten alle durch Geburt ebenfalls die polnische Staatsbürgerschaft.

Die Familie wohnte in der Kleinen Gärtnerstraße 61, die 1931 in Stresemannstraße umbenannt wurde, während der NS-Diktatur General-Litzmann-Straße hieß und nach 1945 den Namen Stresemannstraße zurückerhielt. Laut dem Hamburger Adressbuch wechselte die Familie 1931 in die Stresemannstraße 60 und lebte dort bis 1938 in einer großzügigen Acht-Zimmer-Wohnung.

Josef Baner war als Händler tätig. Eine Zeugin erklärte im sogenannten Wiedergutmachungsverfahren nach dem Krieg, dass Josef Baner ein gut gehendes "allgemeines Verkaufshaus" (Abzahlungsgeschäft) besessen habe.

Chaim Benno Baner besuchte die Talmud Tora Schule in Hamburg von Ostern 1925 bis Ostern 1933 (Untertertia). Er wollte Medizin studieren, gab dieses Ziel jedoch auf, als er erkannte, dass ein handwerklicher Beruf von Vorteil sein würde, falls er Deutschland wegen zunehmender antisemitischer Maßnahmen würde verlassen müssen. Er fand jedoch keine Lehrstelle und lebte bei seinen Eltern.

Eisig Leib (Erich Leo) Baner besuchte die Talmud Tora Schule von Ostern 1931 (Sexta, 5. Klasse) bis Ostern 1935 (Obertertia, 9. Klasse). Er strebte ebenfalls eine handwerkliche Berufsausbildung an, konnte aber nur ein Volontariat in der Sanitas A.G., Nachfolgerin der Wasserspargesellschaft Sanitas G.m.b.H., absolvieren, das 1937 endete. Anschließend erhielt er eine Anstellung in diesem Unternehmen. Ab 1938 war er arbeitslos und wohnte bei seinen Eltern.

Israel Hermann Baner ging ab Ostern 1929 oder 1930 zur Talmud Tora Schule. Er musste die Schule im April 1937 oder 1938 verlassen. Während des "Wiedergutmachungsverfahrens" nach dem Kriege erklärte der ehemalige Schulleiter (wahrscheinlich Arthur Spier): "Israel Hermann Banner war nicht fähig die Oberrealschule weiter zu besuchen und ging dann in die jüdische Handwerkerausbildungsschule in Altona über." Gemeint waren wohl die jüdischen Lehrwerkstätten in der Weidenallee im Stadtteil Eimsbüttel/Sternschanze an der Grenze zu Altona. Dort wurden Jugendliche zu Tischlern und Schlossern ausgebildet.

Josef Baner zahlte bis 1930 regelmäßig in jedem Quartal Kultussteuern an die Hochdeutsche Israelitengemeinde zu Altona. Ab 1931 war er davon befreit. Seine zunächst erfolgreichen Geschäfte scheinen sich seit 1930 nicht günstig entwickelt zu haben.

Aus der Haftkartei des Untersuchungsgefängnisses in Hamburg ist zu entnehmen, dass Josef Baner vom 11. Mai 1938 bis zum 22. Oktober 1938 inhaftiert war. Der Haftgrund lautete "wegen Hehlerei". Sein Sohn Chaim Benno Baner befand sich vom 3. bis 8. Oktober 1938 im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel in "Schutzhaft". Nähere Hintergründe zu diesen Inhaftierungen kennen wir nicht.

Die polnische Regierung versuchte seit Längerem, verstärkt im Jahr 1938, die Rückkehr der im Deutschen Reich lebenden polnischen Juden zu erschweren bzw. zu verhindern. Am 6. Oktober 1938 beschloss sie, jenen die polnische Staatsbürgerschaft zu entziehen, die ihren Pass nicht bis 29. Oktober erneuert hätten. Dadurch wären sie zu Staatenlosen geworden.

Dies mag Josef Baner bewogen haben, am 26. Oktober 1938 nach Polen zu reisen, um seine polnische Staatsangehörigkeit zu verlängern und seine Papiere "in Ordnung" zu bringen, wie Rechtsanwalt Dr. Paul Mendel der Devisenstelle des Oberfinanzpräsidenten Hamburg im Dezember 1938 mitteilte. Josef Baner habe sich zu dieser Zeit in Stanislau (Galizien) aufgehalten. Dies wird bestätigt durch die Altonaer Einwohnermeldekarteikarte über die Familie Baner, die erkennen lässt, dass Josef Baner am 27. Oktober 1938 abgemeldet wurde. Demgegenüber erklärte der Sohn Eisig Leib Baner nach dem Kriege, sein Vater sei ebenso wie er selbst und seine zwei Brüder am 28. Oktober 1938 im Rahmen der reichsweiten Aktion gegen Juden polnischer Herkunft nach Zbaszyn an der deutsch-polnischen Grenze zwangsausgewiesen worden.

Diese Aktion am 28. Oktober hatte folgende Vorgeschichte: Die NS-Regierung befürchtete, dass Tausende von "Ostjuden" aufgrund der Maßnahmen der polnischen Regierung dauerhaft auf deutschem Gebiet bleiben würden. Ohne Vorwarnung und ohne Ansehen der Person wurden etwa 17.000 Männer, Frauen und Kinder von ihren Arbeitsplätzen oder aus ihren Wohnungen im gesamten Deutschen Reich abgeholt. Sie wurden an verschiedenen Orten zusammengetrieben und noch am selben Tag mit der Eisenbahn über die polnische Grenze bei Zbąszyń (Bentschen) und Chojnice (Konitz) in Pommern sowie Bytom in Oberschlesien deportiert. Die Kosten der Aktion sollten die abgeschobenen Jüdinnen und Juden selbst tragen.

