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Bereits verlegte Stolpersteine



Tana Lesheim * 1939

Grindelhof 83 (Eimsbüttel, Rotherbaum)


HIER WOHNTE
TANA LESHEIM
JG. 1939
DEPORTIERT 1941
LODZ
ERMORDET 5.4.1942

Weitere Stolpersteine in Grindelhof 83:
Leopold Bielefeld, Erna Brociner, Valentina Brociner, Kurt Ehrenberg, Herbert Lesheim, Bert(h)a Lesheim, Ruth Lesheim, Marion Lesheim, Mary Liebreich, Hugo Moses

Herbert Lesheim, geb. am 9.8.1904 in Neusalz/Oder in Niederschlesien, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, am 5.4.1942 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno deportiert und ermordet
Bertha Lesheim, geb. Kruck (Kruk), geb. am 22.6.1901 in Felsberg bei Kassel, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, am 5.4.1942 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno deportiert und ermordet
Ruth Lesheim, geb. am 27.5.1930 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, am 5.4.1942 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno deportiert und ermordet
Marion Lesheim, geb. am 14.10.1936 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, am 5.4.1942 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno deportiert und ermordet
Tana Lesheim, geb. am 12.7.1939 in Hamburg, deportiert am 25.10.1941 nach Lodz, am 5.4.1942 1942 in das Vernichtungslager Kulmhof/Chelmno deportiert und ermordet

Grindelhof 83

Bertha Kruks Familie lebte in Felsberg in der Obergasse 29. Ihr Vater Isaak Kruk, geboren am 3. Juli 1866 in Kolema, Galizien, und seine Frau Malchen Kruk, geborene Mansbach, geboren am 22. April 1878 in Niedenstein, hatten eine weitere Tochter, Minna Kruk, geboren am 12. Oktober 1907, und einen Sohn, Siegmund Kruk, geboren am 6. Februar 1912, beide in Felsberg.

Bertha Kruk zog in den 1920er-Jahren von Felsberg nach Hamburg. Ihr Bruder Siegmund siedelte im September 1935 von Felsberg nach Frankfurt am Main über. Ihre Schwester Minna lebte zwischen 1931 und 1933 ebenfalls in Hamburg und arbeitete dort als Verkäuferin. Sie wohnte in dieser Zeit in der Brahmsallee 6, in der Bornstraße 25 und schließlich in der Rappstraße 20 bei ihrer Schwester Bertha und deren Ehemann Herbert Lesheim, den Bertha am 28. Juni 1929 in Felsberg geheiratet hatte. Im Mai 1933 zog Minna Kruk von Hamburg zurück nach Felsberg und emigrierte im August 1938 in die USA. Bertha und Herbert Lesheim blieben in Hamburg.

Berthas Eltern Isaak und Malchen Kruk zogen Ende Januar 1939 von Felsberg nach Kassel. Malchen Kruk wurde am 15. August 1940 in das Lager Wartekuppe in Kassel-Niederzwehren und von dort am 9. Dezember 1941 nach Riga deportiert.
Isaak Kruk fand sich nicht auf den Deportationslisten. Der weitere Lebensweg von Bertha Lesheims Eltern ist nicht bekannt – auch nicht, warum Bertha gegenüber den Behörden in Hamburg Anfang der 1930er-Jahre angab, dass nur noch ihr Vater lebe.

Berthas Ehemann Herbert Lesheim war in Neusalz/Oder im Landkreis Freystadt in Niederschlesien als Sohn des Erich Lesheim und der Rosa, geborene Baer, zur Welt gekommen. Seine Eltern lebten anscheinend bereits 1933 nicht mehr. Nach ihrer Eheschließung gingen Bertha und Herbert Lesheim nach Hamburg, wo am 27. Mai 1930 ihre Tochter Ruth geboren wurde. Kurze Zeit später zog die Familie nach Altona, um dort in der Langenfelderstraße 17 eine günstigere Wohnung zu beziehen. Herbert Lesheim hatte einen jüngeren Bruder, Alfred, geboren am 16. Juli 1906 ebenfalls in Neusalz/Oder, und eine Schwester, Else, geboren am 30. Juni 1907 in Beuthen/Schlesien. Else Lesheim, verheiratete Wolfsberg, die als Verkäuferin arbeitete, und ihr Mann Bruno Wolfsberg, Kaufmann bzw. kaufmännischer Angestellter, den sie im Februar 1936 heiratete, lebten seit 1933 ebenfalls in Hamburg.

Else Wolfsberg wurde am 8. November 1941 zusammen mit ihrem Mann Bruno nach Minsk deportiert. Für beide sind Stolpersteine vor ihrem Wohnhaus Rutschbahn 22 verlegt.

Herbert Lesheims Bruder Alfred, der mit einer Nichtjüdin, Luise (Anna), geborene Klein, verheiratet war – ihre Hochzeit fand am 22. Dezember 1928 in Hamburg statt – überlebte die NS-Zeit trotz Verfolgung und Repressionen als Jude bzw. Sozialdemokrat und vorübergehender Inhaftierung im Konzentrationslager Sachsenhausen. Alfred Lesheim emigrierte anschließend mit seiner Frau Luise und dem gemeinsamen Sohn Hans-Joachim, geboren am 28. März 1929 in Hamburg, in die USA.

