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Bereits verlegte Stolpersteine



Jutta Bartfeld * 1930

Horner Landstraße 69 (Hamburg-Mitte, Horn)


HIER WOHNTE
JUTTA
BARTFELD
JG. 1930
DEPORTIERT 1938
ZBASZYN / POLEN
ERMORDET

Weitere Stolpersteine in Horner Landstraße 69:
Max Moses Jacob Bartfeld, Rosa Bartfeld, Benni Bartfeld

Max Moses Jacob Bartfeld, geb. 23.2.1897 in Peczenizyn, am 28.10.1938 nach Zbaszyn ausgewiesen, vermutlich 1942 in Belzec ermordet
Rosa Bartfeld, geb. Bartfeld, geb. 4.10.1901 in Harburg, am 28.10.1938 nach Zbaszyn ausgewiesen, vermutlich 1942 in Belzec ermordet
Benni Bartfeld, geb. 20.9.1935 in Hamburg, am 28.10.1938 nach Zbaszyn ausgewiesen, vermutlich 1942 in Belzec ermordet
Jutta Bartfeld, geb. 5.10.1930 in Altona, am 28.10.1938 nach Zbaszyn ausgewiesen, vermutlich 1942 in Belzec ermordet

Horner Landstraße 69 (Horner Landstraße 71)

"Etwa 1930 ist [mein Bruder Max Bartfeld] nach Hamburg gezogen und hat dort bis zu seiner Deportation nach Polen 1938 gelebt und ist bis zuletzt im Haarhandel tätig gewesen. …
Ich weiß nur, dass seine Geschäftslage ziemlich günstig war und er daher trotz meiner wie­derholten Aufforderungen, Deutschland wegen der derzeitigen Verhältnisse zu verlassen, nicht gefolgt ist. Er hat immer eingewendet, dass er nicht alles von heute auf morgen abwickeln kann und hat mich auf einen späteren Termin vertröstet, bis ihn das Schicksal wie viele andere erreicht hat."

Mit diesen Sätzen beschrieb Emanuel Bartfeld gegenüber dem Amt für Wiedergutmachung die wirtschaftliche Situation seines Bruders Moses Jacob Bartfeld, die ihn daran gehindert hatte, rechtzeitig zu emigrieren. Emanuel Bartfeld, der drei Jahre ältere Bruder Moses Jacob Bartfelds, der sich Max Jacob Bartfeld nannte, wanderte im September 1933 nach Palästina aus und ließ im Juni 1934 seine Frau nachkommen. Emanuel hatte die Realschule besucht, sie mit der Mittleren Reife beendet und die kaufmännische Laufbahn eingeschlagen. 1916 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Nach seiner Entlassung kehrte er nach Altona zurück und erhielt eine Anstellung bei der Firma Spiegel. Zwei Tage vor seiner Heirat mit der Tochter seines Chefs, Sara Spiegel, kam am 17. März 1920 sein Bruder Max Moses Jacob nach Altona. Gemeinsam machten sich die beiden Brüder 1923 selbstständig. Sie betrieben in der ehemaligen städtischen Badeanstalt in der Bürgerstraße 108 eine gutgehende Dampf-Rosshaarzurichterei; Rosshaar, die Mähnen- und Schweifhaare von Pferden, spielte als Polstermaterial eine wichtige Rolle. Die Stadt Altona löste den 15-jährigen Pachtvertrag 1928 gegen eine nennenswerte Entschädigung auf, woraufhin sich die Brüder trennten. Emanuel Bartfeld und seine Frau Sara bauten neben anderem einen einträglichen Wäscheversandhandel auf.

