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Bereits verlegte Stolpersteine



Salomon Presser * 1909

Gneisenaustraße 18 (Eimsbüttel, Hoheluft-West)


HIER WOHNTE
SALOMON PRESSER
JG. 1909
FLUCHT 1936
HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Weitere Stolpersteine in Gneisenaustraße 18:
Therese Presser, Karl Presser, Marianna Presser, Herbert Wagener, Therese Wagener, Walter Wagener, Heinz Wagener

Therese Presser, geb. Polak, geb. am 13.6.1882 in Oldersum, im März 1939 nach Amsterdam geflüchtet, am 14.1.1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet
Marianna Presser, geb. am 23.9.1916 in Hamburg, 1939 Flucht in die Niederlande, am 27.7.1943 in Westerbork interniert, am 31. 7.1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet
Salomon Presser, geb. am 25.10.1909 in Hamburg, 1936 Flucht in die Niederlande, am 27.7.1943 in Westerbork interniert, am 31.7.1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet
Karl Abraham Presser, geb. am 5.4.1911 in Hamburg, 1939 Flucht in die Niederlande, am 4.2.1943 in Westerbork interniert, am 9.2.1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet

Gneisenaustraße 18

Therese Presser stammte aus Oldersum in Ostfriesland. Ihre Eltern waren der Schlachter Abraham Polak (geb. 1845) und Martha Polak (geb. 1849). Sie hatte sieben Geschwister, von denen sechs deportiert und ermordet wurden. Ihre Nichte Therese, verheiratete Wagener, wohnte später im selben Haus in der Gneisenaustraße wie ihre Tante (s. Familie Wagener). Therese kam im Jahr 1900 nach Hamburg.

Sie heiratete am 13. Dezember 1908 in Oldersum den aus Amsterdam stammenden Mozes Presser (geb. 25.4.1886), mit dem sie die Kinder Salomon (geb. 25.10.1909), Karl Abraham (geb. 5.4.1911) und Marianna Martha (geb. 23.9.1916) bekam. Die Familie besaß vermutlich die niederländische Staatsangehörigkeit. Ein "Cig.Abtr." M. Presser steht 1910 mit der Adresse Heußweg 101 im Hamburger Adressbuch. Ungefähr ab 1920 wohnte das Ehepaar im zweiten Stock in der Gneisenaustraße 18. 1919 war Therese Presser als Mitglied der Deutsch-Israelitischen Gemeinde eingetragen worden. Laut Kultussteuerkarteikarte zog Therese Pressers Mann wohl 1928 allein zurück in seine Heimat, blieb jedoch in Hamburg bis August 1936 gemeldet. Die Ehe war geschieden worden, möglicherweise 1936, als Mozes auch offiziell in Hamburg abgemeldet wurde. Mozes lebte nun in Eindhoven. Therese Presser in Hamburg war mittellos und musste viele Jahre von der Wohlfahrt leben.

Sie flüchtete mit ihren Kindern in die Niederlande, konnten ihren Häschern aber nicht entkommen, genauso wenig wie so viele andere Jüdinnen und Juden, die versucht hatten, sich dorthin zu retten. Therese Presser ging Anfang 1939 in die Niederlande, bevor ihr Pass mit dem 24. März 1939 gesperrt wurde. Der Sohn Salomon, Schneidergeselle, hatte seit 1931 eine eigene Kultussteuerkarteikarte. Er ging im Frühjahr 1936 nach Holland, lebte unverheiratet in Amsterdam, u. a. im Meerhuizenplein 16. Die Tochter Marianna, ebenfalls Mitglied der Hamburger Jüdischen Gemeinde, begann 1934 eine Lehre, die sie offensichtlich nicht beenden konnte. Ab 1935 war sie arbeitslos. Im Februar 1939 verließ auch sie Hamburg. Bis dahin hatte sie in der Oberstraße 113 (bei Brauer) zur Untermiete gewohnt.

Marianna und Salomon Presser lebten dann mit ihrer Mutter Therese in Amsterdam in der Waverstraat 38I.

Therese Presser erhielt den Einweisungsbefehl für das Durchgangslager Westerbork im Dezember 1942. Von dort wurde sie am 11. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert und gleich nach ihrer Ankunft am 14.1.1943 ermordet. Die beiden Kinder kamen ein halbes Jahr später, am 27. Juli 1943, nach Westerbork. Sie wurden am 31. Juli 1943 nach Auschwitz deportiert. Ihr offizielles Sterbedatum ist der 30.9.1943.

Der Sohn und Bruder Karl Presser lebte zeitweise im Versorgungsheim Farmsen. Er war wohl psychisch krank und schon in Hamburg in den damaligen Alsterdorfer Anstalten untergebracht gewesen. Von hier emigrierte auch er im Februar 1939 in die Niederlande und lebte nach seiner Ankunft in der Psychiatrischen Anstalt Apeldoornse Bosch (d. h. in Apeldoorn). Von dort wurde er vier Monate später nach Amsterdam in das A. C. Wertheim-Haus in der Plantage Parklaan 15 verlegt, einer Nebenstelle von Apeldoornse Bosch. Karl Presser traf am 4. Februar 1943 in Westerbork ein und wurde am 9. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert. Sein offizielles Sterbedatum ist der 30.4.1943.

Der frühere Ehemann und Vater Mozes Presser kam Anfang Oktober 1942 nach Westerbork, wahrscheinlich von einem Arbeitslager aus, wo er seit Anfang August gewesen war. In Eindhoven hatte er in der Kamillestraat 33 gewohnt. Mozes wurde am 15. Oktober 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

© Susanne Lohmeyer

Quellen: 1; 4; 5; StaH 314-15 OFP, FVg 3866 und FVg 3867; HAB II 1910–1935; www.euhausen-klaus.de/oldersumerjuden.htm#POLAK. Zugriff am 22.6.2012; www.ortsfamilienbuecher.de. Zugriff am 25.6.2012; www.joodsmonument.nl. Zugriff am 25.6.2012; Auskunft von José Martin, Kamp Westerbork vom 2.7.2012.
Zur Nummerierung häufig genutzter Quellen siehe Link "Recherche und Quellen".

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