Herbert Lesheim betrieb in Hamburg ab 1930 zunächst allem Anschein nach gemeinsam mit seinem Bruder Alfred eine Kohlenhandlung in der Brüderstraße 19. Auf der Kultussteuerkarte war als sein Beruf Kaufmann angegeben, später kaufmännischer Angestellter wie auch bei seinem Bruder Alfred. 1931 war Herbert Lesheim im Hamburger Adressbuch als Kohlenhändler in der Fettstraße 19 eingetragen. Anfang Mai 1932 zogen Herbert und Bertha Lesheim mit ihrer Tochter Ruth wieder von Altona nach Hamburg in den Grindelhof 83, Haus 22. Zu diesem Zeitpunkt war Herbert Lesheim seit etwa zwei Monaten als selbstständiger Händler tätig. Im August 1932 meldete er bei der Polizeibehörde Hamburg das Gewerbe "Handel mit Lumpen" an und betrieb nunmehr laut Gewerbeschein einen "Hausierhandel". Er verkaufte unter anderem Kurzwaren, Haushaltsgegenstände und Toilettenartikel. Er verkaufte seine Waren in ganz Hamburg, ohne einen festen Kundenstamm zu haben. Den Lebensunterhalt für sich und seine Familie konnte er aus dieser Tätigkeit wegen zu geringer Erträge nicht oder nur teilweise bestreiten. Wie bereits in Altona erhielt er daher wegen Mittellosigkeit eine wöchentliche Unterstützung durch die Hamburger Wohlfahrtsbehörde. Außerdem bekam er Sachzuwendungen von der Deutsch-Israelitischen Gemeinde – Ende 1930 etwa "für 3,– M Lebensmittel, dazu ein Brot, etwas Fett und tägl. einen halben Liter Milch für das Kind"; später dann und bis Januar 1939 auch Geldzuwendungen. Bertha Lesheim, deren ursprünglicher Beruf Schneiderin war, den sie indes nicht mehr ausübte, betätigte sich in jener Zeit für die Jüdische Gemeinde, für die sie Näh- und Flickarbeiten erledigte.

Bereits einige Monate später zogen Herbert und Bertha Lesheim wieder aus der Wohnung Grindelhof 83 aus – gezwungen "durch die ungesunden Wohnungsverhältnisse" dort, wie sie gegenüber der Wohlfahrtsbehörde angaben. Bertha Lesheims Schwester Minna Kruk zog ebenfalls vorübergehend in die neue Wohnung der Lesheims in der Rappstraße 20. Hier lebten die Lesheims in einer 3-½-Zimmer-Wohnung, von denen sie zwei Zimmer untervermieteten. Noch 1933 bezog die Familie eine Wohnung im Kleinen Schäferkamp 16, Haus B. Sie soll drei kleine Zimmer gehabt haben, von denen zwischenzeitlich und dann wieder ab 1939 ein Zimmer untervermietet war. Im Kleinen Schäferkamp 16 lebten die Lesheims bis zu ihrer Deportation aus Hamburg.

Am 14. Oktober 1936 kam Herberts und Berthas zweite Tochter Marion zur Welt, am 12. Juli 1939 die jüngste Tochter Tana. In jener Zeit war Herbert Lesheim laut Kultussteuerkarte erwerbslos, leistete indes seit Januar 1936 an fünf Tagen in der Woche "Pflichtarbeit" in Waltershof. Aus gesundheitlichen Gründen – "infolge Rheumatismus und damit verbundener Erwerbsunfähigkeit" – musste er dies ab etwa September 1936 vorübergehend unterlassen. Später leistete er wieder an zunächst drei, dann an fünf Tagen in der Woche "Pflichtarbeit" bzw. "Unterstützungsarbeit" in Tiefstack. Ab August 1938 arbeitete er als "Notstandsarbeiter" in Buxtehude bei der Firma Peter Dammann, 1939 bei der Firma Müller und Sohn in Stade. Nur sonnabends konnte er in dieser Zeit zu seiner Familie nach Hamburg kommen. Ab März 1941 arbeitete Herbert Lesheim bei der Firma Hans Franck in Wandsbek.

Bertha, Herbert, Ruth, Marion und Tana Lesheim wurden am 25. Oktober 1941 ins Getto Litzmannstadt (Lodz) deportiert, wo sie in der Sulzfelder Straße 45, Wohnung 6, einquartiert waren.

Am 5. April 1942 wurden Bertha, Herbert, Ruth, Marion und Tana Lesheim in das Vernichtungslager Chelmno deportiert und dort ermordet.

Stand: Juli 2017
© Alexander Reinfeldt

Quellen: 1; 2; 4; 5; 8; 9; StaH 332-8, Meldewesen, K 4487; StaH, 351-11, Amt für Wiedergutmachung, 30001 und 31213; Synagogue Center Felsberg, Synagoge Center Felsberg (Hrsg.): Jüdisches Felsberg; Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg, Archiv, 18-1 Notgemeinschaft der durch die Nürnberger Gesetze Betroffenen, Fragebögen Les-Lju, Bd. 28; StAH 332-5, Standesämter, Generalregister Heiraten; Hamburger Adressbücher; The 1939 German "Minority Census" Database, https://www.tracingthepast.org/index.php/minority-census/census-database (letzter Aufruf: 30.5.2016); Lodz Ghetto List, http://www.jewishgen.org/databases/Poland/LodzGhetto.html; Published Lists of Survivors, in German-language newspaper Aufbau, Sept 1944–Sept 1946 ("Juden in Hamburg", Aufbau, 20 July 1945, S. 29), online: www.jewishgen.org/databases/holocaust/Aufbau.htm (letzter Aufruf: 30.5.2016); Sharit haPlatah, www.jewishgen.org/databases/holocaust/0103_Sharit-haPlatah.html (letzter Aufruf: 30.5.2016); SPD Landesorganisation Hamburg (Hrsg.): Für Freiheit; The Statue of Liberty – Ellis Island Foundation, www.jewishgen.org/databases/EIDB/elliswhite.html (letzter Aufruf: 30.5.2016).
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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