Max Moses Jacob benötigte für seine Heirat am 24. Mai 1928 mit Rosa Bartfeld, Tochter des Kaufmanns Israel Bartfeld aus Harburg, Urkunden aus Polen, in denen sein Name fälschlicherweise "Bardfeld" geschrieben wurde, was zu vielerlei Schwierigkeiten führte. Ich fand bei meiner Recherche ebenso wenig wie Emanuel Bartfelds Bevollmächtigte für das Wiedergutmachungsverfahren die Kultussteuerkarteikarte, weil wir sie unter "Bartfeld, M.J." suchten, dem Eintrag aus der Mitgliederliste der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg von 1935. Dort fehlte auch der Vorname "Max". Die am 5. Oktober 1930 in Altona geborene Tochter Jutta wird im Hamburger Gedenkbuch getrennt von ihren Eltern und ihrem jüngeren Bruder Benni, geboren 1935 in Hamburg, als "Juta Bartfeld" aufgeführt. Zur weiteren Verwirrung trug bei, dass Rosa Bartfeld eine geborene Bartfeld war. Ihre Familie stammte aus Kolomea in Galizien, wo ihr Bruder Ephraim/Fritz am 8. August 1894 und ihre Schwester Golda, geboren am 10. Februar 1896, zur Welt kamen, während sie selbst am 4. Oktober 1901 in Harburg geboren wurde.

Wie sein Bruder später berichtete, ging es Max Bartfeld nach seinem Umzug nach Hamburg wirtschaftlich bis zu seiner Ausweisung nach Polen am 28. Oktober 1938 gut, wenn er auch nicht den Lebensstandard seines Bruders mit seiner sechsköpfigen Familie erreichte, die in der Palmaille in einer 7-Zimmerwohnung lebte, während er sich mit 4 Zimmern begnügte. Zudem wohnte Max Bartfeld in preiswerteren Lagen, zunächst in der Alfredstraße in Borgfelde, dann in der Horner Landstraße 71 und schließlich am Grindelhof 64. Die Brüder betrieben ihre Geschäfte von ihren Wohnungen aus. Max Bartfeld blieb in der Haarbranche tätig, zunächst als Angestellter, nach seiner Entlassung wegen seiner jüdischen Herkunft als Selbstständiger, und machte auch 1938 noch einträgliche Geschäfte.

1937 trat Max Moses Jacob Bartfeld als Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg dem orthodoxen Synagogen-Verband bei. Im selben Jahr wurde Jutta Bartfeld wahrscheinlich in der Mädchenschule der Deutsch-Israelitischen Gemeinde in der Carolinenstraße eingeschult.

Die plötzliche Ausweisung von Familie Bartfeld ließ ihr keine Möglichkeit, die Geschäfte abzuwickeln und den Haushalt aufzulösen. Die Polizei holte das Ehepaar mit seinen beiden Kindern morgens ab und versiegelte die Wohnung. Was danach mit ihrer Habe geschah, ließ sich nicht klären, jedenfalls kehrte Max Bartfeld nicht nach Hamburg zurück, um seine Angele­gen­­heiten zu ordnen. Zusammen mit ca. 1000 weiteren polnischstämmigen Juden wurden sie am 28. Oktober 1938 mit der Eisenbahn ins deutsch-polnische Grenzgebiet bei Zbaszyn transportiert und dort über die Grenze getrieben. Solange Unklarheit darüber bestand, was mit ihnen geschehen solle, blieben sie im Grenzgebiet, fanden dann aber Aufnahme bei dem älteren Bruder Max Bartfelds, Hansyn/Henryk Bartfeld, einem Rechts­anwalt, und seiner Frau Anna in Mosciska bei Lemberg. Rosa Bartfeld korrespondierte auch nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht bis zum Frühjahr 1940 mit ihrer Schwester Golda in Palästina. "Bei der am 12. Oktober 1942 erfolgten Evakuierung der jüdischen Einwohnerschaft der Stadt Mosciska/Polen durch die deutsche Besatzungsbehörde sind aus dem Hause des mir bekannten Rechtsanwalts Dr. H. Bartfeld sämtliche Insassen, darunter der dort zu Besuch weilende Bruder des Wohnungsinhabers Herr Max Bartfeld mit Frau und seinen beiden Kindern geholt worden. Sie sind angeblich ins Vernichtungslager Belzec deportiert worden. Ich bin von dieser Maßnahme verschont geblieben, weil ich mich während der Besatzungszeit als Nichtjüdin bekannte." Dieses Zeugnis von Zipora Meinemer, am 6. Mai 1963 in Tel Aviv abgelegt, dürfte der Wahrheit über das Lebensende von Max Moses Jacob, Rosa, Jutta und Benni Bartfeld nahekommen.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; 8; StaH, 351-11 AfW, 060194; 552-1 Jüdische Gemeinden, 391.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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