Die Akten des späteren "Wiedergutmachungsverfahrens" enthalten keinen Hinweis über Josef Baners weiteres Schicksal. Es gab nie wieder ein Lebenszeichen von ihm. Er wurde auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Chaim Benno Baner, der vor der Zwangsausweisung seine Auswanderung nach Amerika vorbereitete, fand in Zbąszyń eine private Unterkunft. Angeblich wollte er die Einreiseerlaubnis nach Amerika abwarten oder als Handwerker nach Warschau gehen. Sein Handwerkszeug soll ihm nach Zbąszyń nachgeschickt worden sein. Danach verliert sich seine Spur. Es gab nie wieder ein Lebenszeichen von ihm. Er wurde auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Einem Teil der abgeschobenen Juden wurde auf Antrag eine befristete Rückkehr nach Hamburg erlaubt, um ihre Geschäfte abzuwickeln oder dringende Angelegenheiten zu regeln. Wahrscheinlich gelang es Israel Hermann Baner so, vorübergehend nach Hamburg zurückzukommen. Das lässt sich aus der vom ihm im Juni 1939 eigenhändig unterschriebenen Vermögenserklärung gegenüber dem Oberfinanzpräsidenten schließen. Er lebte in dieser Zeit bei seiner Mutter in der General-Litzmann-Straße 73, die ihre vorige Wohnung in der General-Litzmann-Straße 60 verloren hatte. Die offenbar beabsichtigte Flucht aus Deutschland ließ sich jedoch nicht verwirklichen. Wahrscheinlich musste er nach Polen zurückkehren. Auch sein weiteres Schicksal liegt im Dunkel. Jedenfalls gab es nie wieder ein Lebenszeichen von ihm. Er wurde auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.

Auch Eisig Leib (Erich Leo) Baner durfte ca. acht Monate nach seiner Ausweisung befristet nach Hamburg zurückkehren, um insbesondere seine Vermögensverhältnisse zu klären. Auch er wohnte bei seiner Mutter in der General-Litzmann-Straße 73. Ihm gelang die Flucht nach Dänemark. Von dort konnte er ein Jahr später in die USA ausreisen. Er änderte seinen Vornamen in Louis und nahm wieder die ursprünglich in Galizien verwendete Schreibweise Banner für den Nachnamen an.

Gitel Gisela Banner, die sich der Zwangsausweisung entziehen konnte, versuchte währenddessen, das Handelsgeschäft aufrecht zu erhalten, musste es aber liquidieren. Falls dies nicht bereits durch die eingebrochenen Umsätze notwendig geworden war, zwang spätestens die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938 zur Geschäftsaufgabe, die jüdischen Menschen ab 1. Januar 1939 den Betrieb von Einzelhandelsgeschäften, Versandgeschäften und Handwerksbetrieben verbot.

Gitel Gisela Baner musste die Wohnung in der General-Litzmann-Straße 60 verlassen. Sie fand ein leeres Zimmer bei Salomea Schulz in der General-Litzmann-Straße 73, wo auch ihre Mutter wohnte. Wahrscheinlich musste sie dieses Zimmer räumen, als ihre Vermieterin 1940 in die Schweiz emigrieren konnte. Nach einer Unterbringung in der Adolfstraße 71 (heute Bernstorffstraße) wurde sie zuletzt in die heute nicht mehr existierende Schlachterstraße 40-42 in Hamburg-Neustadt eingewiesen. Dort befand sich das jüdische Wohnstift der Marcus-Nordheim-Stiftung, das zu einem der "Judenhäuser" erklärt worden war, in denen Juden konzentriert wurden.

In einem Transport von insgesamt 300 Personen wurde Gitel Gisela Baner am 11. Juli 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sie wurde ebenso wie ihr Ehemann Josef sowie die Söhne Chaim Benno und Israel Hermann auf den 8. Mai 1945 für tot erklärt.


Vor dem Hauseingang in der Stresemannstraße 60 erinnern Stolpersteine an Josef Baner, Gittel Gisela (Gitel) Baner, geb. Treisser (auf dem Stolperstein fehlerhaft Treissek geschrieben), und Chaim Benno Baner. Auch an Israel Hermann Baner wird ein Stolperstein erinnern.

Stand: Oktober 2026
© Ingo Wille

Quellen: Adressbuch Hamburg 1920 - 1939; StaH 213-8 (General-)Staatsanwaltschaft Oberlandesgericht - Verwaltung Nr. 975 Essenslisten Polizeigefängnis Fuhlsbüttel, 213-13 Landgericht Hamburg - Wiedergutmachung 20533 Josef Banner Erben, 314-15 Oberfinanzpräsident (Devisenstelle und Vermögensverwertungsstelle) FVg 5011 Baner Leo Eisig, R1939/3020 Josef Banner, 351-11 Amt für Wiedergutmachung 43142 Chaim Benno Banner, 44131 Banner Louis (Eisig Leib auch Erich Leo), 522-01 Jüdische Gemeinden 161 Mitgliederliste Hochdeutsche Israelitengemeinde Altona, 992 b Kultussteuerkarteikarten, 992 e 2 Band 4 Liste Transport nach Auschwitz am 11. Juli 1942, 741-4 Fotoarchiv A 34/1 Melderegister Groß-Altona, A 251 D Haftkarteikarten. Bundesarchiv, Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945: https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/ (Zugriff 2.10.2026); zur Polen-Aktion: https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/introduction/: Die Abschiebung polnischer Jüdinnen und Juden aus dem Deutschen Reich 1938/1939 (Zugriff 2.10.2026).

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