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Hans von Halle * 1902

Wendenstraße 160 (Hamburg-Mitte, Hammerbrook)


HIER WOHNTE
HANS VON HALLE
JG. 1902
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Hans von Halle, geb. 16.5.1902 in Berlin, deportiert am 19.7.1942 nach Theresien­stadt, am 28.9.1944 weiter deportiert nach Auschwitz

Wendenstraße 158

Hans von Halle wurde am 19. Juli 1942 im Alter von 40 Jahren nach Theresienstadt deportiert.

Er kam in Berlin-Schöneberg als Sohn des Kaufmanns Samson Benjamin von Halle und seiner Ehefrau Mietje, geb. Gondstikker, zur Welt. Der Vater, geboren am 24. September 1851 in Hamburg, wohnte als Direktor und Vorstandsmitglied der Firma Wys Müller & Co. zeitweilig in Berlin, zeitweilig in Hamburg mit Wohnsitz in der Eppendorfer Landstraße 56. 1916 ließ er sich als Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde Hamburg registrieren, wurde ausgeschlossen, weil er seine Beiträge nicht gezahlt hatte, und 1924 wieder aufgenommen. Seine Frau, geboren am 14. April 1862 in Amsterdam, wurde unter dem Namen Mieze geführt. Zur Familie gehörte die 1890 geborene Tochter Nora. Benjamin von Halle wohnte bis 1931, dem Todesjahr seiner Ehefrau, in der Eppendorfer Landstraße 56. 1932 siedelte er im Alter von 81 Jahren nach Berlin über.

Hans von Halle besuchte in Berlin wie Hamburg die Realschule und erwarb am 27. Sep­tem­ber 1915 die "Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst", die Mittlere Reife. Während seiner anschließenden Volontärszeit in verschiedenen Firmen vervollkommnete er seine Sprachkenntnisse in Englisch, Französisch und Spanisch. Sein letztes Volontariat von Mitte 1922 bis Februar 1924 in der Firma Johannes Evers in Hamburg mündete in eine Anstellung als Vertreter und Fremdsprachenkorrespondent. Danach betätigte er sich als freier Angestellter, der auf Provisionsbasis arbeitete. 1930 verlobte sich Hans von Halle mit der nichtjüdischen Post­­angestellten Hildegard Peters, geboren am 4. August 1905, die in der Eiffestraße 394 in einer gut eingerichteten 3-Zimmerwohnung lebte. Kurz zuvor hatte sie ihre erste Tochter zur Welt gebracht, deren Vater 1932 oder 1933 starb.

Hans von Halle machte sich im Dezember 1931 als Rechtsberater und Immobilienmakler selbstständig und arbeitete mit einem Partner zusammen. Er zog zu seiner Verlobten. Bei der Gewerbeanmeldung gab er diese Adresse auch als Firmensitz an. 1933 heirateten Hans von Halle und Hildegard Peters, deren Tochter hinfort rechtmäßig den Namen "von Halle" trug. Am 13. Februar 1936 brachte Hildegard von Halle ihre zweite Tochter zur Welt.

1933 wurde Hans von Halle seine Konzession entzogen, und sein Kompagnon trennte sich von ihm. Er fand Arbeit bei namhaften Versicherungen und erwog zu emigrieren, was aber aus persönlichen und finanziellen Gründen scheiterte. Nach kurzer Erwerbslosigkeit, die am 31. März 1938 begann, wurde er bis zu seiner Deportation im Juni 1942 zur Zwangsarbeit u. a. in einer Hanfspinnerei (Steen & Co.) und anschließend in einer Chemischen Fabrik (Bigot, Schärfe & Co.) herangezogen. Familie von Halle gab aus finanziellen Gründen die Wohnung auf und zog zur Untermiete in ein Zimmer; den Hausrat hatten die Eheleute schon verkauft oder versetzt. Um Hans von Halles Chancen auf eine Auswanderung und auf finanzielle Unterstützung für die "arischen" Familienmitglieder zu erhöhen, beschlossen Hildegard und Hans von Halle, sich scheiden zu lassen, wobei seine Frau die Schuld auf sich nahm.

Wann Hans von Halle in die Wendenstraße 158 zog, lässt sich nicht mit Sicherheit feststellen. Jedenfalls wurde er dort bei der Volkszählung im Mai 1939 als Jude, wie ihn die Nürnberger Rassegesetze definierten, zusammen mit seiner Familie erfasst. Damals wohnte er noch legal bei einem nichtjüdischen Vermieter. 1942 zog Hans von Halle zum Hamburger Berg 30 in St. Pauli, wo er ebenfalls bei einem "arischen" Vermieter unterkam. Vielleicht blieb er bis dahin unentdeckt, vermutlich aber schützte ihn die Tatsache, dass seine Mischehe "privilegiert" gewesen war, vor einer früheren Deportation und erklärt sein Deportationsziel Theresienstadt. Seine Ehefrau beteuerte später, sie hätte sich nie freiwillig von ihm scheiden lassen, hätte sie geahnt, dass er damit den Schutz vor der Deportation verlor.

Hildegard von Halle heiratete erneut, blieb aber mit ihren Töchtern in Kontakt mit ihrem geschiedenen Mann. In den etwas mehr als zwei Jahren seines Aufenthalts in Theresienstadt nutzten die ehemaligen Ehepartner den genehmigten Postverkehr durch Karten und Päckchen. Ende September 1944 brach der Kontakt ab. Als nach dem Besuch des Komitees vom Internationalen Roten Kreuz am 23. Juli 1944 und der anschließenden Produktion des Films über das "jüdische Siedlungsgebiet" die Räumung des Gettos begann, wurde Hans von Halle mit dem ersten Transport nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich gleich ermordet, wie Überlebende seiner Frau später mitteilten.

© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; 7; BA 1939; StaH, 332-5 Standesämter, 9058+522/1890, 9855+2497/1931; 351-11 AfW, 160502; 522-1 Jüdische Gemeinden, 992 e 2, Bd. 5; 376-3 Zentralgewerbekartei, VIII Cc 3.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Recherche und Quellen.

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