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Elfriede Steinfeld * 1875

Menckesallee 9 (Wandsbek, Eilbek)


HIER WOHNTE
ELFRIEDE STEINFELD
JG. 1875
DEPORTIERT 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET

Elfriede Steinfeld, geb. am 19.5.1875 in Mönchengladbach, deportiert am 15.7.1942 nach Theresienstadt, dort gestorben am 23.8.1943

Menckesallee 9

Elfriede Steinfeld lebte mit ihrem Bruder Albert bis zu dessen Tod am 16. Januar 1938 zusammen, zunächst in der Menckesallee 9 in Eilbek, dann in der Neanderstraße 11 in Hamburg-Neustadt. Ein zweiter Bruder, Karl, lebte eine Zeit lang ebenfalls in Eilbek. Die drei Geschwister, Kinder des jüdischen Ehepaars Leopold Steinfeld und seiner Ehefrau Sophie, geborene Matthias, stammten aus dem heutigen Mönchengladbach, das zur Zeit ihrer Geburt noch Gladbach und bis 1960 München-Gladbach bzw. M. Gladbach hieß. Sophies Eltern waren 1873 von Erkelenz zugezogen. Leopold Steinfeld, geboren 1844 in Rinteln an der Weser, unterhielt zunächst ein Kleiderlager und später ein Herren- und Knaben-Garderobengeschäft.

Elfriede Steinfeld, geboren am 19. Mai 1875, war das älteste der drei Kinder, gefolgt von Karl, geboren am 13. Oktober 1876, und dem am 21. November 1883 geborenen Nachkömmling Albert. Die Familie zog 1893 in die Geburtsstadt von Sophie Steinfeld nach Krefeld. Anfang des 20. Jahrhunderts gingen die Kinder nacheinander nach Hamburg bzw. Wandsbek.

Als erster kam Karl im Jahr 1903 nach Wandsbek, nach dem Ersten Weltkrieg folgten Elfriede und Albert. Sie ließen sich in Hamburg nieder. Albert Steinfeld war kurze Zeit als Kontorist tätig, bevor er Prokurist wurde. 1931 machte er sich mit einer Export-Agentur in der Hermannstraße 8 selbstständig. Offenbar führte Elfriede ihrem Bruder den Haushalt. Beide blieben ledig und kinderlos.

Karl Steinfeld heiratete 1927 Mathilde Kratz, geboren am 4. Juli 1878 in Aachen, die seit 1912 in Hamburg lebte. Er arbeitete als Dekorateur und wohnte zur Untermiete in der Schellingstraße 28 in Eilbek, Mathilde Kratz als Untermieterin in der Annenstraße 5 in St. Pauli. Ihr Ehemann zog zu ihr. Am 1. Oktober 1933 ließen sie sich in Rahlstedt nieder.

Ende 1937 zogen Albert und Elfriede Steinfeld von Eilbek in die Neanderstraße in der Hamburger Neustadt. Dort starb Albert Steinfeld am 16. Januar 1938 im Alter von 55 Jahren. Er wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Wandsbek beigesetzt.

Elfriede Steinfeld blieb bis zum 20. Oktober 1939 in der Neanderstraße. Dann wurde sie im Martin Brunn-Stift in der Frickestraße 24 aufgenommen, das 1941 zum "Judenhaus" wurde. Sie war seit dem Tod ihres Bruders ohne Einkommen. Ab Januar 1941 erhielt sie Wohlfahrtsunterstützung der Jüdischen Gemeinde. Mit dem ersten Transport in das "Altersgetto" von Theresienstadt wurde sie aus Hamburg deportiert. Von den 911 am 15. Juli 1942 nach Theresienstadt Deportierten kamen über 10% aus der Frickestraße 24. Elfriede Steinfeld gehörte mit 67 Jahren zu den Jüngeren des Transports.

Der Abtransport erfolgte, bevor die Hamburgischen Elektrizitäts-Werke die Stromrechnung stellen konnten. Sie schickten diese, die lediglich 1,17 Mark betrug, zusammen mit 72 Rechnungen von anderen Deportierten an die Verwaltungsstelle für Judenvermögen beim Finanzamt Hamburg-Dammtor, die sie aus dem für das Deutsche Reich konfiszierten Vermögen beglich.

Mit dem nächsten Transport nach Theresienstadt vier Tage später wurden Elfriedes Bruder Karl und seine Frau Mathilde ebenfalls deportiert. Sie hatten ihre Wohnung in Rahlstedt der Gestapo überlassen müssen. Elfriede Steinfeld starb am 23. August 1943 im Getto Theresienstadt.

Elfriede Steinfelds Verwandte überlebten im Getto, sie wurden von der Roten Armee befreit und kehrten im Sommer 1945 in ihre Rahlstedter Wohnung zurück. Der Wiederanfang gestaltete sich dennoch für die fast Siebzigjährigen sehr schwierig, da die Wohnungseinrichtung verschwunden war und sie keinerlei Einkommen hatten.

Stand Februar 2014
© Hildegard Thevs

Quellen: 1; 4; 5; 7; 9; StaH 314-15 OFP Oberfinanzpräsident 29 (HEW); 332-5 Standesämter 1094-52/1938; 6666-103/1927; 351-11, 3065; Stadtarchiv Mönchengladbach, Geburtsregister, Adressbücher; Erckens, Günter, Juden in Mönchengladbach, Band 1.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link Recherche und Quellen.

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